07 Oktober 2018

7. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Detroit Pistons.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 7. Okt, 2018

Flashback
39-43, keine Playoffs

Plus
Glenn Robinson III.
Zaza Pachulia
José Calderon
Khyri Thomas
Bruce Brown Jr.

Minus
James Ennis III.
Anthony Tolliver
Jameer Nelson
Dwight Buycks
Eric Moreland

Was ist Neu?
Die Ära Stan Van Gundy hat ein jähes Ende gefunden und wird in der langen und ruhmreichen Geschichte der Pistons nur eine Randnotiz bleiben. Van Gundy vermochte es in vier Jahren am Lenkrad in Motor City nicht, das Team mit seiner Machtfülle als President of Basketball Operations und Head Coach gleichzeitig zurück auf die Erfolgsspur zu führen. Unter seiner Ägide schaffte es Detroit nur einmal in die Playoffs, 2016, wo ein Sweep durch die Cleveland LeBrons die einzige Postseason der Pistons in dieser Dekade fix beendete.

Zu wenig für eine der traditionsreichsten und prominentesten Franchises der Association. Den Posten des Cheftrainers übernimmt der amtierende Coach of the Year Dwane Casey. Als die Toronto Raptors Casey trotz der besten Regular Season der Franchise-Geschichte vor die Tür setzten, zögerte Detroit nicht lange: Beide Seiten einigten sich auf einen Fünfjahresvertrag.


Auf Casey wartet eine Menge Arbeit, denn die Pistons hatten weder finanziellen Spielraum für Neuverstärkungen, noch einen 1st Round Pick. Daher muss der Defensivspezialist erst einmal mit dem von Van Gundy zusammengestellten Kader Vorlieb nehmen. Unter den sporadischen Ergänzungen finden sich aber immerhin in Zaza Pachulia ein zweifacher NBA-Champion sowie in José Calderón ein ehemaliger Basketballweltmeister.

Beste Addition
Blake Griffin ...  Die 25 Spiele der letzten Saison dürfen getrost als Warmlaufen ignoriert werden, zumal die Saison der Pistons zum Zeitpunkt seines Trades ohnehin kaum noch zu retten war. Nun steht der Rotschopf vor seiner ersten kompletten Saison im neuen Zuhause und kommt mit der Empfehlung von fünf All-Star-Nominierungen an den Lake Erie.


Detroit fehlte bis zum Griffin-Trade ein Spieler von Ausnahmeformat, daher war der Preis für den Ex-Clipper – Tobias Harris, Avery Bradley, Boban Marjanović sowie einen Erst- und einen Zweitrunden-Pick – nicht zu hoch. Erst recht da Griffin (29) noch mindestens drei Spielzeiten unter Vertrag steht und somit die verbliebenen Jahre auf seinem sportlichen Zenit in der Autostadt verbringt.

The Planet
Blake Griffin ... Bei den LA Clippers letztlich gescheitert wartet auf Griffin nun die Herkulesaufgabe, die Pistons aus dem grauen Mittelmaß zurück in die sportliche Relevanz zu führen. Zweifler verweisen darauf, dass die erfolgreichste Zeit der Clippers und auch Griffins persönliche fest mit der Präsenz Chris Pauls verknüpft ist. Einen Aufbauspieler dieses Kalibers wird Blake auf absehbare Zeit in Michigan nicht vorfinden.

Somit hat der erste Pick des 2009 Drafts auch persönlich etwas zu beweisen, denn nicht nur das mittelfristige Schicksal der Pistons, auch Griffins Vermächtnis steht auf dem Spiel. Bleibt er das verletzungsanfällige, ewige Talent, das Rookie of the Year wurde, den Slam Dunk Contest gewonnen hat – dafür im echten Wettkampf stets Schiffbruch erlitt? Oder überwindet er diese Dämonen? Fürs erste würde schon der Einzug in die Playoffs genügen.

Rising Star
Andre Drummond ... Die Pistons hatten gehofft, einen ihrer jungen Flügelspieler wie Luke Kennard, Stanley Johnson oder Langston Galloway in dieser Kategorie zu finden, doch Fehlanzeige.

Während besagte Wings nur langsam voran kommen, hat Center Drummond nach seiner desaströsen Spielzeit 2016/17 die Kurve gekriegt und im letzten Jahr nicht nur seine Dominanz in der Zone wiedergefunden, sondern sich besser ins Spiel integriert (3,0 Assists; Karrierewert zuvor; 0,7) und sogar seine Freiwurfquote von rund 35% auf über 60% gesteigert.


Die Qualität Griffins an seiner Seite wird der Produktivität des 127 Kilogramm Kolosses sicherlich keinen Abbruch tun. Offensiv bleibt er extrem limitiert, in puncto Rim Protection und Help Defense hat der 25-Jährige weiterhin Luft nach oben, wird aber vom frischen Wind auf der Trainerbank profitieren. Auf seine Fähigkeiten an den Brettern (letztes Jahr 16,0 Rebounds) ist Verlass, wie auch allgemein: In den letzten fünf Jahren verpasste Drummond insgesamt lediglich sieben Partien.

Don’t Sleep! 
Reggie Jackson ... Der Point Guard war seit seiner Akquisition zur Trade Deadline 2015 in Detroit nie unumstritten. Großen Worten und einem noch größeren Vertrag folgten viele Verletzungen sowie Inkonstanz auf dem Parkett. Jackson verpasste in den letzten beiden Spielzeiten 67 Partien.

Dennoch steht außer Frage, dass die Pistons mit ihm besser dran sind als ohne. Zum Saisonstart 2017/18 gewann sein Team 19 der ersten 33 Spiele, verlor dann direkt anschließend in seiner Abwesenheit 12 von 15. Jackson geht also mit dem vielzitierten 'chip on the shoulder' in die neue Saison, zum einen gilt es endlich gesund zu bleiben, zum anderen die Kritiker zu beschwichtigen, die in ihm nicht mehr als einen Backup sehen.

Sollte Detroits Rückennummer 1 das nicht gelingen, ist im nächsten Sommer wohl Koffer packen angesagt, denn der Vertrag des dann 29-Jährigen läuft ein Jahr später aus und die Pistons können es sich nicht leisten, Blake Griffins verbleibende Jahre auf Top-Level mit einem unzuverlässigen Point Guard zu vertrödeln.

Beste Fünf
Jackson – Bullock – Johnson – Griffin – Drummond

Good News
+ Dwane Casey hat einen exzellenten Ruf als Players' Coach und in der Arbeit mit jungen Spielern
+ Unter Casey haben die Pistons das Potential zu einer Top-10 Defense
+ Die Eastern Conference ist immer noch machbar, in der Central Division fallen die Cleveland Cavaliers aus dem Playoff-Picture
+ Weniger „Hack-a-Drummond“


Bad News
- Mit Ausnahme Drummonds sind die wichtigsten Spieler akut verletzungsgefährdet
- Im Schnitt nur ca. 17 000 in der Halle bei 83% Auslastung... die neue Arena in Midtown Detroit löst den Zuschauerschwund nicht
- Das Spiel der Pistons wird langsam und unansehnlich bleiben
- 123 Mio. $ Salär für ein Team, das um die Playoffs kämpfen muss

Was fehlt?
Firepower. Noch immer. 20. in Effective Field Goal Percentage, 25. in True Shooting Percentage. So gewinnst Du keinen Blumentopf. Unter dem Korb sind die Pistons mit Drummond und Griffin überdurchschnittlich besetzt, im Aufbau an manchen Abenden auch. Dazwischen klafft aber eine dicke Lücke.

Neuzugang Glenn Robinson III. soll diese stopfen und hat tatsächlich einen soliden Dreier im Gepäck, dafür aber auch eine dicke Krankenakte und grundsätzliche Zweifel an seiner NBA-Tauglichkeit. Reggie Bullock, Stanley Johnson, Langston Galloway sowie die Rookies Khyri Thomas (38. Pick) und Bruce Brown Jr. (42. Pick) sind eher in der Verteidigung zuhause und werden das Shooting-Problem nicht lösen.

So richtet sich der Fokus auf den 2017 an 12. Stelle gedrafteten Luke Kennard. Der gilt als geborener Scorer und Shooter, deutete dies in seinem Rookie-Jahr zumindest an. Die Rolle als Hoffnungsträger an einen Sophomore vergeben zu müssen, der im letzten Jahr durchschnittlich 7,6 Punkte auflegte, bringt das Dilemma der Pistons auf den Punkt.

Check 1,2
Mit frischem Wind an der Seitenlinie und einem legitimen Franchise Player auf dem Feld sind die Pistons auch dieses Jahr ein Kandidat für die hinteren Playoff-Ränge der Eastern Conference. Das wird keine Euphoriewelle auslösen oder das Team vom Image der grauen Maus befreien, doch wenigstens steht nach Jahren der Stagnation unter Van Gundy wieder so etwas wie Fortschritt in Aussicht.

Die Rechnung, bitte