04 November 2018

4. Nov, 2018


Die noch junge Saison 2018/19 hält so manche Überraschung bereit, positiv wie negativ. Für eine Einschätzung der frühen Entwicklung der neuen Spielzeit gibt der #NBACHEFSQUAD mehr als die metaphorischen Two Cents und spekuliert aus der Chefküche heraus mit den Wertpapieren eben jener Teams der Western Conference, die bislang das Chef-Orakel Lügen strafen. Kaufen, halten oder verkaufen... ?

von NBACHEFSQUAD  | 4. Nov, 2018


SACRAMENTO KINGS

Standings: 6-3 (66,7%)
Chef-Orakel: 21-61 (25,6%)

Stefan Dupick @hoopsgamede: Die Kings? Ehrlich? Die Kings haben nächsten Sommer keinen Pick und brauchen daher auch nicht zu verlieren! Ich glaube kaum, dass ich es schreibe, aber aktuell kaufe ich die Kings, aber nur um zu sehen, wer sich in diesem Kader entwickelt. Fox, WCS und Hield sehen nicht schlecht aus. Ich glaube ja noch immer an den Durchbruch von Harry Giles.

Christoph Lenz @NBAKenner: Die Aktien auf dem potentiellen Höhepunkt zu verkaufen scheint verlockend. Vielleicht zu verlockend? Das Team ist gut zusammengestellt, sowohl von der Altersstruktur, als auch für den energetischen Spielstil, der die Kings auf dem Court auszeichnet. Bogdan Bogdanović hat noch keine Minute gespielt und sollte nahtlos in der Rotation Platz finden. Zum Kaufen ist das Team natürlich noch nicht weit genug, aber Stand heute würde ich tatsächlich halten.

Jonas Röhrig @jonasRo19: Wow. Die Kings sind die vielleicht größte positive Überraschung der noch jungen Saison und haben ihre letzten fünf Spiele gewonnen. Das Team von Coach Dave Joerger vollbringt momentan das Kunststück, die zweitbeste Offense und gleichzeitig die schlechteste Defense der Liga zu stellen. Offensiv sind sie momentan heiß wie Frittenfett und treffen, angeführt De'Aaron Fox, als Team 40% ihrer Würfe von Downtown. Doch auch bei aller Freude über den guten Start, heißt es hier eindeutig verkaufen, höher wird die Kings-Aktie nicht mehr steigen! Offensiv ist dieses Niveau mit dem Kader kaum zu halten, dazu die schlechte Defense...

Marc Lange @godzfave44: Es ist erfrischend mit anzusehen: In Sacramento wird tatsächlich erfolgreicher Basketball gespielt. Bis jetzt. De'Aron Fox, Buddy Hield, Willie-Cauley Stein zeigen bislang, dass die Kings auf einem guten Weg sind, die langjährige Bedeutungslosigkeit in Zukunft vielleicht verlassen zu können. Für den großen Wurf wird es diese Saison aber noch nicht reichen. Das werden die kommenden Partien gegen Milwaukee, Toronto und L.A. beweisen. Allen Aktienbesitzern lege ich einen Verkauf ans Herz.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Werfen wir den Blick ein Jahr zurück: Die Orlando Magic standen im November 2017 bei 8-4 Siegen, verloren dann 27 der nächsten 32 Partien. Eine ähnliche Entwicklung sehe ich bei den Kings kommen, denn der Schein trügt: Der bisherige Schedule meinte es gut mit der Lilanen, die Gegner waren vornehmlich entweder noch schlechter als Sacramento (Hawks, Magic) oder in der Schaffenskrise (Wizards, Heat). Aktuell sehen die Kings sicherlich etwas besser aus als die prognostizieren 21 Siege, dennoch werden sie diesen Kurs nicht halten und bald schon abstürzen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um zu verkaufen



LA CLIPPERS

Standings: 5-4 (55,6%)
Chef-Orakel: 39-43 (47,6%)

Dupick: Auch hier bin ich positiv gestimmt, ich sehe die Clips nach wie vor als Anwärter auf die Playoffs! Es ist riskant, aber ich kaufe die Clippers.

Lenz: Den knallharten Autakt-Spielplan meisterten die Erben Lob Citys bisher bemerkenswert gut. Das Team ist ausgewogen und tief, motiviert und unangenehm zu bespielen. Sie sind aktuell in etwa dort wo sie hingehören, also hier heißt es: Halten!

Röhrig: Das „andere“ Team aus Los Angeles ist überraschend gut in die Saison gestartet und gewann vier seiner ersten sechs Partien. Besonders Tobias Harris überzeugt und führt sein Team bei den Punkten (21,2 PPG) und Rebounds (8,3 RPG) an. Eine gute Bank (Boban!), hilft dabei den mittlerweile fehlenden Go-to-Star des Teams zu ersetzen. Die Mischung scheint zu funktionieren, ein solides Team ohne Star und mit gutem Coach, das nichts zu verlieren hat. So lange sie gesund bleiben und das Team nicht für einen Rebuild auseinandergerissen wird, halte ich meine Aktien an den Clippers.

Lange: Keine Frage: Die Clippers spielen momentan über ihren eigenen Erwartungen. Drei Spieler kommen bislang durchschnittlich auf rund 20 Punkte pro Partie (Harris, Williams, Gallinari). Das Team von Doc Rivers ist in allen wichtigen Teamkategorien in den Top 10 der NBA. Warum dieser erfreuliche Start trotzdem nicht komplett unerwartet kommt, könnt ihr hier noch einmal nachlesen. Demnach ist das Motto: Halten!

Schlechtriem: Die Clippers sehen gut aus. Das wird aber nicht so bleiben, denn: Würde wirklich irgendwer hier darauf spekulieren, dass Gallinari, Bradley, Beverley und Teodosić gesund bleiben? Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Mit fortschreitender Dauer wird der Mangel an All-Star Material den bisher gezeigten Elan einholen, sodass LA wieder lange um die Playoffs kämpfen muss. Daher – und weil die unvermeidbaren Verletzungen das Team zurückwerfen werden – verkaufe ich die Anteile der aktuell etwas über Wert agierenden Clippers.



OKLAHOMA CITY THUNDER

Standings: 4-4 (50,0%)
Chef-Orakel: 50-32 (61,0%)

Dupick: Wenn du zu einer Schießerei nur ein Messer mitbringst, anstatt einer Pistole, dann hast du ein großes Problem! Ähnlich sieht es aus, wenn du in der heutigen NBA keine guten Schützen im Kader hast. Die Thunder sind für 1999 gut aufgestellt, schade, dass wir 2018 haben! Dennoch halte ich meine Aktien, denn ich glaube, dass sich die individuelle Klasse am Ende durchsetzen wird. Playoffs ja, Heimvorteil? Auf keinen Fall!

Lenz: ‏Dem ganz schlimmen Saisonstart folgte eine gute vier Spiele Siegesserie. Doch das Team ist schlicht nicht gut genug um die hohen Erwartungen zu erfüllen. Das aktuelle Hoch sollte also dazu genutzt werden zu verkaufen, bevor es eventuell einen Knall gibt und das Konstrukt um Westbrook in sich zusammenbricht.

Röhrig: Nach dem schlechtesten Saisonstart seit dem Umzug nach Oklahoma City gewannen die Thunder zuletzt vier Spiele in Folge. Die Backsteinfabrik der Liga (29,1 3P% als Team) gewann ihre letzten Spiele über die Defense und ihr starkes (Offensiv-)Rebounding. Offensiv warten die Thunder noch auf den Durchbruch, besonders Westbrook (11,1 3P%) und George müssen konstanter spielen. Die Thunder haben noch deutlich Luft nach oben und gewinnen momentan trotzdem Spiele, daher lautet die Devise: Kaufen, kaufen, kaufen!

Lange: Der Rhythmus scheint gefunden. Nach Katastrophenstart haben die Thunder zuletzt vier Erfolge in Serie hingelegt. Schreit eigentlich nach Kauf, oder? Ich halte jedoch lieber, weil mir die Bank in Oklahoma City ziemliche Bauchschmerzen bereitet. Alle Ersatzspieler haben zusammen noch nicht so viele Punkte erzielt, wie Dennis Schröder und Paul George.

Schlechtriem: Ich habe dem Hype im Sommer 2017 nicht geglaubt, im Sommer 2018 nicht und ich glaube ihm auch jetzt nicht. Vier von fünf Startern können nicht werfen (das wird auch nach der Rückkehr Robersons nicht besser), auf dem Flügel existiert praktisch keine Tiefe und Westbrook macht auch mit seinen bald 30 Jahren die Mitspieler nicht besser. Vor der Saison eine der überbewertetsten Aktien, inzwischen von der Realität eingeholt, daher halten.



LOS ANGELES LAKERS

Standings: 4-5 (44,4%)
Chef-Orakel: 49-33 (59,8%)

Dupick: Zu Beginn des Sommers haben alle über das Meme-Team gelacht! Ein paar Wochen später wurden sie plötzlich als drittbestes Team im Westen gehandelt und jetzt, nach ein paar schwachen Spielen ist wieder alles Mist? Ja, die Defense stinkt, das wird auch so bleiben, aber das Team wird sich finden und außerdem gibt es noch LeBron Fucking James! Ganz klar, kaufen!

Lenz: Kurz und schmerzlos: LeBron, ein mittelmäßiger Saisonstart, junges Talent, das wahlweise Trade-Material werden kann. Luft nach oben en masse, also kaufen!

Röhrig: Der „King“ und seine Lakers sind enttäuschend in die neue Saison gestartet, offensiv nur Durchschnitt und defensiv anfällig, quälten sich die Lila-Goldenen durch die ersten Saisonwochen. Unklarheit besteht auch über die Leistungen von Coach Luke Walton, der während der letzten Niederlagen mit etlichen verschiedenen Line-Ups einen verunsicherten Eindruck machte. Trotzdem würde ich meine Lakers-Aktien halten, sie müssen sich als Team noch finden und das wird Zeit brauchen. Gleichzeitig wird allein LeBrons Präsenz verhindern, dass es weiter bergab geht.

Lange: Es ruckelt noch ein wenig in Los Angeles. LeBron James und sein junges, aber hochtalentiertes, Nebenprogramm haben auf dem Court noch nicht so richtig zueinandergefunden. Leichte Ungeduld macht sich in Kalifornien breit. Aber jegliche Panikmache ist übertrieben: Nach dem 0-3 Start sahen die letzten Spiele schon deutlich besser aus und LeBron wäre nicht LeBron, wenn er das Ruder bei den Lakers in den nächsten Wochen nicht noch weiter Richtung Top 4 im Westen rumreißt. Kaufen!

Schlechtriem: Die Addtion Tyson Chandlers behebt eines der größten Probleme der Lakers, nämlich die fehlenden Rim Protection abseits von JaVale McGee. LeBrons übliche Stolpersteine in Jahr eins und das obligtatorische Sägen am Trainerstuhl waren vorhersehbar, ich erwarte, dass es genau so weiter geht, ein Auf und Ab bis in den April. Auch wenn im Westen ein anderer Wind weht und der beste Basketballer seiner Generation hier nicht mit der Selbstverständlichkeit bisheriger Tage durch die Conference stapft... für etwas mehr als die derzeitigen Prozente wird König James schon sorgen, daher kaufen.



HOUSTON ROCKETS

Standings: 3-5 (37,5%)
Chef-Orakel: 58-24 (70,7%)

Dupick: Niemand hat erwartet, dass die Rockets solche Probleme haben werden. Am Ende wird aber nie so heiß gegessen, wie gekocht! Die Rockets werden sich finden, den Dreier wieder treffen und locker in die Playoffs einziehen. Ganz klar kaufen und zwar schnell!

Lenz: Noch sind die Rockets nicht da, wo sie hinwollen. Auch wenn sie sich in Abwesenheit von James Harden wieder ein wenig gefangen haben. Der spielerische Trend in der Liga führt dazu, dass die ehemaligen Besonderheiten der Rockets zur Norm werden. Ohne ihren Markenkern und die defensiven Anker des Vorjahres sind sie nicht mehr der Warriors-Jäger Nummer eins. Daher: Verkaufen, solange der Markt sie noch als diesen sieht.

Röhrig: Die größte Enttäuschung bisher für viele. Die Mannschaft, die die Warriors in den Conference Finals zu sieben Spielen zwang, überzeugte bisher überhaupt nicht. Der Aderlass auf dem Flügel (Ariza + Luc) wiegt schwer und die Rockets bringen bisher ihre Stärken aus dem Vorjahr (Shooting, Defense) nicht aufs Parkett. Dass MVP James Harden die letzten Spiele aussetzen musste, half der Situation in Texas auch nicht. Daher würde ich Rockets-Aktien auch zum jetzigen Zeitpunkt noch halten, Harden ist zwar gerade erst wieder fit, aber seine Rückkehr wird helfen.

Lange: Die defensive Stabilität in Houston scheint durch die Abgänge von Trevor Ariza und Luc Mbah a Moute komplett verloren gegangen zu sein. Gerüchte um einen Panik-Trade für Jimmy Butler werden immer lauter. Die Stimmung in Texas könnte also besser sein. Doch es gibt Hoffnung: James Harden ist zurück. Carmelo Anthony findet langsam seinen Rhythmus. Und Chris Paul spielt wie Chris Paul eben spielt. Insgesamt genug Gründe, um zu kaufen.

Schlechtriem: Verletzungen, Suspendierungen, das Auftaktprogramm – all das darf nicht als Alibi für die Art und Weise herhalten, mit der sich die Raketen in den ersten zwei Wochen präsentierten. Das schlechte Zwischenzeugnis auf die Absenz Arizas zu schieben ist übrigens genauso albern, Houston war von 2015 bis 2017 auch mit ihm in der Defensive nicht mal Durchschnitt. Verteidigungsarbeit beginnt und endet mit Einsatz und Kommunikation, beides haben die Rockets in der Sommerpause vergessen. Inzwischen funktioniert alles etwas besser, dennoch traue ich dem Braten noch nicht. Der problemlose Einzug in die Playoffs sollte angesichts der puren Qualität von Harden und Paul aber außer Frage stehen, deshalb gilt unter diesen Umständen: Kaufen.