06 Oktober 2018

6. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die LA Clippers.

von MARC LANGE @godzfave44 | 6. Okt, 2018

Flashback
42-40, keine Playoffs

Plus
Marcin Gortat
Shai Gilgeous-Alexander
Jerome Robinson
Luc Mbah a Moute
Mike Scott
Jonathan Motley

Minus
DeAndre Jordan
Sam Dekker
Austin Rivers
C.J. Williams

Was ist Neu?
Mit DeAndre Jordan hat nun auch das letzte Überbleibsel der Lob City-Ära die Clippers verlassen. Statt des bedingungslosen Titelkampfes stehen dieses Jahr die Themen Rebuild und finanzielle Flexibilität im Vordergrund. Trotzdem wurden solide Neuzugänge an Land gezogen, die die Kalifornier zumindest vom achten Platz im Westen träumen lassen. Marcin Gortat ersetzt Jordan positionsgerecht, der Pole und der zurückgekehrte Luc Mbah a Moute (von 2015 bis 2017 bei den Clippers) haben jede Menge Erfahrung im Gepäck.

Wichtigster Grund für die gestiegene Hoffnung sind aber vor allem die zwei Erstrunden-Picks, namentlich Shai Gilgeous-Alexander und Jerome Robinson. Zwei Top-15 Rookies in den eigenen Reihen zu haben ist in Los Angeles ein ungewohntes Bild. Zuletzt war dies im Jahr 2002 der Fall.


Beste Addition
Shai Gilgeous-Alexander ...  Der 20 Jahre alte Rookie gilt als einer der besten Point Guards seiner Draftklasse und bringt riesiges Potenzial in die Stadt der Engel – wie er in der Summer League bereits unter Beweis stellte. Wegen seiner Größe (1,98 Meter) und Spannweite (2,12 Meter) kann der Alumni der University of Kentucky in der NBA gleich mehrere Positionen verteidigen.

Am offensiven Ende des Parketts glänzt er dazu als Allrounder mit starkem Ballhandling und legte im Schnitt 17 Punkte, fünf Rebounds, vier Assists, drei Steals und einen Block auf. Wie heißt es so schön: Sky is the Limit für den Kanadier. Zudem hat er in Patrick Beverley (Toughness) und Miloš Teodosić (Spielverständnis) zwei optimale Mentoren in den eigenen Reihen.

The Planet
Lou Williams ... Amtierender Sixth Man of the Year, Top-Scorer der Clippers, glücklicher Polyamorist: Zu sagen, dass Lou Williams gerade eine gute Phase hat, wäre genau so eine Untertreibung wie zu sagen, dass Michael Jackson ganz nett moonwalken konnte. Der 31-Jährige brillierte letztes Jahr nicht nur mit Karrierebestwerten bei den Punkten (22,6) und Assists (5,3).

Im Januar spielte er sogar wie ein wahrer MVP und netzte im Schnitt über 28 Punkte ein, verteilte mehr als sechs Assists und versenkte mehr als 90% seiner Versuche von der Freiwurflinie. Es besteht kein Zweifel, dass „Sweet Lou“ auch in der anstehenden Saison seinem Job als personifizierte Mikrowelle von der Bank gerecht wird.


Rising Star
Jerome Robinson ... Eigentlich müsste man hier wieder SGA nennen. Aber auch Robinson hat das Potenzial, um in der NBA Eindruck zu hinterlassen. Wie es sich für einen Vollblutscorer gehört, kann der 21-Jährige aus fast allen Situationen punkten. Sein überdurchschnittliches Ballhandling erlaubt es ihm in Eins-gegen-Eins-Situationen effizient zum Abschluss zu kommen. Sein Jumpshot passt sowohl aus dem Dribbling, als auch aus dem Stand. Zudem traf er in seinem letzten Collegejahr starke 41% seiner Dreipunktewürfe.

Auch wenn zu dem Zeitpunkt, als Robinson gepickt wurde, noch andere interessante Spieler im Draft verfügbar waren (Michael Porter, Zhaire Smith), wirkt der ehemalige Shooting Guard der Boston Eagles bereits NBA-ready und wird (hoffentlich) genug Minuten kriegen, um dies auch zu beweisen.


Don’t Sleep! 
Marcin Gortat ... Alles richtig gemacht. Mit Marcin Gortat kommt ein solider Ersatz für DeAndre Jordan nach Los Angeles, der sogar noch das Feld etwas breiter macht. Und wenn es zwischen dem polnischen Hammer und den Kaliforniern nicht funken sollte: Sein 13,5 Mio. $ schwerer Vertrag läuft im nächsten Sommer aus und garantiert den Clippers somit maximale Flexibilität. LA hat also nicht nur den Cap Space für die Zukunft, sondern auch gleichzeitig einen exzellenten Screen-Setter für ihre jungen Guards gesichert.

Beste Fünf
Beverley – Williams – Harris – Gallinari – Gortat




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Good News
+ Alle Verletzten von letzter Saison sind bislang fit und startklar für die neue Spielzeit
+ Die Hack-a-Jordan Zeiten sind (endlich!) vorbei
+ Gute Bank mit viel Scoring-Power
+ Das Team hat keinen Erfolgsdruck wie in der Lob City-Ära und kann frei aufspielen

Bad News
- Mit Teodosić, Beverley, Williams und Avery Bradley im Kader könnte die Spielzeit für SAG und Robinson leiden
- Weiterhin wenig treffsichere Dreipunkteschützen im Team (letzte Saison als Team nur Platz 23 bei der Dreier-Quote)
- Bei einer Playoffteilnahme verlieren die Clippers ihren Erstrundenpick 2019 an die Boston Celtics
- Der lila-goldene Rivale hat den Clippers die Vorherrschaft in der Stadt der Engel wieder abgenommen

Was fehlt?
Erfahrung. Nur die wenigsten Spieler im Kader besitzen Playofferfahrung, bzw. haben schon einmal Finals-Luft geschnuppert. Sollte es nach der regulären Saison also für das Team von Doc Rivers noch weiter gehen, könnte Erfahrung ein entscheidender Faktor in engen Playoff-Serien werden.

Andererseits wäre so eine Situation, speziell für die Rookies, natürlich nicht schlecht, um eben diese bereits früh zu sammeln. In einer theoretischen Runde eins, mutmaßlich gegen die Golden State Warriors oder Houston Rockets, würde von der jungen Truppe mit hoher Wahrscheinlichkeit ordentliches Lehrgeld gezahlt werden.

Check 1,2
Die LA Clippers haben für nächste Saison ein sehr solides Basketballteam zusammengestellt. Der gute Kern und eine tiefe Bank mit jungen und talentierten Spielern sind die wohl größten Stärken. Bleibt ihnen das Verletzungspech dieses Jahr vom Hals, haben die Clips definitiv ein Wörtchen im Playoff-Rennen mitzureden.

Der Sonderberater und (nicht ganz) heimliche Strippenzieher Jerry West hat die Kalifornier allgemein in eine komfortable Situation gebracht: Sollten die Erwartungen übertroffen werden, super. Falls nicht wird es vor der Trade Deadline noch einige Moves geben, um den finanziellen Spielraum für den nächsten Sommer weiter zu verbessern und den Rookies Gilgeous-Alexander und Robinson mehr Spielzeit zu ermöglichen. Die Zukunft sieht also durchaus rosig aus.

Die Rechnung, bitte