16 Juni 2018

16. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Portland Trail Blazers.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Nach zwei Erstrunden-Aus in den vergangenen drei Jahren sowie einem Einzug in die Conference Semifinals, der wegen schwerwiegender Verletzungen der Gegenseite nicht so richtig zählt, wollte die Mannschaft von Coach Terry Stotts endlich einen Schritt nach vorne machen und sich angeführt vom Backcourt um Damian Lillard und C.J. McCollum als einer der Verfolger der Golden State Warriors in Position bringen.

Keine leichte Aufgabe, angesichts des Kaders voller überbezahlter Durchschnittsspieler. Und tatsächlich taten sich die Blazers lange Zeit schwer, bis sie sich mit einer Serie von 13 Siegen in Folge von Mitte Februar bis Mitte März auf den dritten Rang der Western Conference nach vorne schoben. Diesen verteidigten sie erfolgreich und beendeten die regulären Saison mit beachtlichen 49-33 Siegen – allerdings auch nur drei Siege vor den neuntplatzierten Denver Nuggets.


Wie sehr dieser dritte Platz jedoch über die wahre Stärke täuscht und begünstigt wurde von den Ausfällen der Konkurrenz, namentlich Kawhi Leonard, Jimmy Butler oder DeMarcus Cousins, zeigten die Playoffs. Portland startete angesichts der Siegesserie und der hohen Platzierung mit entsprechenden Ambitionen und Erwartungen in die Postseason, galt als Favorit in der Serie gegen die New Orleans Pelicans, wurde von diesen aber auf dem völlig falschen Fuß erwischt und unerwartet direkt nach vier Spielen in die Sommerpause geschickt.

Das erste Spiel war noch knapp, die Blazers unterlagen mit zwei Punkten. Spiel zwei bis vier waren dann jedoch eine deutliche Angelegenheit, acht Punkte Differenz noch das beste Ergebnis aus Sicht Portlands.

Franchise Player Damian Lillard wurde von Jrue Holiday und Rajon Rondo kalt gestellt (nur 18,5 Punkte und 4,5 Assists pro Spiel bei 35,2% aus dem Feld), Backcourt Partner C.J. McCollum erzielte zwar 38 Punkte im ersten Spiel, enttäuschte danach aber ebenfalls auf ganzer Linie und brachte in den drei restlichen Partien nur noch knapp über 20 Punkte aufs Scoreboard. Portlands Bigs waren derweil mit Anthony Davis völlig überfordert.

So bleibt an Erinnerungen an diese Spielzeit die Siegesserie, das dritte Erstrunden-Aus in vier Jahren – und ein immer noch völlig überteuerter Kader.



Offseason Agenda
Geld sparen. Team umbauen. Die Blazers bezahlen 2017/18 für ihr Team, das von den Pelicans bloßgestellt wurde, saftige 119 Mio. $ und stecken damit tief in der Luxussteuer. Für die nächste Spielzeit sieht es nicht besser aus: 110 Mio. $ für acht Verträge sind garantiert, inklusive der immer noch abstrusen 17 Mio. $ pro Jahr für Evan Turner, knapp 11 Mio. $ für Mo Harkless und über 10 Mio. $ für Meyers Leonard.

Es kommt noch schlimmer, denn der vergangenes Jahr von den Denver Nuggets geholte Center Jusuf Nurkić wird Restricted Free Agent. Nurkić löste kurz nach seiner Akquisition das Nurk Fever aus und ließ Portland wie den Gewinner des Trades aussehen, blieb nun in seinem Contract Year aber weitestgehend blass. Seine Produktion schrumpfte in allen wichtigen Kategorien.


Weil unbewegliche Center ohne Range aktuell nicht sonderlich hoch im Kurs stehen kommt Portland in diesem Fall vielleicht mit einem blauen Auge davon – doch wollen sie sich für Nurkić überhaupt noch tiefer in die Luxussteuer begeben und somit noch handlungsunfähiger machen? Der Bosnier ist erst 23 Jahre alt und hat alle Anlagen, zumindest eine zuverlässige Zonenpräsenz zu geben. Nach auch seinerseits dürftigen Playoffs wird sich das Front Office um GM Neil Olshey zumindest fragen, ob er die vielen, vielen zusätzlichen Dollar, die eine Vertragsverlängerung kosten würde, wert sein wird.

So oder so wird Olshey spätestens zum Draft keine Gelegenheit auslassen, einen seiner teuren Verträge irgendwie loszuwerden und die Payroll zurück in halbwegs vernünftige Regionen zu drücken.

Womöglich ziehen die Blazers sogar die Reißleine und trennen sich von einem ihrer Großverdiener,  aller Wahrscheinlichkeit nach McCollum (83 Mio. $ bis 2021). Portland würde sich dadurch sportlich sicherlich schwächen, andererseits ist das nächste Erstrunden-Aus – und viel mehr gibt der aktuelle Kader nicht her – ebenfalls nicht sonderlich erschwinglich und dem Teambesitzer Paul Allen wohl oder übel die hohen Kosten nicht wert.


Personal
Neben Nurkić wird Ed Davis Unrestricted Free Agent sowie Shabazz Napier und Pat Connaughton Restricted Free Agents. Angesichts der angespannten finanziellen Lage werden sich die Blazers nicht strecken, um diese Spieler zu halten.

Die Verträge von Jake Layman, Wade Baldwin und Georgios Papagiannis sind für die nächste Spielzeit nicht garantiert. Alle drei spielen für das Minimum, eine Auflösung ergäbe also nur Sinn, wenn Portland bessere Spieler in Aussicht hat. Vor allem der ehemalige Lottery Pick Papagiannis (13. Pick im Draft 2016) könnte wichtig(er) werden, falls die Blazers Nurkić nicht verlängern.


Draft
Portland hält den 24. Pick beim bevorstehenden Draft. Auf der positiven Seite bekommen sie dadurch frisches Blut zu günstigen Konditionen, auf der negativen addieren sich dennoch zusätzliche 1,6 Mio. $ zur überfüllten Payroll. Folgerichtig sind die Blazers einer der heißeren Kandidaten für einen Trade in der Draft-Nacht.

Ihren 2nd Round Pick (#54) gaben die Blazers im Zuge des Trades um Nurkić nach Denver ab, die ihn inzwischen nach Dallas weiter getradet haben.


Zukunft
Auf GM Olshey und Coach Stotts wartet einiges an Arbeit: Repeated Taxpayer und in der ersten Runde gesweept. Die Blazers werden in dieser Situation sicherlich von kaum einem anderen Team beneidet. Sofern sie auf Kurs bleiben dauert es wohl bis 2020, ehe sie die eingebrockte Suppe ausgelöffelt haben.

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Ein kompletter Rebuild darf zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Dann müsste Olshey aber das ganze Haus einreißen, denn Franchise Player Lillard wird im Juli 28 Jahre alt und hat schon des öfteren das Gespräch mit dem Management bezüglich seiner Zukunft und der des Teams gesucht.

Nachdem in den letzten sechzehn Monaten DeMarcus Cousins, Jimmy Butler, Chris Paul, Paul George, Kyrie Irving und Blake Griffin getradet wurden, würde auch ein Lillard-Deal niemanden mehr schockieren.