24 Januar 2019

24. Jan, 2019


Bis zum 7. Februar können Spieler noch getradet werden. Ein Kandidat der für viele überraschend auf der Liste steht ist Dennis Smith Jr. Nach etwa 18 Monaten in Dallas, stehen die Zeichen auf Abschied. Doch Dallas will ihn nur bei passendem Angebot ziehen lassen. Wir schauen uns an, was die Mavericks auf dem Markt für den 21-Jährigen bekommen können.

von Jan Husmann @JanOnOne | 24. Jan, 2019


Die NBA ist ein schnelllebiges Geschäft und Spielern wird dies schon in jungen Jahren bewusst. Vor gut 18 Monaten schien Dennis Smith Jr. noch die Zukunft oder zumindest ein großer Teil dieser bei den Dallas Mavericks zu sein. Doch nach der Ankunft des slowenischen Heilsbringers Luka Dončić, steht DSJ nun kurz vor seinem Abschied aus Texas.

Wie ein Kind, das ein neues Spielzeug bekommen hat und deshalb seinen vorherigen Favoriten nie wieder rauskramt, haben die Mavs Smith Jr. degradiert. Der erste Blick auf seine Zahlen lässt zunächst auch den logischen Schluss zu, dass Smith bereits in seiner zweiten Saison keine Zeichen von Entwicklung zeigt. Er legt weniger Punkte, Assists und Rebounds auf, während die Zahl seiner Turnover sogar gestiegen ist. Besonders bei einem Spieler wie Smith, dessen Hauptverkaufsargument zum Zeitpunkt des Drafts sein Potenzial war, ist diese Entwicklung alarmierend.

Doch die Mavs sind auch keinesfalls unschuldig an dieser Entwicklung. Nicht nur die Minuten wurden von 29,7 auf 27,7 gekürzt, auch seine Usage ist von 28,9 % auf 22,8 % gesunken. Dabei konnte Smith sogar seine True-Shooting-Percentage von 47,3 % auf 53,4 % erhöhen. Sein letztes Jahr noch wackeliger Dreier fällt dieses Jahr mit einer soliden Quote von 37,5 %.

Effizienter im zweiten Jahr

Ein Spieler wie Smith, der sein ganzes Leben lang davon lebte, den Ball in der Hand zu haben, könnte dazu neigen, bei weniger Möglichkeiten auch schwerere Würfe zu forcieren. Doch stattdessen hat der 21-Jährige seine Wurfauswahl rundum verbessert. Er nimmt weniger Würfe denen drei oder mehr Dribblings vorausgehen und nimmt stattdessen mehr Catch-and-Shoot Möglichkeiten wahr. Er eliminiert einen Teil der ineffizienten Mitteldistanzversuche und probiert sich stattdessen an mehr Dreiern, die er wie bereits erwähnt auch noch zuverlässiger trifft.


Und dennoch steht der neunte Pick des 2017er Drafts in Dallas auf der Abschussliste. Zuletzt entfernte er sich für eine Woche von den Mavs unter dem Vorwand von Übelkeit. Zwar betonen Smith und das Mavericks-Management weiterhin, es gab keine Trade-Anfrage von Dennis Smith Jr. persönlich, der am Wochenbeginn zurückkehrte, jedoch scheint eine Trennung zu diesem Zeitpunkt unvermeidlich.

Smith bekam im letzten Jahr den Eindruck vermittelt, der Grundstein für den Aufbau einer Zukunft in Dallas zu sein. Nachdem der Fokus in dieser Saison jedoch auf dem ein Jahr jüngeren Doncic liegt, scheint in der Kommunikation der Rollen etwas falsch gelaufen zu sein. DSJ ist noch jung und hofft nun auf einen Neuanfang an anderer Stelle. Ein Markt sollte für einen Spieler seines Kalibers mit einem sehr teamfreundlichen Rookie-Vertrag immer da sein. Jedoch wird vonseiten der Mavs betont, den jungen Poin Guard nur gehen zu lassen, wenn der Preis stimmt. Doch wie sieht ein gerechtfertigter Preis aus?

Der Wert von Smith ist schwer festzustellen. Spieler in seinem Alter unter Rookie-Verträgen werden auf dem Trade-Markt oft nur dann verfügbar, wenn sie einen klassischen Fehlstart in ihre Karriere hingelegt haben. Doch das ist von ihm nicht zu behaupten. Stattdessen scheint er lediglich in der falschen Situation zu sein.

Während es einen allgemeinen Überschuss an mittelmäßigen Point Guards in der Liga gibt, ist die Kombination aus Potenzial und günstigem Vertrag für einige Teams in der Liga faszinierend. So berichtet Adrian Wojnarowski letzte Woche, dass die Phoenix Suns und Orlando Magic an Smith dran seien. Auch die New York Knicks und Chicago Bulls sollen interessiert sein. Doch schauen wir uns einmal an, was die genannten Teams ihrerseits zu bieten habe.


Wie könnte ein Trade aussehen?

Orlando bringt den derzeit wohl interessantesten Gegenwert mit, der in der Gerüchteküche besprochen wird. Aaron Gordon rief in Orlando nie sein gesamtes Potenzial ab und mit Jonathan Isaac steht ein noch jüngerer Spieler bereit, ihm den Rang abzulaufen. Das Problem an Gordon ist, dass er erst im Sommer seinen Kontrakt um vier Jahre verlängert hat und seitdem mehr als 20 Mio. $ im Jahr verdient. Ein direkter Tausch von Gordon und Smith wäre somit nicht möglich und für Orlando wohl auch zu wenig.

Denkbar wäre ein Trade, der neben Dennis Smith Jr. auch Wesley Matthews und einen zukünftigen, beschützten Erstrunden-Pick (frühestens 2021) nach Orlando schickt. Im Gegenzug würde Gordon von nun an für das Team aus Texas auflaufen. Gordon könnte von Dončićs elitärem Playmaking profitieren, das in Orlando in seiner Zeit nie vorhanden war und die Magic bekommen neben Smith Jr. und dem Pick auch noch mehr Gehaltsspielraum im kommenden Sommer.


Auch die Knicks sollen an Smith interessiert sein. Ein Tausch, der für beide Seiten Sinn ergeben würde, wäre ein Tausch der 2017er Draft Picks, der Frank Ntilikina nach Dallas schicken würde. Den Knicks wird der Deal noch versüßt in dem Wesley Matthews gegen Tim Hardaway Jr. getauscht wird. Damit befreien die Knicks sich von 18 Mio. $ Gehalt im Sommer, wenn sie Jagd auf Namen wie Kevin Durant und Kyrie Irving machen wollen.

Wer Dennis Smith Jr. in Chicago sehen will, für den habe ich noch eine kreativere Lösung. So könnten die Mavs und Bulls gemeinsam mit den Houston Rockets einen Drei-Team-Deal einfädeln, der Dennis Smith Jr. und Brandon Knight nach Illinois schickt, den Mavs einen Erstrunden-Pick der Rockets und ein Zweitrunden-Pick der Bulls beschert und Robin Lopez in Houston anheuern lässt, der die Lücke des verletzten Clint Capela schließen soll.


Die großen Deals, die in den letzten Jahren über die Bühne gingen, waren jedoch oft kaum vorhersehbar. Ob DeMarcus Cousins nach New Orleans, Kawhi Leonard nach Toronto oder Blake Griffin nach Detroit. Auch im Fall Dennis Smith Jr. ist es durchaus möglich, dass ein Team aus dem Nichts kommt und daher sind alle durchgespielten Szenarien reine Spekulation.

Eine Trennung scheint jedoch bevorzustehen und die Kommentare der Mavs DSJ behalten zu wollen, wirken lediglich wie Versuche seinen Marktwert am Leben zu halten. In den nächsten zwei Wochen muss allerdings noch einiges an Bewegung kommen, damit die Deadline mit der Aufregung des letzten Jahres mithalten kann.