18 Dezember 2018

18. Dez, 2018


Tis' the Trade Season. Der 15.12. ist überschritten und damit der Stichtag für eine Extraportion heißes Öl in der Gerüchteküche. Denn ab sofort sind 93% aller NBA-Spieler für Trades freigegeben. Bis zur Deadline am 7. Februar geht’s richtig zur Sache – und die Chefküche serviert wie gehabt die wichtigsten Deals mundgerecht.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick | 18. Dez, 2018


Der Trade von Trevor Ariza zu den Washington Wizards erreicht auf der Absurditätsskala der Association nicht ganz das Level des untersagten Chris Paul zu den Lakers-Trades im Jahr 2012, tendiert aber stark in diese Richtung.

Es bedurfte in besagten Wizards sowie den Phoenix Suns und Memphis Grizzlies schon drei der am dubiosesten geführten Teams der Liga, um sich derart vor den Augen der Öffentlichkeit zu blamieren. Nun ist dieser Trade gewiss nicht der erste, der kurze Zeit später gecancelt wurde und daher bei allen Beteiligten einen bitteren Nachgeschmack hinterließ. Die Art und Weise sucht dennoch seinesgleichen.

Wenn die Wizards, Suns und Grizzlies etwas aus diesem Debakel lernen, werden sie zukünftig auch bei Multi-Team-Trades immer direkt kommunizieren – genau das wurde hier unterlassen. Washingtons Verantwortliche vermittelten den Trade: Ariza von Phoenix nach Washington, Austin Rivers den umgekehrten Weg, Kelly Oubre von Washington nach Memphis und von dort aus nach Phoenix: Wayne Selden und – Brooks.

Welcher Brooks? Die Grizzlies haben zwei Spieler dieses Nachnamens im Aufgebot... und das ist der Knackpunkt. Der signifikante Unterschied: MarShon Brooks ist 29 Jahre alt, spielte von 2014 bis 2018 zunächst in Europa, dann in China, sein Vertrag läuft im Sommer aus und ob er dann noch mal in der NBA weiterbeschäftigt werden wird, ist keine Selbstverständlichkeit.

Dillon Brooks hingegen hat mit seinen 22 Jahren noch jede Menge Upside, er kam letztes Jahr als 2nd Round Pick zu den Grizzlies, schaffte im Rookie-Jahr direkt den Sprung in die Rotation und startete in 74 von 82 Spielen.

Kein Wunder also, dass die Suns gerne Dillon begrüßt hätten, die Grizzlies aber MarShon abzugeben gedachten. Weil besagte direkte Kommunikation nicht stattfand, erfuhren die Verantwortlichen der jeweiligen Seiten aus den Medien, dass ein anderer Brooks als gedacht involviert sein sollte.


Wer dieses Fiasko letztlich verursacht hat wird ein Geheimnis der Beteiligten bleiben, so oder so gehen alle als Verlierer vom Feld. Allen voran aber die Bären und ihr GM Chris Wallace, der Wayne Selden und MarShon Brooks zunächst zum Koffer packen schickte, um dies kurz darauf wieder rückgängig machen zu müssen.

Entsprechend verärgert kommentierte Wallace den gecancelten Trade als „unfassbar“. In Tennessee bleibt ein bitterer Nachgeschmack, Memphis spielte am folgenden Abend gegen die Houston Rockets, beide vermeintlich getradeten Spieler mussten aufs Parkett. Der Stimmung in der Umkleide hat diese Episode sicherlich keinen Gefallen getan.


Der Trade

Ohne die Grizzlies im Boot einigten sich die Suns und Wizards dann eben auf einen direkten Tausch. Ariza kehrt in die Hauptstadt zurück, von 2012 bis 2014 schnürte er bereits die Sneaker in der Hauptstadt. Die Suns bekommen in Oubre ein weiteres Talent für ihr Sammelsurium. Ihre Problemstelle Point Guard hingegen löst auch der zuletzt hauptberufliche Trainersohn Rivers (2,0 Assists pro Spiel) nicht, beide Seiten verständigten sich kurz nach dem Trade auf einen Buyout.

PHX: Kelly Oubre, Austin Rivers
WAS: Trevor Ariza



Suns

Gleich am ersten Tag der Free Agency 2018 verpflichtete Phoenix' Front Office, angeführt vom inzwischen entlassenen Ryan McDonough, Trevor Ariza von den Houston Rockets für einen beachtlichen 15 Mio. $ schweren Einjahresvertrag.

Ob McDonough und die Suns ernsthaft dachten, mit dem neuen Kern um Ariza, DeAndre Ayton sowie Devin Booker um die Playoffs mitzuspielen, oder ob sie ihn von Anfang an als Trade-Chip holten, bleibt offen. Zuzutrauen ist dieser Franchise alle beiden Szenarien und keines lässt sie besonders gut aussehen.

Ariza selbst kann selbstverständlich nicht der Vorwurf gemacht werden, diesen dicken Vertrag angenommen zu haben, immerhin fällt ein Großteil der Karriere des 33 Jahre alte Flügelspieler in eine Ära, in der die rund sieben bis acht Mio. $ Jahressalär, die er zuletzt verdiente, mindestens zum oberen Durchschnitt gehörten. In Zeiten von Timofey Mozgov, Chandler Parsons und Evan Turner ist es nur natürlich, dass ein so fähiger wie begehrter Veteran ebenfalls die großen Scheine sehen möchte.

Die Ernüchterung in Form der schnellen Eliminierung sämtlicher Playoff-Hoffnungen (7-24 Siege, abgeschlagener Letzter in der Western Conference) sowie die veränderte Rolle unter Coach Igor Kokoškov machten die Trennung unausweichlich. Die Suns müssen weiter auf die Zukunft blicken, Ariza schmeckt im Spätherbst seiner Karriere ein Team mit wenigstens gehobenen Ansprüchen sicherlich besser.

Somit tauscht Phoenix Ariza gegen Kelly Oubre, eine zehn Jahre jüngere, allerdings auch noch sehr rohe Version seines Vorgängers. Oubre hat (noch) keinen zuverlässigen Wurf und zumindest die Anlagen, ein solider bis guter Verteidiger zu werden, mutmaßlich hemmten die internen Auseinandersetzungen in der Hauptstadt seine Entwicklung.


Für Oubre sind die Suns somit eine Chance auf mehr Minuten sowie gestiegene Verantwortung. An der Seite von Booker (22) und Ayton (20) kann er Teil eines zukunftsträchtigen Teams werden. Die kommenden Monate entscheiden über die nähere Zukunft des 15. Picks 2015, Oubre wird im Sommer Restricted Free Agent, sodass für die Suns mit dieser Akquisition ein gewisses Risiko einher geht.

Da sie Austin Rivers bereits aus seinem 12,7 Mio. $ schweren Vertrag herausgekauft haben, stünden sie bei einem Abgang Oubres im Sommer praktisch wieder am Anfang, auf dem Stand vor der Verpflichtung Arizas, als wäre sie nie geschehen.

Dessen Abgang ist derweil zu verschmerzen, für mehr als dieses eine Jahr in der Wüste hätte er vermutlich ohnehin nicht unterschrieben – und Phoenix gewann alle drei Partien seit dem Trade. Nun bleiben ihnen die rund 50 Partien der Spielzeit 2018/19, um Oubre zu evaluieren.


Wizards

Schon beim Tausch Sam Dekker gegen Jason Smith war klar, dass das nicht das letzte Wort von GM Ernie Grunfeld in dieser Trade Season sein würde. Zu hoch die Personalkosten, zu gering die Siegesquote. Mit dem Deal um Ariza senkt Grunfeld die drohenden Kosten der Luxussteuer wieder ein wenig, hier geht es aber anders als beim letzten Deal vornehmlich um sportliche Gründe.

Denn nicht zufällig haben mindestens acht Teams in Phoenix angerufen, um Interesse am Haudegen zu hinterlegen. Ariza ist als 3&D-Wing für den heutigen Basketball wie geschaffen, er trifft den Dreier solide und kann vier Positionen verteidigen – Blake Griffin ebenso wie Russell Westbrook. Besonders in der Verteidigung macht er die oft zitierten vielen kleinen Dinge, die in keiner Boxscore auftauchen. Darüber hinaus gilt er als umgänglich und teamdienlich – das macht ihn zu einer Verstärkung, die sämtlichen 30 Teams der Association gut zu Gesicht stünde.


Und die wohl kein Team nötiger hat, als die Wizards. Ariza bräuchte schon Zauberkräfte (badumm-tss), um den zerstrittenen Locker Room auf eine Seite zu bringen. Zumindest auf einen positiven Einfluss vor allem auf die Starspieler Bradley Beal und John Wall darf Washington jedoch hoffen. An der Seite dieses Duos erreichte Ariza 2014, während seines ersten Laufs in der Hauptstadt, die Conference Semi-Finals. Weiter sind die Wizards ohne ihn nicht gekommen. Mit dem immer noch am Gesäß verletzten Dwight Howard spielte er zusammen bei den Rockets.

Ariza kennt also die Persönlichkeiten des Locker Rooms, ein Kulturschock wird ihn nicht treffen, er weiß, was ihn erwartet. Die Führungsetage der Wizards gibt mit seiner Verpflichtung ein klares Zeichen an die Mannschaft und an die restliche Liga: Einen Ausverkauf in Form eines Trades um erwähnte Stars soll es nicht geben.

Stattdessen geben die Wizards einen jungen Flügel ab, den sie mit ihrer überfüllten Payroll im Sommer sowieso nicht hätten bezahlen können und holen dafür einen Routinier, der im schlimmsten Falle im Sommer wieder abzieht, dabei allerdings besagte Payroll senkt. In der Zwischenzeit garantiert er deutlich mehr Stabilität und Zuverlässigkeit als sein Vorgänger Oubre oder auch als Otto Porter, um Washington (derzeit 12-19 Siege, Platz elf) zurück in die Playoff-Regionen zu hieven. In der Eastern Conference nicht utopisch.

Anders als Oubre ist Austin Rivers so gar kein Verlust, denn er wurde im Sommer auch nur geholt, um den noch teureren Vertrag von Marcin Gortat loszuwerden.


Fazit

Auch wenn angesichts der Blamage um den doppelten Brooks alle drei beteiligten Klubs Verlierer sind, ergibt der neue Deal für beide übrig gebliebenen Seiten Sinn. Denn die Suns und Wizards erhalten zumindest die Chance auf ein kurzfristiges respektive langfristiges Upgrade – genau das, was sie jeweils derzeit benötigen.

Sollte Ariza als 'glue guy' die Brände hinter den Kulissen der Zauberer tatsächlich löschen und mit ihnen einen Playoff-Run hinlegen, werden die Hauptstädter nachträglich noch zum Sieger dieses Deals.

Verlieren sie ihn aber im Sommer direkt wieder an die Free Agency – oder noch schlimmer, entfaltet Kelly Oubre in Phoenix sein Potential, profitieren die Suns trotz ihres mehr als fragwürdigen Managements um Teambesitzer Robert Sarver tatsächlich mehr von diesem Trade.

Vorteil: Suns