16 Juni 2018

16. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die LA Clippers.

von MARC LANGE @godzfave44

Saison 2017/18
Jahr eins nach der Lob City-Ära. Erwartet wurde eine Katastrophe. Ganz so schlimm war es dann aber doch nicht. Mit einer Bilanz von 42-40 pendelten sich die Clippers am Ende der Saison – zum wahrscheinlich letzten Mal in den nächsten Jahren – einen Platz (10) vor den Lakers ein. Für die Playoffs reichte es damit zum ersten Mal seit 2011, als Blake Griffin zum Rookie of the Year gewählt wurde, nicht. Trotzdem gab es einige Lichtblicke.

Speziell offensiv wusste das Team um Miloš Teodosić, Lou Williams & Co. zu überzeugen: Sowohl bei den Punkten pro Spiel (109), der Pace (98,7) und dem Offensiv-Rating (110,3) gehörten die Clippers zu den Top-10 der Liga. In fast allen defensiven Team-Statistiken reihte sich LA jedoch im unteren Drittel der Association ein. Fatal. Gerade im Westen. Der Kern von Doc Rivers' Team ließ im Laufe der vergangenen Saison aber immer wieder Hoffnung aufblitzen, nächste Saison nicht um einen Lottery Pick mitspielen zu müssen. Das bewiesen u. a. Siege gegen die Golden State Warriors, Houston Rockets, Boston Celtics und Cleveland Cavaliers.

In Erinnerung bleibt die Saison vor allem für den Blockbuster-Trade um Blake Griffin, der fast ein Jahrzehnt lang das Gesicht der Franchise war. Für ihn spielen seit Ende Januar die im Austausch von den Detroit Pistons geholten Tobias Harris, Avery Bradley und Boban Marjanović im Staples Center.



Offseason Agenda
Obwohl auch die besten Teams der Liga in der Regular Season bezwungen wurden, scheinen die Clippers noch nicht bereit, eines der genannten in einer potentiellen 7-Spiele-Serie zu besiegen. Dafür fehlt es an Konstanz. Oft auch Gesundheit. Aber auch an Star-Power. In einer NBA, in der es momentan fast nur darum geht, so viele Superstars wie möglich zu sammeln, wirken die Kalifornier im Vergleich etwas mau. In den eigenen Reihen befinden sich viele okaye bis gute Spieler. Aber nur gut zu sein reicht seit einigen Jahren im Westen nicht mehr aus, um ganz oben mitzumischen.

Die Frage ist nun: Sollten es die Clippers trotzdem mit dem gleichen Cast noch einmal versuchen? Ja, sollten sie. Auch wenn der absolute Superstar im Team seit Griffins Abgang fehlt, ist die Tiefe der Mannschaft doch beeindruckend und sollte zusammengehalten werden. Bis auf die Center-Position kann Doc Rivers fast ohne Qualitätsverlust durchrotieren.

Das war bei all den Verletzungen in der letzten Spielzeit auch nötig. Wenn Teodosić, Danilo Gallinari, Patrick Beverley und der Rest jedoch fit bleiben, kann LA 2018/2019 ordentlich aus den Vollen schöpfen. Die Gefahr, dass der Mannschaft im Laufe der regulären Saison die Luft ausgeht, wäre also relativ gering.

Dank des Griffin Trades haben die Clips außerdem nicht nur den 13., sondern auch 12. Pick im diesjährigen, sehr stark eingeschätzten Draft. Dadurch herrscht der Luxus, auf gleich zwei Glücksgriffe zu hoffen oder sich durch ein schlaues Trade-Paket direkt in die Top-8 zu katapultieren. Egal wie sich das Front Office am Ende entscheidet: Durch den vorhandenen Kader, die Picks und die Mid-Level Exception stehen die Chancen äußerst gut, dass das Team nächstes Jahr noch breiter und besser wird


Personal
Momentan sind 108 Mio. $ an Gehältern verplant. Sicherlich werden die Verantwortlichen Avery Bradley und Montrezl Harrell, deren Deals auslaufen, neue Verträge anbieten. Für einen Super-Free-Agent fehlt dadurch aber die nötige finanzielle Flexibilität.

DeAndre Jordan und Austin Rivers sitzen auf hoch dotierten Player Optionen für die nächste Spielzeit. Zumindest bei DeAndre stehen die Zeichen schon länger auf Abschied. Ob er allerdings bereit ist, auf die vertraglich zugesichterten 24 Mio. $ zu verzichten, wird sich noch zeigen.


Einzig ein geschickt eingefädelter Trade für einen wechselwilligen Superstar wie etwa Kawhi Leonard könnte das Personal in Los Angeles noch einmal ordentlich durcheinanderwürfeln. Ansonsten werden gewohnte Gesichter das Parkett der Clippers im kommenden Jahr unsicher machen.


Draft
Wie bereits angesprochen, hat LA am 21. Juni den 12. und 13. Pick in der ersten Runde und steht damit so gut da wie schon seit Jahren nicht mehr. Laut aktuellen Gerüchten, würden die Clippers aber lieber einen absoluten Top-Rookie ziehen und horchen sich daher nach möglichen Trade-Szenarien für ihre Picks um. Das angebliche Ziel: Luka Dončić von Real Madrid.


In der zweiten Draft-Runde sind die Clippers nur Zuschauer.


Zukunft
Was mag der eine oder andere Clippers-Anhänger für Schweißausbrüche bekommen haben als bekannt wurde, dass Chris Paul und Blake Griffin die Franchise verlassen: „Werden wir jetzt wieder so schlecht wie in der Olowokandi-Ära?“, war dabei wohl ein besonders präsenter Gedanke.

Seit letzter Saison sind die zwei Initiatoren von Lob City Geschichte – doch die Kalifornier haben Jahr eins der neuen Zeitrechnung ganz gut verkraftet und können in eine einigermaßen rosige Zukunft blicken. Das Team überzeugt durch Tiefe und ist speziell auf den Flügeln mit Gallinari, Harris und Lou Williams gut aufgestellt.

Von Miloš Teodosić ist nach seiner Rookie-Kampagne ein Leistungsanstieg zu erwarten und mit Patrick Beverley kehrt einer der gefürchtetsten Perimeter-Verteidiger der Association zurück. Und zu guter Letzt verschafft der vielseitige Flügelspieler Tobias Harris der Offensive neue Dimensionen. Bleibt das Verletzungspech 2018/2019 im Rahmen und wird im Draft wird kein Bust gezogen, kämpfen die Clippers ab Oktober um die Playoffplätze 8-7-6