25 Juni 2018

25. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Brooklyn Nets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Die Nets sind erlöst, haben die Wüste durchquert. Beim Draft am vergangenen Donnerstag kam der finale Teil des verheerenden Trades mit den Boston Celtics anno 2013 zum Einsatz. Brooklyn ist niemandem mehr einen signifikanten Pick schuldig, nächstes Jahr dürfen sie zum ersten Mal eben seit jener im Nachhinein pechschwarzen Draft-Nacht 2013 wieder an eigener Stelle aus dem Talent-Pool zugreifen.

Das sind dann auch die besten Nachrichten aus einer weiteren Spielzeit, die die Nets mehr oder minder über sich haben ergehen lassen und primär zur Talentförderung nutzten. Die erzielten 28-54 Siege kommen einigermaßen respektabel daher, Siege über spätere Playoff-Teams wie die Cleveland Cavaliers, Utah Jazz oder Philadelphia 76ers waren die sportlichen Highlights.

Der designierte Franchise Player D'Angelo Russell, im Sommer von den Los Angeles Lakers geholt, absolvierte aus Verletzungsgründen nur 48 Partien, deutete aber zumindest seine Klasse an und soll die Nets in ein besseres Übermorgen führen.



Offseason Agenda
Das 2016 installierte Gespann um GM Sean Marks und Coach Kenny Atkinson macht einen ruhigen und vernünftigen Job, hat Seriosität zurück nach Brooklyn gebracht. Mit seinem ersten Zug der Offseason, dem Trade um Dwight Howard, gibt Marks die Richtung klar vor: Der Fokus liegt auf dem Sommer 2019. Der hiesige dient dazu, sich eben dafür in Position zu bringen.

Howards Trade hat keinerlei sportliche Gründe. Die Nets werden Timofey Mozgovs zwar niedriger dotierten, aber länger laufenden Deal los und haben somit für die Saison 2019/20 noch mehr finanzielle Flexibilität, sie könnten mehrere Maximaldeals anbieten.

Aller Wahrscheinlichkeit einigen sich die Nets mit dem aus Charlotte ertradeten Howard schon jetzt im Juli auf einen Buyout, da sie keine Verwendung für den einst elitären Center haben. Ihr Youngster Jarrett Allen ist auf der Fünf fest eingeplant.


Bei nur etwas über 80 Mio. $ an garantierten Gehältern könnte Marks schon in diesem Sommer eine größere Neuverpflichtung tätigen. Weil die besten Free Agents aber ohnehin einen großen Bogen um die sportlich irrelevanten Nets machen und sie kommende Saison noch gar nicht die Playoff-Ränge angreifen, sondern eher endlich wieder im Draft hoch picken wollen, werden sie den Cap Space vermutlich nutzen, um einen wuchtigen Vertrag eines anderen Teams aufzunehmen und sich diese Gefälligkeit mit dem einen oder anderen Talent und/oder Draft Pick vergolden lassen.


Personal
Nik Stauskas wird Restricted Free Agent, Jahlil Okafor, Dante Cunningham, Quincy Acy und Joe Harris Unrestricted Free Agents. Wirklich unentbehrlich ist kein Spieler dieses Quintetts, am ehesten hat der 26-jährige Flügelspieler Harris Chancen auf eine Weiterbeschäftigung im Barclays Center.

Da der Sommer 2019 über allem steht ist nicht davon auszugehen, dass die Nets in diesem Jahr mehr als Einjahresverträge abschließen werden.


Draft
Die Nets hatten wieder einmal keinen eigenen Pick – dieser wanderte über Umwege zu den Cleveland Cavaliers. Dank des Trades um DeMarre Caroll im letzten Jahr durften sie Ende der ersten Runde anstelle der Toronto Raptors dennoch draften und entschieden sich für Džanan Musa, einen bosnischen Flügelspieler.


Ebenso wie der in der zweiten Runde, an 40. Stelle gedraftete Lette Rodions Kurucs (20) verstehen die Nets den gerade erst 19 Jahre alt gewordenen Musa passend zur aktuellen Ausrichtung des Clubs als Langzeitprojekt. Beide Europäer werden zwar vermutlich nächste Saison schon zum Kader der Nets gehören, die Erwartungshaltung richtet sich aber weniger auf die Gegenwart und eher auf die Zukunft.


Zukunft
Licht am Ende des Tunnels ist dank Marks und Atkinson schon länger erkennbar, nun nimmt der Ausweg aus dem 2013 verursachten Dilemma endlich konkrete Formen an. Kommendes Jahr spielen (sprich: verlieren) die Nets endlich wieder für den eigenen Draft Pick.


In Spencer Dinwiddie, Caris LeVert, Jarrett Allen und vor allem D'Angelo Russell ist ein brauchbares Fundament vorhanden, um die düsteren letzten Jahre vergessen zu machen. Marks und Atkinson haben mit Sicherheit bereits ihren Plan ausgetüftelt und kennen jeden relevanten Namen der Free Agency Klasse 2019 auswendig. Im Optimalfall spielt Brooklyn dann ab 2019/20 wieder um die Playoffs mit.