26 Juni 2018

26. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Chicago Bulls.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Lange Zeit stemmte sich Chicagos Führungsduo „GarPax“ (General Manager Gar Forman und Director of Basketball Operations John Paxson) gegen den überfälligen Rebuild, gab dann letztes Jahr zur Draft-Nacht doch endlich nach und tradete in Jimmy Butler das wertvollste Anlagegut der Bulls zu den Minnesota Timberwolves.

Ein Jahr später sieht die Zwischenbilanz ordentlich aus. Im Paket für Butler war der siebte Pick des 2017 Drafts, Lauri Markkanen, der mit 15,2 Punkten und 7,5 Rebounds pro Spiel nicht den Hauch von Anpassungsschwierigkeiten an den NBA-Basketball zuließ, stattdessen schneller als jeder Spieler vor ihm 100 Dreier traf und folgerichtig ins All-Rookie First Team gewählt wurde.


Die ebenfalls aus Minnesota akquirierten Zach LaVine und Kris Dunn absolvierten aus Verletzungsgründen nur 14 respektive 52 Partien, gehören aber weiter fest zu den Zukunftsplanungen in der Windy City.

Dass die Bulls lediglich 27 Siege einfuhren, das schlechteste Saisonergebnis seit 2004, ist folgerichtig nur eine Randnotiz. In Erinnerung bleiben wird diese Spielzeit neben Markkanens starkem Rookie-Jahr höchstens wegen der handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Bobby Portis und Nikola Mirotić, die letztlich mit einen Grund für den Trade Mirotićs zu den New Orleans Pelicans lieferte.


Offseason Agenda
Die Bulls wollen den Rebuild weiter voranbringen und ihren talentierten Kader noch ein Stückchen talentierter machen. Dass sie für 2018/19 lediglich nur 58 Mio. $ an garantierten Gehältern in den Büchern stehen haben hilft dabei enorm, erst recht weil Bestverdiener Robin Lopez schon länger auf dem Trade Block steht und den Bulls als schlachterprobter Rebounder und Verteidiger neben weiteren Gehaltseinsparungen einen durchaus brauchbaren Gegenwert einbringen sollte.

Chicago kann bei Bedarf Jagd auf Restricted Free Agents machen, etwa Bostons Marcus Smart, Orlandos Aaron Gordon oder Houstons Clint Capela und die jeweiligen Teams ärgern, ohne dabei selbst Schaden befürchten zu müssen – denn selbst wenn sie leer ausgehen, die Erwartungen fürs nächste Jahr sind ohnehin nicht allzu hoch, der Fokus liegt weiter auf Talententwicklung.

Ganz ohne Altlasten geht es bei „GarPax“ dann aber doch nicht: Im Zuge des Deals um Mirotić nahmen die Bulls den Vertrag von Ömer Aşık auf. Der türkische Center hatte von 2010 bis 2012 in Chicago seine produktivste Zeit in der NBA, allerdings zuletzt über ein Jahr mit einer schweren Erkrankung zu kämpfen, wegen der er fast 30 Pfund verlor. Ob die Bulls längerfristig mit Aşık planen ist nicht bekannt, da er inzwischen auf der falschen Seite der 30 steht, werden sie ihn höchstens als Mentor einsetzen.


Personal
Auf Seiten der Bulls wird Zach LaVine Restricted Free Agents, aufgrund seiner schweren Knieverletzung im Februar 2017 ist ein größeres Offer Sheet eines anderen Teams eher nicht zu erwarten. Ebenfalls RFAs werden David Nwaba sowie der zur Trade Deadline von den Portland Trail Blazers geholte Noah Vonleh.

Auf Nwaba hält die Bulls-Führung große Stücke und wird den Shooting Guard mit nigerianischen Wurzeln halten. Vonleh hingegen hat sich in seiner kurzen Zeit in Chicago kaum in den Vordergrund gespielt. Chicagos Verzicht auf ein Qualifying Offer käme nicht überraschend.


Der deutsche Nationalspieler Paul Zipser ist sich derweil „relativ sicher“, bald schon nicht mehr für die Bulls zu spielen. Sein Vertrag ist ungarantiert, Chicago kann ihm bis zum 7. Juli kündigen.


Draft
Die Bulls hätten gerne etwas früher als an siebter Stelle gedraftet und wie so manches Team ein Auge auf Luka Dončić geworfen, ein Trade nach oben war den Verantwortlichen jedoch letztlich zu riskant und sie holten in Wendell Carter Jr. einen anderen Wunschspieler. NBACHEF Draft-Guru Axel Babst bezeichnet Carter an siebter Position als „Steal“, vergleicht den Einfluss des Forwards auf sein Team mit dem Al Horfords.

An 22. Stelle kam der aus New Orleans ertradete Pick zum Einsatz. Die Bulls entschieden sich für Chandler Hutchison, einen Flügelspieler, der die vollen vier Jahre bei der Boise State University absolviert hat und Potential zu einem soliden 3-and-D-Spieler nach Chicago mitbringt.

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Zukunft
Die Bulls haben in den letzten zwölf Monaten sehr viel richtig gemacht und auch wenn der sechsfache Meister noch auf absehbare Zeit mit kompetitivem Basketball oder gar den Playoff-Rängen wenig gemein haben wird, stehen die Sterne günstiger als zuletzt, als „GarPax“ mit wirkungslosen Additionen wie Dwyane Wade und Rajon Rondo krampfhaft Wettbewerbsfähigkeit herstellen wollten.

Anstelle ineffizienter und teurer Altstars weist der Kader nun eine Vielzahl begabter junger Spieler auf, denen die Chance gegeben wird, auf Jahre zusammenzuwachsen und eine neue Ära im United Center zu prägen.