26 November 2018

25. Nov, 2018


Das erste Viertel der NBA-Saison ist gespielt und die #NBACHEF-Redaktion hält einen Moment inne, um ein Zwischenfazit zu ziehen und einen Ausblick zu wagen: Für wen geht es in den verbleibenden drei Vierteln nach oben, für wen nach unten? Wer folgt Tyronn Lue in den vorzeitigen Urlaub? Und welcher namhafte Spieler wird dieses Jahr getradet?

von NBACHEFSQUAD  | 25. Nov, 2018


Der Durchbruch

Christoph Lenz @NBAKenner: Der Record suggeriert, dass die Grizzlies hier ein heißer Kandidat sein könnten, aber angesichts der brutalen Tiefe und Dichte der Western Conference wäre es auch kein Schocker, wenn Memphis bis Weihnachten auf Rang zwölf oder 13 liegt. Daher fällt meine Wahl hier tatsächlich auf die Los Angeles Lakers, die nach dem turbulenten und holprigen Start einen Record aufweisen, der sie im Zeitraum ab dem 29. Oktober zum zweitbesten Team der Liga – nach OKC –  macht. Die Kombination aus LeBron-Faktor, Trade-Potential und einer noch wachsenden Team-Chemie macht die Lakers zum Playoff-Lock.

Stefan Dupick @hoopsgamede: Ich glaube nach wie vor an die Clippers! Am Ende wird das andere Team aus L.A. in die Playoffs einziehen, auch wenn es für die Clippers noch den einen oder anderen Trade geben könnte.

Jonas Röhrig @jonasRo19: Platz eins im Westen, Siege gegen die Bucks, Nuggets sowie 76ers und dazu eine Top-4 Defense. Dass damit weder die Warriors noch Houston gemeint ist, ist die eine Überraschung, dass es sich aber um die Memphis Grizzlies handelt, hätte wohl kaum jemand vor der Saison gedacht. Angeführt von Marc Gasol, der bisher fast 40% seiner Dreier trifft (bei 4,5 Versuchen) und Mike Conley, der nach seiner Seuchen-Saison 17/18 stark zurückgekommen ist, rollten die Grizzlies durch das erste Viertel der Saison. Eine Verbesserung im Vergleich zu den grauenhaften Tank-Grizzlies des letzten Jahres war zu erwarten, aber zwölf Siege aus 17 Spielen hätten ihnen wohl die wenigsten zugetraut. Grit-and-Grind is back!


Jan Wiesinger @WiesiG: Der Goldklumpen-Bandwagon in Denver rollt vielleicht etwas langsamer als noch während der allerersten Spiele. Dennoch haben die bisherigen Auftritte überzeugt und nach dem knappen Verpassen der letztjährigen Endrunde sind die Nuggets an dieser Stelle der logischste Pick.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Ich habe zu Saisonbeginn den Denver Nuggets eine starke Saison prognostiziert und bleibe dabei. Anders als die derzeit vor ihnen platzierten Clippers und Grizzlies sind sie weder akut verletzungsgefährdet, noch übertrieben von ihren besten Spielern abhängig. Unter den Teams, die letztes Jahr die Postseason verpasst haben, stehen die Chancen auf Playoff Basketball in der Mile High City am besten.


Der Turnaround

Lenz: Die Timberwolves konnten sich erfolgreich von Jimmy Butler befreien und die ersten Spiele ohne ihn machen Hoffnung, dass dieser Schritt ausreicht, um den Umschwung zu schaffen. In einem anderen denkbaren Szenario schwächeln die Wolves weiter und begeben sich dann unter einem neuen Coach in Richtung Playoff-Rennen, so oder so: Minnesota wird sich verbessern.

Dupick: Hier müssen wohl die Rockets genannt werden! Die Bilanz der Raketen ist wieder ausgeglichen, jetzt da Melo aus Texas vertrieben wurde, wird die Aufholjagd endgültig gestartet.

Röhrig: Zu viele Köche verderben den Brei. So oder so ähnlich könnte man das erste Saisonviertel der Boston Celtics zusammenfassen. Der Conference Finalist des letzten Jahres hat es bisher nicht geschafft, seine vielen offensiven Waffen aufeinander abzustimmen. Trotzdem sind sie klar besser als Platz acht im Osten und 50% Siegesquote. Gordon Hayward findet erst langsam in die Saison, Jaylen Brown spielt gefühlt noch gar nicht mit (37% aus dem Feld, 26 % Dreier) und Marcus Smart scheint nach seiner Vertragsunterschrift noch gar keine Lust auf guten Basketball zu haben (5,8 Punkte und 3,8 Assists). Doch ich bin mir sicher, Brad Stevens wird im Laufe der Saison die richtige Mischung finden und dafür sorgen, dass die Celtics im Kampf um die Conference Finals mitwirken.

Wiesinger: Die Celtics müssen sich an einer gewaltigen Erwartungshaltung messen lassen. Aktuell sieht es nicht so rosig aus und die Liste der Probleme ist lang. Hayward ist nicht integriert, Kyrie spielt mittelmäßig und alle Leistungsträger der letzten Saison, als die beiden Erstgenannten weitestgehend fehlten, ebenfalls unter ihren Möglichkeiten. Das dürfte sich aber mittelfristig auch dank gutem Coaching legen und die Kobolde werden nach 82 Spielen unter den Top-4 im Osten zu finden sein.


Schlechtriem: Ich glaube an die Utah Jazz. 8-11 Siege und Platz 14 im Westen haben sie sich anders vorgestellt, die eigentlich elitäre Verteidigung steht noch nicht (15. in Defensiver Effizienz) und Donovan Mitchell steckt in einem nicht unüblichen Sophomore-Slump. Das wird sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate aber in Wohlgefallen auflösen. Letztes Saison standen die Mormonen Ende Januar bei 19-28 und gewannen dann 29 der letzten 35 Saisonpartien. Eine solche Siegesserie wird zwar nicht zwangsläufig wiederholbar sein, dennoch schaffen die Jazz den Turnaround und werden spätestens im Frühjahr ihr wahres Gesicht zeigen.


Der Ikarus-Kandidat

Lenz: Leider wird bei den Grizzlies entweder aus Verletzungsgründen oder einfach aufgrund der massiv nach oben drängenden zahlreichen Konkurrenz die restliche Saison eher holprig werden und zur Deadline auch eine Trennung des ikonischen Conley/Gasol-Duos diskutiert werden. Gut, dass in Triple J die Zukunft der Franchise schon im Roster ist. In diesem Jahr wird aber weder er noch der Rest des Teams diesen euphorisierenden Start bestätigen können.

Dupick: Memphis! Bestes Team im Westen? Never! Aber schön zu sehen, dass die Grizzlies mit ihrem langsamen Old-School-Stil die Liga aufmischen. Jackson spielt (als Rookie) bisher sehr stark und die Altstars um Gasol und Conley spielen auf All-Star-Niveau. Ich befürchte jedoch, dass die beiden alten Hasen nicht mehr als 70 Spiele schaffen und spätestens wenn einer der beiden ausfällt, dann geht es steil bergab.

Röhrig: Dass die Sacramento Kings nach 18 Spielen vor den Spurs, Jazz und Timberwolves in der Western Conference stehen, konnte man vor der Saison wirklich nicht erwarten. Doch bei aller (berechtigten) Begeisterung über die jungen Kings und De'Aaron Fox gehe ich nicht davon aus, dass es in den nächsten Wochen so gut weiter geht. Ihre Offensive ist in den letzten Spielen im Vergleich zum Start abgekühlt und die Defense ist nach wie vor löchrig (durchschnittlich 117 zugelassene Punkte über die letzten vier Spiele). Es hilft auch nicht, dass die nächsten Gegner Warriors, Jazz, Clippers und Pacers heißen. Im schlechtesten Fall setzt es vier Niederlagen und die Kings rutschen weiter ab.

Wiesinger: Auch wenn erst knapp ein Viertel der Saison gespielt ist: Die Grizzlies sind aktuell das beste Team im Westen. Ich traue ihnen durchaus Playoffs und mehr als .500 zu, aber ein Heimvorteil dürfte nicht dabei rausspringen. Den Heimvorteil haben die Grizzlies aber trotzdem: Auswärtstrips ins Grindhouse von Memphis werden aktuell wieder von Portland bis Miami gefürchtet.

Schlechtriem: Grizzlies und Kings, da gehe ich mit. Sacramento sieht zwar besser aus als erwartet, für einen dauerhaften Höhenflug fehlt aber schlichtweg die Qualität auf allen Positionen. Ihr jugendlicher Elan wird sie noch ein Stückchen tragen, aber dann geht bald die Luft aus. Und auch den Grizzlies wird die fortschreitende Saison nicht gut bekommen. Sobald im zweiten und dritten Saisonviertel Abnutzungserscheinungen auftreten, wird vor allem Memphis mit dem sehr körperlichen Stil betroffen und die aktuelle Quote nicht zu halten sein. Im Westen ist der Weg in den Tabellenkeller nicht weit, das bekommen beide Teams spätestens zum Jahreswechsel zu spüren.




Ein Beitrag geteilt von Sacramento Kings (@sacramentokings) am


Der wackligste Trainerstuhl

Lenz: Tom Thibodeau wackelt, aber ob er in der laufenden Saison entlassen wird, hängt davon ab, ob und wann ein langfristig positiver Trend nach dem Butler-Trade manifestiert ist. Wo es als nächstes richtig krachen wird ist in Washington. Der Trade-Markt für die vermeintliche Big Three ist aus unterschiedlichen Gründen nicht fruchtbar, sodass die einzige realistische Veränderung ein neuer Coach sein wird. Der Nachfolger von Scott Brooks wird die letzte Chance für diesen Spieler-Kern sein.

Dupick: Brad Stevens... ähem... wohl eher Scott Brooks, die Wizards sind am Ende! Inzwischen ist kein Spieler der Hauptstädter mehr unantastbar, in Washington wird in dieser Saison noch einiges passieren, da wäre ein Trainerwechsel nicht verwunderlich.


Röhrig: Scott Brooks. Er scheint die katastrophalen Wizards nicht mehr erreichen zu können und wurde zudem von John Wall zuletzt im Training lautstark beleidigt. Selbst wenn es Trades um die Stars der Wizards geben sollte, denke ich nicht, dass Scott Brooks die All-Star Pause als Coach in Washington erleben wird. Der 24 Punkte Comeback-Win gegen die Clippers machte zuletzt zwar ein wenig Hoffnung, doch die Wizards machen aktuell nicht den Eindruck, als ob sie in der Lage wären, sich selbst aus der Krise zu spielen. Ein neuer Coach und eventuelle Trades von Wall und/oder Beal scheinen momentan unumgänglich.

Wiesinger: Während Scott Brooks wohl die offensichtlichste Antwort wäre, gehe ich mit dem Außenseiter Erik Spoelstra. Der hat am South Beach und ligaweit eigentlich eine gute Reputation. Mit dem teuersten Kader der Liga und einigen Baustellen sehe ich allerdings keine nachhaltig positive Entwicklung in der Post-LeBron-Ära bei den Heat. Diese Saison dürfte Coach Spoelstra vielleicht noch ruhig arbeiten können, seine Situation könnte aber in der nächsten Saison eine radikale Neubewertung erfahren.

Schlechtriem: Warum Tom Thibodeau nach dem Trauerspiel um Jimmy Butler noch immer der mächtigste Exekutive der Timberwolves ist, weiß nur die Teambesitzerloge. So oder so sind Thibodeaus Tage in Minneapolis gezählt. Selbst wenn er seine Wölfe irgendwie in die Playoffs mogelt, hat Thibs in der Causa Butler eine derart schlechte Figur abgegeben, dass eine Weiterbeschäftigung über den April hinaus nur schwer vorstellbar bleibt.


Der Blockbuster-Trade

Lenz: Die Situation in Washington scheint wie gemacht für einen Blockbuster-Trade, aber Walls Vertrag ist zu dick, die Wizards-Forderung für Beal zu hoch und der Gegenwert für Porter zu gering. Daher werden sich die Augen zur Deadline nach Memphis richten, wo nach dem Absturz der Umsturz erwartet wird. Der Trade ist eine Familienangelegenheit und schickt Marc Gasol nach San Antonio, während Pau Gasol gemeinsam mit einem Mix aus Talent und Picks zurück nach Memphis kommt, wo er aus seiner Karriere eine noch rundere Sache machen kann, als sie es ohnehin schon ist.


Dupick: Der „Process“ ist mit dem Butler-Deal beendet, jetzt müssen die 76ers gewinnen, aber dafür fehlt Shooting. Grund genug um das Fultz-Experiment zu beenden und den ehemaligen No. 1 Pick zusammen mit dem auslaufenden Vertrag von Wilson Chandler nach Washington zu schicken. Im Gegenzug wird Bradley Beal die 76ers verstärken. Damit der Deal zustande kommt, könnte zusätzlich der ungeschützte 2021er Pick der Heat und vermutlich ein weiterer First-Rounder als Sweetener nach Washington geschickt werden.

Röhrig: Wieder Washington: Bradley Beal scheint bei vielen Clubs hoch im Kurs zu stehen und das zu Recht. Ein All-Star auf der momentan schwächsten Position in der NBA mit drei weiteren Jahren in seinem Vertrag. Dazu ist Beal erst 25 Jahre alt und unter Umständen sogar relativ günstig zu haben, bedingt durch den Clusterfuck, der sich „Wizards“ nennt. Außerdem hat er öffentlich bereits deutlich gemacht, dass er keine Lust mehr auf das Chaos in Washington hat. Den Lakers wird schon länger Interesse nachgesagt, doch die erste Anfrage kam wohl von den Charlotte Hornets, die einen zweiten Star neben Kemba Walker suchen. In einem potenziellen Deal müssten, aus Gehaltsgründen, Spieler wie Nic Batum oder Michael Kidd-Gilchrist sowie junge Talente wie Malik Monk und Rookie Miles Bridges den Weg in die Hauptstadt antreten.

Wiesinger: Meine Trade-Fikitionen sind traditionell katastrophal fantasielos, aber Washington steht definitiv unter Zugzwang. Da stimmt rein gar nichts – weder auf dem Feld, noch in der Umkleidekabine. Beal, Wall und/oder Porter müssen weg und dafür idealerweise junges Talent oder Erstrunden-Picks kommen. Doch der Tradewert aller drei Spieler dürfte derzeit so schlecht sein wie selten zuvor. Für Beal oder Porter könnte ein Markt zu finden sein, während John Walls Super-Max (170 Mio. $ über vier Jahre ab nächster Saison) aktuell nicht mal die verrücktesten GMs hinterm Ofen hervorlocken dürfte. Vielleicht Beal nach Philly oder Porter nach Portland (haha)?!

Schlechtriem: Alle Augen auf Danny Ainge. Die Celtics enttäuschen bisher und haben keinen ausgeglichenen Kader, respektive einen zu ausgeglichenen und daher Probleme, allen Spielern die gewünschten Minuten zu verschaffen. Entweder Terry Rozier oder Marcus Smart muss gehen – und um einen echten Blockbuster draus zu machen, lege ich noch Gordon Hayward oben drauf, denn die Kobolde kamen letztes Jahr auch ohne ihn klar. Logischer Abnehmer sind die Miami Heat, die schon während Haywards Free Agency nachdrücklich um den Rotschopf gebuhlt haben und ebenso wie die Celtics in der Krise stecken. Miami war bereit, für Jimmy Butler einiges auf den Tisch zu legen, das wird auch für Hayward gelten. Nun müssen sie Ainge eine Auswahl aus Josh Richardson, Justise Winslow, Goran Dragić, Bam Adebayo, James Johnson und/oder Picks schmackhaft machen.