01 November 2018

1. Nov, 2018


von SEB DUMITRU @nbachefkoch | 1. Nov, 2018

This is why we play! Derrick Rose drehte vergangene Nacht die Uhr komplett zurück und führte seine unterbesetzten Minnesota Timberwolves zu einem schockierenden 128-125 Erfolg gegen die Utah Jazz - mit einer neuen Karrierebestleistung.

50 Punkte legte der gebeutelte Ex-Superstar auf, der nach den Ausfällen von Jimmy Butler und Jeff Teague in die erste Fünf gerutscht war und sein zuweilen lethargisches Team dank ungebändigter Energie von der ersten Spielsekunde an mitriss.


D-Rose, der als jüngster MVP aller Zeiten Geschichte geschrieben hatte, musste in den vergangenen Jahren viele Rückschläge wegstecken. Vom gefeierten Franchise-Player der Chicago Bulls war er nach mehreren schweren Knieverletzungen schnurstracks in die NBA-Randzone verdrängt worden.

Intermezzos bei den New York Knicks, Cleveland Cavaliers und Utah Jazz - die ihn ohne Einsatz prompt entliessen - vermischten sich mit privaten Problemen, einer gerichtlichen Anklage wegen Vergewaltigung (Rose wurde für unschuldig erklärt, muss aber demnächst in ein Revisionsverfahren) und Depressionen.

"Ich war kurz davor, aus der Liga gespült zu werden", sagte Rose nach der Partie. Eine Unterschrift in Minnesota, bei seinem alten Head Coach Tom Thibodeau, gab ihm neue Hoffnung. Rose zeigte in der vergangenen Saison solide Leistungen, legte in den Playoffs 14,2 Punkte im Schnitt auf. Er verlängerte bei den Wolves zum Veteranen-Minimum.


Dass er zum ersten Mal seit fünf Jahren im Sommer beschwerdefrei arbeiten konnte, hat seinem Körper, seiner Seele und seinem Spiel sichtlich gut getan. Mit 18,8 Punkten und 5,0 Assists pro Partie ist Rose einer der Kandidaten für den Sixth Man of the Year Award. Seine Cuts und Beschleunigungen wirken explosiv, sein Distanzwurf ist mehr als solide, sein Finishing in der Zone erinnert an den jungen, unaufhaltsamen D-Rose, einen der verheerendsten Dribbler aller Zeiten.

Seine Renaissance kulminierte in seiner bisher besten Leistung: der mittlerweile 30-Jährige punktete gegen Utah nach Belieben, belebte ein niedergeschlagenes Team und dessen angefressene Anhängerschaft. Er erzielte jeden wichtigen Korb in der Crunchtime und blockte Exums letzten Dreierversuch.

Die gesamte NBA-Diaspora war aus dem Häuschen; nicht nur bei Rose flossen ein paar Tränen. Selbst denen, die Derricks Story nicht kennen, wurde mit Blick auf diese Leistung vor Freude warm ums Herz. Wer weiss, wo er herkommt und was er durchmachen musste, kann nicht anders, als inspiriert zu sein. Respect!