01 Oktober 2018

1. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Atlanta Hawks.

von ANNO HAAK @kemperboyd | 1. Okt, 2018

Flashback
24-58, keine Playoffs

Plus
Trae Young
Kevin Huerter
Omari Spellman
Jeremy Lin
Justin Anderson
R. J. Hunter
Thomas Robinson
Alex Len
Vince Carter
Carmelo Anthony

Minus
Dennis Schröder
Carmelo Anthony
Mike Muscala
Malcolm Delaney
Draft-Rechte an Isaïa Cordinier

Was ist Neu?
Alles. Das 60-Siege-Haus von 2015 ist mit dem Dödeltrade für Schröder endgültig komplett entkernt. Die anschließende Sanierung lässt aber noch auf sich warten. Das lag auch daran, dass man, ohne hohe Picks zu haben, ein Playoffteam dekonstruierte (ja, ernsthaft, vor gut 16 Monden wurde in A-Town noch Postseasonbasketball angeboten). Jetzt soll mit den drei Erstrundenpicks zzgl. Taurean Prince, John Collins sowie Lloyd Pierce als neuem Cheftrainer Atlanta 2020 gebaut werden. Prominenz gibt's aber noch, in Person von Vince Carter.


Beste Addition
Trae Young ... Wer sonst? Der fünfte Pick, der eigentlich ein dritter Pick ist. Schlenk und Co. hatten sich offenbar früh auf Young als Wunschdraftee festgelegt. Da der zugeloste dritte Pick dafür in allen Mocks zu gut war, ist es nur logisch, sich nach Downtrademöglichkeiten umzugucken. Das tat Atlanta und bekommt im absoluten best case in einem Jahr einen sechsten Pick als Dreingabe für die Auftragswahl von Luka Dončić. Bis Young ein produktives Mitglied der NBA Gemeinde ist, wird der Trade aber der Traktor im Raum sein.


The Planet
Niemand ... wirklich niemand? Nein. Die Kategorie ist die Kategorie ist die Kategorie. Aber es gibt keinen Fixpunkt in diesem Roster. Das ist nach einem Übergangsjahr von Competition zu Tanking nicht schlimm, aber es ist so. Wer dazu werden kann, wird sich zeigen. Im besten Fall schon einer der aktuellen drei Erstrundenpicks, aber Stand 01.10.2018? Niemand, bedauere.

Rising Star
Taurean Prince ...  Wenn die ernüchternde letzte Saison einen Lichtkegel hervorbrachte, der in die düstere mittlere Falkenzukunft hineinleuchtete, war es der 12. Pick von 2016. Lustige nahe-40-Punkte-Performances im Frühjahr machten aus dem Hoffnungsträger von gestern den Franchisespieler von morgen. Trae Young, Kevin Huerter und Co. mögen den Vorteil des unbekannten Ceiling haben, die beste Wette auf den nächsten Franchisespieler der Hawks ist im Moment Prince.


Don’t Sleep! 
John Collins ... Who? John Collins. 19. Pick 2017, 60% aus dem Feld, 35% von der Dreierlinie in einem komplett dysfunktionalen, Verzeihung: im Umbau befindlichen Team. In seinem Rookiejahr. Collins, Prince und die drei Erstrundenpicks von 2018. Gehen Sie noch nicht ins Bett, vielleicht wird ja doch noch alles gut.

Beste Fünf
Young – Huerter – Bazemore (jaja) – Spellman – Collins

Good News
+ Das Übergangsjahr 17/18 ist vorbei
+ Trotz massig Talent beste Chancen auf die schlechteste Bilanz
+ Lloyd Pierce hat Erfahrung im Player Development
+ Dennis Schröder ist weg

Bad News
- Das (nächste hässliche) Übergangsjahr 18/19 steht vor der Tür
- Die schlechteste Bilanz ist dank Lotteriereform nicht mehr so viel wert wie früher
- Lloyd Pierce hat keine Erfahrung als Head Coach
- Dennis Schröder (talentiertester Spieler des letzten Jahres) ist ohne Gegenwert weg


Was fehlt?
Ein Plan, also einer, der das Prädikat „konsistent“ verdient. Während Schlenk (bis auf den absurden Draft Downtrade für Howard) im ersten Sommer nahezu alles richtig machte, war die warme Jahreszeit 2018 ein einziger Zonk. Den Trade für Jeremy Lin kann nun wirklich auch der Wohlwollenste nicht mehr nachvollziehen, zumal anzunehmen ist, dass die Denver Nuggets ihren Darrell Arthur/Kenneth Faried-Deal auch Atlanta anboten.

Mit Carmelo Anthony verbaute man sich den Cap fürs laufende Jahr, bekam einen vollkommen nutzlosen Pick in 2022 (?!?), der noch dazu in zwei Zweitrunder konvertiert werden könnte. Die Resteverwertung von Draftkatastrophen (Thomas Robinson, Alex Len) und Rollator-Athleten (Vince Carter) ist sinnfrei. Ein Sommer wie ein Fußbad im uringetränkten Kinderbecken im Freibad.

Check 1,2
Den talentiertesten Spieler des Rosters 17/18, Schischa hin, Schwinger her, hat man für einen erlesenen Hauch von Nichts aus dem Fenster geworfen wie Charles Barkley pöbelnde Barbesucher.

Es bleibt nichts als die Hoffnung. Die Hoffnung, dass der Draft Day Trade mit den Mavs für einen vermeintlich nicht-NBA-fitten weißen Europäer dieses Mal gut geht, dass Pierce der Talentflüsterer ist, für den Schlenk ihn zu halten scheint, dass man irgendeinen zu heiß Gebadeten findet, der Plumlee und Bazemore für gute Ideen hält, und am Ende die Hoffnung, dass dieses Jahr schnell vorüber geht. Dieses Team ist, wie sagt man so schön, two years away from being two years away.

Die Rechnung, bitte