23 Februar 2019

23. Feb, 2019


von LUCAS KRÖGER @kicktherim & MAX SEELINGER @urboimacks | 23. Feb, 2019

Die Top-Teams aus dem Osten haben zur Trade-Deadline nochmal ordentlich nachgeladen. Toronto holte Marc Gasol, die 76ers Tobias Harris und die Milwaukee Bucks sicherten sich die Dienste von Nikola Mirotic.

Harris und Gasol sind All-Star Kaliber, Mirotic eher ein Rollenspieler. Der Ex-Pelikan kennt seine Rolle allerdings genau und würde daher vielen Teams helfen. Holst du dir ein All-Star ins Team, gestaltet sich die Integration oft komplizierter. Fragen nach Egos, Teamchemie und Spielanteilen kommen auf.

Mit Mirotic werden es die Bucks leichter haben. Insbesondere in Milwaukee wird er sich dank Giannis Antetokounmpo und Mike Budenholzer nahtlos einfügen.

Spread it way out
Alles fing an mit vier blauen Rechtecken. Coach Budenholzer ließ die Markierungen vor den ersten Trainingseinheiten im Sommer aufkleben. Die Spots dienen nicht nur als grobe Orientierung; vielmehr sind sie eine strikte Vorgabe, das Feld zu jeder Zeit breit zu machen. Giannis braucht Platz!


Budenholzers Ansatz hat Erfolg: Die Bucks stehen nach 57 Partien mit der besten Bilanz der Liga da und sind einer der Top-Favoriten auf die Finals. Sein moderner Stil hat Giannis und die Mannschaft als Ganze auf ein anderes Level gehoben.

Besonders die Big Men Brook Lopez und Ersan Ilyasova halten das Spacing aufrecht. Seit seiner Ankunft in Wisconsin fährt Lopez – auch dank Budenholzers Philosophie – noch schwerere Geschütze auf als zuvor in Brooklyn: Er ist der einzige Center der Geschichte, der größer als 2,13 Meter ist und bei mehr als sechs Versuchen im Schnitt mindestens 37 Prozent seiner Dreier trifft.

In den Playoffs ist entscheidend, möglichst vielseitig zu sein und Antworten parat zu haben. Lopez und Ilyasova sind keine Spieler, die in jedem Spiel 30 Minuten oder mehr auf dem Feld stehen. Lopez erzeugt zwar beim Gegner Matchup-Probleme, doch genauso kann es passieren, dass er und Ilyasova über Strecken unspielbar werden. Hier kommt Nikola Mirotic ins Spiel.

Threekola
Der Montenegriner war in den Playoffs 2018 essenzieller Bestandteil des Höhenflugs der Pelicans. Gegen die Blazers und Warriors traf er über neun Spiele 43,1 Prozent von draußen. Ob er wieder derartig heiß laufen kann, wenn es drauf ankommt, ist nicht sicher. Der Fit mit Giannis und Budenholzer ist aber so vielversprechend, dass Bucks-Fans sich auf ihren ersten echten Playoff-Run in der Ära Antetokounmpo freuen dürfen.

Mirotic spielte unter Coach Alvin Gentry in einem System, das dem der neuen Bucks teilweise sehr ähnlich ist. Beide Trainer verlangen von ihren Teams, dass sie früh den Abschluss suchen und das Feld mit mindestens vier Schützen breit machen: Pace-and-Space eben.

Der Unterschied: Das Spacing ist in Milwaukee viel besser. Mit Giannis als Initiator und gefährlichen Schützen um ihn herum, ergibt sich viel Platz. Den hatte Mirotic neben Anthony Davis nicht immer. AD ist einfach nicht der Playmaker, den Giannis verkörpert. Das hat in New Orleans eher Jrue Holiday übernommen und der zieht natürlich nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich wie der Greek Freak.

Auch das Spielermaterial neben dem Griechen ist um Längen adäquater als alles, was die Pelicans neben AD jemals zu bieten hatten. Mirotic passt perfekt.

Der Fit mit dem Freak
In erster Linie ist er ein weiterer Schütze, der Wege für Drives öffnet und Help-Defender zögern lässt. Per Catch-and-Shoot trifft Mirotic 38,1 Prozent seiner Dreier. Er ist also ein idealer Abnehmer für die zahlreichen Kickouts von Antetokounmpo.


Diese Aktionen sind ein Segen für die Bucks, denn zieht Giannis zum Ring, gehen bei jeder Verteidigung die Alarmglocken an. Die Rotation von der Helpside reagiert nicht schnell genug oder ist einfach kein Hindernis. Setzt der Grieche einen Fuß in die Zone landet entweder jemand auf einem Poster oder der Pass geht raus zum freien Mann. So ergeben sich qualitative Versuche en masse. Es steht daher keineswegs zur Debatte, ob Mirotic von Giannis‘ Gravitation profitieren wird.

Doch Threekola kann mehr als nur draußen auf den Pass warten. Er hat ein großes Repertoire an Täuschungen und eine schöne Fußarbeit. In New Orleans wurde er deshalb immer wieder im Dribble Handoff (DHO) und Pick-and-Pop eingesetzt. Mirotic hat diese Aktionen im Blut und wird neben Giannis als Ballhandler noch besser zur Geltung kommen. Stellt euch dieses Play mit der Anziehungskraft Antetokounmpos vor!


Giannis läuft gerne DHOs auf der linken Seite. Todd Whitehead von Nylon Calculus hat für einen seiner Artikel mehr als 150 Assists von Giannis, James Harden, Stephen Curry und Nikola Jokic studiert und analysiert. Eines seiner Diagramme veranschaulicht für jeden der vier Passgeber einen Special Pass.

(Quelle: fansided.com/nba/nylon-calculus)

Bei Giannis sind es Assists hinter die Dreierlinie – meistens nach einem DHO. Dabei fällt auf, dass er sie gerne oberhalb der linken Ecke einsetzt. Genau von dort trifft Mirotic diese Saison mehr als 42 Prozent.

Auch im Pick-and-Pop wird er in Milwaukee eine gefährliche Waffe sein. Für die Pelicans lief Mirotic diese Plays zumeist mit Jrue Holiday. Läuft er dasselbe nun mit Antetokounmpo, geht es erst richtig los!

Die folgende Szene zeigt, wie wenig Platz Niko für seinen Wurf braucht. Das liegt auch daran, dass Holiday den Pass nicht nach einer Penetration spielt. Giannis ist in solchen Situationen dahingegen auf Mission zum Korb und keiner kann ihn wirklich aufhalten. Die längere Distanz, die ein Help-Defender benötigt, um aus der Zone zum Schützen aufzuschließen, sollte für freiere Würfe sorgen. Das Pick-and-Pop zwischen Giannis und Niko kann zu einem verlässlichen Spielzug werden, wenn die Bucks unbedingt einen Dreier brauchen.


V for Versatility
Mirotic gibt den Bucks also mehr als nur einen weiteren Distanzschützen. Mit ihm in der Rotation kann Coach Budenholzer seinen Plan über längere Strecken und mit mehr Flexibilität umsetzen.

Er ist defensiv zwar limitiert, hat aber auch schon gezeigt, dass er streckenweise besser verteidigt als ihm nachgesagt wird. In den Playoffs könnte er also in den wichtigsten Minuten auf dem Feld bleiben, während Lopez oder Ilyasova vielleicht Probleme mit ihrem Matchup bekämen. Schwächen in der Verteidigung sind in einer Serie einfach nicht mehr so leicht zu kaschieren.

Vor allem in kleineren Aufstellungen gewinnt Budenholzer durch den Neuzugang an Möglichkeiten. Mit Giannis als Small-Ball-Center neben Mirotic, Khris Middleton, Eric Bledsoe und Malcolm Brogdon kann Coach Bud sein Gegenüber vor gravierende Entscheidungen stellen. Für Budenholzer ist das wie ein brandneues Ass im Ärmel, das gerade in seinen Händen und neben dem Greek Freak ein echter Trumpf ist.


***Alle Stats per bkref.com /// stats.nba.com /// inpredictable.com (20.02.2019)***