03 November 2018

3. Nov, 2018


von AXEL BABST @BabstMadness | 3. Nov, 2018

Rückblick
Zum ersten Mal nach 20 Jahren nahmen die Horned Frogs in der vergangenen Saison wieder am NCAA Tournament teil. Schon im zweiten Jahr gelang Jamie Dixon dieses Kunststück mit seiner Alma Mater, obwohl die Bilanz im Jahr zuvor um drei Siege besser ausfiel. Dennoch überzeugten die erbrachten Leistungen das Selektionskomitee davon, dass 21 Siege ausreichend für einen 6 Seed gewesen seien.

In der ersten Runde traf TCU dann auf Syracuse, ein denkbar unglückliches Los, da die Orange mit ihrer Zonenverteidigung einfach der falsche Gegner für die eigentlich offensivstarken Big12 Vertreter waren.

Abgänge
Vlad Brodziansky (Big, Starter, Graduation)
Ahmed Hamdy (Big, Rotation, Graduation)
Kenrich Williams (Guard/Wing, Starter, Graduation)

Verbliebene
JD Miller (Big, 6'8'', Senior)
Alex Robinson (Guard, 6'1'', Senior)
Desmond Bane (Guard, 6'5'', Junior)
Jaylen Fisher (Guard, 6'2'', Junior)
Kouat Noi (Wing, 6'7'', Sophomore)

Neulinge
Yuat Alok (Big, 6'11'', Junior)
Kaden Archie (Wing, 6'6'', Freshman)
Russell Barlow (Big, 6'11'', Freshman)
Kendric Davis (Guard, 5'11'', Freshman)
Lat Mayen (Wing, 6'8'', Freshman)
Angus McWilliams (Big, 6'10'', Freshman)
RJ Nembhard (Guard, 6'4'', Freshman)
Kevin Samuel (Big, 6'11'', Freshman)

Starter
Alex Robinson, Jaylen Fisher, Desmond Bane, Kouat Noi, Kevin Samuel
Traditionell ist Jamie Dixon ein großer Freund davon, möglichst physische und große Lineups auf das Feld zu schicken. Doch gerade im Backcourt verfügen die Horned Frogs über derartig viel Qualität und Erfahrung, dass sich eine Erste Fünf mit drei Guards gar nicht vermeiden lässt.

Alex Robinson ist der erfahrenste Akteur des Kaders. Der Senior kam einst als Transfer von Texas A&M, da er dort nicht die gewünschte Rolle erhielt und in seinem Recruiting Prozess schon von Dixon (damals noch als Pittsburgh Coach) umworben wurde. Der Linkshänder nahm bereits in der vergangenen Saison eine deutlich prominentere Rolle ein, musste er doch den verletzten Starter Jaylen Fisher vertreten.

Robinson hat keinen sicheren Wurf (32,9 Prozent Dreierquote), weshalb seine Verteidiger oft absinken. Das ist besonders im Pick & Roll tragisch, da Robinson eigentlich ein sehr intelligenter Playmaker ist, der sich durch hervorragende Übersicht und Entscheidungsfindung auszeichnet (6,1 Assists pro Spiel). Da sein direkter Gegenspieler doch oft einfach unbestraft unter dem Block durchschlüpfen kann, braucht es oft viele Rescreens, ehe Robinson überhaupt eine Entscheidung treffen kann. Das kostet Zeit und birgt die Gefahr bewegter Blöcke.

Die vielleicht wichtigste Personalie der Mannschaft ist Jaylen Fisher. Fishers Krankenakte ist nach gut zwei Jahren bereits mit vielen Einträgen versehen. Zuletzt setzte ihn ein Meniskusriss im rechten Knie für die zweite Saisonhälfte außer Gefecht. Zwar ist diese Verletzung auskuriert, doch im Spätsommer folgte eine Athroskopie im selben Knie. Nach eigener Aussage soll der wuchtige Guard jedoch zu Saisonbeginn wieder fit sein - ob er direkt eingesetzt wird, ist unklar.

Fisher ist deshalb so wichtig, weil er nach Belieben in die Zone eindringen und als Playmaker Lücken für seine Mitspieler reißen kann. Über fünf Assists pro Spiel können da gar nicht richtig wiedergeben, wie viele offene Abschlüsse er kreiert. Zugleich kann er selbst finishen und sollte seine Punkteausbeute in der kommenden Saison deutlich steigern können (12,3 Punkte pro Spiel in 2017/18).

Während Robinson und Fisher viel Aufmerksamkeit erhalten, steht Desmond Bane noch nicht so sehr im Scheinwerferlicht. Doch das sollte sich relativ schnell ändern. Der Junior ist der Allrounder des Teams. Er kann am College sogar Power Forwards verteidigen und ist generell am defensiven Ende des Feldes der Anführer. Das beste Matchup des Gegners gehört dem Vorzeigeathleten. Auch wenn die Horned Frogs als Team große Probleme hatten (KenPom Platz 100), ist Bane einer der besseren Verteidiger der Conference.

Doch auch offensiv ist Bane ein sehr solider Spieler, der den Dreier verlässlich trifft (46,1 Prozent) und nun als Ballhandler weitere Entwicklungsschritte hinlegen könnte. Durch den Abgang von Point Forward Kenrich Williams werden Kapazitäten im Pick & Roll frei.

Kuoat Noi war der Aufsteiger der vergangenen Saison. Der schlaksige Flügelspieler wurde in erster Linie als großgewachsener 3-and-D-Spieler genutzt. Offensiv trifft er den Eckendreier schon sehr sicher (43,4 Prozent). Im nächsten Schritt muss der Australier nun seine Fähigkeit entwickeln, Closeouts mit seinen langen Schritten zu attackieren.

Auf der Fünf wird ein neuer Starter gesucht. Dixon hat hier die Qual der Wahl und mehrere potentielle Kandidaten zur Auswahl. Die besten Karten wird vermutlich Kevin Samuel haben. Der Redshirt Freshman verfügt körperlich über beeindruckende Voraussetzungen. Mit 21 Jahren ist er für einen Freshman schon relativ alt und sollte daher weniger Fehler machen als andere Bigs, die nun in ihre Premierensaison gehen.

Bank
Wie schon in der vergangenen Saison wird JD Miller wohl als sechster Mann neue Energie ins Spiel bringen. Der Senior ist durchaus vielseitig veranlagt, kann offensiv wie defensiv die Positionen Drei bis Fünf abdecken. In seiner Vielseitigkeit und seiner Toughness als Rebounder und Verteidiger liegen die große Qualitäten des erfahrenen Veteranen.

Ansonsten wartet eine Armada an Freshmen auf die ersten Einsatzminuten im neuen Gewand. Kendric Davis und RJ Nembhard sind die einzigen neuen Guards. Je nach Fishers gesundheitlicher Entwicklung werden die beiden durchaus bedeutsame Minuten sehen. Davis ist ein pfeilschneller Point Guard und bringt Talent als Scorer mit. Nembhard redshirtete die vergangene Saison und ist physisch besser auf die Big12 vorbereitet.

Die interessantesten Neulinge tummeln sich mal wieder auf dem Flügel. Dixon mag athletische, spielstarke Forwards, die mehrere Positionen abdecken können und auf dem Feld für viel Variabilität sorgen. Kaden Archie passt genau in dieses Profil. Er gilt als einer der Sleeper der kommenden Freshman Class - auf nationaler Ebene und nicht nur teamintern. Besonders offensiv kann Archie für Furore sorgen. Als Mikrowelle von der Bank könnte Archie schon als Freshman seine feste Rolle finden.

Neben Archie ist Lat Mayen ein weiteres, spannendes Projekt. Der Cousin von Noi trainierte bereits in der letzten Saison mit dem Team, bringt ähnlich interessante Anlagen mit und könnte der nächste Steal für den findigen Talententdecker Dixon werden.

Bei den Innenspielern hat Dixon eine breite Auswahl zur Verfügung. Yuat Alok kommt mit der Empfehlung als einer der besten Junior College Transfers nach Texas. Seine Länge und Qualitäten als Shotblocker werden seine Minutenzahl begünstigen. Russell Barlow ist der jüngste Big und wird wohl entsprechend wenig Minuten sehen. Angus McWilliam lief bereits für die neuseeländische U19 Auswahl auf.

Pros
Desmond Bane und Kouat Noi sind 3-and-D-Kandidaten für NBA Scouts. Bane muss seine Dreierquote in der kommenden Saison bestätigen und wird zugleich deutlich mehr Verantwortung schultern. Noi ist nochmals ein deutliches Stück größer und mehr reiner Spezialist. Defensiv muss er sich aber definitiv noch steigern. Hier ist er noch meilenweit von der NBA entfernt. Bei beiden wird sich wohl erst im Laufe der Saison und möglicher Workouts bei NBA Teams herauskristallisieren, ob eine vorzeitige Draftanmeldung sinnvoll wäre.

Alex Robinson wird für europäische Mittelklasseteams interessant sein. Der fehlende Wurf wird ihm wohl den Sprung in die NBA verwehren, doch mit seinen Qualitäten als Pick & Roll Ballhandler passt er perfekt nach Europa.

Coaching
Vor einigen Jahren galten die Pitt Teams, die von Jamie Dixon angeheizt wurden, als einer der härtesten Gegner im Spielplan. Fünf defensive Berserker, die ihre Rage aber auch offensiv in die richtigen Bahnen zu lenken wussten, waren das Bild, das Pitt lange verkörperte. Bei den Horned Frogs hatte Dixon bis jetzt nicht unbedingt die entsprechenden Spielertypen für diesen Stil. Dafür adaptierte er seine Vorgaben an das offensive Potenzial und formte eine gut geölte Offensivmaschinerie. Viele Fastbreaks, gutes Spacing und Pick & Rolls en masse waren das Rezept auf dem Feld.

Daran dürfte sich angesichts des guardlastigen Kaders auch nichts ändern. Allerdings verfügt das Team dieses Jahr über deutlich mehr Länge und Athletik auf den Flügel- und Innenpositionen. Das sollte sich in der Verteidigung bemerkbar machen. Hier wird Dixon nicht mehr allzu länge die defensiven Probleme zähneknirschend hinnehmen.

Best Case
Jaylen Fisher kehrt schnell auf den Court zurück und bleibt für den Rest der Saison gesund. Desmond Bane entwickelt sich offensiv weiter und wird ein verlässlicher Ballhandler im Pick & Roll. Die Big Man Riege sorgt für mehr Präsenz am eigenen Brett und erschwert deutlich mehr Würfe in Ringnähe. Die neuen Freshmen finden schnell ihre Rollen und ergänzen sich in ihren Stärken perfekt mit den erfahrenen Startern. Die Defensive profitiert vom Zugewinn an Athletik und Länge und legt einen ordentlichen Entwicklungssprung hin.

Die Big12 ist traditionell eine umkämpfte Conference mit vielen gefährlichen Teams. Die Horned Frogs haben die nötigen Waffen und das Potenzial zum hartnäckigsten Kansas Herausforderer aufzuschwingen. Das Tournament Ticket ist in dem Fall gebucht und das zweite Wochenende absolut in Reichweite.

Worst Case 
Die Offensive kann ihr Vorjahresniveau nicht halten, da weder Fisher noch Bane noch Robinson im Pick & Roll so mühelos Lösungen finden wie Veteran Kenrich Williams im vergangenen Jahr. Gleichzeitig fehlt es diese Saison an einer verlässlichen Postupoption, die einfache Punkte in Zonennähe garantieren könnte. Besserung in der wackeligen Defense ist ebenfalls nicht in Sicht, weil sich die Freshmen zu viele Fehler erlauben und keiner der Bigs als Rimprotector übernehmen kann.

Die Tournament Teilnahme sollte zwar immer noch realistisch sein, da die Horned Frogs dann doch über viel Erfahrung im Backcourt verfügen und mit ihrem Stil viele Gegner überrumpeln. Doch eine Garantie für den Big Dance kann nicht ausgestellt werden. Dafür sind zu viele relativ unbekannte Neulinge im Team, deren exakte Spielstärke noch nicht abzuschätzen ist.