01 Oktober 2018

1. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Sacramento Kings.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 1. Okt, 2018

Flashback
27-55, keine Playoffs

Plus
Marvin Bagley III.
Nemanja Bjelica
Yogi Ferrell
Ben McLemore

Minus
Vince Carter
Garrett Temple
Bruno Caboclo

Was ist Neu?
Die Kings sind Spitzenreiter – aber in keiner schmeichelhaften Disziplin. Weil die Minnesota Timberwolves im Frühjahr die Playoffs erreichten und dadurch ihre 14 Jahre andauernde Durststrecke ohne Postseason beendeten, ist Sacramento nun das Team mit dem unrühmlichen ligaweiten Höchstwert in dieser Kategorie. Seit 2006 standen die Kings nicht mehr unter den Top-8 ihrer Conference, die damals eingefahrenen 44 Siege respektive überhaupt eine positive Bilanz holte in den letzten zwölf Jahren kein einziges Kings-Team.

Wer die Franchise und ihr Gebaren in dieser Zeitspanne auch nur am Rande verfolgt hat, wird sich über diesen Umstand kaum wundern. Die Spitzenposition in Playofflosigkeit ist Konsequenz des miserablen bis dilettantischen Managements, das in der kalifornischen Hauptstadt bis zum heutigen Tag Einzug hält.


Vergangenes Jahr versuchten sich die Kings mit teuren, namhaften, aber auch in die Jahre gekommenen Veteranen aus dem Sumpf zu ziehen. Für viel Geld wurden Vince Carter, Zach Randolph und George Hill nach Kalifornien geholt, die zu ihrer besten Zeit tatsächlich eine Verstärkung dargestellt hätten. Stattdessen ging, wenig überraschend, auch dieses Experiment schief. Ein Jahr später steht einzig Randolph noch im Aufgebot, gilt aber als ein heißer Kandidat auf einen Trade oder Buyout in den kommenden Monaten.

Neu ist also, dass sich die Führung um den – vorsichtig ausgedrückt – planlos-flatterhaften Teambesitzer Vivek Ranadivé sowie dem bislang ebenfalls – noch vorsichtiger ausgedrückt – unglücklich agierenden GM Vlade Divac ihrem Schicksal ergeben hat, den Vorjahresplan verworfen und den maladen Kings einen ruhigen Sommer verordnet.

Doch die Kings wären nicht die Kings, hätte ihre Offseason nicht dennoch Staub aufgewirbelt. Ihr Offer Sheet an den bisher weitgehend unerprobten, dafür schwer verletzungsanfälligen Zach LaVine (Vier Jahre, 78 Mio. $) hatte gute Aussichten, nahtlos an die unzähligen Fehlgriffe der jüngeren Vergangenheit anzuknöpfen. Zum Glück für die Kings zogen die Chicago Bulls beim schlechtesten Deal des Sommers mit.


Die beiden Neuzugänge Nemanja Bjelica und Yogi Ferrell wurden beide wortbrüchig und hatten den Philadelphia 76ers respektive Dallas Mavericks eigentlich bereits ihre Unterschrift zugesagt, machten dann aber einen Rückzieher, um in Sacramento anzuheuern.

Und als wäre dem nicht genug, wird ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter beschuldigt, Sponsorengelder in Höhe von 13,4 Mio. $, unter anderem für die Namensrechte der Spielstätte der Kings, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Selbst wenn sich Sacramento um eine eher stille Offseason bemüht, schaffen sie es mühelos in die Negativschlagzeilen. Neu ist das nicht, unterstreicht aber den Charakter der Franchise.

Beste Addition
Marvin Bagley III. ...  heißt der jüngste Hoffnungsträger. Mit dem zweiten Pick im Draft 2018 entschied sich Divac überraschend nicht etwa für Luka Dončić, sondern für Bagley. Dieser wird nun in den ersten Jahren seiner Karriere an den Leistungen des unmittelbar nach ihm gedrafteten slowenischen Wunderkinds gemessen werden.

Bagley füllt die ohnehin schon quantitativ tief besetzte Zone der Lilanen weiter auf. In Willie Cauley-Stein (25), Skal Labissiere (22) und Harry Giles (20) stehen bereits junge Bigs mit dringendem Bedarf nach Spielzeit im Aufgebot, mit denen sich der von der renommierten Duke University akquirierte Forward nun um Minuten zanken muss.




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Der erst 19 Jahre alte Bagley bringt sicherlich einiges an Upside mit nach Nordkalifornien und wird den Kings sofort als Rebounder und Finisher helfen. Davon abgesehen sind seine Defizite aber zu groß, um auf absehbare Zeit auf dem Parkett profitabel zu agieren. Hashtag Langzeitprojekt.

The Planet
De'Aaron Fox ... ließ zwar phasenweise sein Talent aufblitzen, durchlief insgesamt aber ein höchstens mittelprächtiges erstes Jahr in der NBA. Fox half dem Net Rating seines Teams weder offensiv noch defensiv, auch die klassischen Zahlen (durchschnittlich 11,6 Punkte und 4,4 Assists in 27,8 Minuten) blieben für einen Spielmacher mit einer Usage Rate von 23,1% eher bescheiden.

Zurecht erhielt Fox bei der Wahl zum Rookie des Jahres nicht eine Stimme und wurde auch nicht in eines der All-Rookie Teams gewählt. Der fünfte Pick des Drafts 2017 hat in seinem Sophomore-Jahr also einiges aufzuholen – und Sacramento gibt ihm (mangels Alternative?) dafür die Plattform. Die Kings sind weiter „sein“ Team, Fox ist Head Coach Dave Joergers unbestrittener Starting Point Guard und Taktgeber.

Rising Star
Bogdan Bogdanović ... war eines der wenigen Highlights der Kings-Spielzeit 2017/18. Der Serbe rechtfertigte seinen hochdotierten Vertrag, den höchsten eines Rookies in der NBA-Geschichte, früh und ging in seiner Rolle als Scharfschütze auf. Bogdanović traf solide 39,2% seiner Dreier, auch die True Shooting Percentage von 60,5 kann sich sehen lassen.

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Congrats, @bogdanbogdanovic! 👑

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Eine Duftmarke setzte der Flügelspieler am All-Star Weekend beim Aufeinandertreffen von Team USA und Team World, als er sieben seiner 13 Distanzwürfe versenkte, Team World damit zum ungefährdeten 155-124 Sieg führte und zum MVP des Spiels gekürt wurde.

In einer Mannschaft voller Fragezeichen ist Bogdanović eines der wenigen Ausrufezeichen und mit seinen 26 Jahren noch nicht zu alt für weiteren Auftrieb. Den Saisonauftakt verpasst Bogdanović leider wegen einer Knie-OP.

Don’t Sleep! 
Buddy Hield ... Die meisten Augen sind auf den No. 2 Pick, den vollgepackten Frontcourt oder De'Aaron Fox gerichtet. Dabei wird gerne Buddy Hield übersehen, obwohl dieser nach wie vor der beste Mann im Aufgebot der Lilanen ist und immer derjenige sein wird, für den die Kings DeMarcus Cousins wegschickten.

Hield hat sich von dieser Bürde bisher nicht beeindrucken lassen und kultiviert seinen Dreier (letzte Saison 43,1%) nach und nach zu einem der zuverlässigsten der Liga. Die Vergleiche mit Steph Curry (herzlichen Dank, Herr Ranadivé) verbieten sich zwar weiterhin, dennoch hat der auf den Bahamas geborene Flügelspieler in Sacramentos Sammelsurium an begabten Youngstern weiterhin mit die besten Chancen auf eine lange und produktive NBA-Karriere.

Beste Fünf
Fox – Hield – Bogdanović – Bagley – Cauley-Stein

Good News
+ Die Bulls haben das alberne Offer Sheet für Zach LaVine gematcht
+ Die Kings haben als einziges Team 2018/19 signifikanten Cap Space und können via Trade im Austausch für Talent und/oder Draft Picks einen schlechten Vertrag absorbieren
+ Die Verträge von Zach Randolph, Iman Shumpert, Kosta Koufos und Ben McLemore laufen aus und sind somit äußert bewegbar
+ Sacramento hat für die Saison 2019/20 bisher nur 26 Mio. $ an garantierten Gehältern in den Büchern stehen

Bad News
- Kings being Kings: Der eigene, sehr hohe 1st Round Pick 2019 geht entweder an die Boston Celtics oder Philadelphia 76ers
- Vivek Ranadivé sitzt weiterhin in der Teambesitzerloge
- Vlade Divac ist weiterhin Entscheidungsträger
- Die Kings haben keine Identität, sind weder defensiv noch offensiv respektabel


Was fehlt?
Zeit, Qualität, Talent-Evaluation, kompetentes Führungspersonal, und, und, und...

Ein Spieler vom Format (zukünftiger) Franchise Player würde das gering schimmernde Licht am Ende des Tunnels etwas heller scheinen lassen, doch davon sind die Kings wieder ein gutes Stück weggerückt, indem sie sich gegen Luka Dončić entschieden. Sacramento hat Talent, aber kein Ausnahmetalent und solange sie keinen Spieler finden, um den es sich lohnt, die Franchise aufzubauen und die Kaderplanung auf dessen Fähigkeiten und Qualitäten auszurichten, bleiben sie im Niemandsland der Association.

Check 1,2
Die Kings sind die neuen Nets, zumindest in dieser Saison. Sportlich völlig irrelevant, aber ohne eigenen Draft Pick, dessen Vorfreude die Zeit von Oktober bis April einigermaßen erträglich gestaltet. Der völlig ungeschützte Pick wurde 2015 übrigens an die 76ers abgegeben, weil Divac anno 2015 unbedingt Platz im Cap schaffen wollte, um Rajon Rondo zu verpflichten. Kein Witz.

Die Durststrecke ohne Playoffs wird auf 13 Jahre anschwellen, das steht schon vor dem ersten Tip-Off außer Frage. Eine bessere Bilanz als im Vorjahr oder gar irgendwas im Bereich von 30+ Siegen wäre schon eine mittlere Sensation.

Im besten Fall gelingt mehreren der zahlreichen Youngster ein bemerkenswerter Entwicklungsschritt und Sacramento verstärkt sich im Sommer 2019 mit den 40+ Mio. $ Cap Space ausnahmsweise gezielt. Im schlimmsten Falle bleiben die Uhren stehen, Bagley erweist sich wie einige befürchten als Bust und Ranadivé setzt auf und abseits des Feldes viele weitere Jahre auf die falschen Pferde.

Die Rechnung, bitte