28 Juni 2018

28. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Philadelphia 76ers.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
„Trust the Process“. Das Vertrauen hat sich ausgezahlt, die Sam Hinkie-Statue steht bereits in den Vorgärten der treuesten Fans. Nach Jahren in den düstersten Tiefen des Tabellenkellers mit nicht einmal 20 Siegen deutete diese junge, hochbegabte Truppe schon im letzten Jahr seine Klasse an.

Was sie diese Saison aufs Parkett brachte hatten so nur die Optimisten erwartet: 52-30 Siege, das beste Resultat seit den Zeiten Allen Iversons, dritter Rang in der Eastern Conference, ein deutliches 4-1 in der ersten Playoff-Runde gegen die Miami Heat, die erste gewonnene Serie seit 2012.

In der zweiten Runde gegen die Boston Celtics wurde den jungen Sixers ebenfalls mit 4-1 die Grenzen aufgezeigt, jedoch verlief die Serie ausgeglichener, als es das Ergebnis vermuten lässt. So oder so waren die jungen Sixers 2018 voll im Soll.

Phillys neues Flaggschiff auf und abseits des Feldes, Joel Embiid, blieb weitgehend gesund. Ebenso der erste Pick 2016, Ben Simmons, der zum Rookie of the Year gewählt wurde. Einziges Sorgenkind war der erste Pick 2017 Markelle Fultz, der wegen einer ominösen Schulterverletzung erst spät in der Saison sein Debüt gab und sein wahres Gesicht noch nicht zeigte. Darüber können die Sixers-Fans nach einem überragenden Jahr aber hinwegsehen.



Offseason Agenda
Mit seinen Burner-Accounts brachte GM Bryan Colangelo die Franchise völlig unnötig in die Bredouille. Colangelo musste infolge dieses Skandals seinen Hut nehmen, Coach Brett Brown übernimmt kommissarisch in Doppelfunktion die Trainer- und Managerrolle.

Nun liegt es an Brown, den „Process“ auf die nächste Stufe zu hieven und wenn es nach den Sixers-Fans geht, bedeutet das keinen geringeren als LeBron James in die Stadt der brüderlichen Liebe zu locken. Im Rennen um den König von Cleveland sind die Sixers alles andere als favorisiert, erst recht nach dem Vorfall um Colangelo.


Doch selbst wenn LeBron Philadelphia eine Absage erteilt, gleichzeitig aber in die Western Conference wechselt, haben sie gewonnen. Denn dann fällt in den Cleveland Cavaliers ein Schwergewicht des Ostens aus dem Rennen.

So kann Philadelphia einer der Gewinner des Sommers werden, indem sie einfach nur den eingeschlagenen Weg fortsetzen und sich nur punktuell verstärken respektive ihre Free Agents halten.


Personal
Nur 70 Mio. $ sind fürs nächste Jahr garantiert, weil in J.J. Redick der Bestverdiener letzten Sommer nur einen Einjahresvertrag unterschrieben hat und nun erneut Free Agent wird. Das Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit wird auf beiden Seiten groß sein. Ob Philly noch mal 23 Mio. $ für ein Jahr auf den Tisch legt steht aber auf einem anderen Stern.

Auch Amir Johnsons Vertrag läuft aus. Johnson hat als Backup Joel Embiids einen soliden Job gemacht, mehr aber auch nicht. Auch er wird mutmaßlich nicht noch einmal 11 Mio. $ pro Jahr angeboten bekommen.

Wichtiger sind die beiden im Februar von der Buyout-Liste verpflichteten Marco Belinelli und Ersan Ilyasova, die dem blutjungen Team mit ihrer Erfahrung und ihrem Shooting weiterhelfen. Die europäischen Veteranen werden sicherlich einige Angebote bekommen, haben sich jedoch schon vor vier Monaten nicht zufällig pro Philadelphia entschieden.

Für die Youngster T.J. McConnell und Richaun Holmes haben die Sixers bereits ihre Team Option gezogen, beide werden nächste Saison weiter das Trikot der 76ers tragen.


Draft
Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit hatten die Sixers dieses Jahr keinen Top Pick. Dass sie aber trotzdem eine prominente Rolle in der Draft-Nacht einnahmen lag zu einen an Twitter-MVP Embiid, der sich prompt den No. 1 Pick DeAndre Ayton vorknöpfte...


... zum anderen an Mikal Bridges, den die Sixers an zehnter Stelle drafteten. Für ein paar Minuten war Bridges das Gespräch des Abends, weil seine Mutter in der Personalabteilung der Sixers arbeitet. Diese Zusammenführung brach die sportliche Führung jedoch unverhofft auseinander und tradete den Forward zu den Phoenix Suns, im Austausch für den 16. Pick, Guard Zhaire Smith sowie den ungeschützten Erstrunden-Pick 2021 der Miami Heat.

Mit dem 26. Pick entschieden sich die Sixers für Point Guard Landry Shamet. In der zweiten Runde hatten sie infolge Hinkies Erbe eigentlich solide vier Picks. Weil das zu Schwierigkeiten mit der Roster-Beschränkung von 15 Spielern zum Saisonauftakt hätte führen können, verkaufte Philadelphia den 38. und 39. Pick an die Detroit Pistons und Los Angeles Lakers.

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Auch der 56. und 60. Pick ging über die Ladentheke, um an 54. Stelle picken zu dürfen. Hier entschieden sich die Sixers für Shake Milton, ebenfalls Point Guard.


Zukunft
So vielversprechend wie lange nicht. Embiid (24) und Simmons (21) sind beinahe schon garantierte All-Stars 2019 und werden ihr Team auch durch die gestiegenen Ansprüche führen. Dank des gelungenen „Process“ sind die Sixers plötzlich wieder im Gespräch bei A-Klasse Free Agents wie LeBron James oder Trades um Ausnahmekönner wie Kawhi Leonard.

Und der Fluss an talentierten Spielern hört nicht auf. Fultz (20) bekommt ebenso wie Embiid und Simmons vor ihm alle Zeit der Welt, sich und seinen Körper an den NBA-Basketball zu gewöhnen.

Mit dem dritten Rang 2018 haben die Sixers Ansprüche auf die Conference Finals angemeldet und werden dieses Ziel auch im neuen Jahr angreifen. Womöglich entsteht eine jahrelangen Rivalität mit dem Team, an dem sie dieses Jahr scheiterten, den Boston Celtics.