28 Juni 2018

28. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Cleveland Cavaliers.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Diese Spielzeit bleibt als eine der abwechslungsreichsten der Cavs-Historie in Erinnerung. Schon der Sommer sorgte für Aufregung, Clevelands neuer GM Koby Altman tradete nicht ganz freiwillig Kyrie Irving zum Conference-Rivalen Boston Celtics. Ohne Kyrie blieb die Wettbewerbsfähigkeit weiter auf der Strecke. Die Cavs legten die schlechteste Spielzeit seit LeBron James' Rückkehr 2014/15 hin, nur Platz vier im überschaubaren Osten, 50 Siegen bei 32 Niederlagen. Und die waren teilweise haarsträubend bis demütigend.

Im Januar/Februar verlor Cleveland u. a. mit 28 Punkten gegen die Minnesota Timberwolves, mit 34 gegen die Toronto Raptors, mit 24 gegen die Oklahoma City Thunder, mit 32 gegen die Houston Rockets und mit 18 gegen die Detroit Pistons.

Das Team, das zuvor drei Finals in Folge erreicht hatte, war kein solches mehr. Daher sah sich Altman gezwungen, zur Trade Deadline alles auf den Kopf zu stellen. In Isaiah Thomas, Channing Frye, Iman Shumpert, Dwyane Wade, Derrick Rose und Jae Crowder mussten gleich sieben Spieler die Koffer packen, dafür kamen Larry Nance Jr., Jordan Clarkson, George Hill und Rodney Hood nach Cleveland. Diese radikale Maßnahme zahlte sich einigermaßen aus. Die Cavs gewannen 18 der letzten 28 Partien.


Ebenso wie in der Regular Season strauchelte das von LeBron angeführte Team auch durch die Playoffs. In der ersten Runde gegen die Indiana Pacers und in den Conference Finals gegen die Boston Celtics waren sieben Spiele nötig, einzig in den Conference Semis gegen die Toronto Raptors fand Cleveland zu alter Dominanz und schickte die Kanadier mit einen Sweep ins Tal der Tränen.

In den Finals, dem vierten Aufeinandertreffen mit den Golden State Warriors in Folge, wurde dann der Qualitätsverlust respektive die Kluft zum Champion deutlich, die Dubs gewannen die Serie problemlos mit 4-0.


Offseason Agenda
Dass die Cavaliers überhaupt noch einmal die Finals erreicht haben verdanken sie geradezu übermenschlichen Leistungen von LeBron James. Der König von Cleveland musste sein Team tragen wie sonst kein Spieler der NBA. Und das bringt Clevelands großes Problem auf den Punkt – denn sie sind ungesund abhängig von ihrem Franchise Player und dieser hat nur eine Player Option fürs nächste Jahr. Verbleib ungewiss.

Die Cavs stehen und fallen mit LeBron, ohne ihn wären sie womöglich nicht einmal ein Playoff-Team, selbst in der Eastern Conference. Somit gehen die Offseason-Planungen Clevelands in zwei Extreme. Entweder sie schaffen es um James ein neues, kompetitiveres Team aufzubauen oder er kehrt seiner Heimat ein zweites Mal den Rücken zu und hinterlässt erneut verbrannte Erde.


Um die Veteranen Kevin Love, George Hill und J.R. Smith sowie hungrige Youngster wie Rodney Hood, Cedi Osman, Jordan Clarkson und Larry Nance Jr. ließe sich zumindest auf dem Papier eine einigermaßen schlagkräftige Truppe zusammenstellen. Mit der Spitze der Conference hätte dieses Team aber nichts mehr gemein. Deshalb steht sogar ein Rebuild in Aussicht, sollte LeBron tatsächlich Cleveland verlassen.


Personal
Die Minimumverträge der Veteranen José Calderon und Jeff Green laufen aus. Bei einem Verbleib LeBrons sind weitere Einjahresverträge für das Duo denkbar.

Rodney Hood wird Restricted Free Agent. Der Shooting Guard hat nach seiner Akquisition von den Utah Jazz nicht restlos überzeugt, aufgrund seines unbestrittenen Talents ist ein Verbleib in beiden extremen Szenarien jedoch eher wahrscheinlich.

Um als Repeated Taxpayer die Taschen von Teambesitzer Dan Gilbert zu entlasten werden die Cavs vornehmlich auf dem Trade-Markt aktiv werden, um einerseits dicke Verträge loszuwerden und andererseits den Kader zu verjüngen.


Draft
Als einzig lohnenswerter Ertrag aus dem Trade um Kyrie Irving durften die Cavaliers beim Draft an achter Stelle picken und entschieden sich für Collin Sexton, einen explosiven Point Guard. Sexton ist erst 19 Jahre alt und somit noch formbar, NBACHEF Draft-Guru Axel Babst äußert jedoch aufgrund von Mängeln in puncto Spielintelligenz und Übersicht „ernsthafte Zweifel (...), ob [Sexton] mehr als ein Rollenspieler in der NBA werden kann.“ Dann wäre das für Kyrie akquirierte Paket ein voller Reinfall.

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Sexton war Clevelands einziger Neuzugang in der Draft-Nacht, ihren 2nd Round Pick hatten sie schon 2014 versetzt.


Zukunft
Wieder einmal liegt Clevelands Schicksal in den Händen LeBrons. In den letzten vier Jahren mit ihm zogen sie vier Mal in die Finals ein. In den vier Jahren zuvor ohne ihn verpassten sie vier Mal die Postseason.

Clevelands Verantwortliche versuchen verzweifelt, via Trade einen qualitativen Spieler nach Ohio zu lotsen, um dadurch die eigene Argumentationslage zu verbessern. Vor allem der Name Kemba Walker von den Charlotte Hornets fällt häufiger.


Ohne eine weitere Typveränderung in den nächsten Tagen wird LeBron nur schwer zum Bleiben bewegt werden können.