10 Oktober 2018

10. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die New Orleans Pelicans.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41 | 10. Okt, 2018

Flashback
48-33, Western Conference Semi-Finals (1-4 vs. Golden State Warriors)

Plus
Julius Randle
Elfrid Payton
Jahlil Okafor
Tony Carr
Garlon Green
Kenrich Williams
Troy Williams
Jarrett Jack

Minus
DeMarcus Cousins
Rajon Rondo
Dante Cunningham
DeAndre Liggins
Jameer Nelson

Was ist Neu?
2301 NBA-Minuten – so lange währte die DeMarcus Cousins-Ära in New Orleans. Nach 16 Monaten im „Big Easy“ verzichtete „Boogie“ in diesem Sommer auf ein neues Arbeitspapier (40 Mio. $/zwei Jahre) bei den Pelicans. Stattdessen unterschrieb er einen Einjahresvertrag über gut fünf Mio. $ beim Branchenprimus aus Oakland.

Der Boulevard in Louisiana sprach in der Folge von einem Super-GAU und schrieb die Pelicans – trotz einer erfolgreichen Postseason – direkt wieder zurück in die NBA-Mediokrität. Dabei darf diese Art von Pessimismus bei genauerer Betrachtung zumindest stark angezweifelt werden.

Die Abgänge von Cousins und Rajon Rondo wurden von General Manager Dell Demps mit den Additionen von Julius Randle (18 Mio. $/zwei Jahre) und Elfrid Payton (2,7 Mio. $/ein Jahr) abgefedert. Doch die Veränderungen an der Personalfront sind ohnehin nicht die entscheidenden Faktoren, wenn es um den Status quo der Pels geht.

Zugespitzt formuliert: „Boogie“ stand das letzte Mal Ende Januar für New Orleans auf der Platte und Rondo war mit einem letztjährigen Net-Rating von 0,6 ohnehin nicht der entscheidende Mann für den Teamerfolg. Also, was ist neu?  Headcoach Alvin Gentry möchte die Pace-and-Space-Offense etablieren und das Transition-Spiel noch stärker forcieren. Statt Neuanfang stehen die Zeichen demnach auf eine konsequente Fortführung der Postseason-Erfolgsgeschichte.


Beste Addition
Julius Randle ... Beinbruch, Komparse auf der Kobe Bryant-Farewell-Tournee, Trainerwechsel und dysfunktionale Teams in Tinseltown: Die ersten NBA-Jahre von Julius Randle bei den Los Angeles Lakers waren wahrlich keine Erfolgsgeschichte. Doch auf individueller Ebene entwickelte sich der frühere Ketucky Wildcat zu einem der besten Ballhandler auf den großen Positionen. Randle ist ein herausragender Scorer in Fastbreak-Situationen und gehörte in der letzten Saison mit 1,11 Points per Possession in diesem Bereich zu den effizientesten Spielern – positionsübergreifend. Mit seinen Ballhandlingskills, einem schnellen Antritt und Durchsetzungsvermögen beim Drive stellt er für Coach Gentry eine weitere Waffe im präferierten Tempo-Stil dar – ob als Ballhandler oder Trailer.

The Planet
Anthony Davis ... Der Planet, das Universum, die Galaxis… es gibt keinen Vergleich, der die Bedeutung von Anthony Davis für die New Orleans Pelicans auch nur ansatzweise beschreibt. Infolge der Verletzung von DeMarcus Cousins übernahm Davis den Job als Vollzeit-Fünfer und legte nach dem All-Star-Break fabelhafte Zahlen von 29,8 PPG, 11,8 RPG, 2,1 APG und 3,5 BPG auf. AD ist effektiver Ringbeschützer und variabler Scorer in Personalunion.


Mit Davis als primärem Ringbeschützer gehörten die Pelicans letztes Jahr zu den besten Defensivteams (Platz drei bei der erlaubten Feldwurfquote) und verteidigten vor allem das gegnerische Pick-and-Roll so gut wie kaum ein anderes Team. Auch wenn Davis die Präsenz von Cousins an seiner Seite wertschätzte – der ideale Komplementärspieler zu ihm war Boogie nicht. Stattdessen ergänzt ihn Shooting-Big Nikola Mirotić ideal. Davis erhält durch das bessere Spacing mehr Freiräume als abrollender Spieler in Pick-and-Roll-Situationen. AD ist ein Top-Five-Spieler und geht als heißer Anwärter auf die MVP-Auszeichnung in die kommende Saison.

Rising Star
Jrue Holiday ... Einst der jüngste All Star in der Franchise-Historie der Philadelphia 76ers, erlebte der 28-Jährige in den vergangenen Jahren einige Tiefen – sportlich wie auch im privaten Umfeld. Doch in der letzten Saison meldete sich Holiday endgültig zurück und zeigte der Basketballwelt, warum die Pelicans damals zwei 1st Round Picks (Nerlens Noel und Elfrid Payton bzw. Dario Šarić) abgaben, um ihn zu akquirieren.

Holiday checkt in der Defensive multiple Positionen auf einem grandiosen Niveau und kann gegnerische Drives sowie Post-ups gleichermaßen gut verteidigen. Die vergangene Spielzeit lieferte zudem den Beweis, dass der ehemalige UCLA Bruin in der Offensive auch als off-Guard funktioniert. Dank seiner Qualitäten als Schütze in Catch-and-Shoot-Situationen (2017/18: 39,5%) ist Holiday auch neben Non-Shootern auf der Eins effektiv – wie es letzte Saison mit Rajon Rondo der Fall war und in der kommenden Spielzeit mit Elfrid Payton auch der Fall sein wird.


Don’t Sleep! 
Elfrid Payton ... Seine NBA-Aktien sind zuletzt schneller gefallen als jene des Ballsportvereins Borussia Ende der 2000er-Jahre. Keine Progression in Sachen Sprungwurf, zu Turnover-anfällig und mangelnder Einsatz am defensiven Ende des Courts – die Elfrid Payton-Ära in Phoenix endete in einem Debakel (19 Spiele: Offensiv-Rating von 97 und Defensiv-Rating von 113; Yikes!).

Der einstige College-Star stand daraufhin in diesem Sommer bereits mit einem Bein außerhalb der Association, ehe die Pelicans ihm das Gnadenbrot anboten und er für ein Jahr und 2,7 Mio. $ im „Big Easy“ unterschrieb. Ob sich Payton der akuten Volatilität seiner NBA-Karriere bewusst ist? Auf jeden Fall ist die kommende Saison sein persönliches Make-or-Break-Jahr.

Und die Chancen auf eine Revitalisierung seiner Karriere stehen gut: Nach dem Abgang von Rajon Rondo benötigen die Pelicans einen Ballhandler, der das Pick-and-Roll laufen kann und durch Dribble Drives Wurfgelegenheiten kreieren kann.

Trotz seiner eklatanten Wurfschwäche schafft es Payton trotzdem immer wieder bis zum Korb vorzudringen, wo er überdurchschnittlich abschließt (eFG%: 62,5) oder die Schützen in den Ecken per Drive-and-Kick bedient. An der Seite von Anthony Davis, Nikola Mirotić und Jrue Holiday weiß Payton genügend potenzielle Schützen um sich herum, damit er auch als Non-Shooter zu einem funktionierendes Offensivsystem beitragen kann.

Beste Fünf
Payton – Holiday – Moore – Mirotić – Davis

Good News
+ Anthony Davis, das dickste Plus von allen... und er darf Vollzeit auf der Fünf ran
+ Alvin Gentry beweist – wie einst in Phoenix – dass er es versteht, ein effizientes Offensivsystem zu etablieren, das auf Tempo und Spread-Pick-and-Roll-Action fußt
+ In New Orleans steht für Gentrys Philosophie das passende Spielermaterial parat
+ Die Pelicans gehörten im letzten Saisondrittel zu den besseren Teams der NBA (Net-Rating von 4,7 – Platz 7), der Nukleus um Holiday-Moore-Mirotić-Davis ist weiterhin dabei.


Bad News
- Elfrid Payton kann viele Dinge duplizieren, die auch Rondo vollbracht hat – aber auch er bindet als Backsteinwerfer off-Ball keine Gegenspieler an sich
- Können die Pelicans konstant Double-Teams gegen Davis bestrafen? Wer kann außer Holiday und Davis auch in 1-gegen-1-Situationen scoren? Den Pelikanen mangelt es in der Offensive an Optionen, ein Grund, warum Gentry so stark auf die Transition und Early-Offense setzt
-Verlässliche Shooter: Nur E’Twaun Moore (42,5%) und Darius Miller (41%) trafen den Dreier in der letzten Saison überdurchschnittlich, auch wenn Mirotic, Davis und Holiday vom Perimeter Gefahr ausstrahlen – verlässlich bestrafen konnte sie eine etwaige Help-Defense vergangenes Jahr nicht und auch die Neuzugänge Randle und Payton bilden hier in der Rotation die offensive Achillesferse
- Der ewig verletzte Center Alexis Ajinça bekommt auch dieses Jahr ca. fünf Mio. $ fürs Zusehen

Was fehlt?
Qualität und Quantität auf den Flügelpositionen. Holiday und Davis bilden ein formidables Guard-Big-Tandem, das in der Offense und Defense zu den besten NBA-Duos zählt. Aber auf dem Flügel mangelt es an Three-and-D-Spezialisten. Solomon Hill ist ein guter Flügelverteidiger, trifft jedoch den Dreier nicht verlässlich (4/21 3P in der letzten Saison). Bei Moore verhält es sich genau andersherum. Headcoach Alvin Gentry muss bei seinen Line-Ups die richtige Mischung aus Shooting-Optionen und verlässlichen Verteidigern finden.

Check 1,2
Die Pelicans sind nach dem Boogie-Abgang – also seit Februar – dabei, eine offensive und defensive Identität zu kultivieren. Up-Tempo-Basketball und konsequentes Switchen liegen in Louisiana im Trend. Für New Orleans kommt die anstehende Spielzeit einem Schicksalsjahr gleich – schwebt doch der auslaufende Vertrag (2020) von Davis wie ein Damoklesschwert über den Mardi Gras-Staat.

Die Additionen von Elfrid Payton und Julius Randle ergeben auf dem Papier Sinn. Doch sind die Pelicans wirklich besser als letztes Jahr? Dem intrinsischen Wachstum des Teams kommt eine hohe Bedeutung zu. Mit einem fitten Anthony Davis sollten die Playoffs – auch im hart umkämpften Westen – definitiv drin sein.

Die Rechnung, bitte