30 Juni 2018

30. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Denver Nuggets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Neunter Platz und 14. Pick. Die Arschkarte geht in diesem Jahr in die Mile High City. Dabei wurde es am Ende richtig knapp. Denver verlor ein allesentscheidendes Match gegen die Minnesota Timberwolves am letzten Spieltag, weswegen ihnen letztlich dieser eine Sieg für die Playoffs fehlte und die Wölfe stattdessen in die Postseason einzogen.

46-36 Siege ist ein respektables Ergebnis, in manchen Spielzeiten hätte das selbst in der Western Conference für einen Playoff-Rang gereicht. Es ist Denvers bestes Resultat seit 2012, als sie sich zum letzten Mal für die Postseason qualifizierten.

Allerdings haben sie sich dieses denkbar knappe Scheitern primär selbst zuzuschreiben, denn im März – kurz vor den Playoffs – unterlagen sie den Dallas Mavericks, Los Angeles Lakers und Memphis Grizzlies, die vor Saisonende nicht mehr so richtig interessiert an Siegen gewesen waren.

Mit diesen drei Pflichtsiegen hätte es unter Umständen sogar für Homecourt in der ersten Runde gereicht, derart knapp war die Gemengelage in den niederen Playoff-Spots im Westen.

So bleibt den Klumpen eine gute, aber ungekrönte Saison und die Hoffnung, dass nächstes Jahr Glück und Konzentration eher auf ihrer Seite stehen werden.


Offseason Agenda
107 Mio. $ sind bereits an garantierten Geldern verplant, einige werden dazu kommen, denn die Nuggets haben die Team Option auf ihren besten Spieler Nikola Jokić nicht gezogen, um ihn sofort und nicht erst nächstes Jahr leistungsgerecht zu bezahlen. Leistungsgerecht wird Denver richtig teuer zu stehen kommen, die Rede ist von einem mit 146,5 Mio. $ dotierten Fünfjahresvertrag.


Damit droht die Luxury Tax, wirkliche Verstärkungen wären nur via Trade möglich. Hier werden die Nuggets aber ohnehin zu den aktiveren Teams gehören, denn sie haben in Kenneth Faried, Darrell Arthur und Wilson Chandler gestandene Veteranen im Aufgebot, die nicht mehr unbedingt in den mittelfristigen Planungen vorgesehen sind.

Vor allem für Faried sucht GM Tim Connelly schon länger erfolglos einen Abnehmer. Immerhin laufen alle drei Verträge 2019 aus, damit schafft Denver dann knapp 35 Mio. $ Raum.

Wirklich gefestigt ist der Kader der Nuggets selbst mit den drei Haudegen nicht. Jamal Murray kann/darf nicht die Dauerlösung auf Point Guard sein. Die Backups auf den Guard-Positionen heißen im schlimmsten Fall Malik Beasley sowie Monte Morris und würden daher ebenfalls ein Upgrade vertragen.


Personal
Die Antwort auf diese Lücke während der Saison hieß Devin Harris, den die Nuggets im Februar zur Trade Deadline von den Dallas Mavericks holten. Die Erfahrung des 35-jährigen Veteranen half den Nuggets auf den letzten Metern, sodass er sich zumindest für einen Einjahresvertrag zu kleinem Geld empfahl.

Neben Harris wird Will Barton Free Agent und mutmaßlich Opfer des ausgeschöpften Caps. Der Wing hat mit durchschnittlich 15,7 Punkten, 5,0 Rebounds und 4,1 Assists in 33 Minuten die beste Saison seiner Karriere hingelegt und wird als potenter Scorer aller Voraussicht nach Summen aufrufen, die die Nuggets nicht bereit sein werden mitzugehen. Die Zeichen stehen auf Trennung.


Draft
Vorsorglich hat Tim Connelly in der Draft-Nacht das Team auf Bartons Position mit frischem Blut versorgt. Dass Michael Porter mit dem 14. Pick überhaupt verfügbar wurde, ist seiner Rückenverletzung zuzuschreiben, wegen der er nur ganze drei Partien in seinem letzten College-Jahr für Missouri absolvierte. Der 20-Jährige galt lange als Kandidat für einen der Top Picks.


Die Nuggets gehen mit ihm ein gewisses Risiko ein, denn eine chronische Rückenverletzung bedeutet das schnelles Ende jeglicher Träume einer Profikarriere. Sollte er allerdings gesund bleiben, bringt Porter alle Anlagen mit, einer der besten Spieler dieses Draft-Jahrgangs zu werden. Deshalb plant Denver ihn behutsam an die NBA heranzuführen, womöglich kommt Porter in der Saison 2018/19 gar nicht zum Einsatz.

In der zweiten Runde opferten die Nuggets einen zukünftigen Zweitrunden-Pick, um von 43. an 41. Stelle nach oben zu traden und mit dem diesem Pick Jarred Vanderbilt zu draften. Auch in diesem Fall ist das Steal-Potential hoch, der 19-jährige Vanderbilt hat die Länge und Athletik, um zu einem Small Ball Big ausgebildet zu werden.

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Mit ihrem dritten Pick des Abends, dem insgesamt 58., entschieden sich die Nuggets für Thomas Welsh, einen Center, der die vollen vier Jahre an der UCLA verbracht hat. Aufgrund dieser späten Draft-Position müssen sich die Nuggets-Fans Welshs Namen nicht unbedingt merken.


Zukunft
Ungewiss. Die Nuggets drängen auf die Playoffs, doch mehr als die erste Runde ist auf absehbare Zeit nicht drin. Der kurzfristige Erfolg liegt in den Händen (oder genauer: Knien) des 33-jährigen Paul Millsap. Der letzten Sommer verpflichtete Forward absolvierte nur 38 Partien – zu wenig für die 30 Mio. $, die ihm die Nuggets jährlich überweisen. Mit mehr Millsap ist ein erfolgreicher Playoff-Push 2019 realistisch.

Die erste Postseason seit 2012 ist zwar ein redliches Zwischenziel, um allerdings die Elite im Westen anzugreifen muss Denver den bevorstehenden Umbruch (Faried, Arthur, Chandler) meistern. Jokić, Gary Harris (beide 23) und Jamal Murray (21) bilden hierfür ein solides Fundament, brauchen aber zeitnah tatkräftige Unterstützung und fruchtbarere Entscheidungen des Managements.

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Die Nuggets und ihre Fans werden noch lange Donovan Mitchell nachtrauern, den sie letztes Jahr an 13. Stelle drafteten und im Austausch für die bisher wenig in Erscheinung getretenen Trey Lyles und Tyler Lydon zu den Utah Jazz tradeten. Dies war nicht die erste gravierende Fehleinschätzung in Connellys Talentevaluierung.

Schon 2013 beschenkten die Nuggets die Jazz und tradeten den frisch an 27. Stelle gepickten Rudy Gobert, vor kurzem zum Defensive Player of the Year gekürt, an den Salzsee. Der dafür akquirierte Erick Green spielt bereits seit 2016 nicht mehr in der NBA.