12 Oktober 2018

12. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Los Angeles Lakers.

von JAN HUSMANN @JanOnOne | 12. Okt, 2018

Flashback
35-47, keine Playoffs

Plus
LeBron James
Rajon Rondo
Javale McGee
Lance Stephenson
Michael Beasley
Moritz Wagner
Sviatoslav Mykhailiuk
Isaac Bonga

Minus
Julius Randle
Brook Lopez
Isaiah Thomas
Channing Frye
Tyler Ennis
Thomas Bryant
Luol Deng

Was ist Neu?
Die Lakers sind ab sofort wieder relevant. In den letzten fünf Jahren musste sich Lila-Gold an Position zwei einreihen, wenn es um den sportlichen Erfolg in der Stadt ging, die sie so lange dominierten. Mit der Verpflichtung des besten Spielers dieses Jahrtausends steht nun ein neues Kapitel in der reichen Historie des 16-fachen Meisters an.

LeBron James dominierte die Schlagzeilen im Sommer. Interessant sind jedoch auch die anderen Zugänge der Lakers: Statt King James mit guten Distanzschützen zu umgeben, wie es die Miami Heat 2010 und die Cleveland Cavaliers 2014 gemacht haben, setzen die Lakers auf Spieler, die ihre eigenen Würfe kreieren können und somit Druck von Spielmacher LeBron nehmen sollen. Aber Namen wie Rajon Rondo, JaVale McGee, Lance Stephenson und Michael Beasley bringen nicht nur positive Assoziationen mit.


In dieses interessante Experiment kommen noch die drei europäischen Draftees Moritz Wagner, Sviatoslav Mykhailiuk und Isaac Bonga. Von allen dreien werden keine großen Leistungen in ihrem Premierenjahr erwartet, aber geraden die beiden Ersteren könnten sich wegen ihrer Fähigkeiten als Dreierschützen schnell in der Rotation wiederfinden.

Beste Addition
LeBron James ...  Wir sprechen über den Spieler, der den Basketball in den letzten 15 Jahren geprägt hat, wie kein anderer. In den letzten acht Spielzeiten erreichte jedes seiner Teams die NBA-Finals. Und im Herbst seiner Karriere, der nicht weniger beeindruckend ist als der Frühling oder Sommer, entscheidet er sich zu einem der sportübergreifend bekanntesten Teams der Welt zu wechseln. Neuverpflichtungen werden nicht größer.


The Planet
LeBron James ... Ich habe mich oben kurz gehalten, denn auch in dieser Kategorie muss die Antwort LeBron James heißen. Seit der damals 18-jährige James 2003 in die Liga kam, ist er der beste Spieler jedes seiner Teams. Nach vier MVPs der regulären Saison und drei Finals-MVPs findet sich der 33-Jährige in Vergleichen mit Michael Jordan wieder.

Kritikwürdig in den letzten Jahren sind bei James jedoch die teils wenig inspirierenden Leistungen während der Regular Season. Insbesondere defensiv ließ sein Einsatz oft zu wünschen übrig. Nun verlässt der „King“ das zweitschlechteste Team hinsichtlich Defensiv-Rating (zugelassene Punkte pro 100 Ballbesitze) und heuert bei einem überdurchschnittlich verteidigenden Team an (Rang 13).

Ob James von der besseren Defensive profitiert oder die Lakers mit ihm in der Aufstellung defensiv abbauen, wird diese Saison zeigen. In jedem Fall sollten sich die Lakers gegenüber ihrer 35 Siege im vorigen Jahr verbessern.

Rising Star
Brandon Ingram ... Vor dem Draft 2016 gab es Diskussionen, ob Ben Simmons oder Brandon Ingram die richtige Entscheidung mit dem ersten Pick sei. Nach zwei Jahren in der Liga fällt die Entscheidung klar zu Gunsten des Australiers in Diensten der Philadelphia 76ers aus. Ingrams Körper ist für die NBA immer noch sehr schmal und den Fähigkeiten von außerhalb der Dreierlinie wurde eine schnellere Entwicklung vorhergesagt.


Dennoch: Ingram hat noch viel Raum für Verbesserungen. Trotz seiner zwei Jahre Erfahrung ist er jünger als viele Spieler, die erst im letzten Jahr gedraftet wurden und ein gutes Jahr jünger als Simmons. Dazu zeigte Ingram bereits ordentliche Fortschritte als Spielmacher und Slasher, die ihn zum besten Spieler der Lakers im letzten Jahr machten. Das Mentoring von LeBron James sowie erste Erfahrungen in den Playoffs sollten seine Entwicklung zusätzlich beschleunigen. Es ist schwer zu prognostizieren, wie gut Ingram wirklich wird, doch die Grundlage für einen All-Star ist geschaffen.

Don’t Sleep! 
Josh Hart ... Hart machte nach einer soliden Rookie-Saison im Sommer erneut auf sich aufmerksam. In der Summer League in Las Vegas räumte er die MVP-Trophäe ab und sah gegenüber den Rookies und G-League-Akteuren eine Klasse besser aus. Der Shooting Guard hat im Fokus der Medien keine Probleme, 2016 gewann er bereits mit den Villanova Wildcats als Führungsspieler die NCAA-Championship.

In diesem Lakers-Team, in dem gute Dreierschützen rar sind, kann sich Hart mit seinem starken Wurf große Spielanteile erarbeiten. Dazu bringt er eine hohe Intensität auf das Feld, die ihn nicht nur zu einem überdurchschnittlichen Verteidiger machen sollte, sondern auch zu einer hohen Zahl an Rebounds führt. Sollte Hart den Job in der ersten Fünf gegen Kentavious Caldwell-Pope nicht gewinnen, wird er zumindest in den entscheidenden Minuten auf dem Feld stehen.

Beste Fünf
Ball – Hart – Ingram – James – Kuzma

Good News
+ Le
+ Bron
+ fucking
+ James

Bad News
- Komischer Mix aus fragwürdigen Charakteren und jungen, unerfahrenen Spielern
- Wenige echte Distanzschützen
- Die Western Conference ist zu stark für ernsthafte Titelchancen
- Coach Luke Walton muss sich erst noch beweisen


Was fehlt?
Gute Distanzschützen. Es ist in den vorherigen Absätzen schon einige Male durchgeklungen, aber den Lakers fehlt es dringend an guten Werfern von jenseits der Dreierlinie. Mit einer Quote von 34,5% beendeten sie die letzte Saison mit dem ligaweit zweitschwächsten Wert. Von der Freiwurflinie war die Statistik sogar noch verheerender. Mit einer Erfolgsquote von 71,4% lag das Team aus der Stadt der Engel auf Rang 30. Von 30.

Diese Schwäche wurde zwar im Draft adressiert, als mit Wagner und Mykhailiuk zwei exzellente Shooter ausgewählt wurden, die restlichen Neuzugänge passen jedoch keineswegs in das Profil. Stephenson und Rondo sind historisch schlechte Schützen und LeBron James ist zwar in den letzten Jahren brauchbar von der Dreierlinie geworden, aber auch nicht als klassischer Scharfschütze bekannt. Die Lakers hoffen auf Verbesserungen von Hart, Ingram und Lonzo Ball und werden auch Caldwell-Pope und Kyle Kuzma viele Minuten geben, um Raum für LeBron zum Operieren zu schaffen.

Check 1,2
In all dem Trubel um die Verpflichtung von LeBron James ging fast unter, dass das junge Team von Coach Walton bereits im letzten Jahr gute Fortschritte machte. Verletzungen verhinderten einen ernsthaften Angriff auf die Playoff-Ränge, nun sollten wir weitere Verbesserungen der jungen Spieler erwarten.

Lonzo Ball verliert seinen Job als Starter vorerst gegen Rajon Rondo, doch je weiter Ball die Verletzungen hinter sich lässt, sollten seine Minuten schnell wieder steigen. Ingram wird, wie es scheint, das Komplement zu James auf den Forward-Postionen sein, wobei keine Differenzierung zwischen Small und Power Forward stattfinden wird, sondern gegnergemäße Anpassungen gemacht werden.

Teams von LeBron James haben seit 13 Jahren nicht mehr die Playoffs verpasst. Dennoch ist es James' erste Saison in der Western Conference - und die hat bekanntlich zehn Teams, für die das Verpassen der Playoffs eine Enttäuschung wäre. Sowohl die Miami Heat 2010 als auch die Cleveland Cavaliers 2014 brauchten Zeit, um die richtige Formel mit LeBron zu finden. Ein langsamer Start kann dieses Jahr im Westen zum Verhängnis werden.

Die Rechnung, bitte