08 August 2018

8. August, 2018


Das Sommerloch hat die NBA fest im Griff. Draft, Summer League, Free Agency... die Claims sind abgesteckt und im Prinzip könnte die neue Spielzeit morgen schon beginnen. Bis der Oktober jedoch endlich Einzug hält und die Basketballarenen wieder mit Leben füllt, hält die NBA noch einige Storys und ungeklärte Fragen für Zwischendurch bereit, die die Chefküche hier kompakt serviert.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Der neue Spielplan

Die NBA hat die ersten Details des Spielplans für die Saison 2018/19 vorgestellt. Mit dem neuen Schedule werden dringliche Fragen beantwortet: Die Golden State Warriors eröffnen die Saison am 16. Oktober, die Oklahoma City Thunder um Kevin Durants Intimus Russel Westbrook müssen bei der Ring- und Bannerzeremonie zuschauen.

Zum Showdown des Titelverteidigers mit den LeBron-Lakers kommt es nicht ganz zufällig an Weihnachten. Die Christmas Games setzen 2018 auf einige altbekannte Protagonisten.

Die bereits bekannten Spieltage im Überblick...

16. Oktober 2018: Season Opener

  2.00 Uhr: Boston Celtics – Philadelphia 76ers
  4.30 Uhr: Golden State Warriors – Oklahoma City Thunder

25. Dezember 2018: Christmas Games:

18.00 Uhr: New York Knicks – Milwaukee Bucks
21.00 Uhr: Houston Rockets – Oklahoma City Thunder
23.30 Uhr: Boston Celtics – Philadelphia 76ers
  2.00 Uhr: Los Angeles Lakers – Golden State Warriors
  4.30 Uhr: Utah Jazz – Portland Trail Blazers

21. Januar 2019: Martin Luther King Jr. Day

23.30 Uhr: Memphis Grizzlies – New Orleans Pelicans
  2.00 Uhr: Houston Rockets – Philadelphia 76ers
  4.30 Uhr: Golden State Warriors – Los Angeles Lakers
* Diese drei Spiele werden im landesweiten TV übertragen, am MLK Day finden noch weitere Partien statt.

Der vollständige Schedule wird in den nächsten Tagen veröffentlicht, dann erfährt die Basketballwelt alle wichtige Termine – beispielsweise wann LeBron James als Gast in die Heimat Cleveland zurückkehrt (angeblich am 21. November) und wie lange es bis zum Wiedersehen von Kawhi Leonard mit den San Antonio Spurs sowie vice versa von DeMar DeRozan mit den Toronto Raptors dauert.



Restricted Free Agents

Die Free Agency ist in fast allen Punkten geklärt, kaum ein Team hat noch Cap Space und/oder freie Kaderplätze, sodass sich bald schon die vollständig ungarantierten sowie Trainingscamp Deals häufen werden.

Ungeklärt bleibt die Situation zweier Restricted Free Agents – die beide in den Finals 2018 auf dem Parkett standen: Rodney Hood von den Cleveland Cavaliers und Patrick McCaw von den Golden State Warriors.

Die Offseason 2018 war insgesamt kein gutes Jahr für RFAs. Ein hochdotiertes Offer Sheet erhielten lediglich Kyle Anderson (jetzt Memphis Grizzlies) und Zach LaVine (die Chicago Bulls zogen mit dem Angebot der Sacramento Kings mit). Weitere Restricted Free Agents wie Clint Capela, Jusuf Nurkić und Marcus Smart hatten sich ursprünglich eine höhere Zahl unter ihrem neuen Kontrakt erhofft.


Weil inzwischen nur noch die Sacramento Kings über signifikanten Cap Space verfügen und diese auf dem Flügel auf Buddy Hield und Bogdan Bogdanović setzen, dürfen Hood und McCaw nicht mehr mit den Mechanismen der Restricted Free Agency rechnen. Ein Wechsel ist in beiden Fällen nur noch via Sign & Trade denkbar.

Viel wahrscheinlicher ist entweder das Ziehen des Qualifying Offers – dann erhielte McCaw 1,7 Mio. $ in der neuen Spielzeit, Hood ca. 3,5 Mio. $ – oder ein kurzfristiger neuer Vertrag, etwas höher als das Qualifying Offer mit etwas längerer Laufzeit. Angesichts der bereits relativ wuchtigen Payroll der Warriors (144 Mio. $) und Cavaliers (107 Mio. $) dürfen Hood und McCaw allerdings nicht mit allzu großen Zugeständnissen rechnen.


Grund zur Panik gibt es dennoch nicht. Erst vergangenes Jahr unterschrieb JaMychal Green – ebenfalls Restricted Free Agent der Memphis Grizzlies – seinen neuen Vertrag am 27. September, drei Wochen vor Saisonstart. Nikola Mirotić und die Chicago Bulls einigten sich nur unwesentlich früher. In beiden Fällen stand wie beim Duo Hood und McCaw lange das Qualifying Offer im Raum. Ihnen bleibt also noch jede Menge Zeit, je näher die Saison rückt, desto höher die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten.

Neben diesen Restricted Free Agents warten noch eine Reihe Unrestricted Free Agents auf einen Vertrag für die neue Spielzeit. Die namhaftesten sind: Nick Young (zuletzt Golden State Warriors), Jamal Crawford (Minnesota Timberwolves) und Corey Brewer (Oklahoma City Thunder).


Finish Line?

Nicht nur bei dem einen oder anderen Free Agent steht noch eine Entscheidung aus, auch unter den betagteren Veteranen geht es darum, ob sie ihrerseits noch ein Jahr dran hängen respektive überhaupt ein Angebot erhalten, oder aber die Sneaker an den Nagel hängen.

Die prominenteste Personalie ist sicherlich Miamis Dwyane Wade (36). Der dreifache Champion und zwölffache All-Star kehrte infolge seiner mageren Exkursionen nach Chicago und Cleveland im Februar in seine sportliche Heimat zurück und trug zur Playoff-Qualifikation der Heat bei.

Sportlich kann der Shooting Guard seinem Team immer noch einiges geben, doch liegt ihm auch ein lukratives Angebot aus der Chinese Basketball Association vor, definitiv höher dotiert als alles, was ihm die Heat bieten können. Wade hat demnach drei Optionen: Ruhestand, Fernost oder ein Einjahresdeal zum Minimum in Miami. Ein neuerlicher Vertrag bei einem anderen NBA-Team als den Heat bleibt schwer vorstellbar.


Gleiches gilt wohl für Wades langjährigen Teamkollegen Udonis Haslem (38), der höheren Ansprüchen schon länger nicht mehr gerecht wird und vergangene Saison nur in 14 Partien, dabei im Schnitt 5,1 Minuten, auf dem Feld stand. Haslem würde als einer der wenigen NBA-Athleten in die Annalen eingehen, der trotz bemerkenswert langer Karriere (kam 2003 ungedraftet zu den Heat) nur für ein einziges Team spielte.

Dies trifft auch auf San Antonios Manu Ginóbili (41) zu, der unermüdlich Kurs auf seine 17. NBA-Saison nimmt. Vom ewigen Spur war nach Saisonende eigentlich eine Erklärung erwartet worden – diese scheint für ihn aber gar nicht notwendig zu sein, denn er verfügt für die anstehende Spielzeit ohnehin über einen garantierten Vertrag. Mutmaßlich testet der Olympiasieger und vierfache NBA-Champion im Trainingscamp die Belastungsfähigkeit seines Körpers, um dann eine finale Entscheidung zu treffen. Da er letzte Saison aber 65 Partien absolvierte bei 20 Minuten pro Spiel – sogar etwas mehr als in den vorherigen beiden Jahren – spricht derzeit alles für eine Fortsetzung der Karriere des Argentiniers.


Anders als Wade oder Ginóbili stehen David West (37) und Jason Terry (im September 41) nicht in der dankbaren Position, die Wahl selbst zu treffen, weil ihr Team ihnen die Entscheidung überlässt. West gewann zuletzt mit den Golden State Warriors zwei Mal die Meisterschaft, spielte dabei aber nur noch eine marginale Rolle.

Der Titelverteidiger setzt mehr auf Jugend, Jordan Bell und Kevon Looney werden verstärkt die Minuten Wests in der Zone erhalten. Golden State hat bereits 14 Spieler unter Vertrag und bedarf eher Hilfe auf dem Flügel. Eine Weiterbeschäftigung Wests ist also tendenziell unwahrscheinlich.

Jason Terry hat zuletzt in Milwaukee ebenfalls kaum noch Einfluss auf das Spiel genommen, erzielte 2017/18 in 16 Minuten pro Abend nur noch 3,3 Punkte. Die Bucks haben sich in Terrys Primärfähigkeit Shooting bereits anderweitig verstärkt, Rookie Donte DeVincenzo sowie Pat Connaughton spielen kommendes Jahr in der Bierstadt. Der Kader der Bucks ist voll. In Milwaukee ist für den Meister 2011 kein Platz mehr.

West und Terry haben über ihre jeweiligen Zukunftspläne nichts verlauten lassen. Da sie zum jetzigen Zeitpunkt, über einen Monat nach Beginn der Free Agency, noch nicht offiziell zurückgetreten sind, ist anzunehmen, dass sie wenigstens auf eine Einladung ins Trainingslager spekulieren, um sich für ein weiteres Jahr zu empfehlen.


Rookie Extension

Kurz vor Saisonstart steht der Draft-Jahrgang 2015 im Fokus, denn dieser qualifiziert sich für die Rookie Extension, mit der sie – genauer die Erstrunden-Picks 2015 sowie manche der Zweitrunden-Picks 2016 – ihren bis zum nächsten Sommer laufenden Rookie-Vertrag verlängern können. Bis 2017 war die Rookie Extension bis zum 31. Oktober möglich, seit letztem Jahr wurde die Frist auf den Tag vor dem offiziellen Saisonstart (dieses Jahr der 16. Oktober) vorverlegt. Einigen sich beide Seiten bis zum 15. Oktober nicht auf eine Rookie Extension, wird der Spieler zum 1.7.2019 Restricted Free Agent.

Unterzeichnet der Spieler die Rookie Extension bei seinem Klub, so tritt der neue, deutlich lukrativere Deal am 1.7.2019 automatisch in Kraft. Team und Spieler profitieren von dieser vorzeitigen Vertragsverlängerung, indem für beide Seiten mehr Sicherheit entsteht und die Bindung zueinander gestärkt wird.

Bereits im Juli einigten sich der 13. Pick 2015 Devin Booker und die Phoenix Suns auf die erste Rookie Extension der Offseason 2018. Booker verlängerte über fünf Jahre und 158 Mio. $. Ebenfalls für eine solche Verlängerung in Frage kommen weitere namhafte Spieler, unter anderem Kristaps Porzingis (New York Knicks), D'Angelo Russell (Brooklyn Nets), Myles Turner (Indiana Pacers), Terry Rozier (Boston Celtics) Kelly Oubre Jr. (Washington Wizards), Larry Nance Jr. (Cleveland Cavaliers) und Bobby Portis (Chicago Bulls).

Der wahrscheinlichste Kandidat für eine Rookie Extension ist aber Karl-Anthony Towns von den Minnesota Timberwolves. Zwar ebben die Gerüchte um interne Streitigkeiten im Land der 10 000 Seen um Towns, Andrew Wiggins und Jimmy Butler nicht ab. Mit seinen dürftigen Playoff-Auftritten hat Towns dem eigenen Marktwert ebenfalls wenig geholfen.

Dennoch ist der erste Pick des 2015 Drafts unumstößlicher Teil der langfristigen Planung der Wolves. Ein Vertrag in der Größenordnung Bookers – fünf Jahre und 158 Mio. $, gültig ab 1.7. 2019 – steht für den 22-Jährigen im Raum.

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Blockbuster-Trade?

Am 23. August 2017 tradeten die Cleveland Cavaliers ihren All-Star Kyrie Irving im Austausch für Isaiah Thomas, Jae Crowder und einen 1st Round Pick zu den Boston Celtics.

Ein solcher Blockbuster-Deal zu diesem späten Zeitpunkt wird sich 2018 mutmaßlich nicht wiederholen, im Trade um Kawhi Leonard zu den Toronto Raptors hat die Offseason ihren Klimax bereits erreicht. Zwar schweben Trade Ammos wie Jimmy Butler oder Kemba Walker längst in der Gerüchteküche, werden aber aller Voraussicht nach frühestens im Dezember relevant.

Kleinere bis mittelgroße Trades werden derweil weiter über die Bühne gehen. Die Cleveland Cavaliers sind nach der Akquisition von Sam Dekker noch nicht fertig und arbeiten daran, den Kader weiter zu verjüngen. Kyle Korver (37) und J.R. Smith (wird im September 33) spielen in den mittelfristigen Planungen des zuletzt vierfachen Eastern Conference Champions keine Rolle mehr und sind daher günstig zu haben. Da die Verträge der beiden Veteranen nur für 2018/19 garantiert sind, ist nicht davon auszugehen, dass sie noch lange, maximal bis zur Trade/Buyout Deadline im Frühjahr, für die Cavaliers spielen werden.


Ebenfalls sehr aktiv sind die Houston Rockets und suchen infolge des Abgangs Trevor Arizas und Luc Mbah a Moutes nach einem neuen Flügelverteidiger. Gleichzeitig wollen die Texaner den Vertrag von Ryan Anderson loswerden (etwas über 20 Mio. $ jährlich bis 2020), als Gegenwert stehen ihre 1st Round Picks der nächsten Jahre bereit.

'Vertrag loswerden' ist auch das richtige Stichwort der Miami Heat, denn die haben nach den Oklahoma City Thunder die zweithöchste Payroll der Liga – für ein Team, dass sie selbst in der schwächeren Eastern Conference nicht garantiert in die Playoffs bringt. Hätte Miamis Teampräsident Pat Riley einen Wunsch frei, würde er sich die Rückkehr der Amnesty-Klausel wünschen, mit der er einen Spieler entlassen darf, ohne dass das Gehalt gegen den Salary Cap gerechnet wird.

Seine Wahl würde auf Hassan Whiteside fallen, dem die Heat 2018/19 saftige 25,4 Mio. $ überweisen müssen, im Folgejahr hat der Center eine Player Option in Höhe von 27,1 Mio. $, die er nicht verstreichen lassen wird. Für die höchstens mäßigen Leistungen des 29-Jährigen, der in den Playoffs von Philadelphias Joel Embiid vorgeführt wurde und der auch abseits des Feldes kein vorteilhaftes Bild abgibt, stehen diese Beträge in keinerlei Verhältnis. Dies bringt das Dilemma in South Beach auf den Punkt.


Whiteside ist nicht tradebar, daher muss Riley andere Wege finden, die korpulente Payroll auszudünnen. Dion Waiters sowie die beiden Johnsons, Tyler und James, sind wahrscheinlichere Kandidaten auf einen Deal, sitzen aber allesamt ebenfalls auf dicken und damit nur schwer vermittelbaren Verträgen.