04 Oktober 2018

4. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Brooklyn Nets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 4. Okt, 2018

Flashback
24-58, keine Playoffs

Plus
Kenneth Faried
Jared Dudley
Ed Davis
Shabazz Napier
Treveon Graham
Alan Williams
Džanan Musa
Rodions Kurucs

Minus
Nik Stauskas
Dante Cunningham
Quincy Acy
Jahlil Okafor

Was ist Neu?
Die Wüste ist durchquert, die letzten Schulden des desaströsesten Trades dieses Millenniums getilgt – die Nets sind frei. Dass in der Zwischenzeit Damian Lillard, Kelly Oubre Jr., Jaylen Brown, Markelle Fultz und jüngst Collin Sexton mit Picks gedraftet wurden, die ursprünglich den Nets gehört hatten – dahingestellt. Der Blick richtet sich schon länger auf die nächste Dekade und GM Sean Marks arbeitet ungemindert im trial & error an einem besseren Übermorgen.

Seine neuesten Anschaffungen: Džanan Musa und Rodions Kurucs kamen im Draft. Eigentlich Kandidaten für ein Draft-and-Stash, aber die Nets haben in der anstehenden Spielzeit ohnehin nichts zu gewinnen, daher werden der Bosnier und der Lette sofort integriert und akklimatisiert. In der Free Agency verpflichtete Marks in Shabazz Napier und Treveon Graham zwei weitere Talente, denen bisher der Durchbruch in der besten Basketballliga der Welt verwehrt geblieben ist, die aber in Brooklyn Spielzeit und damit Entwicklungsminuten vorfinden.


Die via Salary Dump Trade akquirierten Kenneth Faried und Jared Dudley sind kein Teil der Langzeitplanungen, ein Buyout spätestens im Februar käme keineswegs überraschend. Bis dahin ist Farieds und Dudleys Expertise in Sachen Führung und Vorbildfunktion gefragt.

Beste Addition
Ed Davis ... Im Schatten dieser zahlreichen Veränderungen geht Ed Davis' Wechsel nach Brooklyn ein wenig unter. Der Forward ist mit seinen 29 Jahren eigentlich zu alt für Brooklyns Juvenilitätsprogramm, etwas mehr Qualität und Zuverlässigkeit schadet dem Kader von Coach Kenny Atkinson allerdings nicht.

Davis galt aber schon bei seinen vorherigen Stationen als unterschätzt, er hilft seinem Team an beiden Enden, ist ein starker Rebounder und Finisher und macht die vielen kleinen Dinge, die nicht in der Box Score auftauchen. Alle jungen Bigs der Nets werden von Davis' Präsenz profitieren, insbesondere Jarrett Allen.

The Planet
D'Angelo Russell ... Der zweite Pick des 2015 Drafts kam im letzten Jahr als Heilsbringer ins Barclays Center und erfüllte die Hoffnungen zumindest streckenweise. Wegen einer Knieverletzung absolvierte Russell nur etwas mehr als die Hälfte der Spiele. Den Beweis, dass Brooklyn künftig „sein“ Team sein wird, blieb D'Angelo also schuldig. Dennoch ist er als Fixpunkt der Nets fest eingeplant und mit erst 22 Jahren noch lange nicht auf seinem Zenit.




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Rising Star
Jarrett Allen ...  Manchmal braucht es gar keinen hohen Pick, um einen echten Rohdiamanten zu draften – vor allem unter den Bigs. Rudy Gobert und Clint Capela haben dies zuletzt unter Beweis gestellt, Brooklyns Jarrett Allen schickt sich nun an, ihrem Beispiel zu folgen. Der erst 20 Jahre alte Center kam letztes Jahr mit dem 22. Pick ohne größere Vorschusslorbeeren nach Brooklyn, erkämpfte sich jedoch im Laufe der Saison zunehmend Minuten und sogar den Posten des Starters unter dem Korb. Gelingt es Allen, diese rasant aufsteigende Kurve in der kommenden Spielzeit zu bestätigen, hat das Projekt „Brooklyn 2020“ seinen Mann in der Mitte gefunden.

Don’t Sleep! 
Spencer Dinwiddie ... Von den Detroit Pistons und Chicago Bulls verschmäht, in Brooklyn aufgeblüht. Der Guard kam im Dezember 2016 als Ergänzungsspieler und Nobody zu den Nets, profitierte dann aber von der verfahrenen Situation und erwies sich als Glücksgriff. Vergangene Saison demonstrierte der 38. Pick des 2014 Drafts mit 12,6 Punkten und 6,6 Assists in durchschnittlich knapp 29 Minuten, dass mit ihm zu rechnen sein wird. Bei der Wahl zum Most Improved Player 2018 landete Dinwiddie unter den finalen Drei.


Dieser rasante Aufstieg ist auch anderen Teams nicht verborgen geblieben. Im Februar zeigten die Cleveland Cavaliers gestiegenes Interesse am 25-Jährigen, aktuell sollen die Phoenix Suns, die noch dringend auf Point Guard nachrüsten müssen, ein Angebot erwägen.

Beste Fünf
Dinwiddie – Russell – Crabbe – Carroll – Allen

Good News
+ GM Sean Marks hat die Franchise wieder in die Spur gebracht und macht wenig bis keine Fehler
+ Alle wichtigen Spieler sind 25 Jahre oder jünger
+ Die auslaufenden Verträge von DeMarre Carroll (15,4 Mio. $), Kenneth Faried (13,8 Mio. $) und Jared Dudley (9,5 Mio. $) werden zur Deadline gefragte Trade Chips
+ 2019/20 verfügt Brooklyn über bis zu 70 Mio. $ Cap Space – Namen wie Kyrie Irving und Jimmy Butler kursieren bereits


Bad News
- Der große Bruder, die New York Knicks, wird ebenfalls über eine Menge Cap verfügen und schnappt den Nets das Standortargument weg
- Der Anreiz zu tanken ist wieder gegeben
- Nur 86% Hallenauslastung, einzig die Hawks hatten insgesamt weniger Zuschauer... die Nets werden immer noch nicht in NYC angenommen
- Russell und Dinwiddie werden nächsten Sommer Free Agents: bezahlen oder nicht?

Was fehlt?
Mindestens zwei Jahre. Brooklyn fehlt – zumindest auf dem Feld – alles, was ein erfolgreiches NBA-Team ausmacht: Ein legitimer Franchise Player, weitere Ausnahmespieler, dazu passende, qualitative Rollenspieler und ein System, in dem alles aufgeht. Ein System (hohes Tempo, viele Dreier) und ein potentieller Franchise Player sind vorhanden, ob diese auch gestiegenen Ansprüchen gerecht werden, wird die kommende Spielzeit zeigen.

Sollten die Nets nächsten Sommer nicht mehrere Coups landen, werden noch einige Jahre ins Land ziehen, ehe das Barclays Center wieder Playoff-Basketball zu sehen bekommt.

Check 1,2
Die Nets sind dem Tal der Tränen entkommen, kompetitiv kommen sie deshalb aber nicht daher. Talent weist der Kader zuhauf auf, das reicht aber nicht, um selbst im schwächeren Osten mitzuhalten. Mehr als Teambuilding und Weiterentwicklung steht auch dieses Jahr nicht auf dem Programm.

Weil die Playoff-Früchte zu hoch hängen, Ergebnisse folglich zweitrangig sind und die Franchise den ersten Lottery Pick seit 2010 (Derrick Favors) in Aussicht hat, ist zu erwarten, dass Brooklyn spätestens ab Februar/März alle Augen weg vom Parkett hin zur Draft Lottery richten wird. Ein erneuter Ausfall von D'Angelo Russell würde dies gar beschleunigen.

Die Rechnung, bitte