04 Oktober 2018

4. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Memphis Grizzlies.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 4. Okt, 2018

Flashback
22-60, keine Playoffs

Plus
Jaren Jackson Jr.
Jevon Carter
Kyle Anderson
Omri Casspi
Garrett Temple
Shelvin Mack

Minus
Tyreke Evans
Jarell Martin
Ben McLemore

Was ist Neu?
Im Vergleich zur letzten Season Preview steht nun mit J.B. Bickerstaff ein neuer Head Coach an der Seitenlinie im FedEx Forum. Neu, aber nicht nigelnagelneu, da er nach der Entlassung von David Fizdale in der vergangenen Saison bereits bei 15 Siegen und 48 Niederlagen coachen durfte.

Signifikanter dürften die Rookies Jaren Jackson Jr. und Jevon Carter sein, die von Beginn an eine Rotations-Rolle einnehmen können. Erfahrung und Roster-Tiefe kommt in Form der 1 647 kombinierten NBA-Partien von Kyle Anderson, Omri Casspi, Garrett Temple und Shelvin Mack an Bord. Da Mike Conley im Vorjahr 70 Spiele verpasst hat gilt er und vor allem die mit ihm verbundene Hoffnung auf eine bessere Saison ebenfalls als Neuerung.


Beste Addition
Mike Conley ...  Die beste Addition kommt aus den eigenen Reihen. Von den zwölf Spielen, bei denen er im letzten Jahr mitwirken konnte, gewannen die Grizzlies sieben. Im restlichen Saisonverlauf nur noch 15 von 70. Diese Statistik ist kein Ausreißer, denn seit der Saison 2008-09 hatte Conley in den Spielen, in denen er auf dem Court stand, in jeder einzelnen Saison eine positive Bilanz. Er drückt dem Spiel der Grizzlies seinen Stempel in allen Facetten des Spiels auf, sei es als Spielmacher und Ballverteiler, als Scorer aus verschiedensten Lagen oder als schwer überwindbarer Verteidiger. Ein fitter Conley hebt die Grizzlies auf ein höheres Level.


The Planet
Marc Gasol ... Der Spanier ist Dreh- und Angelpunkt der Grizzlies. Er führt die Geschichtsbücher der Franchise in zahlreichen Statistiken, darunter Minuten und Punkte, an und spätestens seit der Streit zwischen ihm und Ex-Coach Fizdale nicht wie bei solchen Konflikten in der NBA üblich, zum Trade des Spielers sondern zur Entlassung des Übungsleiters führte, ist klar wem dieses Team „gehört“. Dass Gasol im Januar 34 Jahre alt wird ist weniger besorgniserregend, als dass es seine Rolle als Grandseigneur weiter stärkt. Denn auf dem Feld kann er seine Leistung durch eine Anpassung an das moderne Spiel und den so sehr gefragten 3&D-Mix, den er wie wenig andere verkörpert, konservieren.

Rising Star
Jaren Jackson Jr. ... Die beim Media Day der Grizzlies anwesenden Reporter waren sich einig: Wenn dieser Jaren Jackson Jr. auf dem Feld auch nur halb so gut ist wie er in seiner Außendarstellung ist, dann hat Memphis seinen neuen Franchise-Player und Superstar mit dem vierten Pick im NBA Draft 2018 gefunden. JJJ scheint eine angeborene Eigenschaft zu haben Menschen in seinen Bann zu ziehen, so sprachen auch seine neuen Teamkollegen bereits in höchsten Tönen von seinem Potential auf und neben dem Basketballfeld.

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Feels like days away 😠😈😁

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Die Anlagen, das scheinbar unendliche Potenzial umzusetzen, sind vorhanden. Der bei Gasol angesprochene 3&D-Mix könnte bei Jackson mit optimaler Entwicklung noch eine Ecke monströser ausfallen und Memphis wieder zu der Relevanz verhelfen, die sie zu besten Grit and Grind Zeiten genossen.

Don’t Sleep! 
Kyle Anderson ... Wenn ein Spieler, der seine Karriere bei den San Antonio Spurs begonnen hat, zu einem neuen Team wechselt, stellt sich immer die gleiche Frage: Hat er nur vom System profitiert oder kann er ein Stück dieses Systems mitbringen?

Die Antwort darauf dürfte auch der Knackpunkt sein, wenn es darum geht, Kyle Anderson und seine ersten Schritte als Grizzly zu bewerten. Heimlich, still und leise hat er sich in seinen ersten vier Jahren als Spur stetig verbessert und scheint nun bereit für eine größere Rolle. Die Kombination aus Potenzial beim Dreier, Ballverteiler-Fähigkeiten und Flexibilität sowohl in der Defense als auch der Offense birgt die Chance, dass er 2018-19 einen weiteren Sprung macht und vielleicht sogar in der Konversation für den Most Improved Player erwähnt werden wird.

Beste Fünf
Conley – Temple – Anderson – Jackson Jr. – Gasol

Good News
+ Jaren Jackson Jr. hat das Potenzial zum erhofften Funken zu werden, der auf und neben dem Court auf die gesamte Franchise überspringt und ein Feuer entfacht
+ Mike Conley ist zurück und entschlossen die Seuchen-Saison 2017-18 schnell vergessen zu machen
+ Die Neuverpflichtungen machen den Kader signifikant erfahrener und tiefer als im Vorjahr
+ Das vor allem in der Defensive hochkarätige und extrem versatile Roster erinnert an Grit and Grind Zeiten


Bad News
- Topscorer Tyreke Evans wurde trotz zahlreicher Interessenten nicht zur Deadline getradet und wechselte nun ohne Gegenwert nach Indiana
- Die Western Conference ist in der Mitte noch besser als im Vorjahr und die Grizzlies sind auf dem Papier eines der schwächeren unter den zahlreichen Teams mit Playoff-Ambitionen
- Coach Bickerstaff hat in seinen 134 Spielen als Interim-Coach in Houston und Memphis bisher wenig gezeigt, was seine permanente Anstellung rechtfertigen würde
- Mike Conley und Marc Gasol haben in den letzten fünf Jahren kombiniert durchschnittlich 40 Spiele pro Jahr verpasst. Zusammen sind sie nun 65 Jahre alt, fraglich ob sie das beständiger macht

Was fehlt?
Angesichts dessen, dass niemand die Grizzlies als Top-Team sieht, fehlt erstaunlich wenig. Die Starter sind alle ausgewiesene Two-Way Spieler, die allesamt auch mindestens durchschnittliche Werfer sind. Einziges Manko ist ein Topspieler im besten Basketball-Alter, die (potentiellen) Stars in Memphis sind entweder zu jung oder zu alt um definitiv in der All-Star-Diskussion zu sein.

Check 1,2
In der Eastern Conference wäre dieses Roster vielleicht sogar ein Anwärter auf Playoff-Heimvorteil, aber im Westen wird es ein erbitterter Kampf um die Teilnahme werden. Im Best-Case bilden Gasol und Triple-J einen einzigartigen generationenübergreifenden 3&D-Frontcourt, Conley findet schnell zu alter Klasse und Anderson steigert sich erneut. Im Worst-Case gibt es Verletzungssorgen und ein unausgewogenes Roster. Die Grizzlies sind eine der spannendsten Wundertüten der Liga!

Die Rechnung, bitte