04 Februar 2019

4. Feb, 2019


Die NBA Trading Deadline steht vor der Tür. Seit Wochen tauchen immer wieder hochkarätige Namen als potenzielle Tauschobjekte auf. Fast jedes Team hat Motivation für mindestens einen Deal - sei es, um sich personell zu verstärken, Draft-Picks einzukaufen oder Geld zu sparen. Wie jedes Jahr hat die #NBACHEF-Redaktion die Trade-Maschinen angeschmissen und fünf mehr oder minder spektakuläre Fake-Trades kredenzt. Es ist angerichtet...

von NBACHEFSQUAD  | 4. Feb, 2019

Trade 1: Celtics – Cavaliers – Heat

BOS: Goran Dragić, Kelly Olynyk, Wayne Ellington
CLE: Hassan Whiteside, Terry Rozier, 2019 1st Rd. Pick (MIA)
MIA: Gordon Hayward, Kevin Love


Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Heat stecken im Dilemma. Teurer Kader, sportliches Mittelmaß, keine Perspektive – und im Sommer verlieren sie ihre größte Ikone. Da das Wörtchen „Rebuild“ im Wortschatz von Pat Riley nicht vorkommt, schärft er sein rituelles Opfermesser und trennt sich von einem saftigen Stück Gegenwart und Zukunft, um ein kompetitives Team auf dem (zugegeben nicht ganz stabilen) Fundament Gordon Hayward und Kevin Love aufzubauen. Beide sind teuer und verletzungsanfällig, dafür auch kampferprobt und langfristig unter Vertrag. Bei den strauchelnden Kelten steht Addition durch Subtraktion auf dem Speiseplan: Sie werden Haywards wuchtigen Vertrag zugunsten ihrer Youngster Jayson Tatum und Jaylen Brown los, müssen zudem Rozier im Sommer nicht bezahlen respektive ihn ohne Gegenwert ziehen lassen. Dafür erhalten sie in Dragić einen erfahrenen Playmaker, der als Backup ebenso wie als Nebenmann (oder notfalls auch Ersatz) Irvings funktioniert, außerdem Rückkehrer Kelly Olynyk als Absicherung auf den großen Positionen sowie in Wayne Ellington einen routinierten Shooter. Wenn der oberste Kobold Danny Ainge statt Ellington lieber ein wenig Cap spart oder einen der Johnsons in grün sehen möchte, lässt sich das auch bewerkstelligen. Boston nimmt so oder so etwas Druck vom Kessel, spart eine Menge Geld und behält alle wichtigen Ammos für die Jagd auf Anthony Davis im Sommer. Die Cavaliers kassieren für Love die unerlässlichen Zutaten im Neuaufbau: Einen Erstrunden-Pick sowie in „Scary Terry“ einen jungen Spieler mit Upside. Als weitere Gegenleistung absorbieren sie Hassan Whitesides überteuerten Kontrakt, den sie diesen Sommer gegebenenfalls weiter verfrachten oder abstoßen.

Christoph Lenz: Die besonderen Umstände aller drei Teams machen den Gesamt-Deal weder unrealistisch, noch unfair für irgendeines der beteiligten Teams. Auf den ersten Blick kämen die Heat hier sehr gut, vielleicht zu gut, weg. Der Move wäre „Pat Riley af“ und absolut im Interesse der Heat. Auch die Cavs könnten mit diesem Gegenwert für Kevin Love sicher absolut leben. Das Haar in der Suppe dürfte am ehesten am Ende der Celtics liegen. Sicher ist Dragić anstelle von Rozier ein tolles Update, aber Dragić muss erstmal von seiner Verletzung zurückkommen und müsste sich dann im neuen Team in ungewohnter Rolle zurechtfinden. Dafür dann Trainer-Liebling Gordon Hayward, der nach seiner Verletzung sicher noch nicht bei einhundert Prozent ist (die Entwicklung von Paul George zeigt, dass der Weg zurück noch viele Monate dauern kann) zu opfern, wäre ein extrem hoher Preis. Boston muss nicht auf Teufel komm raus dieses Jahr einen Push erzwingen, Hayward könnte direkt oder indirekt während oder nach einem Anthony Davis Trade wichtig sein, diese Rolle dürfte Dragić nicht einnehmen können. Eine abgespeckte Variante um Love und Whiteside scheint mir insgesamt realistischer.

Jan Husmann: Es ist an Tragik kaum zu überbieten, Brad Stevens und Gordon Hayward nach einem Jahr wieder zu trennen. Es bedürfte schon eines besonders herzlosen GMs. Glücklicherweise ist Danny Ainge genau das, also ist die menschliche Komponente kein Thema in diesem Fall. Viel mehr steht die Frage im Raum, auf welches Level Gordon Hayward nach seiner Verletzung vor nunmehr 16 Monate zurückkehren kann. Selbst wenn er nie wieder seine besten Zeiten in Utah replizieren kann, können auch 90% davon den Celtics eine größere Titelchance bringen, als Kelly Olynyk und Wayne Ellington. Da hilft auch nicht das Upgrade von Terry Rozier auf Goran Dragić. Die Heat sehnen sich wieder nach Star-Power in South Beach und sind daher begeistert von dem Trade und die Cavs sind hauptsächlich froh, für Kevin Love überhaupt etwas Zählbares zurückzubekommen.

Anno Haak: Herrn Dumitrus Gespür für meinen Schnee vom letzten Jahr dürfen Sie gern hier einsetzen. „Riley af“ trifft. Einen völlig überbezahlten Durchschnittsballer für zwei völlig überbezahlte „knapp-über-Durchschnitt“-Baller. Die Zeiten, in denen Riley die Liga vorführte sind so alt wie Dwyane Wade. Und Cleveland wird nicht den (dümmlicher Weise) zum Franchise-Spieler hochgejazzten Love für einen miesen Deal und einen mediokren Pick aufgeben. Miamis Dilemma müsste schon jemand anderes lösen.

Seb Dumitru: 'Trader Danny' geht dieses Gamble ein, ohne einmal darüber schlafen zu müssen. Pat Riley hingegen hat seinen magischen Touch längst verloren. Das haben die Deals und Akquisitionen der letzten Jahre deutlich bewiesen. Die Heat sind ein mittelmässiges Team in der Cap-Hölle. Hassan Whiteside und Goran Dragić durch Kevin Love und Gordon Hayward zu ersetzen wäre natürlich genau nach dem Geschmack des Basketball-Godfathers in Miami... aber zieht Cleveland da mit? Ist ein volatiler Big Man und ein Free-Agent-to-be, der dieselbe Position wie dein bester Nachwuchsspieler (Collin Sexton) bemannt, plus mittlerer Pick, verlockend genug, um deinen besten Trade Chip (Love) zu verscherbeln? Ich sage Nein... und warte lieber auf bessere Angebote in den nächsten Monaten/Jahren.


Trade 2: Grizzlies – Spurs – Raptors

MEM: Pau Gasol, O.G. Anunoby, Delon Wright, Dante Cunningham, Quincy Pondexter, 2019 1st Rd. Pick (TOR via SAS)
SAS: Jonas Valančiūnas, Garrett Temple, 2019 2nd Rd. Pick (TOR)
TOR: Marc Gasol, Omri Casspi


Christoph Lenz @NBAKenner: Dieser Trade mit dem Arbeitstitel „Die große Gasol-Rotation“ nutzt die unterschiedlichen Needs der beteiligten Teams um ein Win-Win-Win-Szenario zu generieren. Für die Memphis Grizzlies scheint ein Gasol-Trade in der aktuellen Phase, die Probleme sowohl On-Court als auch Off-Court mit sich bringt, der nächste logische Schritt. OG Anunoby passt zur Grizzlies-Identität, Delon Wright kann sich als Point Guard Nummer drei in Toronto nicht wirklich entfalten und könnte in größerer Rolle zum Conley-Nachfolger aufgebaut werden. Der Vertrag von Pau Gasol ist nächstes Jahr nur teilweise garantiert, eine Rückkehr zu seinen NBA-Wurzeln wäre eine nette Feelgood-Story und würde seine großartige Karriere abrunden. Toronto opfert ein wenig Zukunft um das vielleicht einzige Jahr mit Kawhi Leonard zu maximieren und erhält mit Marc Gasol ein Center-Upgrade an beiden Enden des Spielfelds. Casspi als Bonus hilft, den Anunoby-Abgang aufzufangen. Für San Antonio wäre Jonas Valančiūnas eine Unterstützung im extrem dünnen Frontcourt, ein weiterer Europäer, der damit genauso in die Spurs-Philosophie passt wie der Parade-Rollenspieler Garrett Temple. Die Spurs könnten ihre Playoff-Jagd intensivieren und zahlen dafür neben einigen „Salary Fillern“ (zu denen aktuellen leider auch Pau Gasol zählt) den sehr späten Toronto-Pick, werden aber im Gegenzug mit einem Second Rounder entschädigt.

Husmann: Memphis schnappt sich einen Erstrunden-Pick und zwei junge Talente und gibt dafür ein Asset ab, das verletzungsanfällig und spätestens im nächsten Jahr überbezahlt ist. Aus Sicht der Grizzlies liebe ich den Trade. Sie müssen komplett neu aufbauen. Jackson, Anunoby und Wright sind da ein guter Start. Für San Antonio hängt der Deal davon ab, ob sie glauben, zum Ende der ersten Runde einen Spieler von Valančiūnas Kaliber bekommen zu können. Tendenz: Nein. Daher liegt der Deal in den Händen von Masai Ujiri. Gasol ist ein Upgrade über dem Litauer, aber O.G. Anunoby und Delon Wright sind so etwas wie der Backup-Plan für einen Rebuild, falls Kawhi im Sommer tatsächlich gehen sollte. Das Risiko, nach der Saison mit leeren Händen dazustehen, ist meines Erachtens zu groß, da die Chancen auf den Titel dadurch auch nur bedingt steigen.

Haak: Das ist – bei allen Problemen, die Gasol, der Jüngere inzwischen verkörpert – zu wenig für Elvistown. Feelgood hin, Pondexter her. Da bleibt auf Sicht nichts, aber auch gar nichts über für die Grizz außer einem späten 20er Pick. Ich will Gasol da auch nicht mehr sehen, aber für eine Packung Gummibärchen wird man ihn nicht da raus bekommen. Popovich könntest Du für so einen Trade wahrscheinlich sogar zu Beginn jedes Viertels andrehen, aber... nein.

Dumitru: Es ist vermutlich zu jedem durchgedrungen, dass Masai Ujiri nicht risiko-avers ist und sofort all-in gehen würde, wenn er die Championship-Chancen der Raptors maximieren kann. Der Raps-Präsi werkelt im Hintergrund an einem Trade – allerdings sind alle jungen Spieler, die er über die Jahre akkumuliert hat, für einen Superstar reserviert: Anthony Davis. Bei aller Liebe also für Marc Gasol: der bald 35-Jährige hat stark abgebaut und würde an Torontos Plafond viel zu wenig verändern, um dafür JV, Wright und Anunoby abzudrücken. Sollte Kawhi nämlich im Sommer entscheiden, dass es ihm in T-Dot doch zu kalt ist, zündet Ujiris Plan B: Rebuild! Und dafür braucht er die Youngster.

Schlechtriem: Christophs Faszination für den doppelten Gasol bleibt ungebrochen. Meine Begeisterung hält sich dagegen in Grenzen. Toronto würde das sicherlich machen, unter der Voraussetzung, dass Marc einen Opt-In im Sommer verspricht. Für die anderen zwei Teams schaut's dagegen nicht so rosig aus: Die Spurs haben wenig Verwendung für Valančiūnas, sie sollten lieber auf Jakob Pöltl setzen. Und auch wenn Pau in Memphis einen Kreis schließt und die Herzen der Basketballromantiker höher schlagen lässt, will Memphis' Gegenwert in Person von Anunoby und einem sehr späten Pick plus einer großen Menge Gar Nichts nicht so richtig überzeugen.


Trade 3: Pistons – Grizzlies – Magic

DET: Mike Conley
MEM: Nikola Vučević, Terrence Ross, Luke Kennard
ORL: Reggie Jackson, Langston Galloway, Stanley Johnson


Jan Husmann @JanOnOne: Die Pistons gehen All-In und geben ihre halbe Rotation für Mike Conley, inklusive 94 Mio. $ Vertrag auf. Mit der Achse Conley-Griffin-Drummond in Kombination mit dem amtierenden Coach of the Year glauben die Pistons an ihre Chance auf die Eastern Conference Finals. In Memphis hingegen ist man froh, Conleys Arbeitspapier losgeworden zu sein, ohne selbst langfristige Verbindlichkeiten zu erhalten. Außerdem kommt in Luke Kennard ein junger Spieler mit Potenzial, dessen Fähigkeit Dreier zu werfen in Memphis ungeahnte Räume öffnen kann. Ross und Vučević sind nette Spieler für die nächsten 30 Partien, dürften aber nicht in den Langzeitplänen der Music City verankert sein. Orlando kann mit Jackson und Galloway den dringenden Point Guard Bedarf füllen und öffnet mit Vučevićs Abgang Spielzeit für Mo Bamba. Außerdem bekommt Stanley Johnson in Florida die Chance, seine Karriere in die richtige Bahn zu lenken.

Haak: Ich will ehrlich sein, in der NBA spielen 30 Teams, ich muss mein Interesse sorgsam verteilen. Das sind drei Teams, die aktuell komplett durchs Raster fallen, und das hat Gründe. Orlando agiert seit Jahren kopfloser als der Drehbuchautor von „Frozen“ und bei den Pistons fällt mir statt Reggie Namensvetter Sam L. Jackson in „Die hard with a vengeance“ ein: „Nicht mal Gott weiß genau, was Du tust!“ Für Memphis ist auch das für den Co-Franchise-Player zu wenig. Geld sparen macht immer Spaß, genau wie Kennard. Wenn der Gegenwert Chandler Parsons wäre, würde das reichen. Für Conley nicht.

Dumitru: Mike Conley nach Detroit passt natürlich ausgezeichnet: die Pistons wären ein besseres Team - was nicht nur die Prognose hier (+5 Siege) illustriert, sondern bereits die simple Subtraktion von Reggie Jackson aus dieser funktionsgestörten „Einheit“ bewerkstelligen würde. Das Problem sind die anderen beiden Klubs: Orlando lässt sich Jacksons Deal ans Bein binden, um Vučević und Terrence Ross loszuwerden? Ihre Deals laufen aus, aber für All-Star Vučević ist auf dem Markt viel mehr zu holen als dieses Meh-Paket aus dem Ein-Euro-Shop. Und Memphis? Keine Draft-Picks? Keine Spieler mit Upside? Kennard ist weder ein Shooter noch ein junges Talent. Da gibt's mindestens zehn andere, bessere Angebote für Conleys Dienste.

Schlechtriem: Conley bei den Pistons und Coach Casey gefällt mir – die hiesige Umsetzung aber nicht. Vučević spielt eine zu gute Runde, um als Dreingabe verschachert zu werden. Da bekommt Orlando sicherlich mehr angeboten als Detroits Ersatzteillager. Ohnehin sollten die Magic sofort auflegen, sobald der Name Reggie Jackson fällt. Disneyland will zurück in die sportliche Relevanz, dafür braucht es einen (jungen) Point Guard von Format – und keinen verletzungsanfälligen Backup, der noch bis 2020 wie ein Starter bezahlt wird. Die Ausbeute der Bären erscheint mir auch dürftig, denn mit Vooch und Ross können sie nichts anfangen und Conley sollte trotz fortgeschrittenen Alters und Verletzungssorgen doch etwas mehr einbringen, als einen Perspektivspieler und zwei auslaufende Verträge.

Lenz: Ein Traum von einem No-Brainer für die Detroit Pistons in ihrer aktuellen Situation. Memphis könnte sich angesichts der scheinbar sehr dünnen Marktlage für Conley den Deal ebenfalls schönreden und daran glauben, dass Kennard in einer neuen Umgebung aufblühen kann. Doch selbst dann sind Vučević und Ross in keinster Weise interessant für diese Version der Grizzlies. Der Trade scheitert aber ganz speziell an Orlando, für die Vučević und Ross sicher besseren Gegenwert auf dem Markt einbringen als Stanley Johnson und der negative Wert von Reggie Jackson. Selbst wenn der Markt das nicht hergäbe, scheint das Fünkchen der Playoff-Hoffnung groß genug, um die Saison im Status Quo zu beenden.


Trade 4: Hawks – Lakers – Grizzlies

ATL: Brandon Ingram, Rajon Rondo, Kentavious Caldwell-Pope
LAL: Mike Conley
MEM: Kent Bazemore, Jeremy Lin, Ivica Zubac, 2019 1st Rd. Pick (top-3-protected, sonst 2020 unprotected; ATL), 2022 1st Rd. Pick (OKC via ATL)


Anno Haak @kemperboyd: It's win now (or never, really) in LeLeBron Land. Die Blütenträume von einem zweiten Superstar sind zerstoben, Kawhill nicht, PG wollte nicht und kann nicht mehr, Anthony Davis ist verletzungsanfälliger pie in the sky, Durant keine gute Idee. Zeit, sich auf mach- und verfügbare Lösungen mit (nahezu) All Star Niveau zu konzentrieren. Auftritt: Mike Conley, der Jüngere. Im Gegenzug gibt es für Memphis zwei Erstrundenpicks, auslaufende Verträge und ein Jungprojekt. Neuaufbau-Trias eben. Die Hawks geben Ingram die (letzte) Chance, ein (Co-) Franchiseplayer zu werden.

Dumitru: Mike Conley ist der beste Western Conference Point Guard, der niemals den Sprung ins All-Star Team schaffen wird, solange er in der linken Conference antritt. Für die Lakers wäre er eine willkommene Addition im Kampf um einen Playoff-Spot. Allerdings verlöre Purple & Gold durch diesen Deal nicht nur einen Großteil der Trade-Chips im Rennen um einen gewissen All-NBA Davis in New Orleans, sondern auch zu viel Tiefe im ohnehin schon qualitativ zu dünn besetzten Kader. Koppelt dieser Trade an einen zweiten an, der einen echten Star nach Tinseltown lotst, höre ich vielleicht zu. Für Conley hingegen erscheint dieser Preis viel zu hoch.

Schlechtriem: Kandinsky hält sich in diesem Werk bemerkenswert minimalistisch und übersichtlich. Er fixiert sich in diesem Werk stark auf lila-goldene Wunschträume und fordert den geneigten Kunstfreund doch mit brennenden Fragen. Erstens: Die Grizzlies haben den Lakers damals Pau Gasol in seiner Prime serviert, warum sollten sie Los Angeles noch mal einen so riesigen Gefallen tun, wenn sie Conley auch bequem in den Osten traden können? Zweitens: Picks für die Bären sind eine gute Basis, doch wieso Bazemores Vertrag übernehmen, für den sie so gar keine Verwendung haben (für Lin übrigens auch nicht)? So dumm wären nur die Hawks selbst (vgl. Anthony, Carmelo). Und apropos... Drittens: Für einen GM, der Trae Young vor Luka Dončić wählt, mag es eine gute Idee sein, sich Ingram ans Bein zu binden. Deshalb würden die Hawks wahrscheinlich sogar zusagen, obwohl die Picks eigentlich vielversprechender sind. Weil Memphis in der Vergangenheit allerdings ebenfalls zu häufig keine sonderlich klugen Entscheidungen getroffen hat, weiß ich an der Stelle gar nicht, ob der Daumen – gespiegelt auf die reale Wahrscheinlichkeit – tatsächlich unten bleibt... herrje.

Lenz: Kurz und knapp: Die LeBron-Lakers werden sich den Weg zum Superteam nicht verbauen, indem sie einen guten, aber nicht sehr guten Spieler wie Mike Conley zu den genannten Konditionen addieren. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt.

Husmann: Die Lakers sind (noch) nicht in der Position für derartige Verzweiflungsakte. Zwar wäre Mike Conley eine gute Option, um die zweite Saisonhälfte zu retten, aber man baut sich damit gleich zwei Möglichkeiten für den Sommer zu. Zum einen fehlt das Geld um nach den großen Fischen (KD, Kawhi, Kyrie) zu angeln, zum anderen würde man in Ingram das Herzstück eines potenziellen Anthony-Davis-Trades abgeben. Die Lakers als Organisation sowie ihre Fans werden spätestens im Sommer ungeduldig sein, bis dahin sollte bis auf AD kein langfristiger Vertrag aufgenommen werden.


Trade 5: 76ers  Pelicans

PHI: Jrue Holiday, Nikola Mirotić
NOP: Jimmy Butler, Markelle Fultz, Landry Shamet, Jonah Bolden, 2019 1st Rd. Pick (PHI)


Seb Dumitru @nbachefkoch: Die New Orleans Pelicans haben beschlossen, Anthony Davis zu traden. Das bedeutet natürlich, dass der Reset-Knopf ganz durch gedrückt werden muss! Auslaufende Verträge wie der von Nikola Mirotić, Julius Randle (Player Option) und Elfrid Payton werden hart geshoppt. Jrue Holiday möchten die Pels um jeden Preis behalten – dass Jrue aber Lust hat, durchs tiefe Rebuild-Tal zu stampfen und 60-plus Niederlagen einzusammeln, kann niemand von ihm erwarten. Also schickt ihn New Orleans zurück nach Philly, wo seine NBA-Karriere begann. Stretch-Big Mirotić steht ohnehin weit oben auf dem Wunschzettel der 76ers, die durch diesen Deal ihre kurz- und mittelfristigen Aussichten verbessern. Im Gegenzug kommen mit Markelle Fultz und Landry Shamet zwei Youngster für die Zukunft, ein Erstrunden-Pick (alternativ der aus Miami 2021)... und Jimmy Butler, der in der Stadt der brüderlichen Liebe die Gastfreundschaft überstrapaziert hat, den Pelicans aber als weiterer Trade-Chip gut ins Konzept passt.

Schlechtriem: Als ich den Namen Jimmy Butler gelesen habe, wollte ich direkt den Rotstift ansetzen. Nun leben wir aber in Zeiten, in denen ein Einhorn für besseren Ramsch getauscht wird, daher lohnt sich doch der genauere Blick. Für die Sixers wäre Holidays Addition ein Lotteriegewinn, Jrue im Zusammenspiel mit Embiid und Simmons ein Traum. Allerdings hinterließe Butlers Abgang eine zu große Lücke auf dem Flügel (Wer soll ihn ersetzen? Wilson Chandler?), sodass ein weiterer Trade herhalten müsste. Sich auf den Buyout-Markt zu verlassen, wäre grob fahrlässig. Auch bei den Pels lassen sich die Zweifel nicht wegwischen. Fultz und Shamet wären im Rebuild definitiv einen Versuch wert, Picks sind in ihrer Situation sowieso willkommen. Der wichtigste Part, Butler, wird jedoch im Sommer Free Agent (Player Option) und in dieser Shitshow in Louisiana kaum verlängern. So kurzfristig einen weiteren Trade einzufädeln und aus diesem letztlich als Gewinner rauszugehen erscheint mir schwierig, deshalb müsste der vorliegende Deal erweitert werden um ein drittes Team, das Butlers Launen erträgt und ihn langfristig bindet, dazu den Pelikanen weitere Assets für die Zukunft auf den Tisch legt.

Lenz: Alles in Allem ist der Deal für beide Seiten nachvollziehbar und beide Teams könnten in den nächsten zwei bis drei Jahren als „Gewinner“ aus diesem Szenario hervorgehen. Allerdings stehen dafür auf beiden Seiten zu viele Fragezeichen, als dass es wirklich zu so einem Trade kommen würde. Welche Auswirkungen hätte der Butler-Abgang und damit verbundene erneute Umbruch auf die Sixers? Hat Markelle Fultz überhaupt eine Zukunft in der Liga? Wegen dieser und weiterer Fragen ist für beide ein Festhalten am Status Quo die bessere Variante als Sebs Vorschlag.

Husmann: Der Spieler, dessen Trade zu seiner Zeit „The Process“ gestartet hat, wird zurück nach Philadelphia geholt. Und das in spektakulärer Art und Weise. Für die Pelicans mag ich den Deal, da er sowohl kurzfristig Star-Power nach Louisiana holt, gleichzeitig aber Perspektive für die Zukunft bereithält. Allerdings bin ich nicht davon überzeugt, dass die Sixers das Experiment mit Butler so schnell wieder aufgeben sollten. Butlers Scoring vom Flügel bietet ihrem Spiel eine Dimension, die weder Holiday noch Mirotić ersetzen kann. Bis April hat Philly Zeit ihre Big Three für die Playoffs fit zu machen. Bis dahin erwarte ich keine Veränderungen dieser Art.

Haak: Weiß nicht, ob die Sixers so viel Angst vor dem Butler Abgang haben. Holiday ist eine Verletzung entfernt davon, den schlechtesten Vertrag der Liga nach John Wall zu haben und Mirotić führt eine On/Off Beziehung mit gutem Basketball. Auf diesen 40 Mio. $ Gamble sollen die Sixers dann noch einen Pick obenauf schichten? Nein.