29 Juni 2018

29. Juni, 2018


Während in Oakland die Champagnerkorken knallen, haben alle anderen Franchises die Saison 17/18 längst abgehakt haben und blicken optimistisch/pessimistisch in die Zukunft. Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Sacramento Kings.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Saison 2017/18
Die Lachnummer des Westens versuchte es dieses Mal mit geballter Erfahrung: Zach Randolph, Vince Carter und George Hill wurden mit großem Geld nach Kalifornien gelockt. Ohne wirklichen Effekt auf die Erfolgsquote, zum zwölften Mal in Folge verpassten die Kings die Playoffs und das bei einer Bilanz von 27-55 Siege (am Ende gewollt) nicht mal knapp.

Zum sechsten Mal in den letzten acht Jahren blieben sie unter 30 Siege. Da die Minnesota Timberwolves sich nach 14 Jahren wieder für die Postseason qualifizierten, sind die Kings (zuletzt 2006) nun das Team mit der längsten Durststrecke ohne Playoffs.

Sacramento verlor acht der ersten neun Partien, damit war die Saison Anfang November bereits gelaufen und die Lilanen durften sich wieder einmal an der Talententwicklung erfreuen. Respektabel agierten sie dabei an keinem Ende des Feldes (29. in Offensiver Effizienz, 27. in Defensiver Effizienz). Damit ist die Geschichte der Kings 2017/18 auch schon erzählt.


Offseason Agenda
Nur 67 Mio. $ an garantierten Gehältern, ca. 75 Mio $ falls Garrett Temple noch in seinen Vertrag optiert: Sacramento ist diesen Sommer eines der wenigen Teams, das theoretisch einen großen Vertrag anbieten könnte.


Im Gegensatz zu ihren Fans sollten sie sich Albernheiten aber sparen. Dass die namhaftesten Free Agents nicht einmal den Anruf aus Sacramento entgegen nehmen versteht sich von selbst, daher sind die Kings besser beraten, ihren Cap Space zu nutzen um im Austausch für Geld, Talent und/oder Draft Picks einen dicken Vertrag eines anderen Teams zu absorbieren – und daran mangelt es infolge des exzessiven Sommers 2016 nicht.

Ebenso können sie den Restricted Free Agents einen großen Gefallen tun und hochdotierte Offer Sheets vorlegen. Den Kings wird u. a. Interesse an Chicagos Zach LaVine nachgesagt. Einen verletzungsanfälligen und/oder überbewerten Spieler mit einem völlig überzogenen Vertrag auszustatten würde exzellent zum bisherigen Arbeitsnachweis des Teambesitzers Vivek Ranadivé passen.


Coach Dave Joerger ist nach einem weiteren erfolglosen Jahr nicht unumstritten, darf aber vorerst weitermachen.


Personal
George Hills 20 Mio. $ schwerer Kontrakt wurde bereits im Februar nach Cleveland weitergetradet, der von Vince Carter läuft aus, Destination unbekannt. Vom im Sommer geholten Trio bleibt somit nur Randolph, der 2019 Free Agent werden wird.

Im gleichen Jahr laufen außerdem die Verträge von Iman Shumpert, Kosta Koufos und mutmaßlich Garrett Temple aus. Die Kings haben dann vier ihrer fünf Bestverdiener von der Gehaltsliste und Stand heute Platz für mindestens zwei Maximalverträge.

Bereits in diesem Jahr wird „Two Years Away From Being Two Years Away“ Bruno Caboclo Restricted Free Agent. Da der Brasilianer immer noch kein Stück näher an NBA-Tauglichkeit herangerückt ist, ist ein Verbleib bei den Kings oder in der Association selbst mehr als fragwürdig. Es würde niemanden überraschen, wenn Sacramento gar nicht erst ein Qualifying Offer abgibt.


Draft
Gerade als sich die Kings langsam stabilisiert hatten und ihr jüngster Mumpitz langsam verblasst, ließ sich Sacramento mit dem zweiten Pick im Draft Luka Dončić entgehen. Das ist rational nicht zu erklären, zumal in Vlade Divac ein Urgestein des jugoslawischen Basketballs in Sacramento die Fäden zieht, der es hätte besser wissen müssen.

Anstatt des Slowenen drafteten sie Marvin Bagley III. Der 19-jährige Forward von der renommierten Duke University wird zwar nicht zwingend ein Bust. NBACHEF Draft-Experte Axel Babst prognostiziert jedoch, dass Bagley niemand ist, „der ein Team auf ein gänzlich anderes Level hebt. Er verrichtet seine Aufgabe als Rebounder und Finisher, mehr nicht.“ Dies würde zum Gesamtbild passen, das die Kings in den letzten zehn Jahren abgegeben haben.

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Ihren 2nd Round Pick an 37. Stelle tradeten die Kings im Austausch für zwei zukünftige 2nd Round Picks plus Cash zu den Portland Trail Blazers.


Zukunft
In Bagley (19), Willie Cauley-Stein (24), De'Aaron Fox (20), Harry Giles (20), Buddy Hield (24), Justin Jackson (23), Skal Labissiere (22) und Frank Mason III (24) weist der Kader der Kings eine regelrechte Armada an begabten jungen Spielern auf. Problem dabei: Keiner von ihnen hat bisher angedeutet, dass er Potential zu einem legitimen Anführer und Franchise Player hat.

Im Idealfall ändert sich dies nächstes Jahr und mehrere Jungkönige nutzen die vielen verfügbaren Minuten, um ihr Spiel auf ein neues Level zu hieven. Im schlechtesten Fall züchten die Kings eine Generation von Rollenspielern heran, die sie keinen Schritt näher an sportlichen Erfolg bringt. Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte.


2018/19 wird Sacramento jedenfalls wieder mal höchstens um möglichst viele Ping-Pong-Bälle spielen. Dass selbst Glück in der Lottery und ein hoher Pick ihre Vorzeichen nicht zwingend verbessern haben sie dieses Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Die Kings sind auf bestem Wege, einen eigenen düsteren Rekord in der NBA-Historie zu brechen: Bei drei weiteren Spielzeiten mit negativer Bilanz stellen sie die eigene „Bestleistung“ von 15 Saisons in Folge mit mehr Niederlagen als Siege ein (1983/84 bis 1997/98). Wer würde aktuell dagegen wetten?