03 November 2018

3. Nov, 2018



von AXEL BABST @BabstMadness | 3. Nov, 2018

Rückblick
Die Bruins begannen die Saison 2017/2018 mit dem PAC12 Eventgame in China gegen Georgia Tech. Die Rückreise traten sie zwar mit einem knappen Sieg (63:60), aber ohne drei Freshmen im Gepäck an, nachdem diese beim Ladendiebstahl erwischt wurden. Da mal wieder ein Ball-Sprössling involviert war, blieb das politische und diplomatische Drama nicht aus.

Dieser erste Trip sollte ein Spiegelbild der Saison der Bruins sein. Sie hinkten den Erwartungen hinterher (21:12 Bilanz), ergatterten sich geradeso einen der letzten Tournament Plätze und schieden im Play-In-Game gegen St. Bonaventure aus. Nach einer sehr starken Saison 2016/17 (besonders durch Lonzo Ball verantwortet) steht Steve Alford damit nun wieder im Scheinwerferlicht und muss in der kommenden Saison liefern.

Abgänge
Thomas Welsh (Big, Starter, Graduation)
György Goloman (Big, Starter, Graduation)
Aaron Holiday (Guard, Erste Option, NBA Draft)

Verbliebene
Prince Ali (Guard, 6'4'', Junior)
Alex Olesinski (Big, 6'10'', Junior)
Jaylen Hands (Guard, 6'3'', Sophomore)
Chris Smith (Guard, 6'9'', Sophomore)
Kris Wilkes (Wing, 6'8'', Sophomore)

Neulinge
Jules Bernard (Wing, 6'6'', Freshman)
Moses Brown (Big, 7'1'', Freshman)
Jalen Hill (Big, 6'10'', Freshman)
Cody Riley (Big, 6'9'', Freshman)
David Singleton (Guard, 6'4'', Freshman)

Starter
Jaylen Hands, Prince Ali, Kris Wilkes, Cody Riley, Moses Brown

Nach dem Abgang von Aaron Holiday klafft im Backcourt zunächst eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Holiday war auf der einen Seite der Topscorer und -vorlagengeber (20,3 Punkte und 5,8 Assists pro Spiel). Noch viel wichtiger waren jedoch seine Qualitäten als Anführer in den schwierigen Phasen eines Spiels. Auch das Tempo wusste er stets zu kontrollieren.

Hier ist nun vor allem Jaylen Hands gefragt. Der Sophomore ist eigentlich ein Scoring Guard, der in seinem ersten Jahr mit 9,9 Punkten pro Spiel zwar solide ablieferte, die hohen Erwartungen an ihn aber nicht ganz erfüllen konnte. Besonders seine Effizienz lässt sich noch verbessern (eFG 49 Prozent), wobei er hier seine Tendenz zum Pull-up verlieren muss. Hands ist derart athletisch, dass er nach Belieben in die Zone vordringen könnte.

Der beste Spieler der Bruins ist Kris Wilkes. Der schlaksige Tweener war schon in der vergangenen Saison mit fast 14 Zählern pro Partie die teaminterne Numer zwei. Hieran sollte Wilkes anknüpfen und zur unangefochtenen ersten Option aufsteigen. Wilkes weist eine interessante Kombination aus Länge und Wurfgefühl im Handgelenk auf. Am College ist er dadurch ein Mismatch und muss nun auch entsprechend aggressiv und konstant auftreten.

Neben Wilkes und Hands ist es an Prince Ali und Cody Riley zu produzieren. Ali geht nun in sein drittes Spieljahr. Nachdem ihn diverse Verletzungen bisher ausgebremst haben, muss der vormalige Top-Rekrut nun endlich beweisen, dass er ein überdurchschnittlicher Collegespieler ist. Mit seiner Athletik kann er der beste Verteidiger des Teams sein und offensiv für Highlights sorgen. Riley war einer der Übeltäter in China und durfte während seiner einjährigen Suspendierung genug Motivation sammeln, um nun als Energizer in der Zone aufzuräumen. Nach einer Kieferverletzung muss Riley nun auch noch die ersten drei Wochen der neuen Saison aussetzen.

Diese Energie wird auch deshalb dringend benötigt, weil nicht ganz klar ist, was genau Moses Brown als fünfter avisierter Starter bringen wird. Brown ist von der diesjährigen Freshman Class derjenige, der in den höchsten Tönen gelobt wird. Mit seiner Größe von 7'1'' und seiner Beweglichkeit bringt Brown in erster Linie physisch interessante Anlagen mit. Er würde dem Team schon als Rimprotector und Finisher helfen. Doch Brown fehlen noch etliche Kilos auf den Rippen und Skills. Außerdem ist sein Spielverständnis noch mit Fragezeichen zu versehen.

Bank
Grundsätzlich verfügt Coach Steve Alford dieses Jahr über deutlich mehr Tiefe im Kader, auch wenn der eine oder andere Freshman noch Lehrgeld zahlen wird. Die Verletzungen und Ausfälle von Shareef O'Neal und Tyger Campbell reduzieren das Plus an Tiefe jedoch direkt wieder.

Der interessanteste Name von der Bank lautet Jules Bernard. Der Freshman ist jemand, der von der ersten Minute an, einen positiven Einfluss auf ein Spiel nehmen kann. Der Linkshänder weiß, wo der Korb hängt, ist mit viel Energie unterwegs und besitzt eine Menge Potenzial. Mit ein wenig Erfahrung könnte sich Bernard zum Starter mausern.

Neben Bernard gibt es einen zweiten Kandidaten für ein Breakoutjahr. Chris Smith geht zwar schon in seine zweite Saison in Westwood, ist aber einer der jüngsten Spieler des Kaders und war letzte Saison der jüngste aktive Collegespieler der gesamten NCAA. Erst an Weihnachten wird Smith 19 Jahre alt. Daher sollten seine wenig aussagekräftigen Statistiken (unter vier Punkte und zwei Rebounds in knapp 13 Minuten pro Spiel) nicht darüber hinwegtäuschen, wie viel Potenzial in dem Point Forward schlummert. Mit mehr Physis und einem stabileren Wurf wird Smith dieses Jahr deutlich mehr Einfluss auf dem Feld ausüben. Spielerisch muss Smith vor allem einen Wurf entwickeln (keine 18 Prozent Erfolgsquote bei nicht mal einem Versuch aus der Distanz pro Spiel in 17/18).

Eigentlich war Tyger Campbell als Backup Point Guard vorgesehen und der einzige Spieler des Kaders, der auf der Position des Spielmachers auch wirklich groß geworden ist. Nach seinem Kreuzbandriss Mitte Oktober wird nun mehr Verantwortung auf David Singleton entfallen. Der Freshman Guard ist aber genau wie Hands eher ein Combo Guard, der sich offensiv weniger auf das Gestalten des Spiels versteht. Dafür hat er einen guten Wurf, ist ein starker Verteidiger und verfügt über Spielverständnis.

Auf den großen Positionen sorgt die Verletzung von Alex Olesinski (Stressfraktur) dafür, dass während der ersten Saisonmonate ein wenig der Stretch Big fehlt, auf den Alford so gerne setzt. Jalen Hill ist eher ein Innenspieler, der sein Redshirtjahr dazu nutzen konnte, an seinem Spiel zu arbeiten und nicht mehr so sehr auf seine Physis angewiesen zu sein.

Pros
Kris Wilkes ist derjenige, der momentan der NBA am nächsten steht. Mit einem guten Jahr könnte er im kommenden Draft in der ersten Runde gezogen werden. Mit seinem Körper passt er hervorragend in die moderne NBA. Wenn er dann noch seinen Wurf auf ein konstantes Niveau hieven kann, steht einer Wahl im Juni nichts mehr im Weg.

Ob Moses Brown, der am ehesten als One-and-Done kolportiert wird, oder Jaylen Hands Wilkes folgen werden, ist indes noch unsicher. Brown muss beweisen, dass er den Ring beschützen kann und offensiv zumindest ein klares Profil besitzt (Finisher in Brettnähe oder im Pick & Roll). Hands wird sich als Taktgeber einer großen Herausforderung stellen, da diese Rolle nicht unbedingt seinem Naturell als Combo Guard und Scorer entspricht.

Daher wäre es gar nicht so verwegen anzunehmen, dass Chris Smith und Jules Bernard auf lange Sicht mehr Interesse seitens der NBA Beobachter hervorrufen könnten. Smith ist ein Allrounder, der aufgrund seiner Größe perspektivisch mal fünf Positionen verteidigen kann, sofern er die entsprechende Muskelmasse aufbaut. Bernard ist ein talentierter Offensivspieler mit Two-Way-Potential.

Coaching
Nach der letzten Saison sind die Stimmen wieder lauter in Los Angeles geworden, die sich einen neuen Trainer für ihre Bruins wünschen. Die Ansprüche sind vor dem Hintergrund der klangvollen Historie hoch und jedes Jahr, in dem UCLA im März nicht für Furore sorgt, gilt als Misserfolg.

Alford konnte zwar wieder eine Menge Talent ansammeln, allerdings wird sich die Unerfahrenheit an der einen oder anderen Stelle rächen. Immerhin sind die allgemeine Athletik und die schiere Größe des Kaders perfekt für Alfords patentierten Zonenvarianten in der Defense geeignet, wovon wir in dieser Saison wieder deutlich mehr sehen dürften als in der vergangenen Saison. Die Defense wird sicher anfällig sein, doch Alford ist ohnehin niemand, der sich über eine ausgeklügelte Philosophie an diesem Ende des Feldes definiert.

Offensiv wird Wilkes viel die Baseline entlang um diverse Screens rennen und so seine Punkte erzielen. Voraussetzung dafür ist, dass Hands als Playmaker seinen Part erfüllt.

Best Case
Jeder erfüllt seinen Job und seine angedachte Rolle, wobei Wilkes und Hands mit deutlich gesteigerter Punkteausbeute das Kollektiv anführen. Hands gelingt der Spagat zwischen eigenem Scoring und Organisation des Angriffs. Die Freshmen zeigen sich wissbegierig, lernen schnell dazu und ihr athletisches Potential auszukosten. Die Bigs räumen die Zone auf und die Guards treffen einigermaßen konstant von außen.

Treffen alle oder ein Großteil dieser Szenarien zu, werden die Bruins um den Titel in der mal wieder schwächeren PAC12 mitreden und haben Potential für zwei Tournament Siege.

Worst Case 
Hands ist überfordert mit dem Spielaufbau, wodurch der Motor der gesamten Offense ins Stottern gerät. Wilkes präsentiert sich ähnlich wechselhaft wie in der letzten Saison. Brown kann nicht das bringen, was sich Mitspieler, Coaches und NBA Scouts erhoffen. Defensiv hat er nicht den erwarteten Einfluss und offensiv ist seine Ausbeute mager. Die Unerfahrenheit führt dazu, dass die Bruins gerade auswärts und in den engen Spielen dann doch das Nachsehen haben.

In diesem Fall wäre es möglich, dass die Bruins sogar knapp das Tournament verpassen. Gerade die Nervenstärke in knappen Spielen wird maßgeblich dazu beitragen, wie weit es die Bruins bringen können. Hands steht als primärer Ballhandler in besonderer Verantwortung, was diesen Puntkt betrifft.