14 Juni 2018

14. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Dallas Mavericks.

von TORBEN SIEMER @LifeOfTorben

Saison 2017/18
Aaron Harrison spielte die kompletten 48 Minuten und Kyle Collinsworth schnupperte an einem Triple Double. Johnathan Motley war der dritte Starter. Erst bei den Namen Dorian Finney-Smith und Dwight Powell wird klar: die Rede ist von den Dallas Mavericks.

Im letzten Spiel der abgelaufenen Saison packte Headcoach Rick Carlisle ein Lineup aus, mit dem nicht nur der viel zu oft viel zu ahnungslose Charles Barkley bei 'Who he play for?' Probleme bekäme. Die 97-124-Klatsche gegen die Phoenix Suns war der passende Schlusspunkt einer miesen Saison rund ums American Airlines Center.

24 Siege, 58 Niederlagen. Eine miesere Bilanz hatten die Mavs zuletzt 1997/98 – der bis zum heutigen Tage letzten Saison ohne Dirk Nowitzki. Dazu das Auf und Ab rund um Nerlens Noel, der erst angeblich einen dicken Vertrag vorgelegt bekam, dann mehr wollte und letztlich für kleines Geld kaum spielte. Seinen größten Moment 2017/18 hatte Noel, als er sich in einer Halbzeitpause einen Hot Dog vom Büffet des Presseraums holte.



Offseason Agenda
Die bislang letzte Saison ohne „Dirty“ deshalb, weil das Seven-Foot-Schnitzel (warum wird dieser Spitzname nicht viel öfter genannt?!) mehrfach seinen Plan schilderte, noch mindestens ein Jahr dranzuhängen, um seine Mitspieler weiter „Burger“ zu nennen. Und dann vielleicht noch eins, und dann...

Aber zum Thema: Die Offseason Agenda in Dallas ist nahezu identisch zu der in den Vorjahren: Talent verpflichten und das möglichst langfristig. Für die Saison 2018/19 stehen aktuell knapp 60 Mio. $ in den Büchern, was die laufenden Verträge angeht. Macht bei einem projizierten Salary Cap von rund 101 Mio. $ etwa 41 Mio. $, die zur Verfügung stehen.

Damit lässt sich arbeiten. Dazu ist Wes Matthews' im Sommer 2019 auslaufender Vertrag ein potenzieller Tradebaustein, auch Topverdiener Harrison Barnes dürfte beim richtigen Angebot nicht unantastbar bleiben. Allein, die Richtung ist noch nicht klar: Will Besitzer Mark Cuban möglichst schnell wieder ein kompetitives Team stellen oder setzt er auf den mittelfristigen Weg mit Talenten?


Für die erste Variante wäre etwa DeMarcus Cousins ein Ziel – oder Dallas ein Trade-Partner, falls etwa die Portland Trail Blazers ihren Backcourt aus Damian Lillard/C.J. McCollum oder die Washington Wizards ihr Tandem John Wall/Bradley Beal aufbrechen wollen. Die zweite Variante würde eher dafür sprechen, jemanden wie Jabari Parker von den Milwaukee Bucks oder Julius Randle von den Los Angeles Lakers in den Blick zu nehmen. Aber: Dass Dallas diese Wahl hat, ist schon mal ein Fortschritt.


Personal
Dirk Nowitzki feiert in diesem Monat seinen 40. Geburtstag und wird in den Wochen danach einen neuen Vertrag unterschreiben (oder alternativ einfach via Team Option verlängert). Dazu kommen Harrison Barnes, Wes Matthews, Dwight Powell, JJ Barea, Dennis Smith Jr., Dorian Finney-Smith und Maxi Kleber.

Nerlens Noel hatte im Sommer 2017 Berichten zufolge einen 70 Mio. $ Deal auf dem Tisch, verlangte allerdings nach mehr – und bekam einen Einjahresvertrag über 4,2 Mio., machte nur 30 Spiele und wird jetzt Free Agent. Sein Verbleib in Dallas ist so gut wie ausgeschlossen.

Spielmacher Smith Jr. hatte eine ordentliche Rookie-Saison und verbesserte sich kontinuierlich. 15,2 Punkte und 5,2 Assists bei 2,8 Ballverlusten in knapp 30 Minuten pro Partie können sich sehen lassen. Ihren Point Guard der Zukunft haben die Mavs gefunden. Alles andere wird allerdings noch gesucht.


Draft
Der einfachste Weg, Talent zu akquirieren: Gut draften. Leichter gesagt als getan. Die Lottery verlief dabei nicht nach dem Geschmack von Coach Carlisle: Dallas hatte als drittmiesestes Team die drittbesten Chancen auf den No. 1 Pick – und darf nun an fünfter Stelle ran.


Annähernd so früh durften die Mavs zuletzt 1998 ran, als sie an sechster Stelle Robert Traylor holten, um ihn im Tausch mit Dirk Nowitzki nach Milwaukee abzugeben. Ein gutes Händchen bewies Dallas zuletzt selten, die Erstrundenpicks seit 2009 waren Byron Mullens, Jordan Hamilton, Tyler Zeller, Kelly Olynyk, Justin Anderson... und eben Dennis Smith Jr, der erste Lottery-Pick seit dem Jahr 2000.

In den Mock Drafts sind die Empfehlungen bunt gemischt, neben dem guten alten „Best Player Available“ sollte General Manager Donnie Nelson im Zweifel einen vielseitigen Flügelspieler ziehen. Davon kann dein Team in der NBA 2018 nie zu viele haben, auch wenn die Boston Celtics das aktuell versuchen.


Zukunft
Seit Jahren schreibe ich im Sommer erst das 'Wat Nu' nach Ende der Saison, dann vor Beginn der neuen Spielzeit die Vorschau über die Dallas Mavericks. Seit Jahren geht es in Dallas immer irgendwie ein bisschen vorwärts und ein bisschen zurück. Aber ohne dabei einen wirklich großen Schritt zu machen.

Noch immer ist Dirk der Fixpunkt der Mavericks, auch wenn seine Beweglichkeit und Mobilität sich mehr und mehr der Statue annähern, die nach dem Karriereende vor der Halle aufgestellt werden wird. Ich meine – guckt euch mal an, was der Junge früher konnte. Und wie Videos von Pre-Youtube-Zeiten heute dort aussehen.


Mark Cuban hat unlängst zugegeben, dass Dallas in diesem Jahr tankt und durfte für diese eigentlich erfrischend-erfreuliche Ehrlichkeit gleich mal wieder eine Strafe an die Liga zahlen. Ich weiß doch auch nicht, wo das Team in zwei oder drei Jahren steht. Vielleicht knallt Dirk dann immer noch die Dreier von der Birne rein, nachdem er sich den Platz hochgeschleppt hat.

Das ist wohl der beste Ratschlag für die nähere Zukunft: Genießt jedes Spiel, dass der 40 Jahre alte Würzburger in seiner 21. Saison noch macht. Wer weiß, ob es nicht das letzte Mal ist, dass er sich über den Sommer von Holger Geschwindner für das lange NBA-Jahr fit machen lässt.