29 Juni 2018

29. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die New York Knicks.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Im Prinzip ließen sich hier die Wat Nus der letzten Jahre einfach reinkopieren, denn Grundlegendes geändert hat sich nicht. Die Knicks spielen immer noch um die goldene Ananas, bezahlen unmoralische Summen an Durchschnittsspieler oder Sportinvalide und frustrieren ihren besten Mann Kristaps Porzingis, der auf dem Parkett alleine die Kohlen aus dem Feuer holen muss und sich regelmäßig daran verbrennt.

Zu Beginn der Saison waren die Kniehosenträger zwischenzeitlich mit 16-13 Siegen auf Kurs, wurden dann aber von der Realität und der schweren Verletzung Porzingis' eingeholt. Die schließlich geholten 29-53 Siege, Platz elf in der Eastern Conference, sind weder ein Lowlight noch eine Enttäuschung, sondern entsprechen dem Wesen dieser Franchise.

Ein paar Dinge haben sich in den letzten zwölf Monaten am Big Apple dann doch geändert. Der einst als Messias gefeierte Carmelo Anthony wurde für ein unterwältigendes Paket um Enes Kanter und Doug McDermott an die Oklahoma City Thunder verscherbelt. So wie die Dinge in OKC laufen werden die Knicks sogar zum Gewinner dieses Trades. Ein ungewohntes Gefühl.

Und: Die Ära Phil Jackson wurde (vom Zeitpunkt der Trennung abgesehen) für New Yorker Verhältnisse erstaunlich seriös und vernünftig beendet. Die neue Führungsriege um Executive Vice President Steve Mills und General Manager Scott Perry bringt zwar keine elf Championship-Ringe mit in den Madison Square Garden, macht dafür aber einen besonnenen, durchdachten Job und versteht den zeitgemäßen Basketball.

Mills und Perry werden noch ein bis zwei Jahre damit beschäftigt sein, den ihnen vererbten Müllhaufen auszumisten, mindestens so lange ist für die Knicks-Fans weiterhin die Draft-Lottery der wichtigste Abend des Jahres.


Offseason Agenda
Coach Jeff Hornacek blieb in New York glücklos und wurde durch David Fizdale ersetzt. Fizdales Entlassung bei den Memphis Grizzlies im vergangenen November sorgte für Staunen und Irritation, denn der 44-Jährige gehört zweifelsohne zu einem echten Könner seines Fachs und hat bei den Grizzlies aus wenig viel gemacht.


Als Assistent bei den Miami Heat unter Erik Spoelstra gewann Fizdale zwei Championships, ehemalige Spieler wie LeBron James und Dwyane Wade sprechen auch heute noch nur in den höchsten Tönen von ihm. So ist es nicht verwunderlich, dass Fizdale in der Offseason mit mehreren Teams in Verbindung gebracht wurde. Die Knicks bekommen einen respektierten und kompetenten Coach. Das war in den letzten Jahren nicht immer der Fall.

Aus dieser positiven Entwicklung heraus träumt manch ein New Yorker nun von der Addition LeBron James'. Realistisch betrachtet müssen die Knicks aber wesentlich kleinere Brötchen backen. 75,3 Mio. $ sind aktuell an garantierten Gehältern verbucht, wobei hier die Player Option von Enes Kanter in Höhe von 18,6 Mio. $ noch nicht eingerechnet ist.

Sollte Kanter diese Option ziehen – wovon auszugehen ist – dann bleiben Mills und Perry immerhin noch ein wenig Spielraum für Neuzugänge. Weil infolge der Exzesse 2016 nur wenige Teams in diesem Sommer auf dem Markt mitbieten können, haben die Knicks ordentliche Chancen, sich via Free Agency zu verstärken. Bedarf existiert auf allen Positionen.

EDIT: Kanter verkündet auf seine Art, dass er bei den Knicks bleibt...



Personal
Anders als Kanter hat Kyle O'Quinn seine Player Option etwas überraschend nicht gezogen. Der bullige Center darf die vier Mio. $, die er dieses Jahr überwiesen bekommen hat, nicht zwangsläufig auf dem freien Markt erwarten. Vielleicht zieht es ihn aber auch zu einem sportlich relevanteren Team.

Weitere Free Agents sind die Veteranen Michael Beasley und Jarrett Jack. Für die Langzeitplanungen im Madison Square Garden spielt dieses Duo sicherlich keine Rolle, ein weiterer Kurzzeitdeal ist aber im Bereich des Möglichen.

An der Trade-Front werden die Knicks weiter verzweifelt versuchen, die unsäglichen Verträge von Joakim Noah (knapp 38 Mio. $ bis 2020) und Courtney Lee (knapp 25 Mio. $ bis 2020) loszuwerden. Tim Hardaway Jr. (knapp 55 Mio. $ bis 2021 inklusive Player Option) wird mutmaßlich zumindest noch ein Jahr Zeit bekommen, seinen Deal zu rechtfertigen.


Draft
Mit dem neunten Pick entschieden sich die Knicks für Kevin Knox. Dieser wurde vom New Yorker Publikum im Barclays Center mit Buhrufen begrüßt – was Gutes verheißt, denn auch Kristaps Porzingis wurde anno 2015 lautstark ausgebuht, weil die Knicks-Fans lieber Emmanuel Mudiay in ihren Reihen gesehen hätten. Kein weiterer Kommentar nötig.

Knox ist erst 18 Jahre alt und verbrachte sein obligatorisches Jahr am College bei den Kentucky Wildcats. Er bringt Athletik und eine Menge Potential mit nach New York. Wenngleich Fizdale verkündete, dass Knox durchaus sofort auf Small Forward starten könnte, wird er noch einiges an Reifezeit benötigen, um zu einem produktiven NBA-Spieler zu wachsen.

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In der zweiten Runde durften die Knicks als Teil des Melo-Trades an 36. Stelle wählen und drafteten in Mitchell Robinson einen Center, der gerade erst 20 Jahre alt geworden ist, aber bereits stattliche 2,16 Meter misst. Robinson gilt als talentierter Shotblocker, im Best-Case-Szenario stehen Vergleiche mit DeAndre Jordan und Tyson Chandler.


Zukunft
2019 wird Kristaps Porzingis Restricted Free Agent. Die Knicks haben also genau ein Jahr Zeit, ihrem lettischen Einhorn so etwas wie eine Perspektive zu bieten. Dass der 2,21 Meter Wehrturm mit dem Management seines Teams unzufrieden ist, gab er den Verantwortlichen schon 2017 deutlich zu verstehen, als er das Exit-Interview schwänzte und wortlos in seine Heimat zurückkehrte.


Porzingis wird verletzungsbedingt noch mindestens bis Dezember fehlen, das erschwert einen gelungenen Start in die nächste Saison. Mit der Demission Jacksons und Hornaceks sowie dem Anheuern von Mills/Perry/Fizdale haben die Kniehosenträger zumindest schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Solange aber James Dolan im Madison Square Garden die finalen Entscheidungen trifft, sind diese positiven Meldungen allesamt mit sehr viel Vorsicht zu genießen.