15 Oktober 2018

15. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Golden State Warriors.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 15. Okt, 2018

Flashback
58-24, NBA Champions (... mal wieder)

Plus
DeMarcus Cousins
Jonas Jerebko
Danuel House
Alfonzo McKinnie
Jacob Evans

Minus
Zaza Pachulia
David West
Javale McGee
Nick Young
Patrick McCaw?

Was ist Neu?
Boooooogie! Weil niemand dem sich von einer schweren Verletzung regenerierenden DeMarcus Cousins fairen Marktwert bezahlen wollte, beschloss der talentierteste, frei verhandelbare Big Man auf dem diesjährigen Free Agent Markt, für den Sonder-Schleuderpreis von 5,3 Mio. $ beim ohnehin schon talentiertesten Team der Liga anzuheuern. Dazu gleich mehr.

Kevin Durant setzte allen Spekulationen um seine unmittelbare Zukunft ein schnelles Ende, als er wenige Minuten nach Start der Transaktionsperiode um zwei Jahre (Spieleroption für 2019/20) und 62 Mio. $ verlängerte.

Die beiden Big Men Zaza Pachulia (Detroit Pistons) und JaVale McGee (Los Angeles Lakers) verließen als frisch gebackene NBA-Champions das Team; David West beendete erwartungsgemäß seine fantastische, 15-jährige NBA-Karriere. Auch Nick Young ist nicht mehr in Golden State, wo er, seien wir ehrlich, niemals etwas zu suchen hatte.

Jonas Jerebko (aus Utah), Alfonzo McKinnie (aus Toronto) und Danuel House (aus Phoenix) komplettieren den bekannt hochkarätigen Kader. Rookie-Flügel Jacob Evans buhlt künftig ebenfalls um Spielzeit; unser NCAA-Mann Axel Babst sieht in Evans einen „zeitlosen Spielertypen, der (...) eines Tages zu den Steals dieses Draft-Jahrgangs zählen könnte.“



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Beste Addition
DeMarcus Cousins ...  Wie schon gesagt: BOOOOOGIE!!! Der sechsfache All-Star durchlebte ein ereignisreiches Jahr: als Co-Star an der Seite von Anthony Davis auf bestem Wege in seine ersten Playoffs überhaupt, dominierte der damals 27-Jährige mit unerreichten 25,2 Punkten, 12,9 Rebounds und 5,4 Assists pro Partie.

Dann riss ihm die Achillessehne – eine potenziell verheerende und karriere-gefährdende Verletzung. Weil dem Free Agent niemand eine adäquaten Vertrag anbot, entschloss der sich, seine ultimative „Nuklear-Option“ zu ziehen, sein „Pik-Ass“ zu spielen, wie er selbst sagte: wenn er 2018/19 schon für 'nen Spottpreis auflaufen muss, warum dann nicht für das Team, das seiner Karriere den entscheidenden Schritt zurück zu alter Stärke verleihen kann?

Cousins glaubt, dass er bereits an Weihnachten wieder einsatzbereit ist. Für die Warriors ist seine Präsenz nicht unbedingt relevant. Das Team hat Zeit und mehr als genügend Qualität, um Cousins vollständig genesen zu lassen, ehe es ihn gegen Ende der regulären Saison entfesselt.

The Planet
Steph Curry ... Golden States 'Golden Boy' war, ist und bleibt Steph Curry. Seit 2009 schnürt der ehemalige siebte Pick im Draft nun seine UnderArmour Sneaker. Seine Karriere zählt schon heute zu den beeindruckendsten und erfolgreichsten, die wir je gesehen haben.


Obwohl Curry zuletzt nur 51 Partien absolvierte, blieb er dank seiner Mischung aus Dribblings, Pässen und absurden Pull-Ups der Motor, der die Warriors antrieb. Das wird auch in Zukunft so bleiben: nach Jahren spottbilliger Produktivität entlohnten ihn die Dubs vergangenen Sommer endlich angemessen. Curry wird bis einschliesslich 2022 satte 201 Mio. $ verdienen.

Diese Kohle hat er sich mehr als verdient. Wir müssen an dieser Stelle nicht wiederholen, was wir bereits zigfach geschrieben haben. Vor seiner Ankunft waren die Warriors eines der miesesten Teams der Liga. Der beste Shooter aller Zeiten hat dieser einstigen Lachnummer verholfen, zu der Muster-Franchise der NBA zu werden, der alle anderen heute nacheifern.

Rising Star
Kevin Durant ... Die einen werden ihn immer verachten – weil er als Free Agent eine persönlich-professionelle Entscheidung pro Golden State getroffen und sein altes Team Oklahoma City „verraten“ hat. Die anderen werden ihn immer lieben, weil sie seinen unnachahmlichen Spielstil und seine Ehrlichkeit schätzen.

Niemand kann aber von der Hand weisen, dass Kevin Durant die singulär verheerendste Offensivwaffe in der NBA ist. Einen 2,13 Meter großen Pull-Up Maestro, der isoliert oder aus dem Halbfeld-Set nicht zu stoppen ist, der on-oder-off-the-Ball jede erdenkliche Deckung sprengen kann, der spielerisch für sich oder andere kreiert, der über die längste Spannweite eines Verteidigers mühelos hinweg wirft... und dabei zu den besten Verteidigern der Liga zählt... so etwas hat die Basketball-Welt noch nicht gesehen.


Und alle, die noch Zweifel hatten, wo Durants Platz in der Hierarchie der besten Clutch- und Playoff-Performer der Geschichte war, wurden in den zurückliegenden zwei Postseason-Runs eines Besseren belehrt. 28,8 Punkte, 10,8 Rebounds, 7,5 Assists und 2,0 Blocks im Schnitt bescherten Durant 2018 seinen zweiten konsekutiven Finals-MVP Award; nur Michael Jordan (zwei Mal), LeBron James, Hakeem Olajuwon, Kobe Bryant und Shaquille O'Neal ist dieses Kunststück jemals gelungen.

Don’t Sleep! 
Draymond Green ... Curry ist die Franchise, Durant der gefährlichste Offensivspieler der Liga, Thompson der gefürchtete Knockdown-Shooter, der die Maschine perpetuell am Laufen hält. Man könnte jedoch argumentieren, dass Draymond Green der wichtigste Mann im Team von Steve Kerr ist. Er ist der Lautsprecher der Warriors, ihr dreisteter Wettkämpfer, dazu dreifacher All-Defensive First Teamer (inklusive Abwehr-Award 2017).



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Der Alleskönner ist nicht nur der Fugenkitt, der alle Elemente zusammen klebt, sondern obendrein einer der besten und vielseitigsten Verteidiger der Welt. Rudy Gobert, Anthony Davis und Joel Embiid sind die Preseason-Kandidaten für den Defensive Player of the Year 2019. Keiner von ihnen kann wie Green alle fünf Positionen auf dem Basketballcourt neutralisieren.

Innerhalb von wenigen Sekunden explosive Point Guards an der Dreierlinie stoppen, danach das Anspiel gegen Marc Gasol im Low Post verhindern und trotzdem genau im richtigen Zeitpunkt wieder in die Mitte rotieren, um den Cutter von der Weakside am Ring zu blocken... all das und mehr beherrscht Green im Schlaf. Nicht zuletzt deshalb scheint es bereits beschlossene Sache, dass Golden State seinen Vollstrecker 2020 um jeden Preis verlängern wird.

Beste Fünf
Curry – Thompson – Durant – Green – Cousins


Good News
+ Kein Team hat mehr Qualität als die Warriors
+ Abo-Allstar Cousins kam zum Schleuderpreis – weil ihn offensichtlich niemand anders wollte
+ Coaching, Management, Ownership – keine Franchise in der NBA wird heute besser geführt
+ Die Teambesitzer zahlen bereitwillig jede Zeche, um dieses dynastische Team zusammenzuhalten

Bad News
- Cousins ist erst in ein paar Monaten wieder voll einsatzbereit
- Ungeklärte Vertragssituationen der Schlüsselspieler bei jetzt-schon-Rekordausgaben
- Die reguläre Saison dauert 82 – oft irrelevante – Partien
- Die Playoffs beginnen erst im April

Was fehlt?
Gar nichts. Golden State ist das beste Team der Liga und seiner Konkurrenz meilenweit voraus. Das ist bekannt. Qualitative Einbußen waren keine zu verzeichnen – im Gegenteil: mit Cousins gesellt sich künftig ein fünfter All-Star zum talentiertesten Kader aller Zeiten hinzu. Dass Boogies Präsenz unterm Strich keinen großen Unterschied macht – weder bei den Prognosen noch bei den Meisterschaftschancen dieses Molochs – zeigt eindrucksvoll, wie lächerlich gut dieses Team aufgestellt ist.

Natürlich wäre es viel angenehmer, wenn die Warriors sich nicht zum fünften Mal in Folge durch 82 langweilige reguläre Partien gegen den Bodensatz der Liga und alle Möchtegern-Contender quälen müssten. Verletzungen sind also mal wieder das einzige, was diese Franchise aus der Bahn werfen könnte. Wer auf interne Querelen hofft, hat überhaupt nichts verstanden: diese Warriors, allen voran ihre beiden besten Spieler Durant und Curry, sind tighter als zu kleine Leggings nach der 90-Grad-Wäsche.


Check 1,2
Golden State bleibt das Alpha und das Omega der Basketball Association. Alle verspotteten Team-Besitzer Joe Lacob, als der vor Jahren postulierte, man sei der Konkurrenz „um Lichtjahre voraus“. Hier aber stehen wir nun, und es ist genau das eingetroffen. Die Warriors-Dynastie ist real, und setzt sich – wenn nicht Außergewöhnliches passiert – auch in der unmittelbaren Zukunft unverändert fort.

Es ergibt keinen Sinn, Rekorde zu jagen. Die Warriors haben bereits alles gebrochen. Es ergibt auch keinen Sinn, Cousins' auf Biegen und Brechen zu integrieren. Die Warriors haben ohne ihn alles gewonnen. 55 bis 60 Siege sind realistisch – zumal die Protagonisten spätestens im April mehr geschont als aufgestellt werden dürften.

Ob dann am Ende Heimvorteil bis ins NBA-Finale auf der Haben-Seite steht oder wieder „nur“ Platz zwei spielt absolut keine Rolle: Golden State ist (erneut) ein derart großer Favorit auf den NBA-Titel, dass alles andere als der Threepeat ein absoluter Schocker wäre.

Die Rechnung, bitte