29 Juni 2018

29. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Milwaukee Bucks.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Mit großen Erwartungen und gestiegenen Ansprüchen in die Saison gestartet kamen die jungen Hirsche nie richtig in Tritt, waren in der ersten Saisonhälfte mal knapp unter, mal knapp über einer ausgeglichenen Bilanz. Obwohl sie sich früh in der Saison mit Eric Bledsoe von den Phoenix Suns verstärkten, vermochten es die Bucks trotz neuerlicher Steigerungen ihres Superstars Giannis Antetokounmpo nicht über die gesamte Spielzeit nie, Konstanz aufs Parkett zu bringen.

Die Probleme waren altbekannt und der Schuldige schnell ausgemacht. Coach Jason Kidd wurde am 22. Januar vom Hof gejagt, die Bucks standen zu diesem Zeitpunkt bei lediglich 23-22 Siegen. So weit, so richtig, so überfällig. Dass Kidd dann aber durch Assistant Coach Joe Prunty ersetzt wurde mag wirtschaftlich legitim gewesen sein, sportlich war es das keinesfalls.

Denn Prunty war der Aufgabe zu keinem Zeitpunkt gewachsen. Zwar brachte er das Team mit 44-38 Siegen auf einem Playoff-Rang über die Ziellinie, wurde aber schon in der Regular Season und dann auch in der Postseason regelmäßig ausgecoacht. Dass in den Playoffs in Bostons Brad Stevens ein Gegenentwurf zu Prunty auf der anderen Trainerbank saß entschied letztlich die Serie zwischen den Bucks und den Celtics.


Sportlich agierten die beiden Teams einigermaßen auf gleichem Level, gewannen jeweils ihre drei Heimspiele. Im entscheidenden Spiel sieben ließen die Kelten dann aber nichts anbrennen. So wartet Milwaukee weiter auf die erste gewonnene Serie seit 2001. In der Zwischenzeit setzte es nun acht Mal das Aus in der ersten Runde, neun Mal qualifizierten sich die Bucks gar nicht erst für die Ausscheidungsrunde.


Offseason Agenda
Prunty war als Dauerlösung nicht tragbar, das erkannte auch die sportliche Führung und ersetzte ihn zeitnah durch Mike Budenholzer, zuvor Atlanta Hawks. Budenholzer kommt aus der Popovich'schen Trainerschmiede, hat die Hawks zwischenzeitlich zu 60 Siegen geführt, ehe ihm jährlich ein Schlüsselspieler abhanden kam und Atlanta schließlich in den Rebuild schaltete.

Ein solcher war keine Option für Budenholzer, weswegen er in Milwaukee genug richtig ist. Hier wartet eine gestandene, erfolgshungrige Truppe, die nun größtenteils erstmals in ihrer Karriere ordentlich gecoacht werden wird. Zwar war Antetokounmpo gegenüber Kidd sehr loyal, wird aber die qualitativen Unterschiede früh registrieren.


Mit Budenholzer an der Seitenlinie haben die Bucks den wichtigsten Punkt auf der Agenda bereits abgehakt. Bei 97 Mio. $ an garantierten Gehältern bleibt in diesem Sommer kein Platz für große Sprünge in der Free Agency. Milwaukee hat seinen großen Zug für dieses Jahr in der Addition Eric Bledsoes vorweggenommen.

Weil der Kader aber immer noch nicht ausgeglichen ist und außerdem junge Spieler wie Thon Maker etwas ältere, aber limitiertere wie John Henson entbehrlich machen, bleiben die Bucks Stammgast in der Gerüchteküche. Dem Team fehlt vor allem ein klassischer Center (27. in Rebound Rate), weswegen sich die Bucks zur Trade Deadline um DeAndre Jordan von den LA Clippers bemüht hatten und ihn zumindest immer noch auf der Liste haben dürften.


Personal
Jabari Parker ist die einzig signifikante Personalie in diesem Sommer. Der verletzungsgeplagte Forward kehrte im Februar nach fast einem Jahr Leidenszeit aufs Spielfeld zurück und legte immerhin noch anständige 12,6 Punkte und 4,9 Rebounds im Schnitt auf.

Als Restricted Free Agent mit dieser Verletzunghistorie wird Parkers Sommer schwer prognostizierbar. Die Bucks wollen ihn halten, können es sich aber aufgrund der bestehenden Zweifel eigentlich nicht leisten, ihn fürstlich – d. h. in Nähe eines Maximaldeals – zu entlohnen. Sollte ein anderes Team dieses Risiko gehen und ein dickes Offer Sheet vorlegen, muss GM Jon Horst in den sprichwörtlichen sauren Apfel beißen und Parker entweder gehen lassen oder überbezahlen.


Neben Jabari wird der inzwischen 40-jährige Jason Terry Free Agent. Terry spielt sportlich kaum noch eine Rolle, geht aber als Vorbild und Mentor für die vielen Youngster voran. Sollte sich der „Jet“ immer noch nicht in den Ruhestand verabschieden – zum Saisonstart wäre er dann 41 – statten ihn die Bucks sicherlich nochmals mit einem Einjahresvertrag zum Minimum aus.


Draft
Die Bucks waren an 17. Stelle an der Reihe und entschieden sich für Donte DiVincenzo, der gerade erst mit den Villanova Wildcats die College-Meisterschaft gewonnen und dabei im Finale gegen Michigan mit 31 Punkten richtig aufgedreht hat.

DiVincenzo bringt Qualitäten vornehmlich im Shooting mit nach Milwaukee, womit er bei den Bucks als einem der schlechtesten Teams von der Dreierlinie (untereres Drittel in versuchten und getroffenen Dreiern) definitiv seine Nische findet.

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Ihren 2nd Round Pick hatten die Bucks im Februar für die Addition Tyler Zellers von den Brooklyn Nets geopfert.


Zukunft
Dieses Team hat alle Anlagen, um die Krone der Eastern Conference für sich zu beanspruchen. Bisher fehlte es noch an Ordnung und Struktur, mit Budenholzer in der Verantwortung werden die Bucks auch in diesem Bereich endlich einen Schritt vorwärts gehen.

Milwaukees Franchise Player Antetokounmpo ist schon jetzt, mit 23 Jahren, einer der zehn besten Spieler der Association, nicht wenige sehen ihn als zukünftigen MVP und größten Star der Liga. Er ist bis 2021 an die Bucks gebunden, nichts lässt darauf schließen, dass er in der Bierstadt unzufrieden ist. Vielmehr hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Bucks zur alten Glorie der 70er Jahre unter Oscar Robertson und Kareem Abdul-Jabbar zu führen.

Die Voraussetzungen sind hervorragend, um endlich mehr als ein First Round Exit zu erreichen. Dazu müssen die Schlüsselspieler aber gesund bleiben und die Problemzonen am Ring und an der Dreierlinie beheben. Dann sind die 60 Siege, die Budenholzer 2014/15 mit dem Hawks holte, in einer schwächelnden Eastern Conference mittelfristig nicht einmal utopisch.