30 Juni 2018

30. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Phoenix Suns.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Die Suns gingen ohne Erwartungen in diese Spielzeit, etwas weniger Drama hätte es aber dennoch sein dürfen. Nach nur drei Spielen wurde Coach Earl Watson vor die Türe gesetzt und durch Jay Triano ersetzt. Das Management unterstrich damit die eigene Planlosigkeit, denn sie hätten Watson genauso gut bereits im Sommer von seinen Pflichten entbinden können. Triano als Interimslösung war höchstens sinnvoll, um möglichst viele Spiele zu verlieren.

Infolge dieses Chaos forcierte Phoenix' bester Spieler Eric Bledsoe mit seinem „I don't wanna be here“-Tweet den Trade zu den Milwaukee Bucks, für den der später entlassene Greg Monroe sowie zwei geschützte Draft Picks nach Arizona wanderten.

Zur sportlichen Saison genügt die bloße Erwähnung der finalen Bilanz von 21-61 Siegen. Die Suns hatten es von vorne herein nur auf erhöhte Chancen bei der Draft Lottery abgesehen und wurden dafür mit dem ersten Pick belohnt.


Offseason Agenda
Integration. Die Suns haben sich in der Draft-Nacht gleich vier neue Spieler ins Haus geholt, selbst die Sophomores sind der 20 näher als der 25.

Auf den neuen Coach Igor Kokoškov – zuvor Assistent bei den Utah Jazz und erster europäischer Cheftrainer der NBA-Geschichte – wartet also einiges an Entwicklungs- und Zusammenführungsarbeit.


Über Cap Space, Luxury Tax oder die Free Agency muss sich in der Wüste keiner einen Kopf machen. Phoenix steht bei etwas über 70 Mio. $ an garantierten Gehältern und hat die drei Bestverdiener Brandon Knight, Tyson Chandler und Jared Dudley unter Umständen abzugeben bzw. aus ihrem Vertrag zu kaufen.

Platz für hochkarätigere Neuzugänge hat Phoenix so oder so. In der Gerüchteküche werden die Suns aufgrund ihres Cap Space und der Ausrichtung auf ein sehr junges Team mit Restricted Free Agents wie Marcus Smart von den Boston Celtics in Verbindung gebracht.

Allerdings steht in Zweifel, ob die Suns erstens schon dieses Jahr Cap Space zu verbraten gedenken, wenn sie nächstes Jahr theoretisch mehrere Maximalverträge anbieten könnten und zweitens vermutlich ihre vielen jungen Spieler auch mit Hinblick auf die Draft Lottery 2019 einsetzen möchten, um im Idealfall ein weiteres Mal den No. 1 Pick abzustauben.


Personal
Alex Len und der im Februar für ein Butterbrot von den Orlando Magic geholte Elfrid Payton werden Free Agents. Das Butterbrot war dann wohl schon zu viel für Payton, denn die Suns gaben kein Qualifying Offer für den Aufbauspieler ab und zeigen an beiden Spielern kein weiteres Interesse.


Unter ihren vielen Youngstern sieben die Verantwortlichen um GM Ryan McDonough ebenfalls bereits aus: Dragan Bender und Marquese Chriss, der vierte bzw. achte Pick des 2016 Drafts, stehen offenbar für Trade-Offerten zur Verfügung. Ob Tyler Ulis, im gleichen Jahr an 34. Stelle gezogen, eine Zukunft in Phoenix hat, wird in Kürze entschieden: Der Vertrag des 22-jährigen Point Guards ist nicht garantiert.


Draft
Mit vier Picks und dem allerersten überhaupt war Phoenix der Hauptprotagonist der Draft-Nacht. An erster Stelle entschieden sie sich wie erwartet für Center DeAndre Ayton, der sich nun aber Zeit seiner Karriere am slowenischen Wunderkind Luka Dončić, der erst an 3. Stelle wegging, messen lassen werden muss.

Ayton ist offensiv variabel und versatil, weswegen häufig Vergleiche mit Karl-Anthony Towns von den Minnesota Timberwolves gezogen werden, der 2015 ebenfalls an erster Stelle gedraftet wurde.

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Auch Phoenix' zweite wichtige Wahl des Abends ist nicht unumstritten: Sie nutzten den 16. Pick (Zhaire Smith) und einen zukünftigen Pick der Miami Heat um den von den Philadelphia 76ers an zehnter Stelle gedrafteten Mikal Bridges via Trade nach Arizona zu holen. Zwar ist Bridges ein vielversprechendes Talent, der dafür abgegebene Smith aber ebenfalls. Und weil der Draft Pick der Heat 2021 komplett ungeschützt ist und Miami auf absehbare Zeit nicht um den Titel mitspielen wird, könnte dieser Pick richtig hoch ausfallen. Ein saftiger Preis für Bridges.

In der zweiten Runde entschieden sich die Suns für Élie Okobo an 31. Stelle sowie George King an 59. Okobo gilt als interessantester europäischer Export nach Dončić, der 20 Jahre alte Point Guard spielte zuletzt drei Jahre lang in der französischen ersten Liga bei Pau-Orthez. Ob King in diesem tiefen Kader voller Youngster überhaupt den Cut nach dem Trainings Camp übersteht, darf bezweifelt werden.


Zukunft
Devin Booker steht als legitimer Franchise Player der Suns schon bereit. Nun gilt es, weitere Spieler dieses Kalibers zu formen, sodass Phoenix wieder ein ernstzunehmender Standort auf der NBA-Landkarte werden wird.


In diesem Jahrzehnt wird Phoenix keine Rolle mehr spielen. Erweist sich jedoch Kokoškov als Volltreffer, der die DeAndre Aytons, Mikal Bridges', Josh Jacksons und T.J. Warrens dieses Kaders (noch mehr) zu produktiven NBA-Spielern entwickelt, so haben die Erben von Steve Nash beste Voraussetzungen, in den Zwanzigerjahren anzugreifen.