07 Oktober 2018

7. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Miami Heat.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 7. Okt, 2018

Flashback
44-38, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Philadelphia 76ers)

Plus
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Minus
Luke Babbitt
Jordan Mickey

Was ist Neu?
Nichts. Gar nichts. Die Heat haben sich im Sommer 2017 mit einer Reihe grotesker Verträge die eigenen Hände auf Jahre rigoros festgekettet, sodass die Möglichkeiten in dieser Offseason sehr begrenzt blieben. Nicht einmal einen Rookie des Draft-Jahrgangs 2018 darf South Beach begrüßen, weil Miamis langjähriger Mann am Steuer, Pat Riley, schon vor Jahren nach dem Motto 'shoot now, pay later' beide Picks verschacherte.


Somit bleibt Riley gar nichts anderes übrig, als Kontinuität zu kommunizieren. Die wandelnden Legenden Dwyane Wade und Udonis Haslem (seit 2003 bei den Heat) erhielten eine Vertragsverlängerung, ebenso wie Wayne Ellington und Derrick Jones Jr. 14 Deals sind somit garantiert, um den einen noch freien Platz streiten sich Jarnell Stokes, Briante Weber, Malik Newman und Marcus Lee. Merken müssen sich Heat-Fans diese Namen nicht unbedingt.

Um nicht im Mittelmaß stecken zu bleiben agieren die Heat aggressiv an der Trade-Front. Schon lange haben Riley und sein Stab ein Auge auf Jimmy Butler geworfen, entsprechend schnell kochte die Gerüchteküche hoch, als der Flügelspieler der Minnesota Timberwolves verfügbar wurde. Solange das Rennen um Butler offen ist, wird Miami aktiv nach Möglichkeiten suchen, den vierfachen All-Star zu akquirieren.


Unabhängig von Butler soll zumindest der verletzungsanfällige und nicht immer einfache Dion Waiters getradet werden. Die Heat müssen etwas über sechs Mio. $ Gehaltskosten loswerden, um sich vor der Luxury Tax zu retten.

Beste Addition
Gibt's nicht...

The Planet
Dwyane Wade ... „One Last Dance“ – so illustrierte Wade seine abermalige Rückkehr in die sportliche Heimat. Der dreifache Champion und wichtigste Spieler der Franchise-Geschichte schenkt Team und Fans noch eine Spielzeit. Auch wenn D-Wade längst nicht mehr zur Elite der Liga gehört und nur noch an manchen Nächten an seine einstige Klasse erinnert, verleiht die Rückkehr des zwölffachen All-Stars und zukünftigen Hall-of-Famers dem basketballerisch tristen Alltag in Miami doch etwas Glanz und der bevorstehenden Saison so etwas wie einen Sinn.


Rising Star
Josh Richardson ... Im Schatten der Rückkehr des verlorenen Sohnes und der Kindereien Hassan Whitesides ist Richardson zu einem exzellenten Verteidiger und soliden Spot-Up Shooter gedeiht. Nicht zufällig unterschrieb der einstige 2nd Round Pick schon früh, in der Offseason 2017, noch vor seinem dritten Profijahr, einen voll garantierten Vierjahresvertrag inklusive Player Option.

Dieses Vertrauen zahlte der Flügelspieler schon letzte Saison zurück und legte Karrierebestwerte in Punkten, Rebounds, Assists und Steals auf, zudem verpasste Richardson 2017/18 nur eine einzige Partie.

In Zeiten, in denen die Heat monströse Gehälter an höchstens durchschnittliche Spieler und/oder fragwürdige Charaktere überweisen, liegen Vice Citys Zukunftshoffnungen in den Händen ehrlicher Arbeiter wie Richardson.

Don’t Sleep! 
Bam Adebayo ... Es ist nicht einfach, im Rookie-Jahrgang mit Ben Simmons, Donovan Mitchell und Jayson Tatum auf sich aufmerksam zu machen. Bam (bürgerlich: Edrice Femi) gelang das zumindest im kleinen Kreise, mit viel Energie und Lernfähigkeit erarbeitete sich der 14. Pick 2017 früh einen Platz in Coach Erik Spoelstras Rotation. Nur knapp wurde er nicht ins All-Rookie Second Team gewählt. In Miami sind die Verantwortlichen dennoch hochzufrieden und planen langfristig mit Adebayo.


Einzig die Position des gerade erst 21 Jahre alt gewordenen Big Man bleibt ungeklärt. Aufgrund seiner Statur und seinen Fähigkeiten als Ringbeschützer würden ihn die Heat gerne als designierten Nachfolger Whitesides aufbauen. Bam selbst sieht sich dagegen mehr als Power Forward denn als Center und hat deshalb über den Sommer stark an seiner Offensive gearbeitet, um im Konkurrenzkampf mit den erfahreneren Kelly Olynyk und James Johnson Argumente zu sammeln.

Beste Fünf
Dragić – Wade – Richardson – J. Johnson – Whiteside

Good News
+ Legenden-Schaulaufen mit Dwyane und Udonis
+ Die Abwehr steht (letztes Jahr 7. im Defensiv-Rating)
+ Coach Spoelstra ist einer der besten seiner Zunft und wird aus dieser Durchschnittstruppe das Maximum rausholen
+ Die Heat spielen in der einfacheren Conference und der einfachsten Division


Bad News
- Kein Cap Space bis 2020, im nächsten Jahr stehen 120 Mio. $ für acht Spieler in den Büchern
- Neben dem ungeschützten 1st Round Pick 2021 sind die 2nd Rounder für 2019, 2020, 2021 und 2023 bereits verpfändet
- Hassan Whiteside verdient viel, zahlte dies zuletzt aber vornehmlich mit Nicht-Leistungen und Undiszipliniertheiten zurück
- Justise Winslow wird nächsten Sommer Restricted Free Agent, wie wollen die Heat das bezahlen?

Was fehlt?
Eine klare Richtung. Miami ist nicht gut genug, um für mehr als die erste Playoff-Runde überhaupt in Betracht zu kommen, aber auch nicht schlecht genug, um einen der vorderen Draft Picks zu jagen. Pat Riley weigert sich standhaft, in den Rebuild zu gehen. Dies mag aus kompetitiver Sicht löblich sein, für die kurz- bis mittelfristigen Perspektiven der Franchise steht diese Haltung spätestens nach dem ereignisarmen Sommer in Zweifel.

Solange Wade das Trikot der Heat trägt, werden sie um einen Playoff-Platz kämpfen. Der Preis dafür ist Stagnation und die Zuschauerrolle sowohl in der Draft Lottery, als auch (spätestens) in den Conference Semi-Finals.

Check 1,2
Im Westen wäre Miami chancenlos, im Osten ist Platz sechs bis acht realistisch – aber eben auch nicht garantiert. Sollte ein Team aus dem Mittelfeld, z. B. die Detroit Pistons oder Charlotte Hornets, mit mehr Nachdruck als im Vorjahr auf einen Platz unter den besten Acht drängen, könnte South Beach sogar ganz aus dem Playoff Picture fallen.

Dies zu verhindern wird vornehmlich die Aufgabe der Youngster Richardson, Adebayo und Winslow, an deren Fortschritte Erfolg und Misserfolg der Heat 2018/19 liegt.

Gelingt Pat Riley doch noch der Coup, Jimmy Butler nach Florida zu lotsen, ist alles hier Geschriebene Makulatur. Dann steht die Playoff-Teilnahme außer Frage, mit der geballten Kompetenz Spoelstras, Wades und Butlers wäre Miami ein Kandidat für die zweite Playoff-Runde und dort im richtigen Matchup nicht einmal selbstverständlicher Außenseiter.

Die Rechnung, bitte