24 Juni 2018

24. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Minnesota Timberwolves.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Mit Zähneknirschen blicken die Wölfe auf den 23. Februar diesen Jahres zurück, dem ersten Spiel nach dem All-Star Break. Minnesotas Franchise Player Jimmy Butler, letzten Sommer via Trade von den Chicago Bulls geholt, verletzte sich schwer. Er fehlte im Saisonendspurt, fiel über einen Monat aus.

Die Timberwolves waren zu diesem Zeitpunkt angeführt von Butler mit 36-26 Siegen klar auf Playoff-Kurs, sogar auf Heimvorteil in der ersten Runde. Ohne ihren besten Mann gewannen sie dann aber nur acht der nächsten 17 Partien, was in der unbarmherzigen Western Conference unweigerlich zu Konsequenzen führt. Mithilfe des in den letzten drei Spielen der regulären Saison zurückgekehrten Butlers schleppte sich Minnesota gerade noch so auf dem achten Rang übers Ziel.

Die erste Postseason der Wolves seit 2004 endete kurz und schmerzlos mit 1-4 gegen die Houston Rockets, vor allem die die ganze Saison über bedenklich löchrige Defensive war den feuerwütigen Texanern nicht gewachsen.

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So bleiben Ärger und Bitternis über jenen 23. Februar, an dem sich eine bislang gute bis sehr gute Saison zum Negativen wendete. Denn dass die Wolves in Bestbesetzung kein #8 Seed sind steht außer Frage. Gegen einen leichteren Gegner in Runde eins infolge einer besseren Platzierung wäre durchaus die erste gewonnene Playoff-Serie seit den Zeiten Kevin Garnetts möglich gewesen.


Offseason Agenda
Auch wenn Coach Tom Thibodeau häufig dafür gerügt wird, seine Starter zu überspielen – was auch ein Grund für seine Entlassung bei den Chicago Bulls gewesen sein soll: Im Matchup gegen die Rockets blieb Thibs aus Mangel an Alternativen wenig übrig.

Sein Team braucht dringend Verstärkung in der Tiefe und in der Defensive (22. in Defensiver Effizienz). Auf keiner Position steht ein zuverlässiger Backup bereit, dafür aber immerhin in Tyus Jones (22) und Justin Patton (21) aussichtsreiches Talent.

Um die Bank zu verstärken muss sich die Führungsriege, angeführt von Thibodeau selbst, zunächst von Altlasten befreien. Vor allem der Vertrag von Gorgui Dieng (knapp 50 Mio. $ bis 2021, voll garantiert) ist sportlich nicht zu rechtfertigen, auch Jeff Teague (19 Mio. $ im nächsten Jahr, dann eine Player Option über dieselbe Summe) und Andrew Wiggins (113 Mio. $ bis 2022) blieben bisher unter den Erwartungen. Um wenigstens punktuelle Verstärkungen nach Minneapolis zu holen muss das Front Office erst einmal Platz schaffen.



Personal
110 Mio. $ stehen an garantierten Gehältern fürs nächste Jahr in den Büchern, vor allem die erwähnten Verträge von Dieng und Wiggins schmerzen. In der Free Agency gibt’s für die Wölfe folglich nicht viel zu holen, zunächst müssen sie sich um ihr bereits vorhandenes Personal kümmern.

Jamal Crawford hat als einer der wenigen Spieler in diesem Sommer seine Player Option nicht gezogen. Mit seinen inzwischen 38 Jahren ist der dreifache Sixth Man of the Year nicht mehr die Watt-starke Mikrowelle früherer Tage, für einen Titelanwärter dennoch eine brauchbare Rückversicherung. Folglich droht Crawfords Abgang zu einem Team mit besseren Aussichten.


Nemanja Bjelica, Marcus Georges-Hunt und Amile Jefferson werden allesamt Restricted Free Agents. Alle drei spielten in den Playoffs kaum eine bis gar keine Rolle, somit steht auch hier die Weiterbeschäftigung im Land der 10 000 Seen in Frage. Der Vertrag von Cole Aldrich ist nicht garantiert, Minnesota müsste ihm nächste Saison knapp sieben Mio. $ überweisen. Das wird nicht passieren.

Bleibt noch Derrick Rose, den die Wölfe im Februar von der Resterampe aufgabelten und der in den Playoffs gegen die Rockets zumindest zeitweise ordentliche Leistungen aufs Parkett brachte. Wegen seiner Verletzungsanfälligkeit, Regression und teils fragwürdiger Einstellung ist der einstige MVP kein zuverlässiger Faktor mehr. Für Rose spricht der erwähnte Personalengpass in Minnesota sowie das gute Verhältnis zu Thibodeau, unter dem der erste Pick des 2008 Drafts erblühte.


Draft
Die Wolves hatten den eigenen Erstrunden-Pick schon vor drei Jahren im Austausch für Adreian Payne zu den Atlanta Hawks geschickt, im letzten Sommer aber mit dem Trade um Ricky Rubio dafür gesorgt, dass sie beim diesjährigen Draft dennoch in der ersten Runde zugreifen dürfen.

Mit dem 20. Pick, anstelle der Oklahoma City Thunder, entschieden sie sich für Josh Okogie, einen noch sehr jungen (19), aber robusten und athletischen Flügelspieler mit nigerianischen Wurzeln. 

In der zweiten Runde waren die Wölfe mit dem eigenen Pick an der Reihe, holten mit dem 48. Pick in Keita Bates-Diop einen Strech Power Forward nach Minneapolis, der mit 22 Jahren und vier Saisons College-Erfahrung etwas mehr Reife mitbringt als Okogie.


Zukunft
Die nächste Spielzeit wird wegweisend für die Timberwolves, vor allem weil Jimmy Butler im Sommer 2019 Free Agent werden wird und dann mit 29 Jahren den wichtigsten Vertrag seiner Karriere zu unterschreiben gedenkt.


Monetär wird niemand mit Minnesotas Angebot mithalten können, sportlich-perspektivisch sieht es anders aus. Die Wolves sind mit den Fünfjahresverträgen für Andrew Wiggins und Karl-Anthony Towns All-In gegangen, sollte sich dieses Risiko nicht auszahlen, droht das vom nicht unumstrittenen Tom Thibodeau aufgebaute Konstrukt zusammenzubrechen.

Kommendes Jahr gilt es also ein ähnlich kompetitives Team zu stellen und Butler somit die Entscheidung leichter zu machen. Ohne ihn droht der Rückschritt zurück zum Lottery-Team. Mit ihm – und einigen klugen Schachzügen im Sommer – steht mittelfristig der Einzug in die Conference Semifinals in Aussicht.