09 Dezember 2018

9. Dez, 2018


Tis' the Trade Season. Die „Deadline vor der Deadline“ liefert auch dieses Jahr exakt zwei Monate vor der Schließung des Transferfensters einen Deal von zumindest finanzieller Tragweite. Wie immer serviert die Chefküche die wichtigsten Trades mundgerecht.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 9. Dez, 2018

Der Post-LeBron Wandel hat die Cleveland Cavaliers weiterhin voll im Griff und verändert das Gesicht des NBA Champions 2016 mit Nachdruck. Dass der zuletzt vierfache Finalist ohne LeBron James dieses Jahr nicht mehr die Eastern Conference gewinnen wird, geschweige denn überhaupt etwas mit der Postseason zu tun haben, stand in der noch jungen Saison zügig fest. Entsprechend haben die Cavs allen Grund zu einer sofortigen, radikalen Verjüngung.


Der Trade

Scharfschütze Kyle Korver (37) wurde bereits Ende November zu den Utah Jazz verfrachtet, in George Hill entledigt sich Clevelands General Manager Koby Altman nun des nächsten teuren Veterans. Der 32 Jahre alte Spielmacher wechselt zu den Milwaukee Bucks, im Gegenzug nehmen die Cavaliers die Verträge von Center John Henson sowie Guard Matthew Dellavedova auf und lassen sich diesen Gefallen mit zwei Draft Picks entlohnen. Die Washington Wizards mischen ebenfalls mit, um den Vertrag von Jason Smith loszuwerden und mit Sam Dekker zusätzliche Tiefe auf dem Flügel aufzubieten.

CLE: Matthew Dellavedova, John Henson, 2021 1st Round Pick (MIL, geschützt #1 bis #14), 2021 2nd Round Pick (MIL), 2022 2nd Round Pick (WAS)
MIL: George Hill, Jason Smith, 2021 2nd Round Pick (WAS via UTA & CLE)
WAS: Sam Dekker



Cavaliers

Die Rückkehr Dellavedovas, 2016 Champion mit den Cavs, ist nur eine emotionale Randnotiz. Koby Altman sammelt weiter fleißig Draft Picks, hier auf Kosten einer kurzfristigen finanziellen Mehrfachbelastung. George Hills abgestoßener Kontrakt ist fürs kommende Jahr mit nur einer Mio. $ garantiert, Henson und Dellavedova verdienen zusammengerechnet garantierte 20 Mio. $ in der Spielzeit 2019/20. Weil Cleveland aber einen Rebuild eingeleitet und daher ohnehin finanzielle Flexibilität anzubieten hat, ist dies ein erträglicher Preis für besagte Picks und die Senkung des Altersschnitts.

Hill wird in Cleveland vor allem für seinen vergebenen Freiwurf in Spiel eins der Finals 2018 in Erinnerung bleiben, zudem ist er sportlich entbehrlich, da die Cavaliers auf den Guard-Positionen auf Rodney Hood und Rookie Collin Sexton setzen. Hills positionsgerechter Ersatz Dellavedova (28) gibt diesen Youngstern gegebenenfalls etwas Rückhalt und Erfahrung mit auf den Weg, ein längerer Verbleib des Rückkehrers ist aber ungewiss, kommende Saison wird Dellys auslaufender Vertrag zum erschwinglichen Trade-Chip.

Gleiches gilt für Henson, der mit seinen ebenfalls bald 28 Jahren zu alt ist, um für den Rebuild in Ohio noch eine signifikante Rolle zu spielen. Henson fehlt derzeit verletzungsbedingt, Ende November unterzog er sich einer Operation am Handgelenk, die ihn noch einige Monate außer Gefecht setzt. Womöglich wird der 14. Pick des 2012 Drafts kein einziges Spiel für die Cavs absolvieren und im Sommer direkt weiter verfrachtet.


Koby Altman bleibt also weiter umtriebig. Nach Korver und Hill steht nun J.R. Smith ganz oben auf seiner Abschussliste. Team und Spieler haben sich bereits auf eine Trennung geeinigt, sollte Altman via Trade kein Abnehmer für den kapriziösen 33-Jährigen finden, folgt spätestens im Frühjahr der Buyout.

Davon ab wird Clevelands GM spätestens nach dessen Rekonvaleszenz auch den Marktwert seines fünffachen All-Stars Kevin Love testen, der im Sommer erst einen dicken Fünfjahresvertrag unterzeichnet hat. Love, Smith und Tristan Thompson sind neben den inzwischen zurückgekehrten Channing Frye und Matthew Dellavedova die letzten Verbliebenen des Meisterschaftsteams.


Bucks

Auch beim Tabellendritten der Eastern Conference spielt der sportliche Aspekt dieses Trades eher eine untergeordnete Rolle. George Hill bringt Erfahrung, Defense und einen passablen Dreier mit in die Bierstadt und sollte er vor allem an die Leistungen seiner exzellenten Saison 2016/17 bei den Utah Jazz anknöpfen, hilft er Coach Mike Budenholzer als Backup oder sogar Nebenmann Eric Bledsoes weiter.


Wichtiger für Milwaukee ist allerdings Hills ungarantierter Vertrag für die kommende Spielzeit. Diesen wird GM Jon Horst zum 1.7.2019 kündigen und damit 17 Mio. $ Cap Space freischaufeln. Für die Bucks bedeutet das eine eminent wichtige Entlastung, denn im kommenden Sommer werden gleich vier Starter – Khris Middleton, Eric Bledsoe, Malcolm Brogdon und Brook Lopez – Free Agents und auf dem freien Markt nicht lange nach einem hoch dotierten Angebot suchen müssen.

Der 5,5 Mio. $ schwere auslaufende Vertrag des von den Washington Wizards akquirierten Jason Smiths schafft im Juli zusätzlichen Raum und wird daher ebenfalls helfen, besagten Spielerkern in Milwaukee zu halten.

Die Abgänge Dellavedovas und Hensons sind derweil zu verkraften. In Thon Maker und Ersan Ilyasova hat Budenholzer bereits bessere Optionen auf den großen Positionen im Aufgebot, Hill ist seinem Vorgänger auf allen Ebenen überlegen.

Die Bucks haben bereits ihren 2019er Pick für die Addition Eric Bledsoes an die Phoenix Suns abgegeben, infolge des Trades um George Hill halten sie nun nur einen ihrer nächsten drei Erstrunden-Picks und unterstreichen damit ihre Win-Now Haltung.


Wizards

Washington erweitert diesen Trade ebenfalls aus finanziellen Anreizen. Smith für Sam Dekker abzugeben entspannt die übervolle Payroll von 131 Mio. $ kurzfristig um knapp drei Mio. $, in der Luxury Tax eine nicht zu vernachlässigende Summe. Für Dekker sind die Wizards das vierte Team in drei Jahren, die strauchelnden Hauptstädter eröffnen ihm eine neue Chance, sein Potential als Erstrunden-Pick endlich zu entfalten. Der Flügelspieler wird im Sommer Restricted Free Agent, für Washington bleibt das Risiko also überschaubar.


Ebenso wie die Cavaliers werden auch die Wizards an der Trade-Front aktiv bleiben. Angesichts der kläglichen Zwischenbilanz von Rang zehn und 11-15 Siegen steht der ganze Kader, inklusive der namhaftesten Spieler John Wall, Bradley Beal, Otto Porter und Kelly Oubre, im Schaufenster.


Fazit

Ein Deal, bei dem es keine Verlierer gibt und bei dem keiner ein Risiko eingeht – was für eine Rarität! Die Wizards senken ihre Payroll, die Bucks sorgen für den Sommer vor und rüsten nebenbei noch mit einem gestandenen Veteranen auf, die Cavaliers verjüngen sich und horten weiter Draft Picks.


Auf die laufende Saison hat dieses Hin-und-her-Geschiebe von Ergänzungsspielern und Picks keinen nennenswerten Einfluss, besonders die Bucks werden jedoch am 1. Juli mit Wohlwollen auf diesen Trade zurückblicken, wenn sie guten Gewissens ihrem zweitbesten Spieler, dem ehemaligen 2nd Round Pick Khris Middleton, einen Maximalvertrag vorlegen.

Vorteil: Cavaliers, Bucks und Wizards