03 November 2018

3. Nov, 2018


von AXEL BABST @BabstMadness | 3. Nov, 2018

Rückblick
Acht von 20 Freiwürfen zu treffen, ist keine berauschende Quote. Jeder der zwölf Fehlwürfe von PJ Washington dürfte von den K-State Anhängern und wohl auch ziemlich vielen anderen Fanlagern hingegen frenetisch bejubelt worden sein. Denn so konnten die Wildcats aus Manhattan, Kansas, die anderen Wildcats aus Lexington, Kentucky, und ihres Zeichens Titelaspirant mit 61:58 aus dem Rennen um die Krone der NCAA werfen.

Zwar erfolgte nach dem sensationellen Einzug ins Elite Eight zwei Tage später wieder die Ernüchterung, als man sich der Cinderella Story des Tournament Loyola Chicago deutlich geschlagen geben musste. Dennoch dürfte mit etwas Abstand die Freude über einen Run, der auch vom Schwächeln der Favoriten der Bracket Region begünstigt wurde, deutlich überwogen haben. 25 Siege, ein vierter Platz in der ausgeglichenen Big Ten, eine Tournament Teilnahme und drei Siege dort sind das beste Ergebnis seit der Saison 2009/10.

Abgänge
Ahmaad Wainwright (Guard, Rotation, Transfer)

Verbliebene
Barry Brown Jr. (Guard, 6'3'', Senior)
Kamau Stokes (Guard, 6'0'', Senior)
Dean Wade (Big, 6'10'', Senior)
Makol Mawien (Big, 6'9'', Junior)
Xavier Sneed (Wing, 6'5'', Junior)
Cartier Diarra (Guard/Wing, 6'4'', Sophomore)
Mike McGuirl (Guard, 6'2'', Sophomore)
Levi Stockard III (Big, 6'8'', Sophomore)

Neulinge
Austin Trice (Big, 6'7'', Junior)
Shaun Neal-Williams (Guard, 6'3'', Freshman)
Nigel Shadd (Big, 6'9'', Freshman)

Starter
Barry Brown Jr., Kamau Stokes, Xavier Sneed, Dean Wade, Makol Mawien
Ähnlich wie einige andere Teams in dieser Top25 verdienen sich die K-State Wildcats ihren Platz in dieser Rangliste dadurch, dass sie ihre komplette Starting Five des Vorjahres wieder auf dem Campus begrüßen können. Dass der Kern der Mannschaft schon in der vergangenen Saison erfolgreich unterwegs war und sich zudem auch größtenteils schon drei Jahre kennenlernen durfte, ist der zusätzliche Bonus für Bruce Weber.

Herz und Seele des Teams ist seit seinem Freshman Jahr Barry Brown Jr. Der Guard ist die personalisierte Toughness schlechthin. Brown ist beispielsweise legitimer Anwärter auf den Award zum besten Verteidiger seiner Conference oder gar NCAA weit. Brown kann alle Außenpositionen verteidigen, ist kräftig, hat lange Arme und eben den Biss, den es braucht, um auch mal gegen größere Gegner dagegenhalten zu können.

Neben seiner Defense ist Brown der verlässlichste Offensivspieler bei den Wildcats, was ihn zum vielleicht besten Two-Way-Player in der kommenden Collegebasketballsaison aufsteigen lässt. In der Pick & Roll lastigen Offensive ist Brown meistens der solide Ballhandler, der vernünftige Entscheidungen trifft, indem er selbst scort oder seine Mitspieler gekonnt in Szene setzt. Gerade Letzteres macht ihn besonders wertvoll, da viele seiner Kollegen nicht unbedingt über das individuelle Talent verfügen, um sich konstant einen guten Wurf herauszuspielen.

Einer, der diese Fähigkeit ab und an dann doch mal andeutet, ist Backcourt Partner Kamau Stokes. Der kleingewachsene Guard ist leider etwas inkonstant, in dem, was er auf dem Feld fabriziert. Teilweise entstehen so Spiele, in denen er punktlos in die Halbzeitpause geht, nur um dann nach dem Gang aus der Kabine plötzlich 20 Punkte zu produzieren und dabei die wildesten Würfe trifft. Stokes hat mehr Firepower in sich, als seine neun Punkte pro Spiel suggerieren.

Xavier Sneed ein weiterer wichtiger Spieler im Konzept von Bruce Weber. Denn gerade am College kann Sneed grundsätzlich alle fünf Position verteidigen. Hier gilt jedoch Vorsicht. Denn noch ist dieses Attribut in Klammern zu setzen und mit der Ergänzung "Potential" zu versehen. Sneed hat die notwendigen körperlichen Voraussetzungen - Spannweite und ein breites Kreut als wesentliche Merkmale - und sicherlich auch schon viele gute Tendenzen, ist aber insgesamt noch zu naiv und bisweilen ungestüm, was sich mit zusätzlicher Entwicklung jedoch legen sollte.

Zwar ist er einer der erfahrenen Haudegen des Teams, doch die Rückkehr Dean Wades dürfte Weber wie ein willkommener Neuzugang in besonderem Maße in die Karten spielen. Als unterbewerteter Strecht Vierer (44 Prozent bei 2,2 Treffern pro Spiel), der aber auch über ein sehr ordentliches Faceup Game mit Zug zum Korb bietet, gibt er dem Team im Angriff eine ganz andere Komponente (Offensivrating von 126, der nächstbeste Rotationsspieler lag bei 113,4), während der defensiv ebenfalls grundsolide seinen Job erledigt. Wade dürfte ähnlich wie Brown einer der unterbewertesten und zugleich wertvollsten Seniors der NCAA sein.

Makol Mawien war so ein wenig die Neuentdeckung der vergangenen Saison. In seiner ersten Saison in Manhattan etablierte sich der ehemalige Junior College Transfer nicht nur als Starter - angesichts seiner geringen Konkurrenz wenig überraschend. Sondern konnte sich zugleich als perfekte Ergänzung zu den Guards und dem Perimeter Game des Teams einfinden. Mawien ist nicht der Scorer schlechthin, stellt aber sehr ordentliche Screens und zieht genug Aufmerksamkeit auf sich, um die Defense zu beschäftigen und seinen Außenspieler Platz zu verschaffen (62 Prozent Zweierquote). In der Defense hat er als Rimprotector (2,3 Blocks auf 40 Minuten gerechnet) und Rebounder (13,9 Prozent Defensivreboundrate) noch Luft nach oben.

Bank
Cartier Diarra konnte sich in der vergangenen Saison als sechster Mann des Teams herauskristallisieren. Das entscheidende Breakout-Game auf großer Bühne feierte der damalige Redshirt Freshman ausgerechnet gegen Sunflower State Rivale Kansas. Die Wildcats waren kurz davor, dem Heimnimbus der Jayhawks einen empfindlichen Stich zu versetzen. 18 Punkte von Diarra waren dennoch nicht genug und konnten auch in keinster Weise verhindern, dass Kansas' Svi Mykhailiuk per offensichtlichem Schrittfehler den Gamewinner erzielte.

Auch danach lieferte Diarra solide ab und bestach vor allem mit Vielseitigkeit, wodurch er alle drei Außenpositionen problemlos spielen kann.

Hinter den ersten sechs Spieler war die fehlende Tiefe sicher die Achillesferse in der vergangenen Saison. Mike McGuirl und Levi Stockard III sind zwei Kandidaten, die in der kommenden Spielzeit größere Rollen und mehr Einfluss auf das Spiel haben sollten. McGuirl ist ein weiterer Guard, der zwar nur zwölf Spiele insgesamt bestritt, dann aber in den letzten fünf Spielen der Wildcats plötzlich (durch Wades Verletzung) über 20 Minuten auf dem Feld stand und beispielsweise gegen Creighton in der ersten Runde des Tournaments 17 Punkte erzielte.

Stockard ist hingegen eine Alternative auf der großen Position, wo er vor allem Minuten sah, wenn Foulprobleme grassierten. Der Linkshänder bringt Masse mit und sollte sich in den kommenden Jahren, wie viele Bigs unter Weber vor ihm, zu einem soliden Rotationsspieler entwickeln, der seinen Einfluss auf das Spiel nimmt.

Auf Anhieb für Wirbel wird Junior College Transfer Austin Trice sorgen. Dieser ist eine überaus sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Korsett an fähigen Collegespielern. Trice verstärkt das Rebounding, was zuletzt die große Schwachstelle war (Totalreboundpercentage von 47, Rang 312, nur zwei Tournament Teams schnitten schlechter ab). Zusätzlich kann Trice aber auch mal 15 Punkte auflegen und bringt durch seine Kombination aus Größe und Athletik eine neue Komponente mit.

Nigel Shadd, der zwar in 2017/18 acht Partien bestritt, aber verletzungsbedingt den Rest verpasste und nun das Jahr der Spielberechtigung wieder erlangen konnte, kann als weiterer großer Big die Rotation vertiefen. Shaun Neal-Williams wird als Nachfolger für Brown in der mittelfristigen Zukunft gehandelt. Als Freshman wird er sich seine Minuten auf der Aufbauposition verdienen müssen.

Pros
Dean Wade taucht auf vielen Listen nicht auf, wenn es um potentielle NBA Spieler gehen soll. Dabei liefert er ein klares Profil und genau das, was von modernen Bigs in der NBA gefordert wird: Shooting und akzeptable Defense am Perimeter, die ihn für Switches bestens ausstattet. Xavier Sneed wird als 3-and-D-Prospect schon eher mal genannt, kann aber noch ein letztes Jahr am College dranhängen, weswegen eine Draftanmeldung im kommenden Sommer nicht gesichert ist.

Barry Brown Jr. wird ähnlich wie Wade kaum in einem Atemzug mit der NBA erwähnt. Die beste Liga der Welt ist für Brown sicherlich auch ein Stück entfernt. Auf der anderen Seite ist er ein Two-Way-Guard, dem ein passabler Dreier fehlt, um wirklich in der NBA landen zu können. T.J. McConnell wäre hier ein oberflächlicher Vergleich. Kamau Stokes könnte eventuell in Europa unterkommen. Dafür muss er aber nun liefern. Auch sein Stil passt nicht unbedingt zur europäischen Spielweise.

Coaching
Bruce Weber kann Basketball lehren und ein Team im Spiel coachen. Ähnlich wie viele seiner Spieler erhält Weber nicht genug positives Feedback dafür, was für einen herausragenden Job er verrichtet. Ohne All Americans und Top100 Rekruten stellt er jede Saison auf's Neue ein konkurrenzfähiges Team in einer der ausgeglichensten Conferences der NCAA auf die Beine. Weber hat eine Nase für Spieler, die mit der richtigen Einstellung an die Sache herangehen und als Kollektiv funktionieren können.

Dieses Kollektiv definiert sich in erster Linie über harte und druckvolle Defense. Den Ton setzen die Guards, die körperliche Defizite mit einer selten kopierten Hartnäckigkeit ausgleichen können. Durch die geringe Größe ist der Rebound zum Abschluss einer Sequenz zwar das eindeutige Problem. Dennoch können die Wildcats auch das irgendwie ausgleichen. Im Angriff wandert der Ball durch viele Hände, ehe der Abschluss erfolgt. Das Playbook reicht von gewieften Sets mit etlichen Ausstiegen und viel Bewegung bis hin zu simplen, aber gefährlichen Pick & Pops zwischen Brown und Wade.

Best Case
Erfahrung und harte Defense ergeben das gewohnt solide Bild der Wildcats, die in jedem Spiel, gegen jeden Gegner und unter fragwürdigsten Voraussetzungen eine knappe Nummer aus der Partie machen. Neuzugänge wie Austin Trice oder Shaun Neal-Williams finden sich schnell zurecht und vertiefen die Bank, was gerade in der Big12 essentiell sein wird. Das Rebounding verbessert sich durch die Anwesenheit der neuen Bigs und der gewonnenen Tiefe auf dieser Position.

Zugegeben war beim NCAA Tournament auch eine große Portion Glück dabei: 16 Seed UMBC schlägt Virginia und wird das Zweitrundenmatchup; Kentuckys Washington lässt spielentscheidende 12 Freiwürfe liegen. Und dennoch ist K-State einfach ein gutes Basketballteam, das fehlendes Talent und geringe Körpergröße mit Herz, Verstand und Teamdienlichkeit ausgleichen kann. Das Tournament wird wieder erreicht. Das zweite Wochenende ist dieses Mal auch ohne glückliche Fügung realistisch.

Worst Case 
Die Seniors treten auf der Stelle und können nicht den letzten erhofften Entwicklungssprung hinlegen. Zudem lastet der neue Erfolgsdruck schwer auf dem Team, dessen Identität eigentlich die eines Underdogs ist. Die neuen Spieler sind nicht die erhofften Verstärkungen, die schon in ihrer ersten Saison signifikanten Einfluss ausüben. Das Rebounding bleibt katastrophal und kostet den Wildcats so manch enges Spiel.

Da die Big12 dieses Jahr insgesamt etwas schwächer einzuschätzen ist, sollte K-State selbst bei Stagnation wieder eine gewichtige Rolle spielen und sich in der oberen Tabellenhälfte festsetzen. Damit sollte dann auch die Qualifikation für das NCAA Tournament eine runde Sache sein. Dort kann es die Wildcats jedoch auch ganz schnell mal in der ersten Runde treffen, wenn Brown oder Wade offensiv einen gebrauchten Tag erwischen und vor allem die Dreierquote nicht passt.