11 Juni 2018

11. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Indiana Pacers.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Das Gelächter war groß, als der neue Teampräsident der Pacers Kevin Pritchard vergangenen Sommer in Paul George den langjährigen Franchise Player, einen der besten Two-Way-Player der Liga, für die in Oklahoma City nicht gerade überragenden Victor Oladipo und Domantas Sabonis tradete. Und auch wenn das Gefühl bleibt, dass Indiana bei diesem Deal wenigstens noch den einen oder anderen Draft Pick zusätzlich hätte ergattern können, sieht es ein Jahr später schwer danach aus, als seien Indiana und Pritchard die klaren Gewinner dieses Trades.

Denn die neuformierten Pacers ignorierte sämtliche Prognosen nach denen sie ein Lottery Team seien und startete nach leichten Anfangsschwierigkeiten mit 10-3 Siegen von Mitte November bis Mitte Dezember durch, kämpften sich auf einen mittleren Playoff-Platz und hielten diesen auch bis zum Saisonende. Zum wichtigsten Spieler und personifizierten Erfolgsfaktor prosperierte eben jener Oladipo, der wenige Monate zuvor zu einer Art Trostpreis verschrien worden war.


Der zweite Pick des 2013 Drafts nahm die Herausforderung in seiner basketballerischen Heimat (spielte drei Jahre bei den Indiana Hoosiers am College) an und stellte im besser zu seiner Athletik passenden System von Coach Nate McMillan mit 23,1 Punkten, 5,2 Rebounds und 4,3 Assists (Vorjahr: 15,9 Punkte, 4,3 Rebounds, 2,6 Assists) alle seine Kritiker ruhig. Nachdem er bereits ins All-Defensive Team und All-NBA Third Team gewählt wurde, darf Oladipo zurecht bei der NBA Award-Show am 25. Juni nun auch die Auszeichnung des Most Improved Players erwarten.


Dass für Oladipo und die Pacers dennoch weiterhin einiges an Arbeit ansteht zeigten die Playoffs. Indiana qualifizierte sich mit sehenswerten 48-34 Siegen für die Postseason. Dort wartete in LeBron James jedoch der Angstgegner, der im Trikot der Miami Heat die Pacers 2012, 2013 und 2014 nacheinander eliminierte und zuletzt 2017 mit den Cavaliers ein weiteres Mal.

Indiana gewann das erste Spiel deutlich. Eine kleine Sensation bahnte sich an, blieb aber unverwirklicht, weil LeBron eben LeBron ist und die Serie knapp mit 4-3 an sich riss. So bleibt vorerst alles beim Alten. Vorerst, denn Oladipo und seine Gefolgsleute haben den Grundstein gelegt, im nächsten Jahr um die oberen Plätze der Eastern Conference mitzuspielen.


Offseason Agenda
Die Pacers haben lediglich knapp 48 Mio. $ an garantierten Gehältern vergeben und gehören somit zu einem der wenigen Teams, die im Sommer 2018 eine Menge Cap Space freimachen können. Zwar wird mutmaßlich über die Optionen – Thad Young hat eine Player Option, bei Lance Stephenson und Joe Young hält Indiana eine Team Option – der Spielraum noch etwas geringer, aber immer noch groß genug, um falls nötig einen Maximalvertrag anzubieten.

Verstärkung brauchen die Erben von Reggie Miller vor allem auf dem Flügel und im Backcourt. Darren Collison und Cory Joseph sind auf der Eins nicht der Weisheit letzter Schluss. Indiana gilt als möglicher Partner eines Trades um Dennis Schröder von den Atlanta Hawks.

Die Kombination der Wirbelwinde Schröder und Oladipo im Backcourt erscheint in der Tat auf den ersten Blick verlockend, allerdings wartet auf den deutschen Nationalspieler noch eine Gerichtsverhandlung wegen Körperverletzung, die vermutlich eine saftige Sperre nach sich ziehen wird. Auch davon abgesehen hat Schröder insgesamt nicht den besten Ruf in der Liga.

In der ablaufenden Saison waren die Pacers im unteren Drittel bei den versuchten und getroffenen Dreiern. Dem Team fehlen ein bis zwei zuverlässige Schützen, um noch etwas zeitgemäßeren Basketball zu spielen. Zwecks Entlastung für ihren neuen Franchise Player Oladipo werden sich die Pacers daher via Trade oder in der Free Agency um gestandene Shooter bemühen.


Personal
Thad Young sollte seine Player Option über knapp 14 Mio. $ aller Voraussicht nach ziehen. In dieser Offseason gibt es für durchschnittliche bis gute Spieler wenig zu holen, viele Teams haben infolge des völlig eskalierten Sommers 2016 kaum oder gar keinen Cap Space.

Nicht oder nur teilweise garantiert sind die Verträge von Bojan Bogdanović (10,5 Mio. $), Darren Collison (10,0 Mio. $), Al Jefferson (10,0 Mio. $) sowie Ike Anigbogu (1,4 Mio. $) und Alex Poythress (1,5 Mio. $). Zumindest Bogdanović und Collison müssen sich wenig Sorgen machen.

Veteran Big Man Jefferson hingegen stand in nur 36 Partien der regulären Saison auf dem Feld, in den Playoffs überhaupt nicht. Weil in Myles Turner, Sabonis und wahrscheinlich auch Young adäquate Alternativen auf den großen Positionen bereits etabliert sind, sitzt Jefferson schon auf gepackten Koffern.

Zudem laufen die Verträge von Glenn Robinson III. und dem im Frühjahr auf dem Buyout-Markt akquirierten Trevor Booker aus. Sollte Indiana eine namhaftere Lösung finden, wird eine Weiterbeschäftigung beider unwahrscheinlicher.


Draft
Die Pacers sind an 23. und 50. Stelle an der Reihe. Zumindest der Erstrunden-Pick wird interessant, beispielsweise in Rodney Hood, Bobby Portis, Pascal Siakam, OG Anunoby oder Kyle Kuzma war in diesen Regionen in den letzten Jahren durchaus brauchbares Talent verfügbar.


Weil die Pacers aber über ordentlich Cap Space und bereits genügend junges Talent verfügen, ist ein Trade in der Draft-Nacht sowohl nach oben, als auch nach unten gut möglich.


Zukunft
Indiana hat die Wende infolge des Abgang ihres wichtigsten Spielers und das Ende der Ära des erstickenden Defensivbasketballs unter Frank Vogel – immerhin gekrönt mit zwei Einzügen in die Conference Finals – erstaunlich gut gemeistert, steht nun mit einem Roster voller qualitativer, junger und hungriger Athleten bereit, die Elite des Ostens anzugreifen.


Wie für die restliche Eastern Conference gilt auch hier, dass der Erfolg in den nächsten Saisons schwer von der bevorstehenden Entscheidung LeBron James' abhängt – in sieben Jahren scheiterte Indiana fünf Mal am König von Cleveland.

Sollte Kevin Pritchard diesen Sommer allerdings einen weiteren Coup landen, wäre sogar das nur schwer Vorstellbare, eine gewonnene Serie gegen James, noch ein Stück realistischer geworden. Dann wird vielleicht sogar der Weg zurück in die Conference Finals frei.