14 Juni 2018

14. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Los Angeles Lakers.

von JAN HUSMANN @JanOnOne

Saison 2017/18
Nach einem schwachen Start ließ ein Lauf zur Mitte der Saison die LakerNation noch einmal von den Playoffs träumen, die nicht zuletzt wegen gehörigem Verletzungspech am Ende jedoch deutlich verpasst wurden. Dazu warf die kommende Offseason bereits ihre Schatten weit in die abgelaufene Saison voraus. Und so geht ein unruhiges Jahr in Los Angeles zu Ende, das viele Beobachter durchaus als Erfolg werten werden.

In der ersten Hälfte der Saison kamen die Lakers nicht in Tritt. Nur elf der ersten 38 Spiele wurden gewonnen. Intern und extern kam die Franchise nur schwer zur Ruhe und der junge Kader schien nicht bereit für eine wettbewerbsfähige Saison. Der Rummel um Lonzo Ball und seinen omnipräsenten Vater erleichterten diese Situation nicht.

In den folgenden 24 Spielen holte das Team von Coach Walton allerdings 17 Siege. Damit gab es Grund zur Hoffnung auf die erste Playoff-Teilnahme der Lakers in der Post-Kobe-Ära. Es schien als hätte sich aus der Ansammlung junger Talente ein eingespieltes Team gebildet. Mitentscheidend bei der positiven Entwicklung war auch die Befreiung Julius Randles von seiner Bankdrücker-Rolle.


Nach einem Umbau des Teams zur Trade-Deadline und Verletzungen von Brandon Ingram, Josh Hart und Lonzo Ball, schenkte das Team zum Ende der Saison noch einige Spiele her, womit das Ausscheiden aus dem Playoff-Rennen schon früh besiegelt war. Höhepunkt des letzten Saisonabschnitts war der Auftritt von G-Leauge-Spieler Andre Ingram, der in seinem NBA-Debüt mit 32 Jahre 19 Punkte erzielte.

Sportlich werden die Lakers viel aus der abgelaufenen Spielzeit mitnehmen können. Durch Julius Randle und Brandon Ingrams Entwicklung trägt der Wiederaufbau der letzten Jahre erste Früchte. Doch in den nächsten Monaten ist, entgegen der alten Weisheit, entscheidend neben’m Platz.    


Offseason Agenda
Der Boulevard in der Stadt der Engel hatte in der sportlich wenig aufsehenerregenden Saison viel Zeit über die Zukunft zu berichten. Früh aufkommende Gerüchte über einen möglichen Wechsel LeBron James‘ nach der Saison zu den Lakers befeuerten diese Entwicklung natürlich ungemein.


Neben dem „King“ werden noch weitere große Namen bei der Franchise in Lila und Gold gehandelt. Kawhi Leonard, DeMarcus Cousins und Paul George sollen allesamt Kandidaten für einen Wechsel an die Westküste sein. Letztere bekundete bereits zu Zeiten bei den Indiana Pacers Interesse daran für den 16-maligen Meister zu spielen und der Stint in Oklahoma wird seine Meinung wohl kaum geändert haben.

Sollten die Lakers lediglich einen oder gar keinen der oben genannten Namen verpflichten können, wird der Fokus der sportlichen Leitung wohl auf den Sommer 2019 gerichtet werden, wenn Spieler wie Klay Thompson und Jimmy Butler wohl auf den Markt kommen werden. Für die diesjährige Offseason bedeutet das Fehler vergangener Jahre nicht zu wiederholen und keine Spieler mit überteuerten Verträgen langfristig an sich zu binden.

Julius Randle wird eine interessante Personalie im kommenden Sommer sein. Jegliche Verträge, die der Power Forward abschließt, können die Lakers matchen und ihn weiter bei sich halten. Sollte ein Team um die 20 Mio. $ pro Jahr für Randle auf den Tisch legen, werden Pelinka und Johnson ihren Top-Scorer allerdings auch ohne schlechtes Gefühl ziehen lassen.


Personal
Mitte der Saison verabschiedeten sich mit Larry Nance Jr. und Jordan Clarkson zwei Spieler des jungen Kerns der Lakers. Mit Lonzo Ball, Josh Hart, Brandon Ingram und Kyle Kuzma haben sie allerdings noch vier vielversprechende Talente, die bereits für nächstes Jahr unter Vertrag sind.

Ball und Ingram haben mit starken Debütspielzeiten auf sich aufmerksam gemacht und sich dabei Plätze in den All-Rookie Teams sichern können. Auch Hart übertraf in seiner ersten Saison viele Erwartungen. Währenddessen zeigte Ingram, dass er der multidimensionale Offensivspieler sein kann, den viele in ihm vor dem Draft sahen. Bei Gesundheit und zunehmender Eingespieltheit sind die Lakers mit diesem Quartett sicherlich für einige Überraschungen im nächsten Jahr gut.

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Auch Julius Randle entfaltete endlich sein Potential in diesem Jahr. Offensiv wie defensiv ist Randle zu einem wertvollen Spieler geworden. Allerdings steht vor seiner Zukunft, wie oben besprochen, ein großes Fragezeichen.

Spieler wie Brook Lopez, Kentavious Caldwell-Pope und Isaiah Thomas werden in der nächsten Saison wohl keinen Fuß mehr für die Lakers auf das Parkett setzen. Auch Luol Deng steht auf der Abschussliste. Durch eine baldige Entlassung des Small Forwards könnten die Lakers große Teile seines Jahresgehalts auf zukünftige Jahre verteilen und somit noch mehr Flexibilität gewinnen.


Draft
Lange Zeit sah es aus, als hätten die Lakers keine Erstrundenwahl im diesjährigen Draft, bevor sie an der Trade Deadline die Rechte am Pick der Cleveland Cavaliers ergatterten. Die Lakers bewiesen in den letzten Jahren oft ein gutes Händchen mit späten Erstrunden- und Zweitrundenpicks. Larry Nance Jr., Jordan Clarkson, Kyle Kuzma und Josh Hart haben in ihren kurzen Karrieren bereits einen guten Eindruck hinterlassen.

Da der Draft bereits vor der Free Agency stattfindet ist es schwierig zu sagen, auf welchen Positionen die Lakers Bedarf haben. Mit dem voraussichtlichen Abgang Brook Lopez‘ werden die Lakers jedoch in jedem Fall einen Big Man benötigen. Außerdem wird bei den Lakers wie fast überall ein defensiver Flügelspieler auf dem Zettel stehen.

An Stelle 25 werden die Wunschspieler der Lakers wohl nicht mehr verfügbar sein. Mit etwas Glück finden sie aber wieder einen ungeschliffenen Diamanten, der Wert für die Aufbaumaßnahmen haben wird und vielleicht fällt ihnen ja auch ein Spieler in den Schoß, der aus unerklärlichen Gründen in die späte erste Runde fällt.


Zukunft
Die kommende Saison wird auch für zukünftige Jahre ein Indikator sein, wie groß die Anziehungskraft eines großen Marktes wie Los Angeles noch ist. Erstmals seit über 30 Jahren war dieses Jahr kein Team aus Los Angeles oder New York in den Playoffs. Durch die alleserfassende Berichterstattung der heutigen Zeit sind die großen Märkte weniger wichtig für Sponsorenverträge und Popularität der Spieler.

Sollten die Lakers eine komplette Nullnummer im Sommer hinlegen, muss die Franchise der Hollywood-Elite über die Entwicklung ihrer jungen Talente wieder ihren Glanz erspielen. Jedoch war Geduld noch nie von großer Bedeutung für die von Erfolg verwöhnten Lakers. Und mit Hall-of-Famer Magic Johnson und Kobe-Vertrautem Rob Pelinka wird dieser Identität auch auf die Schnelle keiner drastischen Änderung unterzogen.


Filmstars am Spielfeldrand, die Nummern von Legenden unterm Dach und 16 Trophäen in der Vitrine. In Lila und Gold war schon immer alles größer und vielleicht ist im nächsten Jahr auch schon wieder das Geschehen auf dem Court von Bedeutung. Doch auch nachhaltig schadende Verträge wie vor zwei Jahren sind vorstellbar. Die Zukunft der Lakers kann sich in viele Richtungen entwickeln, aber eins ist klar: Es wird nicht langweilig in der Stadt der Engel.