15 Oktober 2018

15. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Boston Celtics.

von JAN HUSMANN @JanOnOne | 15. Okt, 2018

Flashback
55-27, Eastern Conference Finals (3-4 vs. Cleveland Cavaliers)

Plus
Robert Williams III.
Brad Wanamaker
Marcus Georges-Hunt

Minus
Shane Larkin
Greg Monroe
Abdel Nader
Rodney Purvis

Was ist Neu?
Der Sommer verlief für ein von Danny Ainge geführtes Team überraschend ruhig. Keine großen Namen verließen den 17-maligen Meister. Lediglich die Minuten von Greg Monroe müssen ersetzt werden. Hier werden der wieder genesene Daniel Theis und Draftee Robert Williams ihre Möglichkeiten bekommen.

Wichtiger jedoch werden die Rückkehrer Gordon Hayward und Kyrie Irving sein. Irving verpasste die gesamten Playoffs wegen einer Knie-OP, Hayward verletzte sich bekanntermaßen bereits im ersten Saisonspiel gegen die Cleveland Cavaliers. Mit zwei weiteren All-Stars im Portfolio wird Brad Stevens einiges an Spielraum für Experimente mit seiner Aufstellung bekommen.


Neu ist auch die Erwartungshaltung. Nach dem Zerfall der Cavaliers ist Boston der designierte Finalteilnehmer der Eastern Conference. Nach jahrelanger Jagd sind die Celtics nun wieder in ihrer geliebten Rolle als Gejagte.

Beste Addition
Robert Williams III. ...  Die Celtics bekamen im Draft mit ihrem 27. Pick einen athletischen Center mit defensiv großem Potenzial, der im Idealfall eine ähnliche Rolle wie Clint Capela bei den Houston Rockets spielen soll. Da derartige Leistungen von Rookies, insbesondere zum Ende der ersten Runde, selten erwartet werden können und die Rotation der Celtics kaum Minuten für Williams offen haben sollte, kann die Wahl des 21-Jährigen jedoch als Projekt verstanden werden.

Dennoch wird Stevens in der langen Saison auch immer wieder seinen Bankspielern längere Einsatzzeiten geben und Williams kann beweisen, dass die Celtics eine weise Investition getätigt haben.


The Planet
Kyrie Irving ... Bevor Irving sich im letzten Jahr einer OP am Knie unterzog, um Altlasten zu beseitigen, war Irving eine offensive Macht für die Celtics. In Brad Stevens' System zog Kyrie die Fäden und ließ seine Gegenspieler immer wieder wissen, wie unaufhaltsam er im Eins-gegen-eins sein kann.

Mag seine Defensive in der regulären Saison immer wieder mangelhaft sein, wächst „Uncle Drew“ in den großen Spielen über sich hinaus und konnte 2016 sogar Stephen Curry immerhin verlangsamen. Und mit dem Ball ist er jedem Zweifel erhaben. Seine Pässe, seine Ballbehandlung und sein Wurf sind allesamt erstklassig und sein Killerinstinkt am Korb ist das beste, was dieser Planet zu bieten hat. Um dieses Jahr seinen zweiten Titel zu gewinnen, muss der Point Guard jedoch fit bleiben. Noch nie stand er in allen 82 Spielen auf dem Feld und nur in drei seiner ersten sieben Jahre spielte er mehr als 60 Spiele. Zwar sind die Celtics auch ohne ihn ein Playoff-Team, aber die Titelhoffnungen liegen auf seinen Schultern.

Rising Star
Jayson Tatum ... Neben Ben Simmons (Philadelphia 76ers) und Donovan Mitchell (Utah Jazz) lieferte Tatum die beeindruckendste Rookie-Saison der abgelaufenen Spielzeit. Nachdem er in der regulären Saison lediglich solide 13,9 Punkte pro Spiel auflegte, entwickelte sich der frischgebackene Vater in den Playoffs zur besten Offensivoption der Celtics mit 18,5 Punkten pro Spiel bei einer effizienten True-Shooting-Quote von 57,8 %.

Mit der Rückkehr von Gordon Hayward wird es interessant zu sehen, ob Tatums Spielanteile zurückgehen werden. Seinen Job in der ersten Fünf wird er wohl kaum verlieren, aber mit Irving und Hayward gleichzeitig auf dem Court könnte es den Celtics an Defensivpower auf den kleinen Positionen fehlen. Sowohl Hayward, Jaylen Brown als auch Tatum scheinen Teamplayer zu sein, dennoch wird es für Brad Stevens ein Balanceakt, die Egos zu managen, Spiele zu gewinnen und gleichzeitig Tatums Entwicklung nicht zu beeinträchtigen.




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Don’t Sleep! 
Terry Rozier ... In Abwesenheit von Kyrie Irving drehte Rozier in den Playoffs auf. Und das nicht nur auf dem Feld. Rozier wurde zum Volkshelden in Boston. Mit seiner furchtlose Art wurde er zu einem wichtigen Teil des Playofflaufs und verdiente sich den Spitznamen „Scary Terry“.

Seine Leistungen waren so überzeugend, dass Teams daran interessiert waren, Rozier zu ihrem ersten Point Guard zu machen, aber die Angebote, die ihnen ins Haus flatterten, ließen die Celtics und Danny Ainge nicht schwach werden. Stattdessen wird er nun seine vierte Saison in Massachusetts verbringen, bevor er im Sommer 2019 zu einem Restricted Free Agent werden wird.

Dann müssen sich die Celtics entscheiden, ob ihnen Rozier ähnlich großes Geld wert ist wie Marcus Smart, der zuletzt einen Vierjahresvertrag im Wert von 52 Mio. $ unterschrieb. Oder sie verschiffen ihn noch vor der Frist im Februar für zukünftiges Draftkapital. Nichts was für Danny Ainge ungewöhnlich wäre.

Beste Fünf
Irving – Tatum – Hayward – Brown – Horford

Good News
+ Irving und Hayward sind wieder fit
+ Tatum und Brown kommen erst in ihr respektive zweites und drittes Jahr in der NBA
+ Sehr tiefer Kader
+ Alle Schlüsselspieler sind geblieben

Bad News
- Die neue Starting Five ist noch nicht eingespielt
- Der Vertrag von Kyrie läuft zum Saisonende aus
- Das Team kann in wenigen Jahren sehr teuer werden
- Die Stars müssen beweisen, fit bleiben zu können


Was fehlt?
Eine eindeutige Hierarchie. Kyrie Irving mag der beste Spieler zum jetzigen Zeitpunkt im Kader der Celtics sein, aber ist es vielleicht weise, die Entwicklung von Jayson Tatum in den Vordergrund zu stellen? Wie funktioniert das Forward-Trio aus Hayward, Brown und Tatum zusammen auf dem Court? Wie bekommt es Brad Stevens hin, alle Stars bei Laune zu halten? Wie geht Gordon Hayward mit einer Rolle als zweite oder dritte Option in der Offensive um? Halten Brown und Tatum die Füße still, selbst wenn sie woanders größeren individuellen Erfolg haben könnten?

All diese Fragen sind vor Saisonbeginn noch offen und werden auch erst in ein paar Monaten beantwortbar sein. Zwar ist keiner der Celtics-Spieler für Star-Allüren bekannt, aber sie haben auch noch nicht in solch einem Star-Ensemble gespielt. Am Ende läuft alles auf eine Frage hinaus: Ist jedes Mitglied der Boston Celtics bereit, seine eigenen Interessen für die Chance auf einen Titel in den Hintergrund zu stellen? Ist die Antwort „Ja“, steht einem Angriff auf den Titel nichts im Weg.

Check 1,2
Die Herrschaft des LeBron James über die Eastern Conference ist beendet und die Celtics stehen auf der Pole Position im Kampf um die Krone im Osten. Alle Erfolgszutaten sind vorhanden: vorausschauendes Management, ein erstklassiger Head Coach und ein hervorragender Kader. Sie müssen jetzt nur das passende Rezept auf dem Feld finden, um ihr maximales Potenzial zu erreichen. Sollten alle Zahnräder wie geplant ineinandergreifen und die Stars gesund bleiben, kann kaum ein Team ihnen den Titel im Osten streitig machen. Ob sie es dann auch in einer potentiellen Finalserie mit den Golden State Warriors aufnehmen können, bleibt abzuwarten, aber der Grundstein für nachhaltigen Erfolg ist gelegt.

Die Rechnung, bitte