12 Oktober 2018

12. Okt, 2018


18/19, yo! NBA-Jahr Nummer 72 steht in unser aller Haus. Streng umgekehrt chronologisch nach Qualität sortiert serviert die Küche del NBAChefkoch 30 Vorausschauen auf je 82 Spiele, wie immer garniert mit unerschütterlichen Prognosen. Heute: die Utah Jazz.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 12. Okt, 2018

Flashback
48-34, Western Conference Semi-Finals (1-4 vs. Houston Rockets)

Plus
Grayson Allen
Jairus Lyles

Minus
Jonas Jerebko
David Stockton

Was ist Neu?
Die Veränderungen im Jazz-Roster sind auf dem Papier nur minimal. Die kleine 15-minütige Lücke in der Rotation, die durch den Abgang von Jonas Jerebko entsteht, passt minutentechnisch zu dem, was Rookie Grayson Allen mindestens zuzutrauen ist, auch wenn Coach Snyder dafür hier und da an der Zusammenstellung schrauben muss.

Die wirkliche Neuerung und Weiterentwicklung in Salt Lake City liegt aber vielmehr in der Art und Weise, wie sich die gesamte Franchise gibt – wie ein neues Selbstverständnis und Selbstbewusstsein seitens Spieler, Coaches und Front Office spürbar ist und dadurch die Wahrnehmung der Jazz in und um die Liga sich wandelt. Statt „Small Market-Speech“ und Tiefstapelei rangieren sie nun in quasi allen Previews zum Haifischbecken Western Conference auf Platz drei oder vier und diese Erwartung lehnen die Akteure nicht ab, sondern sie empfangen sie mit offenen Armen.




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Beste Addition
Grayson Allen ...  Die einzige rotationsrelevante Addition ist der Nummer 21 Draft-Pick Grayson Allen, der in seinen vier Jahren unter dem ehemaligen Team USA Coach Mike Krzyzewski an der Duke University viele verschiedene Erfahrungen sammelte. Die negativen Schlagzeilen, die sich zwischenzeitlich aufgrund seiner rauen und teils klar unfairen Spielweise, die in mehreren Beinstell-Vorfällen gipfelte, häuften, sind die eine Seite der Medaille.

Insgesamt legte er in seiner College-Karriere 14,1 Punkte auf und traf 38% seiner Dreier. Zudem spielte er beim Titelgewinn der Duke Blue Devils 2015 eine wichtige Rolle und war auch in den drei Saisons danach stets ein Führungsspieler, der in zahlreiche „All-ACC/-American Teams“ gewählt wurde. Zu seinen Teamkollegen zählten über die Jahre Jahlil Okafor, Justise Winslow, Brandon Ingram, Jayson Tatum, Marvin Bagley III. und Wendell Carter.

The Planet
Rudy Gobert ... Der Franzose ist spätestens seit dem Abgang von Gordon Hayward das Gesicht der Franchise und der Fels in der Brandung für die Utah Jazz. Die Art und Weise, wie er defensiv als Anker fungiert und offensiv kein Negativ-Faktor mehr ist, machen ihn zu einem der wichtigsten und besten Center der NBA.

Eine beeindruckende Zahl offenbart sich beim Blick auf seine Erfolgsbilanz: In 234 Starter-Einsätzen von Gobert holten die Jazz 143 Siege, diese 61%-Siegquote hätte im Vorjahr für Platz 3 im Westen gereicht. Das einzige Fragezeichen steht hinter seiner Belastbarkeit und Gesundheit. Fast 20% der Partien hat Gobert in den letzten drei Saison verletzungsbedingt aussetzen müssen. Kann er diese Zahl senken steht einer weiteren All-NBA-Saison des „Stifle Tower“ nichts im Weg.


Rising Star
Donovan Mitchell ... Der Aberglaube, der die Unglückszahl 13 umgibt kann durch viele Thesen angezweifelt werden. Ein gutes Argument gegen die „Macht“ der Zahl ist der NBA Draft. Denn an Position 13 wurden unter anderem die Legenden Karl Malone und Kobe Bryant gezogen. Neben weiteren Stars wie Jalen Rose und Richard Jefferson reiht sich nun auch Mitchell in diese illustre Gruppe ein. Die bemerkenswerte Rookie-Saison des 22-Jährigen macht berechtigte Hoffnung, dass er sich in den nächsten Jahren ein Standing erspielt, durch das er in einem Atemzug mit den oben genannten erwähnt werden wird.

Don’t Sleep! 
Joe Ingles ... Die Liste der NBA-Spieler, die in einer Saison mehr als 450 versuchte Dreier mit einer Erfolgsquote von 44% oder mehr verwandelten, ist kurz. Sie enthält natürlich die Splash Brothers Klay Thompson und Stephen Curry (letzteren dreimal), dazu Peja Stojaković und zuletzt – Trommelwirbel – Joe Ingles.

Unglaublich aber wahr, der Australier, der bereits in den drei Jahren zuvor gut 40% seiner Distanzwürfe traf, hat sich endgültig in den Kreis der historischen Dreier-Elite gespielt. Dass er zudem ein überdurchschnittlich guter und flexibler Verteidiger auf einer wichtigen Position ist, macht ihn leise, still und heimlich zum prototypischen 3&D-Spieler überhaupt und damit zum Klebstoff, der das Team zusammenhält.

Beste Fünf
Rubio – Mitchell – Ingles – Favors – Gobert

Good News
+ Kontinuität ist König!
+ Die Jazz haben eine perfekte Altersstruktur, bis auf Ingles und Sefolosha ist niemand über 30, bis auf Tony Bradley niemand unter 22
+ Quin Snyder ist einer der besten Coaches der Liga
+ Es gibt keinen Grund, weshalb sie nicht wie in drei der letzten vier Saisons die beste Defense der Liga stellen sollten

Bad News
- Die Konkurrenz im Westen hat sich nicht verringert
- Die Starting Five ist nicht gerade für ihre Verletzungsresistenz bekannt
- In den ersten neun Spielen geht es viermal auswärts gegen potentiell direkte Playoff-Konkurrenten
- Die Rolle von Donovan Mitchell wird größer werden und das Teamgefüge damit etwas verschoben, wodurch (kleines aber existentes) Konfliktpotenzial entsteht


Was fehlt?
Ein bisschen mehr (Playoff-)Erfahrung würde die Jazz auf ein noch höheres Level heben. Das Team kann und wird diese Erfahrung gemeinsam sammeln und die beiden Trips in die Conference Semi-Finals waren bereits erste Schritte auf diesem Weg. Sollte sich im Saisonverlauf auf den einen oder anderen Weg noch ein Veteran mit Erfahrung tiefer Playoff-Runs zum Roster gesellen, wäre das aber sicher hilfreich.

Check 1,2
Die Liga nimmt Utah ernst. Und Utah nimmt diesen neuen Anspruch ernst. Die Rolle als Top-Team in einer Top-Conference ist gänzlich neu für diese Generation der Franchise, wie sie bisher damit umgehen macht jedoch Hoffnung, dass sie sich daran gewöhnen können. Mit Vorfreude und Spannung, aber ohne Arroganz und wilde Träume ging die Saisonvorbereitung in Salt Lake City von statten. Nichts spricht dagegen, dass die Utah Jazz bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen.

Die Rechnung, bitte