05 Juni 2018

5. Juni, 2018


Während die Golden State Warriors und Cleveland Cavaliers den NBA-Titel unter sich ausmachen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Boston Celtics.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Für Kritiker und Skeptiker war die Saison der Celtics bereits nach sechs Minuten gelaufen, als sich Neuzugang Gordon Hayward im ersten Viertel des Auftaktspiels schwer verletzte. Diesen herben Rückschlag beantworteten die komplett neu zusammengestellten Kobolde (nur vier Spieler des Vorjahres standen im Aufgebot) mit einem 16 Siege-Run bis Ende November und katapultierten sich somit auf die oberen Plätze der Eastern Conference, die sie sich bis zum Ende der Regular Season auch nicht mehr nehmen ließen.

In den Playoffs neben Hayward auch Kyrie Irving der zweite im Sommer verpflichtete All-Star passen. Entsprechend zeigten die Celtics sehr unterschiedliche Gesichter, vor allem im Kontrast vom heimischem zum gegnerischen Parkett. Schon in der ersten Runde waren sieben Spiele notwendig, um die siebtplatzierten Milwaukee Bucks zu eliminieren. Die Mannschaft von Brad Stevens gewann nicht ein Spiel in der Bierstadt, dafür alle im heimischen Garden. Der Heimvorteil gab letztlich den Ausschlag.

Auch die folgende Serie gegen die Philadelphia 76ers war nicht so eindeutig, wie es das Endresultat von 4-1 vermuten lässt. In Philadelphia gewannen die Celtics ihr einziges Auswärtsspiel der Playoffs, in Overtime und maßgeblich gefördert von der Unerfahrenheit der Sixers.

In den Conference Finals gegen die Cleveland Cavaliers schien sich die Geschichte der ersten Runde zu wiederholen. Boston gewann drei Heimspiele und verlor drei auf fremdem Platz, vermochte es dann aber nicht, den Heimvorteil im entscheidenden Spiel zu nutzen. Die Serie ging einmal mehr an LeBron James und die Cavs.


Eine Zeit lang werden sich die Kelten sicherlich über die nur 7-39 (17,9%) versenkte Dreier in Spiel sieben ärgern. Die Finals waren definitiv in Reichweite, jedoch vermochte es das vor allem offensiv limitierte Team in grün nicht, die offenkundigen defensiven Schwächen der Cavs für sich zu nutzen.

Letztlich haben sie aber schon zum Ende der regulären Saison mehr erreicht, als die meisten dieser blutjungen Truppe ohne ihre beiden besten Spieler Hayward und Irving zugetraut hätten. Jayson Tatum in seinem ersten Profijahr und Jaylen Brown in seinem zweiten haben Verantwortung übernommen und gezeigt, dass zukünftig wieder mit dem Rekordmeister zu rechnen sein wird.


Offseason Agenda
Gesund werden steht ganz oben auf dem Zettel. Mit Hayward und Irving zurück auf dem Feld sind die Kelten auf dem Papier das stärkste Team der Eastern Conference. Bis auf Al Horford hat kein Leistungsträger die 30 überschritten, jene stehen alle längerfristig unter Vertrag. Ebenso Brad Stevens, der sich in seiner noch jungen NBA-Laufbahn schnell zu einem der besten Coaches der Liga aufgeschwungen hat.

Mit 104 Mio. $ an garantierten Gehältern steht das Kadergerüst für die nächste Spielzeit.


Personal
Ein paar Baustellen gibt es über den Sommer in Beantown dennoch. Teampräsident Danny Ainge muss entscheiden, ob Restricted Free Agent Marcus Smart eine Weiterbeschäftigung wert ist, erst recht da Terry Rozier in den Playoffs zeitweise überragend aufspielte und somit ein Backup für den eigentlichen Starter Irving bereit steht.

Smarts Fähigkeiten sind vor allem mit Ball in der Hand begrenzt, für Teams im Rebuild wird er dennoch interessant, vor allem um als Vorbild für Einsatz und Leidenschaft voranzugehen. Welche Summe der bullige Aufbauspieler unter seinem neuen Vertrag stehen zu sehen gedenkt und welche er im freien Markt tatsächlich abruft lässt sich nicht prognostizieren.


Zuletzt erging es Restrcited Free Agents angesichts der Exzesse im „Sommer of Mozgov“ 2016 weniger gut. Aufgrund Bostons Personaldichte auf den kleinen Positionen stehen die Zeichen dennoch tendenziell eher auf Abschied, wenngleich die Celtics betonen, sowohl Smart, als auch Rozier halten zu wollen.

Neben Smart werden die Bigs Aron Baynes und Greg Monroe sowie Guard Shane Larkin Unrestricted Free Agents. Da die Celtics kaum über Cap Space verfügen, ist ein Abgang von wenigstens einem oder zwei Spieler dieses Trios wahrscheinlich.

Die Deals von Semi Ojeleye, Daniel Theis und Abdel Nader sind nicht garantiert. Aufgrund ihrer niedrigen Dotierung haben die Celtics wirtschaftlich wie sportlich keinen Grund, diese zu aufzukündigen.


Draft
Die Celtics halten lediglich den eigenen Erstrunden-Pick im bevorstehenden Draft. Anders als in den vergangenen beiden Jahren, als sie an dritter Stelle auswählen durften, macht sich nun der sportliche Erfolg bemerkbar. Es wird bis zum 27. Pick dauern, ehe Commission Adam Silver Boston ausruft.

Weil junge und formbare Spieler mit Rookie-Gehalt im Hause Ainge sehr willkommen sind und der eine oder andere Abgang droht, wird Bostons starker Mann den Pick vermutlich halten. Allerdings hat Ainge in der Vergangenheit immer eine gewisse Unberechenbarkeit an den Tag gelegt, sodass auch ein Trade in der Draft-Nacht keiner allzu großen Überraschung gleich käme.


Zukunft
Die Celtics und ihre Fans schauen voller Vorfreude auf die nächsten Jahre. Die Verletzungen von Irving und Hayward haben die Entwicklung von Tatum und Brown befeuert, von beiden Youngstern darf schon kommende Saison Großes erwartet werden. Auch Rozier, Theis und Ojeleye bringen eine Menge upside in die Umkleide.


Mit dem All-Star-Duo Irving/Hayward in ihrer Blüte und Brad Stevens auf der Bank sind die Celtics nach aktuellem Stand klarer Favorit auf den ersten Rang im Osten. Sollte LeBron James gar der Eastern Conference den Rücken zukehren, stünde kurzfristig womöglich bis in die Finals kein echter Gegner im Weg.