26 November 2018

26. Nov, 2018


von LUCAS KRÖGER @kicktherim & MAX SEELINGER @urboimacks | 26. Nov, 2018

Die Sacramento Kings machen aktuell richtig Spaß. Nach einem unerwartet soliden Saisonstart haben sie es sich verdient, als NBA-Team wieder ernst genommen zu werden. Etwas, das schon sehr lange nicht mehr der Fall war. Doch können die Kings um die Playoffs mitspielen? Und wie nachhaltig ist ihr Kern an jungen Spielern wirklich?

Jedes Jahr gibt es Teams, die in den ersten Wochen über ihren Möglichkeiten spielen, nur um am Ende der Saison wieder ganz unten in der Tabelle zu stehen. Bei den Magic war genau das letztes Jahr der Fall. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen diesen beiden Teams, die schon so lange nach Relevanz streben?

All Tricks! No Magic!
Die Orlando Magic überraschten alle, als sie letzte Saison einen brandheißen Start mit acht Siegen aus zwölf Spielen hinlegten. Leider benötigten sie knapp drei Monate für die nächsten acht Wins. Unter dem Strich stand eine weitere Spielzeit zum Vergessen für das Team aus Florida. Wieso konnte Orlando die Leistungen aus den ersten Wochen nicht aufrechterhalten?

Ein wichtiger Aspekt des frühen Erfolgs war das Shooting der Magic. Das Team traf 41 Prozent seiner Dreier und führte die Liga damit an. Zudem erzielten sie die viertmeisten Punkte im Schnitt. Dafür sorgte vor allem das verbesserte Spiel von Aaron Gordon, Evan Fournier und Nikola Vucevic.


Gerade Aaron Gordon wirkte, als wäre er in der Lage endlich den Sprung zu machen, den sich viele schon so lange von ihm erhofften. Während den ersten zwölf Spielen erzielte der 23-Jährige knapp 20 Punkte pro Spiel und traf 59,8 Prozent seiner Dreier. Neunundfünfzigkommaacht!?! Dazu 8,2 Rebounds und ein Net Rating von 10,3. Dieses Level konnte der Power Forward allerdings nicht halten. Am Ende der Saison erzielte er zwar immer noch über 17 Punkte im Schnitt – seine Dreierquote sank allerdings auf 33,6 Prozent.

Ähnlich verhielt es sich auch mit Vucevic und Fournier. Beide trafen zunächst über 42 Prozent ihrer Versuche von draußen. Auf die komplette Spielzeit betrachtet kam Vucevic jedoch nur auf 31,4 Prozent. Fournier pendelte sich bei immer noch beachtlichen 37,9 ein. Doch das Prinzip ist bei nahezu allen Statistiken der drei Spieler das Gleiche. Sie fallen im Vergleich zum Saisonstart ab.

Klar wäre es für die Magic cool gewesen, hätte Gordon seine Dreierquote von 28,8 Prozent auf über 50 hochgeschraubt. Oder Vooch seine von 30,8 auf über 40. Doch solche Sprünge passieren in der Regel nicht. Diese Werte waren jedoch entscheidend. Völlig logisch also, dass mit sinkender Effizienz der drei wichtigsten Spieler, auch die offensive Schlagkraft des Teams wieder abnahm.

Ein weiteres Problem stellte die Defensive dar. Selbst als Orlando noch einen Top-5 Record innehatte, belegten sie im Defensive Rating nur den zwölften Rang. Das Team verteidigte am Perimeter aggressiv, um die Dreierversuche des Gegners zu minimieren. An sich ein guter Ansatz. Problematisch wird es jedoch, wenn dein Starting Center kein Ringbeschützer ist. Und das ist Vucevic, bei all seinen Offensivqualitäten, leider nicht.

Keiner kassierte mehr Punkte in der Paint als Orlando. Auch Gordon und Fournier sind keine Plus-Defender, die diese Schwäche hätten verdecken können. Somit war zu erwarten, dass die Magic sich bei sinkenden Offensivleistungen nicht auf ihre Defensive verlassen werden können. Gepaart mit den exorbitanten Leistungssprüngen der Führungsspieler, zeichnete sich ein sehr unstetiges Bild ab.

Auch das Alter spielt in der Bewertung einer Mannschaft immer eine Rolle. Orlando stellte 2017/18 noch eine der zehn jüngsten der Liga. Konstanz war nicht zu erwarten. Zu Beginn der Saison zeigten sie noch Laufbereitschaft, Aggressivität und den Willen den Plan des Trainers umzusetzen. Mit wachsendem Druck und steigender Unsicherheit schwankten diese Eigenschaften jedoch. Das Team war noch nicht so weit und wird es vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht sein.


Do you like Sacramento Kings Basketball?
Doch lässt sich dasselbe auch über die Kings sagen? Zum ersten Mal seit Jahren versprühen sie so etwas, wie eine Identität in ihrer Art Basketball zu spielen. Hinten legen sie Wert darauf, den direkten Weg zum Korb zu versperren.

Der Big Man sinkt bei jedem Pick-and-Roll ab und wartet darauf, bis sein Mitspieler sich um den Block gekämpft hat – Switches werden fast überall vermieden. Passwege, vor allem in die Zone, werden aggressiv verteidigt, um Fastbreaks einzuleiten. In Transition generieren sie den Großteil ihrer Punkte (1. in Transition Points, 2. in Frequency, per Cleaning The Glass). Ein Paradebeispiel:


Hauptverantwortlich sind dafür vier Spieler, die zum Start der Saison einen großen Sprung andeuten: De’Aaron Fox (21 Jahre), Buddy Hield (25), Willie Cauley-Stein (25) und Bogdan Bogdanovic (26) legen allesamt Career Highs in Punkten auf (Fox und Hield auch in Rebounds und Assists, WCS auch in Rebounds).

Ihnen liegt die auf schnelles Umschalten ausgerichtete Offense, die Coach Joerger für seinen Kader vorgesehen hat. Nur die Hawks schließen ihre Angriffe im Schnitt noch früher ab (13 Sekunden pro Ballbesitz /// 36,2 FGA bei Shotclock zwischen 22 und 15 Sekunden).

Besonders Point Guard De’Aaron Fox sticht aus diesem Quartett an Talenten heraus. Der Sophomore geht erstaunlich gut damit um, große Lasten der Offense zu tragen. Obwohl er gerade erst lernt, wie es sich anfühlt, jeden Angriff kreieren zu müssen, ist ihm Spiel für Spiel anzusehen, wie er Situationen früher erkennt und bessere Entscheidungen trifft.

Gebt euch zum Beispiel den Spin bei diesem Pass! Nicht nur die Ausführung erinnert an James Harden, auch die Serie an Screens davor könnte aus dem Repertoire von Pick-and-Roll Guru Mike D’Antoni stammen.


Ein weiterer Aspekt, der die Kings nachhaltig zu einem funktionierenden und erfolgreichen Team machen könnte: die klare Rollenverteilung. Obwohl momentan mit Iman Shumpert und Nemanja Bjelica nur zwei erfahrene Spieler in der Rotation stehen, agiert der jüngere Kern der Mannschaft schon sehr bewusst und diszipliniert.

Das zeigt sich einerseits darin, dass sie in der Defense das Switchen konsequent vermeiden. Andererseits lässt sich das gut an der Bewegung abseits des Balles festmachen. Die Kings stellen Off-Ball-Screens, laufen Cuts mit Sinn und Verstand und bringen so immer wieder die richtigen Leute in die richtigen Situationen: Cauley-Stein direkt am Ring, Buddy und Bogdanovic für offene Würfe oder in einem sekundären Pick-and-Roll.

Einer der wichtigsten dieser Rollenspieler ist Willie Cauley-Stein. Der zeigt momentan alles, was ein Fünfer heutzutage können sollte: Er rennt unermüdlich hoch und runter, lebt über dem Ring, stellt Blöcke und rollt hart zum Korb. Im Halbfeld wird er gerne am Elbow eingesetzt, um die Offense mit Screens und Handoffs in Gang zu setzen.

Defensiv fühlt er sich am Wohlsten, wenn er absinken und den Ring beschützen kann. Er sieht nicht immer gut aus, wenn er draußen kleinere Spieler verteidigen muss, ist aber meistens fähig seinen Mann zu stehen. Eine unterbewertete Fähigkeit von ihm ist es, Pässe in die Zone vorher zu erkennen und sie abzufangen.

Zwei weitere, extrem wichtige Teile dieser Mannschaft sind Buddy Hield und Bogdan Bogdanovic. Buddy und Bogi treffen momentan stark von der Dreierlinie (44,1% /// 37,5%) und helfen, das Spiel breit zu machen. Auch abseits des Balles bewegen sie sich geschickt um Blöcke, können Closeouts attackieren, lange Dreier treffen und selbst als sekundäre Ballhandler Würfe kreieren. Außerdem haben beide Spieler gezeigt, dass sie in verschiedenen Situationen gefährlich sein können und dazu in der Lage sind, schwierige Würfe zu treffen.


Die Mannschaft hat es schon jetzt geschafft, besser dazustehen als die Magic zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Saison. Trotzdem gibt es Anzeichen dafür, dass auch die Kings am Ende dieser Spielzeit wieder in der Lotterie landen werden.

Auf Dauer wird das Team – ähnlich wie die Magic letzte Saison – sein übereffizientes Scoring nicht halten können. Momentan schießen fünf Spieler mindestens 3,2 Dreier pro Spiel, von denen alle 37,5 Prozent oder mehr treffen. Wenn sich diese Quoten nach unten korrigieren, werden die Kings ihre Spiele öfter mit ihrer Defense gewinnen müssen.

Das könnte der Mannschaft schnell zum Verhängnis werden. Zwar agieren sie defensiv meistens nach Plan und bleiben ihren Schemata treu, jedoch heißt das nicht, dass sie gut verteidigen. Im Gegenteil. Sacramento rangiert auf dem 20. Platz im Defensive Rating. Die Zone verteidigen sie solide, allerdings lassen sie die zweitmeisten Dreier pro Spiel zu (36,5).

Den Platz, den die Kings ihren Gegnern an der Dreierlinie und in der Midrange anbieten, werden Teams in Zukunft besser ausnutzen. Spätestens ab Mitte Dezember kann sich die Kings-D Nacht für Nacht auf hochkarätige Gegner einstellen: Bis Anfang Januar geht es fast ausschließlich gegen echte Playoffanwärter aus dem Westen.

Da wimmelt es nur so von Guards, die von dem Freiraum profitieren, der sich durch das Absinken des Big Man auftut. Spieler wie Stephen Curry, Damian Lillard oder Russell Westbrook werden in den kommenden Wochen mehr Mismatches erzwingen, als Dave Joerger lieb ist. Kann die Verteidigung dem wirklich standhalten?

Ein weiteres Indiz, das für den Einbruch der Kings spricht: Sie haben schon jetzt ein negatives Net-Rating. Die überraschend effektive Offense hält die Kings momentan über Wasser – genau wie in Orlando vergangenes Jahr. Sobald die Offensive sich wieder normalisiert hat, ist die Verteidigung nicht verlässlich genug, um konstant Spiele zu gewinnen.

The Difference
So gesehen gibt es einige Parallelen zwischen dem Start der Kings dieses und dem Start der Magic letztes Jahr. Beide schießen zu gut, um wahr zu sein. Beide verteidigen nicht gut genug, um den Abfall in der Offense zu kompensieren. Beides sind eher junge Teams, bei denen nie sicher ist, wie konstant sie ihre Leistungen über eine ganze Saison abrufen können.




A post shared by Sacramento Kings (@sacramentokings) on

Allerdings gibt es einen immens wichtigen Faktor, der die beiden Mannschaften und ihre Aussichten für die kommenden Jahre grundlegend unterscheidet: De’Aaron Fox. Der Kings-Guard ist ein besonderes Talent von einem Kaliber, das die Magic bis heute nicht vorweisen können.

Er ist ein Gamechanger für die Kings – ein echter Eckpfeiler. Zusätzlich zu seinem wahnsinnigen Antritt besitzt er die Mentalität eines Führungsspielers. Er antizipiert Spielzüge im Voraus und lernt mit jedem Play hinzu.

Zwar wird Fox nicht dafür sorgen, dass die Kings schon in diesem Jahr konkurrenzfähig für die letzten Playoffränge sein werden, jedoch bringt er die Franchise in eine wesentlich aussichtsreichere Position, als es Aaron Gordon oder irgendjemand im Kader der Magic seit dem Abgang von Dwight Howard getan hat.


***Stats per bkref.com /// stats.nba.com /// cleaningtheglass.com /// inpredictable.com (24.11.2018)***