03 November 2018

3. Nov, 2018


von AXEL BABST @BabstMadness | 3. Nov, 2018

Rückblick
22 Siege, davon 13 in der Big Ten Conference, und ein vierter Platz nach der regulären Conference Saison lesen sich eigentlich wie die Bilanz eines gut gerüsteten 8 Seeds im NCAA Tournament. Doch Überraschung: Nebraska war überhaupt nicht im Teilnehmerfeld und auch in der Diskussion um mögliche Bubble Teams eher marginal vertreten. Die Cornhuskers waren das Opfer einer insgesamt schwachen Conference.

Nur ein einziger Sieg über ein Tournament Team gelang der Truppe von Tim Miles. Das war doch zu wenig. Im Trostpreis NIT setzte es direkt in der ersten Runde eine Niederlage gegen Mississippi State.

Abgänge
Anton Gill (Guard, Teilzeit-Starter, Graduation)
Evan Taylor (Guard, Teilzeit-Starter, Graduation)
Jordy Tshimanga (Big, Teilzeit-Starter, Transfer)

Verbliebene
Tanner Borchardt (Big, 6'8'', Senior)
Isaac Copeland (Big, 6'9'', Senior)
James Palmer Jr. (Wing, 6'6'', Senior)
Glynn Watson Jr. (Guard, 6'0'', Senior)
Isaiah Roby (Wing/Big, 6'8'', Junior)
Thomas Allen (Guard, 6'1'', Sophomore)
Thorir Thorbjarnarson (Wing, 6'6'', Sophomore)

Neulinge
Amir Harris (Guard, 6'6'', Freshman)
Brady Heiman (Big, 6'11'', Freshman)

Starter
Glynn Watson Jr., Thomas Allen, James Palmer Jr., Isaiah Roby, Isaac Copeland
Die positive Formulierung für Coach Tim Miles lautet wohl, dass vier Starter aus dem Vorjahr zurück in Nebraska sind. Zumindest die jetzigen Seniors James Palmer Jr. und Isaac Copeland hatten mit einer Draftanmeldung geliebäugelt, sich dann aber doch für eine Rückkehr und ein letztes Jahr im rot-weißen Dress entschieden. Auf der anderen Seite war der unerwartete Abgang von Jordy Tshimanga, dem einzigen wirklichen Big des Kaders, ein unerwarteter und nicht leicht zu verdauender Verlust.

Der Vorteil der Cornhuskers liegt jedoch nun darin, dass alle fünf Starter den Dreier treffen und auch mal den Drive zum Korb antreten können. Der bereits angesprochene Copeland ist hier die Schlüsselfigur. Als nomineller Fünfer ist Copeland eher ein Power/Point Forward. Der Georgetown Transfer ist gerade in der Offensive ein waschechter Allrounder, der unglaublich variabel einsetzbar ist.

Nach Defensivrebounds kann Copeland selbst den Ball nach vorne bringen. Im Angriff zieht er wie ein Guard vom Perimeter zum Korb und findet die freien Mitspieler für Kickout oder Durchstecker. Er trifft seine Distanzwürfe (36,9 Prozent) und ist für Pick & Pops geeignet.

Eine ähnliche Quote würde sich Miles sicherlich auch von seinen Guards im Backcourt wünschen. Glynn Watson Jr. ist ein trickreicher Aufbauspieler, der im Pick & Roll/Pop seine Wege in die Zone findet und kreativ abschließt. Der Wurf von außen stürzte in der letzten Saison im Vergleich zu seiner Sophomore Saison ab (von 39,7 Prozent in 2016/17 auf 29,1 Prozent in 2017/18). In der kommenden Saison wird Watson deutlich mehr Effizienz an den Tag legen müssen. Seine ordentliche Wurfform lässt auf ein Rehabilitationsjahr hoffen.

Sophomore Guard Thomas Allen will in der kommenden Saison erst noch beweisen, wie gut er wirklich von der Dreierlinie schießen kann. Keine zehn Minuten pro Spiel sah er in seinem Premierenjahr und hatte daher oft nicht den nötigen Rhythmus beim Werfen. Das sollte sich in der kommenden Saison ändern.

Wenig Veränderung an seiner Rolle wird James Palmer Jr. erleben müssen. Der Topscorer der Cornhuskers (17,2 Punkte pro Spiel) ist ein weiterer vielseitiger Spieler, der im Angriff die Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt. Neben seinen eigenen Abschlüssen tritt Palmer auch als Vorlagengeber für seine Mitspieler in Szene (drei Assists pro Begegnung). Wenn Nebraska erfolgreich sein will, wird Palmer daran den Löwenanteil tragen.

Isaiah Roby ist der Sleeper im Team der Cornhuskers. NBA interessierte Beobachter gucken Spiele Nebraska vorwiegend wegen des Tweeners. Der Junior könnte ein Breakoutjahr hinlegen, dass ihm auch außerhalb der Draftfilterblase Aufmerksamkeit zusichern sollte. Roby ist noch ein unauffälliger Glue Guy, dem wenig Fehler unterlaufen, der defensiv über viel Potenzial verfügt und offensiv ebenfalls interessante Anlagen mitbringt. Kann er seinen Dreier bestätigen (40,5 Prozent bei allerdings nur 1,3 Versuchen pro Spiel), wird sein NBA Kurs steigen.

Bank
Hinter der eingespielten und erfahrenen Starting Five tauchen dann allerdings die großen Fragezeichen auf. Besonders Erfahrung und der Mangel an Big Man Alternativen sind die wunden Punkte.

Auf der großen Position könnte nun tatsächlich eine nennenswerte Rolle auf Senior Tanner Borchardt entfallen. Der bringt die notwendige Physis mit, um sich gegen die Haudegen der Big Ten zumindest zu behaupten und defensiv für Entlastung zu sorgen. Freshman Big Brady Heiman bringt zwar mehr Größe und Basketballtalent mit, sollte jedoch eigentlich ein Redshirtjahr einlegen, um an seinem Körper zu arbeiten. Die Big Ten ist da genau die falsche Conference für eine Feuertaufe. Nach dem relativ spontanen Abgang von Dedoch Chan, einem interessanten Junior College Transfer, haben sich die Optionen auf den großen Positionen weiter gelichtet.

Immerhin auf den Außenpositionen tummeln sich drei interessante Kandidaten für nennenswerte Minuten. Sophomore Thorir Thorbjarnarson sowie der Freshman Amir Harris sind mit interessanten Anlagen ausgestattet. Thorbjarnarson gastierte zuletzt mit der isländischen U20 Nationalmannschaft in Chemnitz. Zwar konnte er den Abstieg in die B-Division nicht verhindern, doch sein Potenzial als spielintelligenter Point Forward ließ der Linkshänder immer wieder aufblitzen. Durch die Verletzung von Freshman Karrington Davis wird er definitiv Minuten sehen.

Amir Harris ist die neue Point Guard Hoffnung der Cornhuskers. Für einen Aufbauspieler bringt Harris sehr viel Größe mit und ergibt dadurch einen guten Gegenpol zu Starter Watson. Harris gilt eher als Slasher, der aber auch mit Übersicht ein Spiel organisieren kann. Wie bei den meisten großen Guards ist wohl der Wurf die dringlichste Baustelle.

Pros
Isaac Copeland und James Palmer Jr. werden als Seniors alles dafür tun, dass sie im kommenden Sommer zumindest in der zweiten Runde gezogen werden. Palmer muss an seinem Wurf arbeiten und Konstanz entwickeln, wenn er sich als Flügelspieler in der NBA mit Spezialität Scoring platzieren will. Copeland hat da als vielseitiger Big schon eher eine klare Rolle. Er kann defensiv mehrere Positionen verteidigen, switchen und trifft offensiv mal einen Dreier oder spielt einen klugen Pass.

Isaiah Roby hat das meiste Potenzial, allerdings wird er wohl im Angriff deutlich mehr in Erscheinung treten müssen, um sich als legitimer Draftkandidat zu etablieren. Das Ende der ersten Runde ist in diesem Jahrgang vielleicht gar nicht so unrealistisch. Glynn Watson Jr. wird sein Glück sicherlich in Europa versuchen.

Coaching
Tim Miles gilt als Entertainer und vereinnahmende Persönlichkeit, der seine Spieler motivieren kann. Allerdings dürfte er auch so langsam spüren, dass es mal wieder Zeit für eine Teilnahme am Tournament wird. Sicherlich ist Nebraska standortbedingt kein einfacher Trainerposten, doch die neuen Trainingsbedingungen sind auf allerhöchstem Niveau und das Talent des jetzigen Teams kann ausreichen für eine Tournament Teilnahme.

Zwei Herausforderungen werden für Miles darüber entscheiden, ob die Qualifikation zum Big Dance gelingt. Zum einen muss die Vielseitigkeit der einzelnen Spieler in der Offense gefördert und gezielt verwendet werden. Zum anderen wird sich Coach Miles defensiv etwas einfallen lassen müssen, wie er das Fehlen eines physischen Bigs kompensieren kann.

Best Case
James Palmer Jr. bestätigt seine starke Juniorsaison mit einer noch stärkeren Seniorspielzeit. Zugleich läuft die Offense der Cornhuskers auf Hochtouren und stellt die Gegner vor große Probleme. Isaac Copeland und Isaiah Roby regeln am defensiven Ende ihre Aufgaben bravourös und sorgen für ein Mindestmaß an Stabilität. Die Bankspieler bringen Impulse und verschaffen den Startern die notwendigen Verschnaufpausen.

Die Bilanz aus dem letzten Jahr kann bestätigt und sogar ausgebaut werden. In der ersten Saisonphase außerhalb der Big Ten macht sich die Eingespieltheit der ersten Fünf bezahlt und die Cornhuskers können einige Siege einfahren, die ihr Resümee für den Selection Sunday stärken. In der Big Ten gelingt wieder eine Platzierung unter den Top5 trotz deutlich stärkerer Konkurrenz als noch im Vorjahr. Das Tournament wird erreicht und ein oder zwei Siege sind möglich.

Worst Case 
Während der erste Saisonteil besser verläuft als noch in der Vorsaison, fehlt für die Big Ten die Physis. Offensiv können die Cornhuskers nicht genug produzieren, um defensive Schwachstellen auszugleichen und besonders in Brett- und Zonennähe ist das Team zu oft unterlegen. Die dünne Bank zahlt ordentlich Lehrgeld und setzt die Starter unter Druck.

Erneut könnte es knapp werden mit einer Teilnahme am NCAA Tournament. Ein zweites Mal 13 Siege in der Big Ten einzufahren wird nicht möglich sein. Eine Mittelfeldplatzierung in der Conference könnte mal wieder nicht genug für Miles sein, der seit 2014 auf seine dritte Tournament Teilnahme wartet. Diese wäre aber dringend notwendig, um sicherer im eigenen Sattel zu sitzen.