11 Oktober 2018

11. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Indiana Pacers.

von JONAS RÖHRIG @jonasRo19 | 11. Okt, 2018

Flashback
48-34, Playoffs Runde eins (3-4 vs. Cleveland Cavaliers)

Plus
Tyreke Evans
Doug McDermott
Kyle O’Quinn
Aaron Holiday
Elijah Stewart
Alize Johnson
Omari Johnson
C.J. Wilcox

Minus
Lance Stephenson
Glen Robinson III
Trevor Booker
Al Jefferson
Joe Young
Alex Poythress
Damien Wilkins
Trey McKinney-Jones

Was ist Neu?
Es hat sich nicht wirklich viel getan im Hoosier-State, nach einem spektakulären Sommer 2017 und dem Abgang von Paul George war das Management um GM Kevin Pritchard auf Kontinuität bedacht. Wirklich neu ist zum Saisonstart 18/19 somit vor allem die eigene Erwartungshaltung.

Noch vor einem Jahr hatten wohl nur die wenigsten Pacers-Fans Hoffnung auf Postseason-Basketball. Der Star des Teams, Paul George, hatte das Team im Tausch für Victor Oladipo und Domantas Sabonis zu den Oklahoma City Thunder verlassen. NBA-Twitter brannte, so schlecht schien der Deal für Indiana zu sein. Nach dem Verlust ihres Franchise-Spielers waren die Erwartungen an die Pacers gleich null.

Doch dann machte Oladipo in seiner alten Heimat (er spielte für die Indiana University) endlich den Leistungssprung, auf den seine ehemaligen Teams in Orlando und Oklahoma City vergeblich gewartet hatten. „Dipo“ wurde zum ersten Mal All-Star, gewann den Most Improved Player Award, schaffte es ins All-Defensive First Team und sogar ins All-NBA Third Team.


Nach einem erfolgreichen Sommer 2018, in dem vor allem Ex-Memphis Grizzly Tyreke Evans nach Indianapolis gelotst wurde, geht das Team von Besitzer Herb Simon mit deutlich höheren Erwartungen in die Saison 2018/2019. Evans kommt selbst aus einer großartigen Comeback-Saison mit eigener berechtigter Hoffnung auf den MIP Award. Außer ihm wurden Shooter Doug McDermott und der unterschätze Big Man Kyle O’Quinn verpflichtet. In der Draft wurde zudem der Bruder von Jrue (New Orleans Pelicans) & Justin Holiday (Chicago Bulls), Aaron gezogen, ein 22-jähriger Point Guard, der mit dem 23. Pick von UCLA kam.

Die Pacers haben durch die Abgänge nicht an Qualität verloren (Sorry, Lance…) und verstärkten durch gute Free Agent Verpflichtungen die zuletzt nicht besonders tiefe Bank. Neu sind somit vor der Saison, die höheren Erwartungen, mit einem stärkeren Team in die Spitzengruppe der Eastern Conference zu stoßen.

Beste Addition
Tyreke Evans ...  Der Rookie of the Year von 2010 spielte eine unerwartet starke Saison 2017/2018 für die Grizzlies. Er absolvierte in den vier Jahren zuvor verletzungsbedingt nur etwas mehr als 100 Spiele und schaffte es nach vergeblichen Versuchen bei den Sacramento Kings (wen wunderts?) und in New Orleans, in Memphis endlich wieder an die Leistungen aus seinen ersten Profi-Jahren anzuknüpfen.

Evans legte für die „Tank-Modus“-Grizzlies 19,4 Punkte, 5,1 Rebounds und 5,1 Assists auf und das bei sehr soliden Quoten (56,1 % True Shooting). Er wird die Bank der Pacers deutlich aufwerten (oder sogar starten) und soll mit seiner Vielseitigkeit eine bessere Version von Lance Stephenson sein.




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The Planet
Victor Oladipo ... Was gibt es noch groß zu sagen? Außer vielleicht, dass wir alle unrecht hatten, wir alle, die Oladipo schon als Bust abgeschrieben hatten. Er hat es seinen Kritikern gezeigt, verbesserte seine Statistiken quer durch den Box Score und legte sowohl offensiv, als auch defensiv Karriere-Bestwerte auf. Er war einer der besten 10 Scorer der Liga (23,1 Punkte pro Spiel), schloss hochprozentiger ab als je zuvor (57,4 % True Shooting) und führte die Liga mit deutlichem Abstand bei den Steals an (2,4 pro Spiel).

Außerdem war er sowohl in der regulären Saison, als auch in den Playoffs einer der besten 10 Scorer unter den Guards im vierten Viertel, in der Crunchtime war auf ihn Verlass. Für die neue Saison muss man nun erwarten, dass „Dipo“ seine Leistungen konservieren und auch mit gestiegenem Druck der Go-to-Guy der Pacers sein kann.

Rising Star
Myles Turner ... Bei all dem Hype und der (berechtigten) Begeisterung um die Entwicklung von Oladipo ging Myles Turner letztes Jahr in Indiana etwas unter. Eigentlich war angedacht gewesen, dass er der nächste Pacers-Star wird; von ihm wurde letzte Saison, in seinem dritten Profijahr, ein deutlicher Leistungssprung erwartet. Doch dieser war nicht zu erkennen, Turners Leistungen stagnierten.


Über den Sommer hat er deshalb hart an seinem Körper gearbeitet. Der gebürtige Texaner unterzog sich einer strengen Diät und nahm Yoga in seinen Trainingsplan auf. Das Ergebnis ist deutlich, Turner drückte seinen KFA (Körperfettanteil) von 14 % auf 7 % und sieht insgesamt deutlich fitter aus. Es bleibt abzuwarten, inwieweit dies einen Einfluss auf sein Spiel haben wird.

Aber auch spielerisch wird vom 11. Pick des 2015er Drafts eine deutliche Steigerung erwartet. Turner muss sich als zweiter Leistungsträger hinter Oladipo etablieren, die Defense verankern und seine Anfälligkeit für dumme Fouls einstellen. Fehlende Motivation sollte zumindest kein Problem sein, schließlich wird er am Ende der Saison seine erste (große) Vertragsverlängerung unterschreiben.

Don’t Sleep! 
Domantas Sabonis ... Am Anfang noch als vernachlässigbarer Teil des Paul George-Deals verschmäht, gelang dem jungen Litauer im zweiten Profijahr eine überraschend deutliche Leistungssteigerung. Er erzielte 11,6 Punkte pro Spiel, sammelte starke 7,7 Rebounds, war ein guter Passgeber für seine Größe mit zwei Assists pro Spiel und traf zudem noch seinen Dreier, auch wenn er ihn nicht oft ansetzte (35,1%, bei 0,5 Versuchen pro Spiel).

Bei seinen Statistiken lassen sich überraschenderweise einige Parallelen, zu denen von Myles Turner erkennen (12,7 Punkte/6,4 Rebounds/1,3 Assists/35,7% Dreier). Doch die Erwartungen an den zwei Monate jüngeren Sabonis, der dazu auch noch vier Minuten weniger pro Spiel auf dem Parkett stand, sind um einiges niedriger.

Schafft er es, seine Entwicklung fortzusetzen und seinen Wurf von außen weiter zu stabilisieren, könnte er eine noch größere Rolle im Team der Pacers einnehmen und früher oder später auch in die erste Fünf drängen.

Beste Fünf
Collison – Oladipo – Evans – Young – Turner


Good News
+ Alle Leistungsträger sind geblieben und das Team wurde in der Breite verstärkt
+ Turner wirkt fokussiert und scheint mit viel Motivation in die Saison zu gehen
+ Über die Saison 18/19 ist von den Top-Verdienern nur Oladipo (21 Mio. $) langfristig gebunden, die Pacers können mit viel Cap Space Turner verlängern und einen Star in der Free Agency 2019 jagen
+ Die Pacers haben mit dem „Underdog-Image“ der letzten Saison eine neue Identität gefunden, die dazu noch von ihrem besten Spieler verkörpert wird

Bad News
- Der Überraschungseffekt ist weg, niemand wird die Pacers dieses Jahr unterschätzen
- Kann Oladipo, nachdem die Teams über den Sommer Zeit hatten, ihre Defense auf ihn auszurichten, auf ähnlichem Niveau abliefern?
- Viele Teams im Osten wollen LeBron James' Abgang für sich nutzen – der Konkurrenzkampf um die vorderen Playoff-Platzierungen wird groß sein
- Letztes Jahr fehlte es an Shooting (Bottom-5 bei den Versuchen und Treffern von außen), reicht hier McDermott als Verstärkung?

Was fehlt?
Ein zweiter Star. Die Pacers brauchen im Angriff eine zweite Option neben Oladipo, um auch in den Playoffs höhere Ansprüche zu stellen. Diese Aufgabe soll Turner übernehmen und es scheint, als sei er dafür bereit. Seine veränderte Einstellung in der Saisonvorbreitung könnte ein Hinweis darauf sein, dass er jetzt bereit ist, diese Rolle anzunehmen. Sollte Turner erneut enttäuschen und nicht den erhofften Sprung machen, fehlt dieser eine Spieler, der Oladipo entlastet und phasenweise das Spiel übernehmen kann.

Spätestens aber 2019 kann Kevin Pritchard mit viel Cap Space versuchen, einen der Top-Free Agents nach Indiana zu lotsen, um dann endgültig in den Kampf um die Eastern Conference Finals einzugreifen.

Check 1,2
Die Begeisterung vor der Saison in Indiana ist groß und das zurecht. Das nach dem Paul George-Trade so kritisierte Pacers-Management hat es geschafft, das Team komplett neu auszurichten, ohne dabei auf den Draft angewiesen zu sein.

Die Pacers sind jung, hungrig und wollen zeigen, dass die letzte Saison kein Zufall war. Die erste Fünf ist eingespielt, der Kader breiter als im Vorjahr und enorm vielseitig. Es wird außerdem interessant sein zu sehen, wie Coach Nate McMillan die neuen Spieler (insbesondere Evans) in die Rotation einbaut.

Vorausgesetzt sie bleiben von schwereren Verletzungen verschont, kann Indiana erneut an den 50 Siegen kratzen, doch alles darüber hinaus hängt vor allem von der Entwicklung von Myles Turner ab.

Die Rechnung, bitte