07 Januar 2019

7. Jan, 2019


Das neue Jahr ist da und somit der geeignete Zeitpunkt für den Blick zurück und voraus. Wer setzte 2018 seine Duftmarke und wer wird es 2019 tun? Was sollte sich in der NBA ändern? Die #NBACHEF-Redaktion schwelgt in Erinnerungen, wagt Prognosen und verkündet die Wünsche für das nächste Basketballjahr.

von NBACHEFSQUAD  | 7. Jan, 2019


Das NBA-Jahr 2018 bleibt in Erinnerung für...

Jan Wiesinger @WiesiG: Die Western Conference Finals, welche die tatsächlichen Finals (mal wieder) vorweggenommen haben und eine der besten und spannendsten Playoff-Serien der letzten Jahre darstellte. Die Rockets durften bis zum Schluss hoffen und der Ausfall von CP3 in Spiel 7 trug sicher auch seinen Teil zu ihrer Niederlage bei. Der vierjährige Super-Max für einen verletzungsanfälligen 33-jährigen Guard ist dennoch durch nichts zu rechtfertigen und wird den Rockets über 2020 hinaus negativ in Erinnerung bleiben.

Marc Lange @godzfave44: ... eine unerwartet ausgeglichene Liga. Was 2017 noch nach reinem Wunschdenken klang, wird langsam Realität. Im Westen spielen momentan, bis auf die Suns, noch alle (!) Teams um die Playoffs mit. Ob Post-Lob City Clippers, Denver Nuggets oder Milwaukee Bucks: Es ist ein frischer Wind in der NBA zu spüren. Die Aussage, dass „jeder gegen jeden“ gewinnen kann, war schon lang nicht mehr so valide wie in dieser Saison.

Torben Siemer @lifeoftorben: Drama, Baby, Drama. Beispiele? Gerne: Markelle Fultz und die unendliche Geschichte einer verletzten Schulter. Jimmy Butler schnappt sich drei Besenstiele und einen Balljungen und zieht damit die restlichen Starter der Timberwolves ab. Draymond Green, Kevin Durant und der Anfang vom Ende der Warriors-Dynastie. Rajon Rondo und Chris Paul und der Ausbruch eines lange brodelnden Konflikts. Die Wizards implodieren. Und das ist erst der Anfang...

Stefan Dupick @hoopsgamede: ... dafür, dass die Rockets in Spiel 7 der Conference Finals 18 (!) Dreier in Folge verworfen und somit den Einzug in die Finals und vermutlich auch den Titel verschenkt haben.




Ein Beitrag geteilt von Golden State Warriors (@warriors) am

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die (Conference) Finals zwischen den Warriors und den Rockets, geprägt durch das traurige Ausscheiden Chris Pauls, so kurz vor der Sensation. Welchen Stellenwert LeBrons Wechsel an den Pazifik haben wird, lässt sich erst in den nächsten Monaten und Jahren beurteilen, ein Gamechanger war er aber allemal, sowohl für die Lakers, als auch für die Cavaliers.


2019 wird ein gutes Jahr für...

Wiesinger: Den Osten der Liga. Ich nehme Toronto mittlerweile ebenso ernst wie die Bucks, die Celtics oder die Sixers. Auch wenn LeBron, der manifestierte Garant für Finalsiege von Ost-Teams, mittlerweile ebenfalls im Westen gelandet ist, so habe ich doch aktuell eine irrationale Hoffnung, dass der nächste NBA-Champion aus dem Osten schneller kommen könnte, als viele es aktuell für möglich halten mögen.

Lange: ... Luka Dončić! Der Slowene erobert in seiner Rookie-Kampagne die Herzen der Fans weltweit im Sturm. Das beweist auch das All-Star Voting, auf dem der 19-Jährige momentan auf Platz zwei der Forwards im Westen rangiert. Das ROTY-Rennen scheint zwar schon im Januar zugunsten von Dončić entschieden, aber der hochtalentierte Point Forward der Mavericks wird sich darauf im neuen Jahr sicherlich nicht ausruhen und noch einige Ausrufezeichen hinter seine bislang phänomenale Saison setzen.

Siemer: Giannis Antetokounmpo. Das vergangene Jahr war auch schon nicht schlecht, aber Giannis und die Bucks scheinen den nächsten Schritt gemacht zu haben. Der neue Head Coach Mike Budenholzer hat viele gute Ideen mit nach Milwaukee gebracht. Und Giannis hat sich angesichts seines immer noch wackligen Sprungwurfes offenbar dazu entschlossen, einfach alles und jeden mit zum Korb und aufs Poster zu nehmen. Aktuell steht Giannis laut CBS Sports bei 147 Dunks. Nur Rudy Gobert (150) hat mehr.


Dupick: ... das Team, welches für Anthony Davis tradet! Der Trade wird kommen, vermutlich eher im Sommer als in der laufenden Saison, aber AD wird noch 2019 in neuer Uniform zu bestaunen sein.

Schlechtriem: ... die Eastern Conference, denn wir bekommen einen neuen König des Ostens und vor allem ein frisches Finals-Matchup. Nach acht Jahren LeBron und Miami/Cleveland eine sehr willkommene Abwechslung. Das Rennen ist offen und angenehm unvorhersehbar wie lange nicht, ab den Conference-Semis werden Prognosen schwierig bis unmöglich. Die Liga braucht neue Superstars und die Playoffs 2019 bieten die Bühne etwa für Giannis Antetokounmpo oder Joel Embiid, um Geschichte zu schreiben.


2019 wird ein schlechtes Jahr für...

Wiesinger: 29 Teams, welche Zion Williamson im Draft verpassen. Der Hype-Train ist zwar schon in voller Fahrt, aber ich springe hier auf. Der Junge bring einfach herausragende Anlagen für einen im Jahr 2000 (!) geborenen Superathleten mit. Ich würde schon gerne vorspulen und ihn im Januar instant-draften.

Lange: ... die Cleveland Cavaliers. Machen wir uns nichts vor: Ohne LeBron James hat dieses Team in der NBA nichts zu melden. Das muss mit aller Härte so gesagt werden. Alles andere als die schlechteste Bilanz der Liga wäre am Ende der Spielzeit sogar als vermeintlicher „Erfolg“ zu verbuchen. In Ohio werden daher wohl schon in dieser Saison erste Schritte in Richtung Rebuild eingeleitet.

Siemer: Carmelo Anthony. Der Anti-Vince-Carter. Anders als der bald 42 Jahre alte Carter scheint Anthony noch nicht realisiert zu haben, dass seine Zeit als Franchise-Player vorbei ist. Während Carter den Wandel vom Superstar zum Rollenspieler geschafft hat, ist Melo erst in Oklahoma City und jetzt in Houston gescheitert. Das liegt sicher nicht allein an ihm – trotzdem könnte die 16. Saison seine letzte in der NBA gewesen sein. Auch wenn er einen solchen Abgang sicher nicht verdient hätte.

Dupick: LeBron James, denn nach acht Finals-Teilnahmen in Folge werden die Finals dieses Jahr ohne den König stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass die Lakers im Sommer in der Free Agency nachlegen können.

Schlechtriem: ... die Western Conference, denn gleich sechs Teams mit Anspruch oder Schlagdistanz auf die Playoffs werden Mitte April zu Zuschauern degradiert. Einzig die Phoenix Suns sind bereits definitiv eliminiert – und selbst den auf Rang 14 abgeschlagenen New Orleans Pelicans ist mit Anthony Davis als Anführer ein später Run auf Platz acht jederzeit zuzutrauen. Umgekehrt sind unter anderem LeBrons Lakers oder die Jazz als Conference Semi-Finalist des Vorjahres nicht felsenfest in der Postseason. Die Qualitätsdichte im Westen nimmt absurde Züge an und wird im Sommer seinen Tribut fordern. Vielleicht sogar einen Trade Davis'.



Der Neujahrsvorsatz der NBA

Wiesinger: Sport machen die Jungs in der Liga ja schon genug. Sie sollten es im neuen Jahr dabei gerne mal wieder etwas langsamer angehen. Die Pace (Ballbesitze pro Spiel) und dementsprechend auch die erzielten Punkte der Teams pro Spiel sind in der ersten Saisonhälfte unfassbar hoch. Zwar lässt sich ein Teil des Anstieges durchaus durch die verkürzte Shotclock nach offensivem Rebound erklären, grundsätzlich sind die Zahlen jedoch das Ergebnis eines immer schnelleren und dreierlastigeren Spielstils. Ich sehne mich nach Teams mit einer klaren defensiven Identität.

Lange: Liebe Referees... Get your s*** together! Ich weiß, ich weiß: Schiris sind auch nur Menschen. Jeder macht Fehler. Wir haben uns alle lieb. Aber was in dieser Saison bislang an e-i-n-d-e-u-t-i-g-e-n Fehlentscheidungen getroffen wurde, geht auf keine Kuhhaut mehr. Das negative Highlight hierbei ist die jüngste „Rettungsaktion“ von Kevin Durant, die den Warriors gegen die Rockets kurz vor Schluss die kurzzeitige Führung und fast noch den Sieg bescherte. Die beste Basketballliga der Welt mit den besten Spielern des Planeten braucht im neuen Kalenderjahr dringend wieder Schiedsrichter, die sich diesem Niveau anpassen.


Siemer: Weiter so! Das Talentlevel der Liga ist so hoch wie vielleicht noch nie. James Harden trägt die Rockets nahezu alleine in Richtung Heimvorteil, Giannis und die Bucks machen den nächsten Schritt zum Finals-Kandidaten. Die Toronto Raptors scheinen mit Kawhi Leonard endlich bereit für die Krone im Osten. Und dann ist da ja auch noch dieser LeBron James. Und Joel Embiid. (Hat da jemand Luka Dončić gesagt?)

Dupick: Wie in jedem Jahr wünsche ich mir eine kürzere Saison. Weniger Spiele führen zu mehr Trainingseinheiten der Teams und das führt dazu, dass z.B. ein Jimmy Butler schneller und einfacher in das Teamgefüge integriert werden kann.

Schlechtriem: Attraktivere Matchups zur europäischen Primetime, weniger Timeouts, weniger zehrend lange Rücksprachen mit Secaucus, insgesamt bessere Referees (Grüße an Kevin Durant und die Auslinie), ein leistungsgerechtes Playoff-System mit den 16 besten Teams der Association... die Vorsätze bleiben unverändert, ebenso die geringe Hoffnung, dass sie in nächster Zeit umgesetzt werden.


Mein Neujahrswunsch

Wiesinger: Lasst uns wieder mehr über's Sportliche diskutieren. Ich beobachte in der Liga eine zunehmende Boulevardisierung. Jede Aussage, jedes Instagram-Pic und jeder Tweet eines Spielers werden für teils abstruse Spekulationen ausgeschlachtet. Klar, 82 Spiele pro Team in der regulären Saison sind mühsam und auch an den Seitenlinien geschehen spannende Dinge. Aber falls es den Medien und aktiv kommunizierenden Fans langfristig nicht gelingen sollte, die sportlichen Leistungen wieder stärker zu akzentuieren, könnte die Saison vor den Playoffs zu einer Preseason-Zirkusveranstaltung degradiert werden.


Lange: Ich habe meinen Wunsch aus dem letzten Jahr nicht erfüllt bekommen. Vielleicht hilft es also, wenn ich es mir einfach noch einmal wünsche: eine 66-Spiele-Saison. Das 82-Spiele-Modell hat sich überholt und sorgt nicht für die gewünschte Attraktivität. Die Spieler werden verheizt und unnötigen Verletzungsrisiken ausgesetzt, bevor es erst richtig um die Wurst geht: in den Playoffs! Und was wären schon Playoffs ohne die Stars, die ihr Team dort überhaupt erst hingebracht haben?

Siemer: #FreeMaxi. Ja, Dirk braucht Spielzeit, um seinen Rhythmus finden. Ja, Dwight Powell muss spielen, um ihn für einen Trade ins Schaufenster zu stellen. Aber Maxi Kleber macht die Dallas Mavericks besser. Das Offensiv-Rating steigt um 8,8 Punkte, wenn der Würzburger auf dem Parkett steht. Das Defensiv-Rating ist um 10,5 Punkte besser. Macht einen Umschwung von mehr als 19 Punkten, wenn Kleber spielt. Gebt dem Jungen Spielzeit...

Dupick: Spannende Finals! Da die Warriors derzeit etwas schwächeln, wächst meine Hoffnung, dass eine Finals-Serie gegen die Celtics, Raptors oder 76ers über sechs oder gar sieben Spiele gehen könnte.

Schlechtriem: Spannung in den Playoffs, denn Sweeps und einseitige Serien hatten wir in den letzten Jahren mehr als genug. Vergangenen Juli war die Titelverteidigung der Warriors mehr oder minder schon gebucht und auch wenn sie aktuell nicht in Fahrt kommen, fehlt die Vorstellungskraft, dass irgendwer ihren Streak von vier Finals in Folge brechen könnte. Immerhin wird der NBA-Champion 2019 nicht wieder in den Western Conference Finals entschieden. Außerdem, wie immer: Die Rückkehr der Sonics. Es wird Zeit!