30 Juni 2018

30. Juni, 2018


Während die Reste der Championship-Parade von den Straßen gefegt werden, muss auch der Champion die Saison 2016/17 langsam abhaken und in die Zukunft blicken. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Golden State Warriors.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Saison 2017/18
Gemessen an den ersten drei Jahren der Steve Kerr Ära war diese vierte Saison die mit Abstand holprigste und sowohl im Prozess als auch im (Regular Season) Ergebnis die schwächste. In verschiedenen Phasen, in denen das Team aus dem Golden State angreifbar wirkte wie seit Jahren nicht, bewahrte das erfahrene und eingespielte Team nach außen hin stets die Fassung.

Doch sowohl der ein oder andere Report im Saisonverlauf als auch teils recht deutliche, teils eher verschlüsselte Kommentare der Spieler während und vor allem nach der Saison zeigen, wie sehr die Warriors kämpfen mussten um diesen dritten Titel im vierten Jahr zu sichern.

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Denn während ein Teil der Fan-Gemeinde sich über eine langweilige und vorhersehbare Liga beschwert, kämpften die Warriors mit Verletzungsproblemen und vor allem Motivationsproblemen, die schon vielen „Superteams“ zum Verhängnis wurden.

Selbst die Playoff-Performance gegen die Konkurrenz aus der eigenen Western Conference war bei weitem nicht tadellos und endete wohl nur dank der Verletzung von Chris Paul und dem Unvermögen der übrigen Houston Rockets, eine von zwei deutlichen Halbzeit-Führungen in Spiel sechs und sieben über die Zeit zu bringen, mit dem Final-Einzug gegen überforderte und unterqualifizierte Cavaliers.


Offseason Agenda
Priorität Nummer eins ist ganz klar Kevin Durant zu halten. Alles spricht dafür, auch er selbst hat sich dazu öffentlich klar positioniert, daher dürfte dieser erste Schritt der Offseason eigentlich nur eine Formsache sein. Hundertprozentige Gewissheit gibt es aber erst, wenn die Tinte unter einem kurzfristigen oder langfristigen Vertrag trocken ist.

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Weitere potentielle Entscheidungen könnten bei Klay Thompson und Draymond Green anstehen, die beide berechtigt wären eine vorzeitige Verlängerung zu unterschreiben. Allerdings würden sie dadurch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, was aus heutiger Sicht eher als unwahrscheinlich gilt. Daher wird zumindest diese womöglich unangenehme Situation für die Nordkalifornier zunächst einmal vertagt.

Des Weiteren gilt es wie schon die letzten Jahre aus kleinem Geld und großer Titelchance das Maximum rauszuholen. Dieses Jahr steht ihnen dazu wieder ein später Erstrunden-Pick zur Verfügung, außerdem die Mid-Level-Exception und Minimalverträge.


Personal
Jährlich grüßt das Murmeltier und die Warriors müssen ihren Kader umbauen. Bisher gelangen die Umbrüche im Supporting-Cast, der dem etablierten Kern um Steph Curry, Draymond Green, Klay Thompson, Andre Iguodala, Shaun Livingston und dann auch Kevin Durant zur Seite steht, stets ohne Probleme.

Die Liste der aktuelle Free Agents ist verhältnismäßig lang mit Kevon Looney, Patrick McCaw, JaVale McGee, Zaza Pachulia, David West und Nick Young. Vor allem Looney spielte in den Playoffs eine gute Rolle und absolvierte sogar mehr Minuten als Livingston, der dem Kern des Teams zuzuordnen ist.

Aufgrund dessen, dass die Warriors aber seine Option für das vierte Jahr nicht gezogen haben, können sie ihm nur ein extrem geringes Gehalt bieten. Ob das Front Office ihn in der Stadt hält hängt vor allem von seinen Präferenzen und der Marktlage ab.

Von den übrigen Spielern ist definitiv keiner unersetzlich, insbesondere mit der Aussicht auf weitere tiefe Playoff-Runs haben die Warriors gute Argumente auf ihrer Seite. Nichtsdestotrotz bietet so ein Umbruch, selbst wenn er in der „zweiten Garde“ stattfindet, neben der Chance durch neues Blut neue Motivation und neue Reizpunkte zu finden, auch das Risiko bekannte Abläufe und Harmonien zu beschädigen und damit weiter von der Dominanz der letzten Jahre zu verlieren.


Draft
Im letzten Jahr gelang den Warriors ein Coup, als sie den 2nd Round Pick der Chicago Bulls für vergleichsweise läppische 3,5 Mio. $ kauften und damit Jordan Bell nach Oakland holten. Der legte ein mehr als solides Rookie-Jahr hin, kam auf knapp 15 Minuten pro Spiel und sogar in den wichtigen Spielen der Conference Finals und Finals zum Einsatz.

Die Erwartungshaltung ist also naturgemäß hoch an den Neuzugang im diesjährigen Draft. Mit dem 28. Pick sicherten sich die Dubs die Rechte an Jacob Evans, einen begabten Flügelverteidiger mit solidem Dreier. Die Chancen, erneut einen echten Steal gelandet zu haben, stehen gut.



Zukunft
Die kurzfristige Zukunft sieht für die Warriors, trotz der möglichen Formation mindestens eines weiteren Superteams, weiterhin blendend aus. Das Talentlevel, das GM Bob Myers und sein Team mit Hilfe von Fortuna über die letzten Jahre angesammelt haben, wird bei normalem Verlauf noch mindestens zwei bis drei Jahre der absolute Top-Favorit für den NBA-Titel sein.

Je teurer aber die Verträge der Stars bei gleichzeitigem Entfernen von der aktuell quasi perfekten Altersstruktur werden, desto schwieriger und unwahrscheinlicher wird eine länger andauernde Dominanz dieser Franchise.

Deshalb werden Namen wie der von Anthony Davis oder Karl-Anthony Towns auch weiterhin mit den Warriors in Verbindung gebracht werden, denn so schnell wie der Erfolg kam, so schnell kann er auch wieder enden.

Dass Myers und Besitzer Joe Lacob das mit allen Mitteln verhindern wollen ist bekannt, noch geht das mit kleinen Anpassungen der Bank-Truppe, aber früher oder später werden größere Veränderungen anstehen und auch hier bieten sich dadurch signifikante Chancen wie auch Risiken.