14 Oktober 2018

14. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Houston Rockets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 14. Okt, 2018

Flashback
65-17, Western Conference Finals (3-4 vs. Golden State Warriors)

Plus
Carmelo Anthony
James Ennis
Brandon Knight
Marquese Chriss
Michael Carter-Williams
Isaiah Hartenstein

Minus
Trevor Ariza
Luc Mbah a Moute
Ryan Anderson
Joe Johnson
Tarik Black

Was ist Neu?
Wichtiger: Was ist geblieben? In Chris Paul und Clint Capela haben zwei der drei signifikantesten Spieler langfristig verlängert. Der Kern um Paul, Capela sowie MVP James Harden steht somit mindestens bis 2021 in Houston unter Vertrag. Auf dieser Basis legten die Rockets vergangenes Jahr die beste Regular Season der Franchise-Geschichte hin.

Vier der fünf Starter des so erfolgreichen Vorjahres stehen weiterhin im Aufgebot, viel Grund zur Veränderung liegt also nicht vor. Zu beklagen haben die Raketen die Abgänge der Stabilisatoren Trevor Ariza und Luc Mbah a Moute, die maßgeblich zur zuletzt standfesten Verteidigung (ligaweit 6. in Defensive Effizienz: 103,8 zugelassene Punkte pro 100 gegnerische Angriffe) beitrugen.

Um die stabile Defense aufrecht zu erhalten ist der prominenteste Zugang Carmelo Anthony nicht geeignet, wenigstens bringt er deutlich mehr offensive Schlagkraft als genanntes Duo nach Texas. Die weiteren Zugänge, namentlich Michael Carter-Williams, Brandon Knight und Marquese Chriss, sind reine Projekte und/oder Trademasse.


Der deutsche Nationalspieler Isaiah Hartenstein bekam nach einem Lehrjahr in der G-League nun seinen ersten NBA-Vertrag. Gemeinsam mit Chriss, dem Chinesen Zhou Qi sowie Veteran Nenê konkurriert Hartenstein um Minuten als Backup für Capela auf der Center-Position.

Beste Addition
James Ennis ...  Würden wir das Jahr 2010 schreiben, wäre die Akquisition von Carmelo Anthony Grund zur (vorsichtigen) Freude. Da die Rockets aber den 2018er „I'm not sacrificing no bench role“-Melo bekommen, macht das den von den Detroit Pistons angeheuerten Ennis zum wichtigsten Neuzugang. Dessen Mission ist die Nachfolge von Ariza und Mbah a Moute, als 3&D Wing soll er die hinterlassene Lücke füllen.

Der 28-Jährige kennt die immer noch aktuellen Schemen von Houstons ehemaligem Verteidigungsminister Jeff Bzdelik bestens, beide haben bereits bei den Memphis Grizzlies zusammengearbeitet. Den Corner Three trifft Ennis mit annähernd 40%. Nach Jahren im sportlichen Niemandsland bedeutet der Vertrag bei den Rockets eine gewaltige Karrierechance für den 50. Pick des Drafts 2013.


The Planet
James Harden ... MVP und Scoring Champion 2018, sechsfacher All-Star, vier Mal ins All-NBA First Team gewählt. Harden sitzt im Olymp der NBA und hat vergangene Saison mit durchschnittlich 30,4 Punkten, 8,8 Assists und 5,4 Rebounds die Erwartungshaltung nicht sonderlich gedrückt. Seit der Ankunft Chris Pauls sind die Rockets nicht mehr so abhängig von „The Beard“ wie einst, das ändert aber nichts an seinem Ausnahmestatus im Team und in der Liga. Harden wird sich anschicken, die fabelhaften Zahlen des Vorjahres zu bestätigen und seinen MVP-Titel zu verteidigen.

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Rising Star
Clint Capela ... Der Schweizer hat im Sommer einen neuen Vertrag über fünf Jahre und bis zu 90 Mio. $ unterschrieben, steigt damit auch in puncto monetärer Wertschätzung zur Oberschicht der Center-Gilde auf. Und das zurecht: In den Playoffs 2018 dominierte Capela in Karl-Anthony Towns und Rudy Gobert sowohl einen offensiv, als auch einen defensiv elitären Big. Dabei ist Capela mit seinen erst 24 Jahren noch längst nicht am Gipfel der Leistungsfähigkeit angekommen und weiter ein Kandidat für den Most Improved Player Award. 2017/18 stand Houstons Nummer 15 in der Regular Season 46 Mal zusammen mit Harden und Paul auf dem Feld, die Rockets gewannen 43 dieser Partien.

Don’t Sleep! 
Carmelo Anthony ... Irgendwas muss dran sein, wenn sich ein zweifacher Coach of the Year in Mike D'Antoni sowie ein Analytics Guru und Executive of the Year in Daryl Morey derart eindringlich um Melo bemühen. Gefühlt hatte der Forward seine letzte effiziente Saison, als die Warriors noch als Statisten auf der Bühne der Association figurierten. Melos Stelldichein bei den Oklahoma City Thunder, bei dem er die schlechtesten Zahlen seiner Karriere auflegte, sogar schlechter als im Rookie-Jahr, hat diesen Ruf nicht entkräftet.

Weil aber im Vorjahr schon die sportliche Koexistenz Hardens und Pauls völlig zu Unrecht infrage gestellt wurde und die Rockets unter anderem auch den als verletzungsanfälliges, ewiges Talent verschrienen Eric Gordon auf Kurs gebracht haben, gilt es, Anthony noch nicht komplett abzuschreiben. D'Antoni, Harden und Paul werden Wege finden, den zehnfachen All-Star in verwertbare Schusspositionen zu bringen – und wenn Melo irgendwas kann, dann ist es, das Orangene ins Runde zu schmeißen.

Beste Fünf
Paul – Harden – Gordon – Tucker – Capela


Good News
+ Nach dem knappen Scheitern im Vorjahr ist der Hunger noch größer
+ Der neue Teambesitzer Tilman Fertitta hat (vorerst) kein Problem damit, die Luxussteuer zu bezahlen
+ Der ebenso voluminöse wie unverhältnismäßige Vertrag von Ryan Anderson wurde ohne bleibende Schäden entsorgt
+ Houston hat noch ca. 4,5 Mio. $ seiner Mid-Level Exception übrig und wird daher einer der attraktivsten Kandidaten für Buyouts

Bad News
- Coach D'Antonis wichtigster Assistent, Jeff Bzdelik, hat sich in den Ruhestand verabschiedet
- Die Warriors sind nicht schlechter geworden
- Melo ist ein uneinsichtiger, notorischer Störenfried und wird auch für Houstons Locker Room zur Herausforderung
- Mit den Los Angeles Lakers um LeBron James droht sich zumindest ab 2019/20 ein neues Powerhouse im Westen zu formieren

Was fehlt?
Im Zweifelsfall eine heile Oberschenkelmuskulatur von Chris Paul. Die Rockets waren sehr nahe dran an den ersten Finals seit 1995, ohne Pauls Verletzung wäre der Favorit und spätere Champion womöglich gefallen. Gesundheit steht hier also an erster Stelle, direkt dahinter ein weiterer Wing Defender. Ennis muss erst beweisen, dass er größeren Aufgaben gewachsen ist und selbst wenn dies eintritt, brauchen die Rockets infolge der Abgänge Arizas und Mbah a Moutes zusätzliche Abwehrkräfte auf dem Flügel. Zur Trade Deadline und/oder auf dem Buyout-Markt wird Morey dieses Problem angehen.


Check 1,2
In der nun noch stärkeren Western Conference sind die Rockets weiterhin eine Hausnummer und nach eigenem Selbstverständnis legitimer Anwärter und Titelverteidiger des ersten Platzes. Die 65 Siege des Vorjahres zu bestätigen wird nicht ganz einfach. Weil aber der Hauptkonkurrent aus der Bay Area auch dieses Jahr keinen Grund hat, die Regular Season mit nachdrücklichem Ernst anzugehen, ist einstweilen die Verteidigung der Spitzenposition in Aussicht.

Die Rechnung, bitte