02 Oktober 2018

2. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Orlando Magic.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 2. Okt, 2018

Flashback
25-57, keine Playoffs

Plus
Mohamed Bamba
Jerian Grant
Timofey Mozgov
Jarell Martin
Melvin Frazier Jr.
Justin Jackson
Isaiah Briscoe

Minus
Bismack Biyombo
Mario Hezonja
Shelvin Mack
Arron Afflalo
Marreese Speights
Rodney Purvis

Was ist Neu?
Das seit einem Jahr bei den Magic regierende Führungsduo Jeff Weltman und John Hammond hat dem zuletzt so erfolglosen Team nicht nur in Steve Clifford einen neuen Trainer vorgesetzt, sondern ihm auch eine eine radikale Verjüngungskur verordnet. Altlasten wie Arron Afflalo, Shelvin Mack oder Mo Speights erhielten keinen neuen Vertrag, unter den Neuzugängen finden sich keine „fertigen“ Spieler oder gar Veteranen.

Einzige Ausnahme bildet Timofey Mozgov, dessen absurd hohen Vertrag (16,0 Mio. $ in dieser Saison, 16,7 Mio. $ in der nächsten) die Magic absorbierten, um den ähnlich überbezahlten Bismack Biyombo vom Lohnzettel zu streichen. Mozgov wird wie schon bei den Los Angeles Lakers und Brooklyn Nets auch in Orlando keine nennenswerte Rolle spielen und mutmaßlich spätestens nächsten Sommer aus seinem Vertrag gekauft werden.

Via Trade akquirierte Orlando neben Mozgov in diesem Deal Jerian Grant (25) von den Chicago Bulls, der als Backup Point Guard eingeplant ist und vor allem das mitbringt, woran Clifford und seine Vorgesetzten ein gesteigertes Interesse zeigen: Spannweite. Alle drei von den Magic gedrafteten Spieler – Mohamed Bamba, Melvin Frazier Jr. und Justin Jackson – haben diese markante Eigenschaft gemein.

Großgewachsene Spieler mit langen Armen sind das neue Beuteschema in Disneyland. Immerhin folgen Weltman/Hammond/Clifford damit einem stringenten Plan, was bei den Magic der letzten Jahre zu oft nicht der Fall war.

Beste Addition
Mohamed Bamba ...  Der sechste Pick des Drafts 2018 ist mit seiner Länge (2,13 Meter groß, Spannweite: 2,39 Meter) die Galionsfigur dieser neuen Philosophie. Bamba bringt das Potential zu einem gestandenen Rim Protector und Rebounder mit. Wie so viele junge Center wird der erst 20-Jährige aber Zeit benötigen, um sein Spiel an die NBA anzupassen. Trotz dieses Umstands und der internen Konkurrenz auf der Fünf (Nikola Vučević, Timofey Mozgov, Khem Birch) darf sich Bamba früh auf viele Minuten freuen, um die gewünschte Entwicklung zu beschleunigen.




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The Planet
Aaron Gordon ... Die Magic hielten sich in dieser Offseason weitestgehend zurück. Nur ein einziger großer Deal wurde getätigt, gleich am ersten Tag der Free Agency der Vertrag mit Gordon für vier Jahre und ca. 76 Mio. $ verlängert. Das macht den erst 23 Jahre alten Forward endgültig zum zentralen Mann im Spiel der Blauen. Orlandos Rückennummer Doppelnull ist nun in der Bringschuld, diese Vorschusslorbeeren zurückzuzahlen und zu bestätigen, dass er als Fixpunkt und Anführer voranzugehen vermag.

Mit durchschnittlich 17,6 Punkten und 7,9 Rebounds in 32,9 Minuten deutete der vierte Pick des 2014 Drafts im Vorjahr das Potential dazu an. Ob er jedoch das Zeug zum legitimen Franchise Player hat, wird zu beweisen sein.

Rising Star
Evan Fournier ... Ende Oktober wird Fournier 26 Jahre alt, geht aber bereits in sein siebtes NBA-Jahr. Für einen „Rising Star“ ist er damit eigentlich schon etwas zu lange dabei. Bisher hat der Shooting Guard aber den Sprung vom Talent zum gestandenen/respektierten Spieler nicht geschafft. Dass er im Schnitt mit 17,8 und 17,2 Punkten in den letzten beiden Spielzeiten als Topscorer der Magic über die Ziellinie ging, war eher der Situation in Florida geschuldet, als dem herbeigesehnten Entwicklungssprung des Franzosen.


Der neue Coach Clifford ist wie sein Vorgänger Frank Vogel eigentlich Defensivexperte. Etwas mehr Einfallsreichtum am offensiven Ende würde aber schon genügen, um Fournier in Kombination mit der gestiegenen Verantwortung infolge der zahlreichen Abgänge der Veteranen neuen Antrieb zum Durchbruch zu verschaffen.

Weil es den Magic auch in diesem Jahr an fähigen Scorern mangelt, vor allem auf den kleinen Positionen, muss sich „Do-Not-Google“ um Spielminuten und Wurfanzahl keine Gedanken machen. Bei einem der miesesten Teams der Liga genügt das, um in der vorliegenden Kategorie ausgezeichnet zu werden.

Don’t Sleep! 
Jonathan Isaac ... Bereits letztes Jahr wurde Isaac hier an Ort und Stelle genannt, rechtfertigte in seiner Rookie-Saison jedoch weder dies, noch seine hohe Draft-Position (6. Pick 2017). Der Lulatsch stand – nicht ausschließlich aus Verletzungsgründen – nur in 27 Begegnungen auf dem Parkett. Seine Ausbeute blieb mit durchschnittlich 5,4 Punkten und 3,7 Rebounds pro Spiel in 19,8 Minuten überschaubar. Mut machen aber die 1,1 Blocks und 1,2 Steals.

Wegen dieses defensiven Potentials, weil Isaac am 3.10. erst 21 Jahre alt wird und weil er – man ahnt es – für einen Forward eine beachtliche Spannweite von 2,16 Meter mitbringt, besteht immer noch Grund zum Optimismus. Isaac hat alle Anlagen, sich in den nächsten Jahren auch auf NBA-Level zu einem vielseitigen Verteidiger zu entwickeln. Sein Dreier (letztes Jahr: 34,8%) ist ebenfalls kein hoffnungsloser Fall.

Die Magic planen mit Isaac auf der Vier, seine Stärken ausspielen kann er als Ergänzung zum offensivstarken Vučević, oder aber neben Aaron Gordon in einem Small-Ball Lineup.

Beste Fünf
Augustin – Fournier – Simmons – Gordon – Bamba


Good News
+ Der unausweichliche Rebuild nach dem Rebuild ist eingeleitet
+ Weltman und Hammond haben einen Plan
+ Die Magic halten alle ihre relevanten Draft Picks der nächsten Jahre in den eigenen Händen
+ Für die Saison 2020/21 sind bisher lediglich 18 Mio. $ an Gehältern garantiert

Bad News
- Der Starting Point Guard heißt D.J. Augustin
- Teambesitzer Richard DeVos ist im September verstorben – Erbstreit? Zukunft ungewiss?
- Dickes Fragezeichen hinter Aaron Gordon als Franchise Player
- Es wird Jahre dauern, bis die Magic wieder kompetitiven Basketball spielen

Was fehlt?
Talent. Der Name Dwight Howard geistert immer noch über Disneyland, denn seit dem unrühmlichen Abgang des einstigen „Superman“ im Jahr 2012 treten die Magic im sportlichen Niemandsland auf der Stelle. Dass Aaron Gordon als Dwights Nachfolger weitgehend alleine alle Hoffnungen schultert, sagt alles über den Zustand der Franchise aus.

Geschuldet ist diese beklagenswerte Situation der miserablen Arbeit der ehemaligen Funktionsträger. Vor allem im Draft weisen die Vorgänger von Weltman/Hammond eine Trefferquote auf, gegen die selbst Dwights Zahlen von der Freiwurflinie elitär wirken.


Der 2012 an zweiter Stelle gedraftete Victor Oladipo hat erst bei den Indiana Pacers sein Potential entfaltet. Elfrid Paytons (10. Pick 2014) Marktwert bezifferte sich vergangenen Februar auf ein paar belanglose 2nd Round Picks. Mario Hezonja (5. Pick 2015) verließ Florida diesen Sommer in beidseitigem Einvernehmen. Domantas Sabonis (11. Pick 2016) wurde als Teil des Ibaka-Debakels gemeinsam mit Oladipo zu den Oklahoma City Thunder verschifft. Die 2nd Round Picks der Magic aus diesem Zeitraum – namentlich Romero Osby, Devyn Marble, Tyler Harvey, Stephen Zimmerman und Jake Layman – sind allesamt nicht mehr beim Team oder haben es gar nicht erst in die NBA geschafft.

Unter diesem Umständen, und weil die Magic auch bei den Trades kein glückliches Händchen zeigten, fehlt es an allen Ecken und Enden an Qualität, in der Starting Five und auf der Bank. Selbst die Entscheidung für Steve Clifford als Trainer birgt ein nicht unerhebliches Risiko, denn der 57-Jährige musste vergangene Saison bei den Charlotte Hornets aus gesundheitlichen Gründen über einen Monat lang der Trainerbank fern bleiben. Ein frischerer Coach mit neuen Ideen hätte diesem jungen, tief im Rebuild steckenden Team womöglich besser getan.

Check 1,2
In der Western Conference wären die Magic ein felsenfester Kandidat für den letzten Platz, im Osten ist die Konkurrenz auf die meisten Ping-Pong-Bälle in der nächsten Draft Lottery dagegen nicht zu vernachlässigen. Orlando muss aber nicht tanken, sie sind schlichtweg nicht gut genug und zudem (gewollt) zu grün, um selbst dem Mittelmaß der Eastern Conference gefährlich zu werden. Die 82 Spiele von Oktober bis April sind für Blau-Silber ein langgezogenes Development Camp unter realen Bedingungen.

Die Rechnung, bitte