22 Juni 2018

22. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Detroit Pistons.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Saison 2017/18
Am 30. November, als immerhin schon ein Viertel der Saison absolviert war, rangierten die Detroit Pistons zwischen den Conference-Finalisten des Vorjahres (und wie wir mittlerweile wissen auch denen dieses Jahres), den Boston Celtics und den Cleveland Cavaliers, mit einer 14-6 Bilanz auf Rang zwei im Osten.

Keiner rechnete zu diesem Zeitpunkt damit, dass sie in der Endabrechnung ebenfalls in diesen Sphären unterwegs sein würden. Doch dass Detroit letztlich eines von nur drei Teams sein würden, die nach diesem Zeitpunkt aus den Playoff-Rängen rausfallen (das zweitbeste Team mit diesem Schicksal waren zu diesem Zeitpunkt die Denver Nuggets mit einer 11-9 Bilanz) war eine eindeutige Enttäuschung für die Mannen aus der Motor City.

Das kann im Endergebnis am deutlichsten aus der Entmachtung von Coach und Teampräsident Stan Van Gundy abgelesen werden. Die Gründe für den negativen Saisonverlauf sind vielfältig. Kurz nach diesem Höhepunkt folgte ein brutaler Spielplan-Abschnitt, bei dem die Pistons sechs Spiele in Folge gegen spätere Playoff-Teams sowie ein siebtes gegen Fast-Playoff-Team Denver verloren. Als sie mit fünf Siegen aus den folgenden sechs Spielen wieder auf dem Weg der Besserung waren, verletzte sich Point Guard Reggie Jackson, der bis dato auf einem erfreulich guten Niveau agierte.

Die Abwärtsspirale danach wurde auch nach dem Blockbuster-Trade für Blake Griffin nicht gestoppt und so endete die Ära von SVG mit einem erneuten Verpassen der Playoffs, dem dritten in vier Jahren unter der Regie Van Gundys.



Offseason Agenda
Der Blake Griffin-Trade, der laut seriösen Medienberichten keineswegs ein Verzweiflungsakt des scheidenden Van Gundy war, gibt die Richtung der Pistons klar vor. Gemeinsam mit Andre Drummond, der im letzten Jahr einen klaren Schritt in die richtige Richtung gemacht hat, steht der Frontcourt für die nächsten Jahre fest.

Die Teile drum herum scheinen wesentlich beweglicher. Auch Reggie Jackson und Stanley Johnson sind schon länger Optionen für Trades. Noch bewegt sich das Team knapp unter der Tax-Grenze, aber jede Unterschrift eines Free Agents würde sie näher an diese gefährliche Region bringen.

Daher muss der Plan sein Geld zu sparen, ohne gleichzeitig den Anschluss an den Playoff-Kampf zu verlieren. Diese Herausforderung erschwert dem interimsmäßig aktiven und noch immer nicht neu formierten Front Office die Varianten, einen absoluten Neustart zu planen und umzusetzen.


Personal
Die erste Veränderung findet sich an der Seitenlinie, wo nun der einst als Mavs-Assistent hochgeschätzte und sich zuletzt als Raptors-Headcoach etablierte Dwane Casey stehen wird. Sein Einfluss auf Spielweise und Teamführung dürften sich nach vier Jahren unter Van Gundy allein schon vom Faktor „frischer Wind“ auf das Team auswirken.

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Das On-Court Roster sieht auf dem Papier zumindest fähig genug aus, um eine Rolle im Playoff-Rennen zu spielen. Reggie Jackson – Luke Kennard – Stanley Johnson – Blake Griffin – Andre Drummond klingt nach einer ausgewogenen Starting Five, die durchaus noch Potential hat, aufgrund der Altersstruktur unter guter Führung zusammenzuwachsen und zu einer erfolgreichen Truppe geformt zu werden.

Die Bank hingegen wartet mit zahlreichen Fragezeichen auf, hier liegt noch einige Arbeit vor dem zukünftigen General Manager. Die positive Nachricht in diesem Zusammenhang ist vielleicht, dass dieses Problem in der Eastern Conference keine Seltenheit ist.


Draft
Die Pistons haben ihren Erstrunden-Pick 2018 für Blake Griffin geopfert, daher dauerte es bis in die zweite Runde, ehe Detroit am Zug war. Die Pistons kauften sich mit zwei zukünftigen 2nd Round Picks einen frühen solchen in diesem Jahr und wählten an 38. Stelle Khyri Thomas, einen 22-jährigen defensivstarken Guard.

Mit dem eigenen, dem 42. Pick, entschied sich Detroits Interims-Führung für Bruce Brown Jr., ebenfalls einen Guard.



Zukunft
Der Blake Griffin-Vertrag könnte zukünftig zu einem schweren Ballast werden, der die Handlungen der Führungsetage maßgeblich bestimmt. So einen Einfluss nehmen Teams wie die Cleveland Cavaliers mit LeBron James oder die Golden State Warriors mit ihren Hamptons Five in Kauf.

Aber der Griffin-Vertrag zählt in eine andere Kategorie, wo er potentiell zu einem Problem wird, wenn sich das Front Office davon abhängig macht, um Erfolg zu erzwingen. Wie schwierig das sein kann haben schon viele erlebt.

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Die Entwicklung von Talenten wie Johnson, Kennard oder Henry Ellenson ist eine Chance auf einem anderen Weg das Team um den Frontcourt zu stärken. Bisher war da aber zu wenig zu sehen, was wirklich Hoffnung auf eine positive Zukunft machen könnte.