26 Juni 2018

26. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Orlando Magic.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Wieder mal ein Jahr verschenkt. Auch wenn es langsam zum trägen Running Gag wird: Die Magic haben sich immer noch nicht von Dwight Howards Abgang 2012 erholt. Dass dieser inzwischen selbst sportlich unbedeutend geworden ist unterstreicht die schlechte Arbeit in Orlando.

Orlandos Saisonsiege in diesem Zeitraum: 20, 23, 25, 35, 29 – jetzt wieder 25. Die zuletzt steigende Tendenz hat kehrt gemacht. Dabei starteten die Magic eigentlich ordentlich, standen Anfang November bei 6-2 Siegen und hatten unter anderem die Cleveland Cavaliers und San Antonio Spurs überrascht.

Im November hagelte es dann aber eine Niederlagenserie, neun Spiele am Stück gingen verloren und Realität kehrte in Disneyland ein. Wieder einmal war früh klar, dass die Magic mit dem Kampf um die Playoffs nichts zu tun haben werden, entsprechende Konsequenzen wurden zeitnah eingeleitet.

Dass die im letzten Sommer angeheuerte neue Führungsetage um Teampräsident Jeff Weltman und General Manager John Hammond ernst macht demonstrierte sie zur Trade Deadline, als sie Starting Point Guard Elfrid Payton mitsamt seiner obskuren Haarpracht für den sprichwörtlichen Appel und Ei zu den Phoenix Suns verschacherten.



Offseason Agenda
Den Magic fehlt es an allen Ecken und Enden an Talent, daher treiben Weltman und Hammond kompromisslos den Umbau voran. Die 78 Mio. $ an garantierten Gehältern erlauben zwar theoretisch einen größeren Sprung in der Free Agency, realistischer ist aber Bewegung an der Trade-Front.

Schon zur Deadline im Februar war kein Spieler der Blauen unantastbar: Bismack Biyombo, Nikola Vučević, Evan Fournier, Terrence Ross, Jonathon Simmons... alle standen und stehen immer noch auf dem Trade-Block. Vor allem Biyombo ist mit 17 Mio. $ Jahresgehalt und einer Player Option für 2019/20 nicht vermittelbar, Fournier bei gleicher Summe schon eher.

Coach Frank Vogel wurde bereits vor der Saison angezählt, nachdem auch dieses Jahr kein Fortschritt erkennbar war endet dieses Missverständnis jäh. Vogel kam nach Orlando, um gemäß der Blaupause seiner erfolgreichen Zeit bei den Indiana Pacers eine erstickende Defensive aufzubauen. In den zwei Jahren bei den Magic rangierte sein Team allerdings jeweils im unteren Drittel – in der Defensive und in der Offensive.

Neuer Trainer in Orlando wird Steve Clifford, der ähnliche Prioritäten wie Vogel setzt und zuletzt mit den Charlotte Hornets zumindest deutlich näher an den Playoffs dran war als die Magic. Zudem arbeitete er bereits von 2007 bis 2012 als Assistent von Stan Van Gundy in Orlando, kennt also Franchise und Umfeld bestens.

Ein Beitrag geteilt von Orlando Magic (@orlandomagic) am

Allerdings ist Clifford mit 56 Jahren über zehn Jahre älter als Vogel und musste während der ablaufenden Saison aus gesundheitlichen Gründen über einen Monat lang der Trainerbank fern bleiben. Weil Orlando nur über den Rebuild mit einer jungen Mannschaft zurück in die Erfolgsspur finden wird, wäre ein unverbrauchter, frischerer, dynamischerer Trainer mit neuen Ideen vielleicht die bessere Wahl gewesen.


Personal
Clifford steht gemeinsam mit dem Führungsduo Weltman/Hammond vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Aaron Gordon wird zum 1.7. Restricted Free Agent. Manche sehen Gordon auf dem Talentlevel eines Franchise Players, andere nicht.

Orlandos Front Office hat wie erwartet ein Qualifying Offer für den 22-jährigen Forward abgegeben. Angesichts der kritischen Marktlage mit nur wenigen flexiblen Teams bleibt die Hoffnung, dass kein unmoralisches Offer Sheet für Gordon ins Haus flattert und ihnen besagte Entscheidung abgenommen wird. Sollte er jedoch einen hochdotierten oder gar einen Maximalvertrag unterschreiben/fordern, definiert die Führungsriege in der Frage 'to match or not to match' die mittelfristige Zukunft der Franchise.


Neben Gordon wird Mario Hezonja Unrestricted Free Agent. Der fünfte Pick des 2015 Drafts, blieb bislang deutlich unter den Erwartungen. Zwar war diese Saison eine leichte Steigerung erkennbar, Hezonja scheint endlich in der NBA angekommen zu sein. Da die Magic aber bereits darauf verzichtet haben, ihn zum Restricted Free Agent zu machen, wird sich der Kroate in der Liga umhören.

Ebenfalls auf der Liste der künftigen Free Agents stehen die Veteranen Arron Afflalo und Mo Speights, für die die Magic bei einem konsequenten Rebuild keine Verwendung haben dürften. Speights wird bereits mit einem chinesischen Team in Verbindung gebracht, auf ähnliche Wege sollte es auch den immer stärker nachlassenden Afflalo verschlagen.

Für Shelvin Mack heißt es wohl ebenfalls Koffer packen. Orlando hat seinen ungarantierten Vertrag gekündigt. Zwar ist ein neuer Deal theoretisch möglich, allerdings feierte Mack im April seinen 28. Geburtstag und passt somit nicht in die notwendig gewordene Renaissance des Clubs. Junge und hungrige Point Guards finden sich in diesen Tagen wie Sand am Meer.


Draft
Mit dem sechsten Pick wählten die Magic gemäß des Credos 'best player available' Mohamed Bamba (20), einen vielversprechenden Rim Protector von den Texas Longhorns. Dass Orlando mit Vučević und Biyombo bereits zwei gestandene Center im Aufgebot hat ist zu diesem Zeitpunkt nebensächlich.


In der zweiten Runde drafteten die Magic die Flügelspieler Melvin Frazier und Justin Jackson (beide 21). Diese haben auch mit Bamba vor allem eine enorme Spannweite gemeinsam, dies kommt Steve Cliffords defensivem System zugute.


Zukunft
Kritisch. Orlando kämpft seit Jahren um den sportlichen Anschluss, obwohl sie in einer wenig kompetitiven Division spielen. Weder beim Draft, noch bei Free Agents, Trades oder Trainerauswahl agierte der Finalist von 2009 in irgendeiner Form glücklich und erlebt die daraus resultierenden Konsequenzen Jahr für Jahr auf dem Parkett.

Der Rebuild nach Howards Abgang ist krachend gescheitert, daher muss nun der nächste folgen. Das bedeutet für Team und Fans weitere Jahre geprägt von Niederlagen und der Zuschauerrolle in den Playoffs. Immerhin halten sie alle ihre eigenen Draft Picks, bekommen unter Umständen 2020 noch einen weiteren Erstrunden-Pick dazu und haben sich mit den Verträgen von Biyombo und Fournier nicht ähnlich verausgabt wie beispielsweise die Portland Trail Blazers oder die Charlotte Hornets.

Im Sommer 2019 steht eine Menge Cap Space zur Verfügung, lediglich circa 25 Mio. $ sind derzeit fest verbucht. Zwar waren die Magic nie attraktiv für Free Agents, die besten Spieler suchten wenn überhaupt den umgekehrten Weg. Weil sich aber einige Konkurrenten wie die eben erwähnten Teams bereits aus dem Spiel genommen haben, hat Orlando zumindest Chancen, in der nächsten Offseason ausnahmsweise zu einem der klaren Gewinner emporzusteigen.