06 Oktober 2018

6. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Charlotte Hornets.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 6. Okt, 2018

Flashback
36-46, keine Playoffs

Plus
Miles Bridges
Tony Parker
Bismack Biyombo
Devonte’ Graham

Minus
Dwight Howard
Michael Carter-Williams
Treveon Graham

Was ist Neu?
Der erste hispanische Vollzeit-Headcoach der NBA-Historie, James Borrego, kommt als Nachfolger von Steve Clifford mit der Empfehlung von drei Jahren im Staff von Gregg Popovich in San Antonio. Als Interims-Coach durfte er 2014-15 bereits 30 Spiele der Orlando Magic an der Seitenlinie leiten, in denen er mit 33,3% Siegquote zumindest mehr aus dem Team rausholte als sein Vorgänger Jacque Vaughn.

Auch auf dem Feld wurde ein wenig durchgemischt, ohne allerdings den ganz großen Umbruch zu erzwingen. Dwight Howard wird durch Bismack Biyombo ersetzt, statt Michael Carter-Williams fungiert nun Tony Parker als Backup Point Guard und am Draft-Abend fügten die Hornets Miles Bridges, den flexiblen Flügelspieler von Michigan State zum Roster hinzu.


Beste Addition
Miles Bridges ...  So sehr Tony Parker dem Team auf und neben dem Court gut tun wird, dürfte seine Rolle nicht groß genug sein um ihn ihr mehr als 'Honorable Mention' sein zu lassen. Das liegt auch daran, dass mit Miles Bridges einer der reifsten Spieler des 2018er Draft nun in Charlotte spielt. In seinen beiden College-Saisons hat Bridges bewiesen, dass er umgeben von unterschiedlichsten Spielertypen an beiden Endes des Courts in vielfältige Rollen schlüpfen kann und sich somit als perfekter Rollenspieler in der NBA empfohlen. In einem System mit Kemba Walker, Nicolas Batum und Marvin Williams fügt sich diese Flexibilität nahtlos ein und birgt großes Potenzial, das Coach Borrego versuchen wird herauszukitzeln.


The Planet
Kemba Walker ... Einmal mehr gilt dieser Absatz dem Topscorer der Hornets-Geschichte. Die große Frage, die schon jetzt wie eine dunkle Wolke über North Carolina schwebt: Wird das zum letzten Mal der Fall sein? Walkers im Sommer 2019 anstehende Free Agency bestimmt das Handeln der Gegenwart, der jüngeren Vergangenheit und wird auch die Zukunft der Franchise massiv beeinflussen. Doch bis dahin wird er mit seiner Qualität der Anführer eines Teams sein, dem die wenigsten Experten mit Blick auf die anstehende Saison allzu viel zutrauen, das aber mit dem Mix aus Erfahrung und Qualität durchaus für eine Überraschung gut sein kann.


Rising Star
Malik Monk ... Obwohl er sich in seinem Rookie-Jahr nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, bleibt Monk das spannendste Talent im Roster der Hornets. Etwas gehemmt wird der Schwung, mit dem er eigentlich in sein zweites Jahr starten wollte, von der Tatsache, dass er wie schon im Vorjahr große Teile der Vorbereitung wegen einer Verletzung verpasst.

Doch allein der Wechsel an der Seitenlinie, vom notorisch Rookie-kritischen und defensiv orientierten Clifford hin zum moderneren Borrego, wird Monk helfen. Ansätze seines Potenzials hat er in der Endphase der Vorsaison bewiesen, als er über die letzten zehn Partien 15 Zähler pro Partie auflegte und mehr als 40% seiner sieben Dreier pro Spiel verwandelte.

Don’t Sleep! 
Willy Hernangómez ... Der Spanier galt vor seinem Trade von den New York Knicks nach Charlotte als ein großes Talent, das von der Center-Dichte in New York zurückgehalten wird. Leider war die Situation bei den Hornets im Vorjahr ähnlich. Hernangómez ließ sein Talent aber in den begrenzten Einsätzen weiter durchblicken und könnte einer der Spieler sein, die am meisten vom Coaching-Wechsel profitieren.

Insbesondere wenn er seine hier und da schon angedeuteten Fähigkeiten von der Dreierlinie ausbauen kann ergeben sich für Borrego zahlreiche spannende Optionen, den Frontcourt mit unterschiedlichsten Kombinationen zu durchmischen, bei denen Hernangómez ein wichtiger Bestandteil ist.

Beste Fünf
Walker – Batum – Bridges – Williams – Zeller

Good News
+ Die Konkurrenz im Mittelfeld der Eastern Conference hat sich in der Offseason nicht signifikant verbessert
+ Kemba Walker wird alles geben, um in seiner Free Agency 2019 einen hoch dotierten Vertrag abzustauben
+ Der neue Head Coach James Borrego kann und wird neue Impulse setzen
+ Miles Bridges und Tony Parker als Speerspitze der Neuzugänge sind ein faszinierender Mix in vielerlei Hinsicht


Bad News
- Die Ungewissheit um Kemba Walkers Zukunft wird die gesamte Saison das Hauptthema sein und begleitet von Trade-Buzz für Unruhe sorgen
- Hoffnungsträger Malik Monk konnte erneut keine komplette Vorbereitung mitmachen
- Ein Großteil der Spieler in wichtigen Rollen war auch schon die letzten Jahre da, fraglich ob das Team auf dieser Basis das Ruder psychisch und spielerisch rumreißen kann
- Die Hornets sind nicht nur zu schlecht, um eine Rolle im Kampf um Playoff-Heimvorteil zu spielen, sondern auch zu gut, um für einen Top-Pick im nächsten Draft in Frage zu kommen

Was fehlt?
Die Konstante der letzten Jahre ist Kemba Walker, der stets überzeugt und nie den Vorwurf bekam, mit dem Team nicht den nächsten Schritt zu machen. Der Grund dafür ist, dass ihm seit jeher ein Co-Star fehlt, der ihm das Leben einfacher macht und das Team über die Schwelle bringt. So ist es Kemba plus viele, teils sehr gute, Rollenspieler. Das hat sich auch in dieser Offseason nicht verändert, wodurch ein anderer Ausgang als in den Jahren zuvor schwer vorstellbar ist.

Check 1,2
Zum All-Star Game, das die Stadt aufgrund von politischen Kontroversen mit zwei Jahren Verspätung ausrichten wird, will die Jordan-Franchise relevant sein. Kemba Walker soll sie als Aktiver repräsentieren und das am besten während die Tabellen-Position besser ist als das zuletzt meist der Fall war. Eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr scheint realistisch, aber der Glaube an den großen Sprung fehlt angesichts der eher kosmetischen Veränderungen der ersten Offseason des neuen GMs Mitch Kupchak.

Die Rechnung, bitte